Es krakeelt wieder. Das Web krakeelt und jeder weiß es besser. Auch das mit den Bloggern und wie Marken am besten mit ihnen zusammenarbeiten. Das Wort “krakeelt” sagt es eigentlich auch schon, irgendwas zwischen krakeln und einem kehligen Laut. Und ich frage mich, zum wievielten Male nun eigentlich das ABC der Blogger Relations, dem professionellen Zusammenarbeiten von Unternehmen und im Web Publizierenden, auf PR- und Marketing- und Social-Media-Blogs heruntergebetet wird, nein, eigentlich frage ich es mich nicht, ich weiß es schon und Kopf trifft Tischplatte. Nicht, weil ich es nicht gut finde, dass Menschen aufschreiben, was sie zu wissen meinen, sondern weil ich mich wie so oft auch an anderen Stellen im Kommunikationsgeschäft frage, wieso überhaupt als Regelwerk aufgeschrieben werden muss (und zwar in 37facher, dreimal herumgebügelter Form), was eigentlich nur einer gewissen Ruhe, nicht erkälteten Menschenverstands und einer ordentlichen Prise Bock bedarf.
Am Ende sollten Sie das einfach mal gemacht haben, Herr PR-Berater, also das Bloggen. Und ich rede nicht vom groß aufgehängten Thema-Bloggen (”Ich bin ein Spezialist und schreibe spezialisiert über etwas Spezielles”), das sich durch Publikum und Öffentlichkeit auflädt und auf Kommentare zielt. Nein, ich meine das kleine Leidenschaftsbloggen, das die Privatperson als Absender hat, nennen Sie es von mir aus Befindlichkeitsbloggen, das, welches noch nicht weiß, wer das Publikum sein könnte, und dem es egal ist. Das Bloggen aus der Lust an der Publikation an sich, der Mutgrenze, nicht sofort das audienzgerichtete Bloggen, welches mit offenen Armen alle empfängt und nicht schlafen kann, wenn es die Kommentarantwort noch nicht zu Ende getippt hat. Nein, ich meine das Bloggen, das die Leute zu sich kommen lässt, das gefunden wird und nicht losrennt, um sie zu locken. Kennen Sie das?
Wer das mal probiert und sich selbst als Autor in den Ring geworfen hat - und ja, ich meine wirklich in den Ring gestiegen ist mit Themen, die nicht auf dem Lebenslauf stehen sondern vielleicht im Wetterbericht oder Tagebuch oder Notizblock -, wer das ein paar Wochen mal gemacht hat, wird schnell wie von allein lernen, wie Blogger Relations funktionieren müssen, um sich gut anzufühlen. Wer sich selbst zum Absender macht, weiß eher, wie man jemanden erreicht, der auch schreibt.
Und damit will ich das Themenbloggen gar nicht degradieren, auch das sollte man ausprobiert haben, wenn man aus beruflichen Gründen auf den Tisch gelegt bekommt, man solle sich doch jetzt mal um diese Blogger kümmern oder wenn in den Zielvereinbarungen etwas von Digital Relations steht. Bloggen Sie über ihr Kopf-Verstandsthema, um zu spüren, wie man sich einmischen kann, wie sich andere in ihr Gebiet einmischen. Lieber Marketingspezialist, fühlen Sie mal hin, also ich meine, ja genau dahin, und dann bloggen Sie mal über Befindlichkeiten, über sich selbst, über ihr Herz und ihr Blut und beides zusammen, Sie werden sehen, wie hübsch beweglich Themen sein können. Und dann machen Sie das doch alles nochmal von vorn, die Bloggerkampagne, die PR-Mail für den Verteiler, machen Sie das danach nochmal und trauen Sie sich, Dinge zu verändern, zu kürzen, auf den Punkt zu kommen, ehrlich zu sein. Das kann weh tun, ist am Ende aber besser für den Kreislauf und auch die Bilanz, ich versprech’s Ihnen.