Take care and me back home.

(Noch in Jahren werd ich wissen, wie du gerochen hast beim Vorübergehen.)

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. April 2008 um genau 20:56
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 Dim lights on the dash

Mein Leben macht sich gerade einen Spaß draus, mit allem auf einmal und unheimlich laut daherzukommen. Ich halte dazu nur die Füße still und höre zu, bin einfach da, mache mit, wenn es glücklich macht, wenn es hilft, natürlich hab ich Angst, natürlich drückt der Schuh, aber das ist doch immer so. Und wenn man hier aus dem Fenster guckt und dem Regen zuhört, der in unglaublichen Wellen die Runde macht, von einem Ende der Stadt zum anderen und wieder zurück, der dabei einen Atem hinterlässt, der sich dir schwer auf die Schultern und Lungenflügel legt, wenn im Hintergrund Geoff Farina von den kleinen Feuern singt, dann weiß man, dass das alles schon ganz richtig ist. Und wenn man hin und wieder die Arme heben muss, weil der Oberkörper schwer wiegt auf dem Marmor und den Ellenbogen, wenn wieder das brüllende Müllauto kommt und der Moment in den Gulli rutscht, dann behält man dennoch den Geruch in den Kleidern. Das kleine Aufflackern der Lichter, wenn man morgen abend schon wieder Zuhause ist und vom Balkon schaut. Man hat sich ja selbst doch ganz gut beisammen, auch wenn man sich nicht immer sofort finden kann.

Liz hat es verfasst, und zwar am 30. April 2008 um genau 12:18
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 “No Service. Thank You.”

Main Station in Taipeh. Dort, wo in Deutschland ein Bahnhofsmanagerhäuschen stehen würde, gibt es hier einen kleinen, komplett blau verkachelten Bereich, auf den vier Kameras zeigen. Daneben hängt ein Schild, das die Target Group erklärt. Die Bluebox ist für Frauen bestimmt, die sich nachts (also bis Mitternacht, denn danach fährt die Bahn nicht mehr) in der Station aufhalten. Man kann sich hinstellen, warten und sicher sein, dass irgendein Wachmann es sieht, wenn man eventuell überfallen wird. Man kann sich aber auch beobachtet fühlen.

Man braucht nicht viel über Verbote nachdenken, wenn man sich in der Nähe von Maschinen oder öffentlichen Einrichtungen aufhält, denn alles, was verboten ist, steht auf Schildern: Geh nicht zu nah an den Bahnschachtrand - Lehn dich nicht gegen die Tür - Pass auf deine Finger auf, wenn sie zugeht - Biete deinen Platz bedürftigen Menschen an - Halt dich immer an den Haltegriffen fest - Iss nicht in der Bahn - Renn nicht in der Station - Drängel nicht - Halt dich am Rolltreppengeländer fest - Pass auf, dass deine Schnürsenkel sich nicht in der Rolltreppe verheddern - Lass dein Kind nicht zwischen die Stufen rutschen - Trag nicht zu weite Hosen, damit du dich nicht in den Rolltreppenstufen verfängst - Lauf langsam, wenn der Boden nass ist - Rauch nicht - Geh nicht über die gelbe Linie - Komm nicht zu nah - Setz dir einen Helm auf - Verzeih die Störung - Nimm kein Hühnchen mit in die Station wegen Vogelgrippe - Mach keine Wahlwerbung in der Bahn - Kletter nicht über das Geländer - Kletter nicht die Wand hoch - Überfall keine Fahrkartenautomaten - Nicht mit Vögeln in den Bus - … (to be continued)

Wenn man nach Taiwan fährt, muss man sich auf Extreme einstellen. Das eine ist die Sache mit den Massen. Man glaubt, man würde überrannt, aber eigentlich gilt das nur für die Rush Hour und den Night Market. Tagsüber sind die Straßen unglaublich leer, nachts auf. Drei Schritte und du landest vom größten Gewimmel in totaler Stille, drei Meter und aus unglaublichem Lärm wird leises Zirpen.

Man baut sich seine eigenen kleinen Welten und Zentren. Der Night Market ist eine davon. Hier stehen Fake-Schuhe eingeschweißt in den Regalen, Markennamen werden mal eben hübsch kopiert und stolz belächelt. Der Geruch von Stinky Tofu liegt in der Luft direkt neben kandierten Cocktail-Tomaten und Erdbeeren. Und hier brüllen die Leute auch mal. Verkäufer schreien mit und ohne Mikrofon ihre Massageangebote, ihre günstigen Preise oder ihr tolles Essen heraus, als gelte es das Leben. Guaven schwimmen in braunem Glibber und werden in Becher mit Strohhalm abgefüllt. Unter Drogen gesetzt Bonsaihunde vegetieren in gläsernen Boxen vor sich hin, Automaten hupen um ihr Taschengeld. Der alte Mann sammelt die herunter gefallene Pappe ein, Hot Dogs werden am Stiel verkauft, getrocknete Tintenfische auch. Der Waffenladen mit riesigen Maschinengewehren an der Wand hat auch noch geöffnet, daneben steckt sich der Vierjährige ein Stück der stacheligen Frucht in den Mund, deren Namen ich nicht kenne. Jeder Essensstand hat seinen eigenen Gulli und die Reste fließen in den Untergrund, die Schläuche spucken permanent Wasser und die Frau mit den blauen Augen gähnt. Ihre dreifingerige Hand steckt sie sich danach in die Armschlinge, darunter noch den Armschutz gegen die Kälte beim Mofafahren. Der Stoff ist mit kleinen grünen Teddybären bedruckt.

Man versteht ihn schlecht, den kleinen, zahnlosen Mann mit der braunen, ledrigen Haut. Ich schnappe nur ein paar Fetzen auf, er erzählt was von seinem Studium in Deutschland, auch dass er Englisch studiert hat. In seinen Augen funkelt es, als er von seinen Reisen erzählt, vielleicht sind es gar keine Reisen, aber er erwähnt Indonesien und Australien, Deutschland und Frankreich. Zwischendurch verschwindet er kurz in der kleinen Nebenstraße, holt eine Plastiktüte und daraus einen Zeitungsausschnitt hervor, ordentlich zusammengefaltet, die Bilder nach innen. Und er zeigt uns den Strand mit pink farbenem Himmel auf der Seite, seine langen Fingernägel tippen auf die Haustür der Villa, wir sollen dorthin fahren, das Meer sehen. Und mit der anderen Hand weist er uns die Richtung zum Bahnhof, dort würde der Zug direkt ins Paradies fahren. Er möchte uns willkommen heißen, sagt er.

Das abgefüllte Wasser der lokalen Firmen schmeckt nach Zeit, ein bisschen abgestanden, nach Metall und irgendwie süßer. Und man steckt die Flasche schnell ein, wenn man in der Reihe vor den U-Bahn-Türen steht, die mit weißen Linien auf dem Boden vorgezeichnet ist. Trink nicht in der Bahn. Dankeschön.

Liz hat es verfasst, und zwar am 29. April 2008 um genau 4:45
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 Lunch Break

Die meditative Wirkung des Essens hier ist unglaublich. Man fitzelt sich die Stäbchen in die Finger, balanciert, stochert herum, wurschtelt sich durch, guckt sich exakt von vorne und hinten und oben und unten und von der Seite an, was da auf dem Teller oder in der Pappbox liegt. Man schmatzt, schlürft, kaut, piekt, schiebt und schaufelt, man krümelt und tunkt die ganze Zeit, dass es eine nur so eine Freude ist. Nie habe ich beim Essen mehr meine Umwelt vergessen als hier, wo man sich immer lediglich auf das Stapeln des nächsten Happens konzentriert, auf den Transport in Richtung Mund, auf die Motorik der Finger, die mit den Stäbchen eine Symbiose eingehen sollen, jedenfalls in der Theorie. Die unbekannten, gruseligen, glibbrigen Teilchen werden aussortiert, an den Rand geschubst, übersehen. Und ansonsten ist man eins mit sich, ruht vor dem Teller, macht so sein Ding, die Entspannung setzt nicht unmittelbar ein, aber ach. Ich ess hier so gern, nur der Sache wegen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. April 2008 um genau 6:41
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 Find a loop and add effects



Man muss aufpassen, dass einem nichts durchrutscht. Ich finde mich auch ständig in einem Gefühl der Überforderung. Aber einfach weitermachen ist gar nicht so schwierig, wie man meinen könnte. Aufnehmen, “aufsaugen wie ein Schwamm”, hat Martin gesagt. Ich weiß nur noch nicht, wann dieser Moment kommt, in dem jemand seine Hand um meinen Bauch schließt und zudrückt und ich dann überlaufe, mich vielleicht an den eigenen Eindrücken verschlucke. Aber an dem Punkt sind wir noch nicht, wir stehen noch an der Stelle, wo einem die Augenlider aufgehalten werden und die Ohren kann man von Natur aus nicht schließen. Wir sind noch da, wo alles rattert und schrummelt, still im Takt, einfach mitmachen, während sich im Hintergrund der Zweifel sammelt und dreimal am Tag fragt: “Was mache ich hier eigentlich?”

Vielleicht ist es eine Übung, etwas gegen das schlechte Gewissen, das man für einen Moment betäuben kann, wenn man nämlich an die Sache glaubt, an die Langfristigkeit, und dennoch Geduld demonstriert. Vielleicht glaubt man ebenso, kurz eine Rolle zu spielen, etwas beizutragen, indem man darüber schreibt, davon berichtet, denen zuhört, die soviel Zeit damit verbringen, sich dieses riesige Gewusel aus Projekten und Technik, Open Source Software und den Möglichkeiten von Open Hardware zu erschließen. Der Moment ist aber schnell vorbei und dann kommt man zurück an den Anfang, an dem man nicht wusste, warum man das macht, es aber einfach trotzdem tut. Dorthin, wo man aus einem Bauchgefühl heraus JA gesagt hat, ohne einen Grund dafür zu kennen. Und dennoch: Auf das Bauchgefühl sollte man vielleicht in Zukunft öfter hören. Man muss ja nicht immer bis zum Scheitel drinstehen, für die Kontrastierung des eigenen Horizonts reichen manchmal auch Fragmente.

Meine Euphorie wird wahrscheinlich nie dieselbe sein, aber jetzt habe ich wenigstens eine Ahnung, mehr als einen Schatten, ein paar Stifte hingelegt bekommen, mit denen ich selber die Übergänge malen kann, die Linien nachzeichnen. Manchmal genügt das schon, um dem Bauchgefühl zu zeigen, dass man es nicht ignoriert.

Liz hat es verfasst, und zwar am 26. April 2008 um genau 11:24
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 Please, don´t talk to me. I fall in love so easily.

Wenn man den euphorisch verblendeten Punkt überschritten hat, der am Anfang steht, wenn man dann die Müdigkeit und die zeitweilig auftretende Trägheit ignoriert, soweit es geht, dann fällt es nicht mehr schwer sich in diese Stadt zu verlieben, vor deren Toren ein Fluss liegt, der an seinem Horizont nicht weit vom Eindruck des Meeres entfernt ist. Es ist absolut kein Aufwand, zu seufzen, wenn die Metro an den hohen Bergen vorbeifährt, zwischen denen die Häuser wie Bäume stehen. Taipeh kann einen auch fertigmachen, wenn man sich auf den Lärm einlässt und die Geschwindigkeit, wenn man tief einatmet und keine Luft bekommt, das ist genauso einfach wie das Funkeln in den Augen. Aber wenn man sich an die Straßen gewöhnt, einen Weg hat, Gesichter wiedererkennt, wenn man sich nicht mehr von jedem Lächeln ablenken lässt, das einem die Stadt entgegen wirft, nicht mehr über jedes Geräusch stolpert, dann ist es möglich hinzusehen. Zwischen den dichten Wimpern die Haut zu erkennen, die Lücken. Sich zurechtzufinden. Sich selbst.

Und es verzückt mich einfach, dass das Müllauto in atemberaubender Lautstärke bimmelt und sofort kommen alle aus ihren Häusern gerannt, trennen ihren Müll eigenhändig in die auf den Rücken der Laster stehenden blauen Tonnen. Hastig und aber doch irgendwie im Vorübergehen. Und ich fühle mich wohl, wenn in Trainingsanzüge gehüllte Hausfrauen plötzlich auf dem kleinen Platz beginnen zu “Tequila” und “When I need you” choreographisch ausgetüftelte Schritte zu tanzen. Und es ist so leicht, mit roten Wangen auf die Lichter der Stadt zu sehen, vor sich ein Glas von diesem süßen Rotwein, während die Nebenstraße den Lärm der auf der Allee sausenden Taxis fast komplett schluckt, und an nichts zu denken. Oder nur an ein bisschen.

Liz hat es verfasst, und zwar am 25. April 2008 um genau 14:38
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 Materialität

Der Rotwein schmeckt sehr süß und knallt. Und nach anfänglichem Geplänkel, man redet über Berlin und Taipeh, über die Dinge, die man sehen muss, wenn man sich in der einen oder anderen Stadt aufhält, über die Unterschiede, geht es dann doch direkt in die Sache und während die einen auf dem Sofa sitzen mit Laptops auf dem Schoß und eifrig tippen, stehen die anderen in kleinen Runden, diskutieren sich die Wangen rot und gießen Wein nach, damit das nicht vergeht. Auf der Wand dahinter zucken blaugraue Hausdächer verzerrt über die Tapete, im oberen Teil des Cafés stehen 60er- und 70er-Möbel herum und man könnte den Laden samt Musikauswahl unter dem Tresen nehmen und nach Mitte setzen und niemandem würde es auf den ersten Blick auffallen.

Auf den zweiten ist die Art der Kommunikation untereinander, die Atmosphäre aber nicht zu vergleichen. Dieser Abend ist ein Punkt zwischen Culture Clash und gleichgesinntem Engagement, zwischen Austausch und Anregung, es wird hinter- und nachgefragt, alle stehen knietief in der Sache. Und vielleicht kann sowas wie diese Konferenz nur funktionieren, wenn es jemanden gibt, der das in die Hand nimmt, weil er das wirklich möchte und dafür von jemandem bezahlt zu werden. Ja, es zerrt an Mareks Nerven, in den letzten Wochen waren es wohl über 4.000 Mails, die zu bearbeiten und zu sortieren waren und es ist nicht einfach diese zwei auch in der Arbeitskultur so unterschiedlichen Kulturen so zueinander zu bringen, dass sich beide wohlfühlen und etwas dabei rumkommt. Aber es klappt. Und man mag noch nicht daran denken, was nach dieser Konferenz steht, was dann kommt und kommen soll, weil die Möglichkeiten und Ebenen so vielschichtig sind, die Gespräche schon jetzt davor in diverse Richtungen gehen, dass sich das alles eigentlich nur noch multiplizieren kann, wenn es in den offiziellen Teil geht.

Ich hätte nicht gedacht, mich so wohl zu fühlen in einem Umfeld, das mir so fremd ist, regional und thematisch. Der Sprung ins kalte Wasser wird einem hier jedoch erstaunlich leicht gemacht und auf dem Weg nach Hause spiegeln sich die Lichter der Stadt im Taxifenster, winkt der Fahrer von nebenan. Und ich winke zurück. Am Morgen dudelt auf dem Hotelflur “Somewhere over the rainbow”.

Liz hat es verfasst, und zwar am 24. April 2008 um genau 7:42
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 Nummer Zwei

Vor fast genau zwei Monaten saß ich betrunken in London im Bett, als das Haus wackelte. Heute sitze ich ein bisschen angetrunken auf einem Stuhl in einem Hotel in Taipeh und das Haus wackelt. Zwei Erdbeben in zwei Monaten auf zwei verschiedenen Kontinenten. Weißte Bescheid.

Liz hat es verfasst, und zwar am 23. April 2008 um genau 19:53
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 Weitsicht

Und dann packt es einen doch, das Runterkommen. Erschöpfung setzt sich daneben, macht sich breit und guckt blöd in der Gegend rum, während es im Körper klickt macht an allen Ecken und Enden, weil verarbeitet wird. Der Ersttagseuphorieendorphinschub ist durch, man sitzt jetzt eher still, muss vor lauter Wimmelei auch mal den Kopf in den Nacken legen, um ein bisschen Ruhe, einen Moment Langsamkeit zu erhaschen. Verschnaufpausen muss man sich selber suchen und sehen, wo sie reinpassen, eigentlich denkt man ja die ganze Zeit: Ich kann doch jetzt nicht schlafen. Aber Kondition und Verarbeitungsmechanismen, Gewohnheiten und Rhythmen sind eben nicht so einfach zusammen zu falten, einzupacken und mitzunehmen.

Und während es arbeitet und klappert und knistert und sich einen Platz sucht in der kopfeigenen Memorial Hall, ist die Spontanwahrnehmung schon einen Schritt weiter und fragt ständig: Wie lebt es sich wohl hier, wenn nichts mehr neu ist? Welche Straße läge auf der gewohnten Strecke, wo würde ich essen, wie zur Arbeit fahren, wen würde ich kennen? Die ganze Zeit ein quäkendes Waswärewenn, weil ja doch immer alles irgendwie mit der Gegenwart in Konkurrenz steht bzw. das Erdenken von Möglichkeiten ein paar Horizontzentimeter in diese zugebauten Straßen Taipehs schiebt. Ich schalte nachts aus Versehen den Strom aus und im Viertel, wo der Taipeh 101 steht, brauche ich eine Weile, um zu spezifizieren, was genau denn hier anders ist als in der Heimatgegend auf Zeit. Man sieht dort mehr als eine Straße breit Himmel.

Liz hat es verfasst, und zwar am 23. April 2008 um genau 9:29
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 Lebenslinie

Manchmal kann man wirklich alles sehen, wenn man oben steht. Manchmal sind da keine Wolken, keine Gewitter, manchmal sind die Straßen klar und deutlich erkennbar, die Taxen wie gelbe Käfer auf irgendeiner Haut. Und manchmal ist der Ausgang, die Lösung, das eigentliche Problem, das richtige Wort von oben einfach besser zu sehen. Wenn man den Dingen nicht ins Gesicht sondern auf den Kopf und die Schultern schaut, wenn man sich nicht von aufgeregter Mimik ablenken lässt sondern die Entscheidungen zurückführt auf die Grundbewegung, die Richtung, die grobe Karte, von der ja eben doch eine Menge abhängt. Einmal falsch abbiegen wie einmal zu oft Ja sagen, einmal zu wenig Ja. Einmal die falsche Ausfahrt wie sich haarscharf verpassen.

Man kann sich den Plan auf die Handflächen malen oben, mit Fineliner zwischen die Hautfalten, in groben Zügen, sich immer noch einmal mit dem Blick vergewissern. Man kann die Hand dann vor die Scheibe halten oder über den Rand, das Bild mit der Realität abgleichen und das Ganze dann in die Hosentasche stecken. Auf dem Weg nach unten kann man Angst kriegen vor einem Fehler, vor der Normalität und dem Alltag, vor sich selbst oder der Zeit. Aber man kann rausgehen und hat einen Plan. Vom Schweiß zwar ein bisschen verschmiert, aber immer noch lesbar. Besser als nichts.

Liz hat es verfasst, und zwar am 22. April 2008 um genau 18:30
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