Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Fertig werden.

FLowers

Ich glaube, es gibt keine Vergangenheitsbewältigung. Das hieße ja sowas wie überwältigen, draufsitzen und ich glaube, man kann nicht draufsitzen, denn das hieße auch, man könne einfach aufstehen und gehen. Ich glaube, das funktioniert nur andersherum, die Vergangenheit sitzt auf uns und manchmal steht sie einfach auf und geht.

Was passiert.

Es ist viel, es ist viel Frühling und viel in der Luft, das Jahr wälzt sich unruhig herum und zwischendurch tanze ich auf verschiedenen Hochzeiten und Baustellen. In Kürze:

Ich habe auf der re:publica über “Soziale Medien und den Umgang mit dem Sterben” gesprochen. Kein klassischer Vortrag, eher eine Standup-Fragerunde von meiner Seite. Ich danke allen Zuhörern, engagierten Fragestellern und mir danach tolle E-Mails schickenden Menschen, bald folgt noch einmal eine geschriebene Fassung hier im Blog, ich muss mich dazu aber erst noch einmal sortieren.

Zudem freue ich mich sehr, bald im News Room von Zeit Online lesen zu dürfen. Der Eintritt für die Lesung am 13.06., die von Zeit Online Redakteur David Hugendick moderiert wird, ist frei, es wird jedoch um Anmeldung gebeten.

Zeit Online Lesung

(Was für Zeiten, meine Güte.)

Zwei Herzen, eine Seele.

Sevilla

Ich weiß gar nicht, wie du das gemacht hast, ich frage es mich seit einiger Zeit nicht mehr nur einmal im Jahr sondern einmal im Monat, mit jeder Lebenswoche rücke ich näher an dich heran, habe ich das Gefühl, ich verstehe dich jetzt besser, dich und dein Leben, all diese Schritte und warum Dinge so gewesen sind, wie sie waren. Ich kann nur sein, was ich bin, weil du so warst, dir für nichts zu schade und immer mit dem Kopf im oberen Drittel, ich hab nur von dir, dass man aus jeder Situation etwas machen kann, nirgendwo anders hab ich gelernt, dass es keine andere Möglichkeit gibt als weiter zu machen, in welche Richtung auch immer, und dass man den Bauch beschützen muss, nicht nur das Herz, nie nur das Herz, weil es sich ins Leere klopft, wenn es kein Echo hat. Wie du mich geschoben hast, nie gezogen, immer mit den Augen nach vorn und nie zu schnell, wie du gemacht hast, dass ich alleine stehen und alleine laufen und alleine klettern durfte, ich habe keine Ahnung, aber ich wüsste es gern, ich bin noch dabei, jederzeit dabei, das alles zu entschlüsseln, du musst mir das nachsehen. Ich hab ja auch nur von dir, dass man nicht immer alles verstehen muss, aber ein Gefühl dafür entwickeln, wohin es gehen kann. Alle wilden Gefühle und wie man laut man beim Auto fahren singen kann, dass an auch singt, um nicht zu kotzen vom Leben und seiner Geschwindigkeit, alles von dir, weißt du? Dass Lesen hilft, dass Geschichten helfen, dass man manchmal den Kopf auf den Tisch legen muss, wenn er zu schwer wird, weil dann die Gedanken besser auf das Papier rollen können, dass du mir immer einen Stift hingehalten hast und geduldig gewartet, bis ich ihn nehmen konnte. Du hast meine Hand nie geführt, sondern mich machen lassen, du hast nicht vor sondern hinter mir gestanden und mir damit das größte Geschenk gemacht.

Ich wünschte, ich hätte dir früher sagen können, wie sehr und wie nah du mein Leben gebracht hast an alles, was wichtig ist, ich bin hier und ich bin hier mit dir.

Diathese.

Sky

Mit den Jahren vergisst man manchmal, wo man eigentlich angefangen hat, was einen damals dazu bewogen hat, die Richtung zu ändern, welcher Tropfen das eigentlich war, der das Fass gefüllt hat und an welcher Kreuzung man geblitzt wurde, weil man so überzeugt war davon, dass es richtig ist. Das Gefühl, auf das man damals vertraut hat, legt sich zur Ruhe, es hat seinen Job gemacht und sich danach zusammengekringelt, manchmal geht es verschütt dabei zwischen all den Kabeln und Papieren und in den Momenten, wo es mal wieder auftauchte, sortiert man es in die Stapel ein, locht es, Deckel drauf, Regalfach, später. Später angucken, später hinterfragen, später später, in dem Moment zählt vor allem immer das, was man für morgen tut oder nachher oder in einer Stunde, was noch erledigt und unterstrichen, vorbereitet und noch einmal optimiert werden muss. Und irgendwann hat man so viele Kisten im Regal stehen, dass man sich einredet, das sähe hübsch aus, vielleicht ordnet man sie noch nach Farben, das machen die in den Einrichtungsmagazinen auch immer so, und dann hat man noch weniger Ahnung davon, was eigentlich eigentlich wo drin ist und wie lange schon, Fingerabdrücke sind dann wurscht, alles hundertmal angefasst, hundertmal verlegt, das Gefühl wird kleiner mit der Zeit, weil es austrocknet, wenn es nicht an die Luft darf, da zieht sich alles raus, was mal Leben hatte, was mal gemacht hat, dass du es ernstgenommen und drunter gestolpert bist, so gestolpert, dass du dich sogar entschuldigt hast dafür und nachgeschaut, dass es keine Blessuren davon trägt, keine ernsthaften. Mit den Jahren vergisst man, dass es mal zur Einrichtung gehörte wie der Spiegel und die Wanne und der Blumentopf und das Schlüsselbrett und erst beim Fensterputzen bemerkt man, dass dieser scheiß Rand nicht mehr weggeht, dass da was gewesen sein muss, was jetzt verdunstet ist, dass da mal was stand, was jetzt nicht mehr da steht, aber von Bedeutung war, eine große Sache. Es ist gut, wenn es dann diesen Panikmoment gibt, diese zügellose, einen völlig entwaffnende Hast, in der man an die Kisten stürzt, also wirklich an alle, und die Deckel abreißt, zwischen allen Zetteln sucht, in jeder Folie nachsieht, hinter dem Regal und allen Staubschichten, es ist richtig, wenn dann alles aufwirbelt und scheiße aussieht für einen Moment, übereinander geworfen, heruntergefallen, ohne Zuhause und so viel, dass man denkt, das schafft man nicht, da bekommt man nie wieder einen Sinn rein, wenn man da genau so sitzt mit dem zitternden Zungenrand und dem klopfenden Handgelenk, ist es wieder da, dann hat man’s zurück. Der achtundzwanzigtausendvierhundertdreiunvierzigste Tropfen war’s, violett-dunkelblau, gar kein Problem.

Machen Sie sich mal nackig.

Es krakeelt wieder. Das Web krakeelt und jeder weiß es besser. Auch das mit den Bloggern und wie Marken am besten mit ihnen zusammenarbeiten. Das Wort “krakeelt” sagt es eigentlich auch schon, irgendwas zwischen krakeln und einem kehligen Laut. Und ich frage mich, zum wievielten Male nun eigentlich das ABC der Blogger Relations, dem professionellen Zusammenarbeiten von Unternehmen und im Web Publizierenden, auf PR- und Marketing- und Social-Media-Blogs heruntergebetet wird, nein, eigentlich frage ich es mich nicht, ich weiß es schon und Kopf trifft Tischplatte. Nicht, weil ich es nicht gut finde, dass Menschen aufschreiben, was sie zu wissen meinen, sondern weil ich mich wie so oft auch an anderen Stellen im Kommunikationsgeschäft frage, wieso überhaupt als Regelwerk aufgeschrieben werden muss (und zwar in 37facher, dreimal herumgebügelter Form), was eigentlich nur einer gewissen Ruhe, nicht erkälteten Menschenverstands und einer ordentlichen Prise Bock bedarf.

Am Ende sollten Sie das einfach mal gemacht haben, Herr PR-Berater, also das Bloggen. Und ich rede nicht vom groß aufgehängten Thema-Bloggen (”Ich bin ein Spezialist und schreibe spezialisiert über etwas Spezielles”), das sich durch Publikum und Öffentlichkeit auflädt und auf Kommentare zielt. Nein, ich meine das kleine Leidenschaftsbloggen, das die Privatperson als Absender hat, nennen Sie es von mir aus Befindlichkeitsbloggen, das, welches noch nicht weiß, wer das Publikum sein könnte, und dem es egal ist. Das Bloggen aus der Lust an der Publikation an sich, der Mutgrenze, nicht sofort das audienzgerichtete Bloggen, welches mit offenen Armen alle empfängt und nicht schlafen kann, wenn es die Kommentarantwort noch nicht zu Ende getippt hat. Nein, ich meine das Bloggen, das die Leute zu sich kommen lässt, das gefunden wird und nicht losrennt, um sie zu locken. Kennen Sie das?

Wer das mal probiert und sich selbst als Autor in den Ring geworfen hat - und ja, ich meine wirklich in den Ring gestiegen ist mit Themen, die nicht auf dem Lebenslauf stehen sondern vielleicht im Wetterbericht oder Tagebuch oder Notizblock -, wer das ein paar Wochen mal gemacht hat, wird schnell wie von allein lernen, wie Blogger Relations funktionieren müssen, um sich gut anzufühlen. Wer sich selbst zum Absender macht, weiß eher, wie man jemanden erreicht, der auch schreibt.

Und damit will ich das Themenbloggen gar nicht degradieren, auch das sollte man ausprobiert haben, wenn man aus beruflichen Gründen auf den Tisch gelegt bekommt, man solle sich doch jetzt mal um diese Blogger kümmern oder wenn in den Zielvereinbarungen etwas von Digital Relations steht. Bloggen Sie über ihr Kopf-Verstandsthema, um zu spüren, wie man sich einmischen kann, wie sich andere in ihr Gebiet einmischen. Lieber Marketingspezialist, fühlen Sie mal hin, also ich meine, ja genau dahin, und dann bloggen Sie mal über Befindlichkeiten, über sich selbst, über ihr Herz und ihr Blut und beides zusammen, Sie werden sehen, wie hübsch beweglich Themen sein können. Und dann machen Sie das doch alles nochmal von vorn, die Bloggerkampagne, die PR-Mail für den Verteiler, machen Sie das danach nochmal und trauen Sie sich, Dinge zu verändern, zu kürzen, auf den Punkt zu kommen, ehrlich zu sein. Das kann weh tun, ist am Ende aber besser für den Kreislauf und auch die Bilanz, ich versprech’s Ihnen.

Es muss gefeiert werden: Releaseparty am 18. April in Berlin!

Das Buch ist da, hurra hurra! Und jetzt ist es quasi einen Monat lang auf der Welt. Das muss natürlich gefeiert werden und zwar am besten mit euch. Deswegen gibt’s die Party zum Buch am Donnerstag, den 18. April, im Kauf dich glücklich in der Oderberger Straße 44 in Berlin. Das Ganze beginnt um 19:30 Uhr, wird von Sabine Heinrich moderiert und Lars von This mess is mine sorgt für die musikalische Untermalung. Ich freu mich auf euch!

Party

Vielleicht sind wir am Ende doch diejenigen, die es noch einmal anders machen müssen als alle anderen.

Kreuzberg

Früher hatten wir Angst, heute Respekt. “All die Freunde für immer” steht uns mit Kugelschreiber auf die Lippeninnenseite gekritzelt, “Und das Herz auch” mit Geheimtinte auf der Zunge. Das Blinken des Handys erinnert uns daran: Nie vergessen zu sprechen, niemals aufhören damit. Und wenn wir dann auflegen und verschnaufen müssen, der Kopf ganz rot vom Gesagten, das Herz ganz aufgeregt von dem Atmen dazwischen, dann hat er wieder einmal Recht gehabt, der Bauch, dann weißt du auch eigentlich schon, dass sich wieder etwas ändern wird, ohne dass du es angestoßen hast. Das sind diese Momente, in denen Veränderung so nah an dir passiert, dass deine Wimpern sich bewegen davon, Momenten, in denen du die Luft anhältst und trotzdem Schluckauf bekommst, weil so Leben geht, genau so und nicht anders, immer am Rand von Ja und Nein und am Ende nur einen Wimpernschlag entfernt vom endgültig mitgerissen werden, eine Hand am Steuer und die andere im Wind. Diese Momente, in denen du das erwachsen werden fühlen kannst ohne Angst und Anti-Falten-Creme und ohne Seufzen und Wehmut sondern mit aufgerissenen Augen und glänzenden Handflächen, unser Durst ist noch nicht gestillt, es fängt immer gerade erst an, auch wenn es vorbeigeht, ohne letzte Sätze keine neuen Kapitel. Früher hatten wir Ferien, heute haben wir Pläne.

“Everything I love is on the table.”

The National

Er ist grau geworden, er trägt nur Schwarz. Er hat die Flasche Weißwein in der Hand, das Glas dazu, ein paar Texte auf Papier, es ist das neue Album, ich weiß nicht genau, wie tief es schon steckt, irgendwann später wird er den Textständer umwerfen und aus dem Hintergrund der Bühne wird panisch ein kleiner Mann hervor gesprungen kommen und ihn wieder hinstellen, den Ständer, nicht Matt Berninger, der steht heute, vielleicht friert er auch und dann schlägt der Alkohol nicht so vor die Stirn, aber er steht und singt und es ist so, dass ich für The National Alben sonst länger brauche, eine Atempause und Ruhe, das passiert mir sonst nicht mit Musik, aber dafür nehme ich mir Zeit, einen Raum, eine Straße, jedes Mal, ich weiß noch, wo ich die letzten beiden Alben zum ersten Mal gehört habe, wie es mir ging, was passierte und dass ich nie sofort vom Hocker gefallen bin.

“When you lose me I’m dead”, singt Berninger und ich muss an Manfred Krug und sein “Das wird so schlimm für mich, wenn du mich mal verlierst” denken. Obwohl wir draußen stehen, bekomme ich keine kalten Füße, ich trage Schichten, den wärmsten Mantel, den ich habe, und das Gefühl im Bauch, dass das wieder so eine Platte wird. Eine, die sich reinfrisst und die eine Weile braucht, bis sie von den oberen Hautschichten nach dort gelangt, wo es weh tut. Eine, die man anfangs unterschätzt, um sich später zu wundern darüber, dass man nicht direkt in der ersten Sekunde vor Hingabe einfach explodiert ist.

Der Titel des Albums bringt es auf den Punkt: Trouble will find me. Man steht da nicht und das Ding setzt sich hin und sagt ordentlich guten Tag. Oder haut dir direkt eins in die Fresse. Das wird wieder eines dieser Alben, die sich ihre Menschen suchen, die kommen, wenn du sie nicht erwartest und die immer noch da sind, wenn du sie wirklich einmal brauchst. The National machen Soundtracks. Solche, die man während des Films nicht bemerkt, aber die trotzdem Gänsehaut machen, und an die man sich erinnert, wenn man dann auf die Straße tritt und die Nacht sich einem auf den Kragen setzt. Solche, die neben einem herlaufen bis nach Hause. Die man nicht fragen muss, ob sie noch mit hochkommen. Die bleiben, ohne etwas zu versuchen, was eh nicht passieren kann, wenn es jemand versucht, sondern die sich in die Ecke setzen und dir zusehen und sich ohne einen Aufstand, ohne Drama in deinen Alltag bauen, als gäbe es keine Alternative, als sei’s das Einfachste der Welt. Die dann da sind, als wären sie nie weg gewesen.

Immer die anderen 5 Prozent.

Clouds

Im Asphalt ist nichts eruptives, er verändert sich nur durch Verkleinerung oder Verschiebung, aber aus ihm heraus kommt nichts, wenn nicht Sonne knallt und das Wetter ihn anbrüllt, er liegt herum und wartet darauf, dass andere ihn auseinandernehmen und zersetzen. Er trägt, auch wenn er eigentlich nicht mehr kann, er brüllt nicht, selbst wenn es mehr Löcher als Rücken gibt, seine Trägheit wird er nicht los, da komme, welcher Huf wolle, von innen heraus passiert da nichts, im Winter nimmt er an Elastizität zu, es bleibt ihm nichts anderes übrig, aber das ist auch eigentlich mehr eine Verformung als eine wirkliche Veränderung, das Mischungsverhältnis der Gesteinskörnung bestimmt, was er aushält. Er schafft nur, was man vorher in ihn hinein tut, nicht mehr und nicht weniger. 95% der Wege in Deutschland sind so, nicht mehr und nicht weniger, da kommt von innen nichts heraus, da schlägt kein Herz, da wartet der Tragende auf den äußeren Einschlag und wenn der nicht kommt, sind es nur die Jahreszeiten, die ihm zu schaffen machen, gegen seine Grundaufgabe begehrt er nicht auf. Die Verwendung passiert bedenkenlos, den Asphalt hinterfragt niemand mehr, er sich selbst am wenigsten, er liegt da eben und macht, wie ihm geheißen, wie jemand anders vorher bestimmt hat, was sollte er auch sonst tun, seine Körnung hat er nicht im Griff, ja mei.

Lesen & lesen lassen

Buch im Bett

Es wird aus “Bist du noch wach?” gelesen - und zwar morgen im Rahmen der Leipziger Buchmesse in der Moritzbastei. Um 22 Uhr geht’s los - mit mir lesen Fabian Oppolzer & Alexandra Kuitkowski.

Am Freitag bin ich Köln beim 1LIVE Klubbing mit Mike Litt zu Gast - ich beantworte die Fragen vom werten Herren und lese auch die eine oder andere Stelle aus dem Buch vor. Hinkommen oder ab 23 Uhr einschalten, der Spaß ist live und ich bekomme Sekt, hab ich gehört.

Und weil ja mehr bekanntlich doch auch wirklich mal mehr ist, verlose ich 3 Exemplare von “Bist du noch wach?” unter allen, die bis Sonntagabend 22 Uhr in den Kommentaren unter diesem Blogbeitrag etwas zum Thema Schlafen erzählen.

(Ich liebe schlafen, schlafen ist schön.)