Long-Distance-Rates

Nein, kein Club sei das, schrieb Björn Kleinhenz, als ich noch am Küchentisch vor dem Rechner saß. Und später lief ich S. und R. einfach hinterher, weil ich noch immer keine Orientierung habe und im Dunkeln den Blick nur auf den Lichtern, während sich das Kartengedächtnis in lautes Lachen auflöst. Glücklich sieht er aus, die Welt ist ein Dorf, denn der, in dessen Wohnung wir plötzlich stehen, kennt meinen neuen Büronachbarn wiederum, den ich nur flüchtig kannte, als ich damals zu Björn nach Göteborg fuhr. Er steht dort wie vor Jahren schon, die Fußspitzen nach außen gedreht wie beim Ballett und den Autoschlüssel an der Hose. “Leipzig Lover” spielt er nicht, aber “1,2,3″ und dann das Lied, das heißt wie die Straße, wo er seit Jahren wohnt. Wo ich auch war. Wo die Möwe jeden Morgen zum Frühstück kam durch das Loch im Dach der Terrasse. Und der, dem das Lied an diesem Abend gewidmet ist, starb vor zwei Wochen. Und ich brauche ein Weile, um mich an sein Gesicht zu erinnern und an den Sommer vor zwei Jahren. Eine unwirkliche Situation ist es da in dieser Wohnung direkt neben der Maximilianstraße, mit diesem großen Balkon, den Blumen an der Wand und einem unglaublich tollen Schrank. Sie fahren noch in die Schweiz und nach Österreich, Björn und seine Freundin, dann in einem Kreis wieder nach Schweden zurück. Und noch immer hat er diesen Ton an sich, wenn er Deutsch spricht, diese zurückhaltende Bemühung und die geschürzten Lippen dabei.

(S. und L. waren auch da.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 9. September 2008 um genau 12:17
Kategorie : München, Ton | 1 Kommentare

 MUC/ Mirador

Wie es bei Efterklang war, steht drüben.

Zudem fahre ich morgen für erst einmal eine Woche oder länger nach München. Und werde schreiben und schauen und rumlaufen und sowas. Wer Tipps für gute Ausblicke, Kaffeeorte, Wasserstellen oder sowas hat, immer her damit - ich hab Zeit, noch.

Liz hat es verfasst, und zwar am 4. September 2008 um genau 12:07
Kategorie : Blicke, Ton | 3 Kommentare

 Häppchenweise

Diese Woche gibt es viel zu tun, so ist die Zeit nach der Zeit, die man weg war. Und wer dann doch zuviel Zeit hat, kann ja dorthin gehen…

Morgen spielen Efterklang im Lido. Musik und enztückende Videos der acht Dänen gibt es dort. Augen zu und rein, nicht durch. Und neben dieser Empfehlung für sphärische Klänge und wunderbares Artwork auch noch eine Herzensangelegenheit, denn Björn Kleinhenz ist nach seinen abgesagten Dates im Sommer nun pünktlich zum meteorologischen Herbstanfang zurück. Donnerstag und Freitag spielt er in Berlin, Donnerstag im Schokoladen und Freitag auf dem Hans-Wurst-Geburtstag, den man sowieso nicht verpassen sollte. Eine achso geheime Show in München wird es auch geben, die Adresse rückt er aber nur per Mail und kurz vorher heraus. Gott weiß, warum. Hingehen sollte man trotzdem, denn der gute Mann war letztes Mal mit Band und wunderbarer Background-Sängerin unterwegs. Und wenn die jetzt wieder mitkommen, knallt´s. Ohne wird´s ein bisschen traurig. Aber das ist ja neuerdings auch hip.

Und für die Lustigen unter uns gibt es jetzt ein paar der von Gotti im Roten Salon gelesenen Geschichten der “Tiere streicheln Menschen”-Lesung zum Anhören.

Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2008 um genau 13:55
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Was für ein symptomatisches Bohei

…jetzt plötzlich um Twitter gemacht wird. Dabei war ich so froh, dass alle halbwegs stillschweigend dieses Ding einfach nutzen und gut is. Nein, jetzt gab es diese Lesung und wie das mit Events so ist, sitzt auch die Presse da rum. Und jetzt ist Sommer und alle denken: Huch, ein Event, das muss was sein. Dabei ist es nur ein Spaß, ein Witz, eine Winzigkeit. Und plötzlich wird es so zurechtgeschrieben, dass man bestimmt bald wieder mit Followern zugebombt wird, die eh alle nur Werbung sind. Das hielt sich ja bis jetzt einigermaßen in Grenzen. Die Geschichte ist ja dennoch immer wieder, dass ich nur den Kopf schütteln kann über das Auf-Dem-Schlauch-Stehen der großen Medien. Bitte einmal durchdeklinieren, jetzt alle zusammen, hopps, damit nicht einer das vergisst und alle sich einen Aufkleber mit draufgekrakeltem “up to date” auf die Stirn kleben können. Zeit und Welt ham´s schon, wo sind die anderen? Der Rattenschwanz in Schneckengeschwindigkeit folgt wohl auf dem Fuße (Tagesspiegel und Zweitverwertung bei Zoomer…). Lustig aber auch, dass die Zeit den Text mit einem Spruch überschrieben hat, der als eigene Idee ausgegeben und gelesen wurde, der aber schon älter ist als ich. (Auch “Niveau ist keine Creme” ist keine neue Erfindung). Recherche ist also auch wieder so eine Sache. Aber wer regt sich auf? Ich nicht. Ich trink Kaffee am Morgen gegen andere Sorgen.

(Dennoch eine Abwechslung, wenn endlich mal über ein paar Leute geschrieben wird, die man mag.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juli 2008 um genau 8:46
Kategorie : Kultur | 3 Kommentare

 Familienfeier

Meine Damen und Herren. Es ist keine Hochzeit, kein Geburtstag, keine Taufe und kein Jubliäum. Vielleicht eine Art Treffen all jener, die sich über die Zeit verstreut haben und sich mal wieder sehen müssen. Dazu gibt es ein neues Baby, das gezeigt und rumgereicht wird. Es kann auch mit nach Hause getragen werden.

Gefeiert wird die neue Ausgabe der PNG zum Thema Familie. Getanzt wird dazu am Freitag im Lokal in Berlin Mitte, die berühmt berüchtigten PNG Autoren machen alle mit und werden dazu auch extra aus Hamburg und Leipzig eingeflogen. Es spielen dbZwoVier, 12Volt und The Plight, was nicht jedem gefallen muss, aber trotzdem passiert (dazu simma ja da) - und danach legen Reznik (Berlin) und das System Boogie DJ Set (Audiolith, Hamburg) auf (das wird super). Alle Autoren gibt´s zum Anfassen, aber nur mit vorher fragen. Und ab Montag gibt es die 76. Ausgabe der Persona Non Grata auch am Kiosk. Mit Texten drin von vielen guten Menschen, u.a. von Maike und mir. Großer Spaß für kleines Geld, ihr wisst doch, wie das geht.

(P.S.: Die ersten 50 zahlenden Gäste bekommen die neue Ausgabe zum halben Preis.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Juli 2008 um genau 11:11
Kategorie : Kultur, Lektüre, Ton | 5 Kommentare

 Mama zieht um.

Das kleine, aber feine Festival mit dem komischen Namen “Mamallapuram” und einer wohltätigen Idee muss Mails und Homepagenews zufolge von Storkow nach Friedland umziehen. Die Macher sagen, es habe Kommunikationsschwierigkeiten gegeben, aus der örtlichen Tageszeitung hätten sie erfahren, dass ein Sicherheitsgutachten nicht genügt habe und die Stadt deswegen nun komplett blockiert. Nach anfänglichen Zweifeln und dem Gedanken, BARRA HEAD, THE LOVEKEVINS, BODI BILL, PAUL DIMMER BAND, LEANDER, DELBO, PEER, THE AIM OF DESIGN IS TO DEFINE SPACE, THIMO SANDER, KYTE, MIKROFISCH, LICHTER, MIO MYO, SO SO MODERN, NORMAN PALM und THE DANCE INC. komplett abzusagen, hat sich jetzt eine neue Möglichkeit aufgetan. Das kleine Städtchen Friedland stellt für das Wochenende vom 8./9. August seine Burg zur Verfügung. Ich find das ja sehr nett.

Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Juli 2008 um genau 7:41
Kategorie : Ton | 0 Kommentare

 Page 55

“[…] This person suddenly feels the need to check her post office box. It is an old habit, and even if everything is going to be terrific from now on, this person still wants mail. This person says she´ll be right back and everyone this person has ever known says, Fine, take your time. This person gets in her car and drives to the post office and opens the box and there is nothing. Even though it is a Tuesday, which is famously a good day for mail. This person is so disappointed, this person gets back in the car and, having forgotten about the picnic, drives home and checks the voice mail and there are no messages, just the old one about “passing the test” and “life being better”. There are no e-mails, either, probably because everyone is at the picnic. This person realizes that staying home means blowing off everyone this person has ever known. But the desire to stay in is very strong. This person wants to run a bath and then read in bed. […]”

(Aus “No one belongs here more than you” von Miranda July, Scribener 2007)

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Juni 2008 um genau 22:53
Kategorie : Lektüre | 3 Kommentare

 Alles in bester Ordnung…

…wenn die Sonne rauskommt, sobald man am Meer steht. Und der Bachmannpreis an die Richtigen geht.

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. Juni 2008 um genau 14:50
Kategorie : Lektüre | 1 Kommentare

 Alles ist so wie immer

Wir sollten alle viel öfter Wolke hören. Viel mehr rote Sprudellimonade trinken. Viel öfter Blumen gießen. Dem Rätsel der Staubflusen auf den Grund gehen. Rausfahren. Wir sollten viel mehr Eis mit den Fingern essen, bevor es runterfällt. Ehrlich sein. Wir sollten alle wirklich viel öfter aufstampfen. Die Zunge rausstrecken und küssen. Die Handgrößen abgleichen. Die Rinde vom frischen Brot zuerst essen und danach Schnittlauch auf das Mittelstück mit Butter streuen. Wir sollten alle viel öfter bei unseren Nachbarn Fußball gucken. Auf uns aufpassen. Bis an den Rand der Erschöpfung laufen. Wir sollten alle viel mehr da sein.

Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Juni 2008 um genau 13:25
Kategorie : Blicke, Ton | 1 Kommentare

 17. Juli 2008

Take all your reasons and take them away to the middle of nowhere. And on your way home throw from your window your record collection. They all run together and never make sense. But that’s how we like it and that’s all we want, something to cry for, and something to hunt” (The National - Looking For Astronauts)

Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Juni 2008 um genau 21:40
Kategorie : Ton | 0 Kommentare


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