Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Einem die Schuhe aus

Segeln gehen

Kaffee

„Gibst du mir mal die Milch?“, fragt K. und ich reiche ihr den kleinen Krug. „Ich mag es, wenn die Milch im Kaffee flockt“, sagt sie einige Zeit später, als ich gerade das Ei auf dem Brot in viele kleine Stücke zerteile, wobei es nicht auf dem Brot bleibt, obwohl genau das der Plan gewesen war. „Die meisten Leute können das nicht aushalten“, sagt K. und ich denke wieder, ich hätte nicht genau zugehört, einen Satz davor verpasst, vielleicht zwei, also sage ich gar nichts und schaue sie an, sie sieht über die Veranda hinaus bis hinter den Zaun, wo das andere Gras beginnt, das breitere, das mit dem Wind geht und nicht nur verloren darin herumsteht. Sie rührt in ihrem Kaffee und schaut in die Tasse und ich habe schon den ganzen Morgen das Gefühl, vielleicht kommt ein Sturm, vielleicht kommt wirklich einer, aber die Wetterstation sagt nichts und vielleicht brauchen wir mehr davon für Wetter und Witterung und die Dinge dazwischen. „Zumindest schauen die Leute meistens angewidert weg“, sagt K. und schaut von der Tasse auf, die sie in beide Hände nimmt jetzt. „Ausflockung habe ich immer als neues Universum gesehen, schon als Kind. Ich saß davor und habe beobachtet, wie sich die Stückchen erst verteilen, dann schwimmen und sich dann irgendwann doch mit dem Kaffee verbinden, als bräuchten sie für alles ein bisschen länger. Mein Großvater ermahnte mich stets.“ ““ „Warum“, frage ich. Am Horizont tauchen die ersten dunkleren Schlieren auf. „Vielleicht hatte er Angst, ich würde sein Getränk mit bloßen Blicken verschütten, dabei habe ich nur zugesehen und biss vor Spannung beinahe in die Tischkante. Ich konnte es ja auch nicht erklären, also was ich sah und was ich damit wollte, was ich zu entdecken versuchte, ich versuchte es eben und die Erwachsenen rührten meistens viel zu schnell um.“

Das leichte Zucken nach links und rechts

Galaxy

„Früher als Kind habe ich versucht, den mir entgegen fliegenden Schneeflocken auszuweichen. Wenn Wind war, weißt du, habe ich mir vorgestellt, ich sei ein Raumschiff mit hoher Geschwindigkeit und die Flocken seien Planeten, Kometensplitter, unbekannte Flugobjekte. Und ich habe versucht, mich ihnen aus dem Weg zu ducken. Ich mache das immer noch, nur mein Kopf ist jetzt größer“, flüstert K., doch E. hört sie nicht mehr, er steht schon vorne am Tor und staunt in das Weiß, Schlafanzughosen in Gummistiefeln.

Nichts allein machen

Hutkrempe

„Was man sich merken muss, also dringend, ist, dass man nichts allein macht. Alles, was man tut, hat in unserer heutigen Zeit mit anderen Menschen zu tun, oder hatte zumindest mal mit anderen Menschen zu tun, nicht einmal einen Schluck Wasser kann man mehr allein trinken ““ und das ist nun wirklich beinahe tragisch. Wenn es im gleichen Atemzug nicht auch manchmal so schön wäre. Denn auch wenn man sich manchmal beschissen allein fühlt, weil man physisch nun ja auch manchmal wirklich allein ist, wenn niemand anders in der Wohnung, im Haus oder gar in der gleichen Straße ist (was selten vorkommt, aber manchmal fühlt es sich ja so an, am liebsten manchmal an Sonntagmorgen, aber das ist eine andere Geschichte), wenn man sich so furchtbar allein fühlt, kann man sich manchmal verallgegenwärtigen (Anmerkung des Gedankens drumherum: dieses Wort streicht das Programm rot an, vielleicht gibt es genau dieses Wort gar nicht, was natürlich ein doch ganz lustiger Witz wäre), dass jeder kleine Schritt, jeder Fussel, jedes bisschen Luft, das man einatmet, mit einem anderen Menschen zu tun hat, schon mal an jemand anderem geklebt hat oder gar durch jemand anderen durchgegangen ist. (Das ist manchmal schön, aber nur wenn man nicht zu lange darüber nachdenkt, dann wird es nämlich eklig.) Und so sehr man es sich manchmal wünscht: Nichts ist wirklich ganz sauber. Im Grunde atmen wir den ganzen Tag andere Menschen ein, wir tragen hundertfach andere Leute und Tiere und Geschirr mit uns herum. Und diejenigen, denen öfter mal alles zu viel ist, die sollten das am besten direkt wieder vergessen. Denn auch das kann der Mensch, wenn er es ein bisschen übt. Dachte ich zumindest. Ich wollte vergessen üben. Ich hatte viel Material und ich wollte etwas damit anfangen, es gefiel mir nicht sehr gut, deswegen beschloss ich: Vergessen wir mal. Und dann sehen wir weiter“, sagt K., als sie nach einem Besuch in der Stadt auf die Insel zurückkommt.