Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Lektüre

An important letter by Lauren Mayberry

„At the time, it felt like things changed slowly, like I woke up one day in a relationship and a reality that I did not recognize, but I“™m sure the signs were there the whole time. When we met, he seemed charming. He was smart, passionate, creative, and caring. But after the first few months, he became increasingly paranoid, insecure, jealous, and depressed. Everything became my fault. I was careless. I was stupid. I was selfish. I was not trustworthy. I was a weak person who would fail at anything she tried so I shouldn“™t bother. He hated me, but then he loved me and I was the best person in the world “” until I wasn“™t anymore.

Whenever I would wake from my naïve stupor to challenge any of his assertions, he would apologize, saying that he was afraid to lose me or afraid for me and was, in fact, protecting me from everyone else “” they were really the problem. Or he would deny point blank that anything was wrong. He would say that I was overreacting. That I was making it all up in my head. That I couldn“™t trust the people who were expressing concern for me because they were the ones who were trying to manipulate me.

Hindsight is always 20/20. I now see each of these small incidents as an attempt to intimidate me into doing what he wanted, and they worsened every time I tried to get out, his need to control me becoming even more important in order to keep me close and “safe“ in the toxic world we had created. We broke up, we got back together “” lather, rinse, repeat.

I must have known on some level that the situation wasn“™t right. I deliberately hid a lot of the details from people close to me, discreetly covering up the cracks in the hopes that it was “just a phase“ or with the misguided notion that I had somehow got myself into this mess and it was my job to get out of it. I told little white lies to hide his passive aggression (or obvious and outright aggression) from the outside world. “He didn“™t come tonight because he“™s busy“ meant “He didn“™t come tonight because he stormed out of my house earlier and has been sending me an abusive string of text messages since.“ “What he means is “¦“ became the standard beginning to far too many sentences used to excuse his actions.

Maybe I was an enabler who, out of fear or a twisted sense of loyalty, continued to avoid reality. To this day, I don“™t think I have given a full account of everything that happened to anyone I know. After being immersed in that situation for so long, I began to question my own competence and distrust my own opinions, and my physical and mental health deteriorated to a point that caused friends and family to intervene.

(…) In the end, after several failed attempts, I walked away. The cycle had to stop. I cut off all contact and changed the locks to my flat, just in case. I used to feel guilty about the way I left and how long it took me to get there, but I don“™t anymore “” because everyone“™s health and happiness is precious, and anyone who doesn“™t play by those rules doesn“™t get to be a part of your life.

(…)I know that the boundaries I create deserve to be respected. That self-care is not the same as selfishness. That this is my life, my voice, my body, my rules, and that no one gets to determine my narrative apart from me.“

You can read the whole article by Lauren Mayberry in the Lenny Letter (October 27, 2015).

In der unmöglichen achten Faltung

Der Dieb in der Nacht

Es gibt einen Punkt im Leben (interessant wird es, wenn man sich wie ich vertippt ((oder verliest)) und das t im Punkt vergisst, and sometimes it’s funny cause it’s true), vielleicht sogar manchmal mehrere, da kapiert man plötzlich, wovor man die ganze Zeit Angst hatte. Meistens liegt dieser Punkt dort, wo die Angst unwiderruflich vorbei ist. Diese zähe Angst, die sich nicht zerkauen und runterschlucken lässt, die zu groß ist, um sie verschwinden zu lassen und zu diffus, um sie zu fassen, die einhergeht mit einem schlechten Geschmack im Mund und einer randalierenden Faust im Bauch, diese Angst, die sich in den Kiefer setzt und ihn zum Knirschen bringt und vor der man solche Ehrfurcht hat, weil sie macht, dass man vergisst, wie es ist, ohne sie zu sein. Und ja, irgendwann ist man so weichgeklopft, dass man mitunter sogar denkt: Lieber diese Angst als gar nichts. Wenn man Glück hat, fällt genau in diesem Moment ein Klavier vom Himmel und man erschreckt sich so sehr, dass man die Angst einfach ausspuckt. Wenn man sie dann plötzlich von außen anschauen, umrunden, der Witterung aussetzen, von oben sehen und in Relation setzen kann, ändert sich alles, das Gefühl im Zahnfleisch, die Fähigkeit sich klar zu artikulieren, der Blick aus dem Fenster, der Schlaf. Als hätte jemand nachts ohne zu fragen die Fenster geputzt und man kann plötzlich wieder sehen und jemand anders fragt an der Haltestelle, ob alles okay ist, weil man erst so gehustet hat und dann so geschaut, und man sagt ohne darüber nachzudenken „Ja, es ist alles okay“ und erst später merkt man, wie ernst das eigentlich gemeint war, wie sehr es stimmt. Und ein paar Tage später wird man mit dem Bus noch einmal an der Stelle vorbeifahren, sich immer noch sicher, in Gedanken mit Bleistift umranden, wo man stand, wo man noch einmal auf die Uhr gesehen hat, an welcher Stelle man noch nicht wusste, was gleich passieren würde, aber man wird nicht den Stein markieren, an dem der Rest von der Faust klebt, denn man weiß, er wird in ein paar Tagen ohnehin den Dreck der Stadt angenommen haben und die Temperatur der Jahreszeit und vor allen Dingen wird er sich festtreten und irgendwann einfach keinen Unterschied mehr machen, irgendjemand wird über ihn drüber fahren, auf ihn kotzen, die Sonne wird scheinen und nach ein paar Stürmen wird er einfach vergangen sein. Denn „die Wahrheit ist, dass man eine Vorstellung (gleich wie groß sie ist) nur so und so oft falten kann, dafür gibt es ein physikalisches Gesetz, das hat etwas mit Dichte zu tun und Widerstand.“

Was mitunter passieren kann, ist, dass genau dann neben einem im Bus woandershin ein Buch liegt, das von der Ent-Täuschung, von Wahrnehmung und Parasiten erzählt, von der Angst und dem Sich-Davon-Losmachen, dem Ausspucken, dem Weggehen, und zwar so, dass es jeder versteht.

„Er war ein ““ ein zuversichtlicher Mensch. Ich meine nicht, dass er die Dinge leichtnahm. Er machte sich oft Sorgen, um mich, um Louise, auch um Paul. Aber er war zuversichtlich, und wenn man genug Zeit mit ihm verbrachte, dann wurde man es auch. Er war niemand, der glaubte, dass alles gut werden würde, aber er glaubte, dass immer etwas gut werden würde, ein Teil des Ganzen. Und plötzlich schien es nicht länger wichtig, dass der Rest vor die Hunde ging. Es war auszuhalten, wenn er da war, man glaubte daran, es aushalten zu können. Ich weiß nicht, von wem er das hatte, von mir nicht. Und auch nicht von seinem Vater.“ (…) „Habe ich jetzt genug erzählt?“ Als er sieht, dass sie Anstalten macht aufzustehen, schnellt sein Arm vor, seine Hand legt sich auf ihre. Anders als bei der letzten Berührung ist sie auffällig kalt und wächsern. Es fühlt sich an, als trüge er Einmalhandschuhe. „Nein, eins fehlt noch“, sagt er. „Das Wichtigste. Ich will verstehen, warum du dir so sicher bist. Warum du keine Angst hast, dich zu irren ““ in mir.“ Agnes presst die Lippen zusammen. Weil Sie nicht aussehen wie mein Sohn, will sie sagen. Weil Sie nicht sprechen wie mein Sohn, sich nicht bewegen wie mein Sohn, nicht riechen wie mein Sohn. „Weil ich hier mit Ihnen sitze und Ihnen zuhöre und Sie ansehe und mich nicht zuversichtlich fühle“, antwortet sie.

(Der Roman „Der Dieb in der Nacht“ von Katharina Hartwell, aus dem die kursiven Textstellen stammen und den ich hiermit ausdrücklich empfehle, erschien am 31.08. im Berlin Verlag)

Lesen & singen zum Vorlesetag

UPDATE: Wir müssen Lesung & Konzert leider aus unerwarteten Gründen absagen. Wir holen beides aber nach. Versprochen.

Am 21. November ist Vorlesetag. Deswegen tue ich genau das aus Büchern & meinem Blog. Um 19:30 Uhr im List in Neukölln. Zwischendurch wird Lars ein paar Lieder singen.

Lars & Lisa

Ich les‘ ja gerne vor.

Lisa liest

Der Sommer ist da, ich glaube fest daran. Man kann rausgehen und wegfahren oder auch einfach in der Stadt bleiben und sich mal hinsetzen und mal zuhören. Damit es was zum Zuhören gibt, lese ich noch einmal in Berlin und Hamburg nächste Woche.

Am 18. Juli lese ich um 20 Uhr im Café Tasso, dem etwas anderen Antiquariat in Berlin. Wir nehmen keinen Eintritt, aber Spenden sind herzlich willkommen.

Am 20. Juli lese ich in Hamburg im Rahmen der „Feels like home“ Tour im Knust und am 21. Juli im Heimathafen Berlin. Mit dabei sind auch Steve Moakler und Echorev. Tickets gibt’s hier für Hamburg und hier für Berlin. Alle Einnahmen gehen an ein soziales Projekt.

Für die „Feels like home“ Tour könnt ihr nun 5×2 Gästelistenplätze für jede Stadt gewinnen. Gästeliste bedeutet hier ermäßigter Eintritt von 7 Euro, damit wir dennoch Spenden generieren. Um eine Chance auf einen der Plätze zu haben, schreibt einen Kommentar mit der Stadt, für die ihr gewinnen möchtet, und achtet dabei auf die Angabe einer gültigen E-Mail-Adresse (die nicht veröffentlicht wird). Zeit habt ihr dafür bis Dienstag, den 16. Juli, um 20 Uhr.

Willkommen am schimmernden Ende unserer Welt.

Coby County

„Ich kenne Wesley seit fast vierzehn Jahren, aber ich habe noch nie zu ihm gesagt, dass er aufhören soll, sich etwas vorzumachen. Eigentlich habe ich auch nicht vor, ihm das jemals zu sagen. Denn eigentlich habe ich nichts dagegen, wenn sich Leute etwas vormachen.“ (S.14)

„Solche Sätze sagt Carla oft, sie werden aus ihrer großen Ruhe geboren, und meistens nehme ich diese Ruhe als eine Art Charakterstärke wahr. Nur an schlechten Tagen habe ich das Gefühl, dass mich diese Ruhe enorm träge macht, dass ich irgendwann neben Carla einschlafen und dann keinen Grund mehr sehen könnte, noch einmal aufzuwachen.“ (S.35)

„Am häufigsten muss ich mich an Tagen nach ausgelassenen Festen übergeben, aber das finde ich nicht schlimm. Oft ahne ich es sofort nach dem Aufwachen und eigentlich herrscht dann sogar eine gewisse Vorfreude. Insgeheim empfinde ich das Übergeben als rebellische Geste, als eine Art Befreiung von den Zwängen, mit denen ich lebe und die ich ja alle selbst zu verantworten habe. Wenn ich vor der Toilette knie und würge, weil ich in der Nacht zuvor viel zu viel getrunken habe, dann erdet mich das auf plakative Art und Weise, dann bin ich irgendwie ganz bei mir und maximal ehrlich zu mir selbst.“ (S.47)

„Mein Dad hatte immer eine hohe Stirn, aber das Bewußtsein, dass er eine hohe Stirn hatte, stellte sich bei mir keinesfalls vor vierzehn ein, eher später. Zuvor war es einfach die Stirn meines Dads und ich habe sie mit keiner anderen Stirn verglichen. Als Kind ist man ja in der Lage, die Welt als eine Ansammlung von Fakten zu sehen, das ist eine dieser Fähigkeiten, die man manchmal ganz gerne zurückgewinnen würde, aber meistens dann doch lieber nicht.“ (S.48)

„Paare, die ihren Liebeszustand nicht als vorbelastet oder klischiert wahrnehmen: die gibt es gar nicht, denke ich, die wären ja auch kaum zu ertragen. Insofern waren Carla und ich, neutral betrachtet, vielleicht nie etwas Besonderes. Für mich war es das aber doch, weil ich vorher nie so lange mit einem Menschen, mit dem ich auch ins Bett ging, einen so engen Kontakt gepflegt hatte. Auch wenn wir uns mal einige Tage nicht sahen und keine E-Mails oder Shortmessages austauschten, wusste ich, dass es diese Carla gab, und das hat den Alltag durchaus stabilisiert, wie grauenvoll labil das auch klingen mag.“ (S.95)

„Es ist davon auszugehen, dass auch diese Freiberufler ihren Alltag primär vor Laptops verbringen, still dasitzend und auf irgendeine Weise lesend. Im Grunde vergehen so vielleicht die allermeisten Tage, man sitzt vor Texten und Bildern, man redet und tippt. Hinzu kommen Schlaf und Ernährung und bei einigen noch Sport und Erotik, aber das bleibt ja auch beides eng an Texte und Bilder gekoppelt. Manchmal erstaunt es mich, dass mein vom Dasein und Lesen dominierter Alltag trotzdem ständig Risiken bereithält.“ (S.113)

Schimmernder Dunst über Coby County“ wurde von Leif Randt geschrieben und ist 2011 im Bloomsbury Verlag, Berlin erschienen.

Your letter filled the hole in my day like a key.

Emma Bowlcut

„One of my goals is not to ask questions as that implies that this has all happened before and I am merely asking you to tell me how things went. Which isn’t to say I don’t believe in destiny.“

„What happened to your heartbeat. Tell me soon as it’s not a good place to have a question mark.“

„I don’t want to destroy anything. But I want to know what I can destroy. I am possessed by the conviction that I need you like blood needs a vein to get from one place to another.“

„I stood without intention of moving and realized we see every punch coming in a boxing movie but in real life we miss a lot of them.“

„One of my favorite things of all time is when an animal keeps company with different species. It’s often a duck. Maybe you should get a duck for that library you work in. No one would complain. Ducks belong in libraries.“

„And i hope each morning you wake like a bird in a nest and fly without a thought.“

„We are always making choices and then we go to sleep. At separate times.“

„I learned that you can get bruises without external contact. Struck by something to get out from within.“

„You are the reason I get out of bed. To tell you that I have gotten out of bed. Yours are the only questions I want to answer. I live to pocket all your questions marks, as many as I can, in your life. To discard them secretly when you’re not looking.“

„How come naps are so much sweeter than regular sleep. Because it’s the type that you can’t resist, it just takes you.“

„Everything I have done today could have been done by a bear. The long seasoned sleep. The lumbering out of bed. Tearing a hard roll dipped into honey. And then sprawling lazily in the grass where the sun hit. I was going to take a bath but decided that would have been too much bear activity, so I showered.“

„There is a reason ice is slippery. Did anyone laught at you. I have an inhability to help anyone who has fallen. To witness injects me with a paralytic joy. If someone falls in front of me, you’ve never seen such a smile in your life. I’m tickled by the chance that they are learning something.“

(„Letters to Emma Bowlcut“ was written by Bill Callahan and published by Drag City in 2010)

Was ich liebte


„Er war einer jener Menschen, die bei den Ereignissen in ihrem Leben nie ganz präsent sind. Ein Teil von ihm war nicht da, und dieses Abwesende an seinem Vater sollte nie aufhören, Bill zu verfolgen – sogar noch nach dessen Tod.“ (S.43)

„Ich nehme an, wir sind alle das Produkt der Freuden und Leiden unserer Eltern. Ihre Gefühle sind im gleichen Maße in uns eingeschrieben wie ihre Gene.“ (S.45)

„Ich fand immer, Liebe gedeiht gut bei einer gewissen Distanz; sie verlangt ein ehrfürchtiges Getrenntsein, um zu bestehen. Ohne diesen nötigen Abstand werden die kleinsten körperlichen Äußerungen des anderen in der Vergrößerung abscheulich.“ (S.59)

„Ich bin davon überzeugt, dass die Vermischung ein Schlüsselbegriff ist. Er funktioniert besser als Suggestion, die einseitig ist. Er erklärt das, worüber Menschen selten sprechen, weil wir uns als isoliert definieren, als geschlossene Körper, die aufeinander prallen, aber geschlossen bleiben. Descartes hatte Unrecht. Es muss nicht heißen: Ich denke, also bin ich. Es muss heißen: Ich bin, weil du bist. Das ist Hegel, na ja, die Kurzfassung.“ (S.121)

„Lügen haben immer zwei Seiten: Was man sagt, existiert mit dem zusammen, was man nicht gesagt hat, aber hätte sagen können. Wenn man zu lügen aufhört, schließt sich die Kluft zwischen den eigenen Worten und dem, was man innerlich glaubt, und man versucht, seine gesprochenen Worte in Zukunft mit der Sprache der eigenen Gedanken in Einklang zu bringen, zumindest jener, die geeignet sind, von anderen gehört zu werden.“ (S.283)

„Immer wenn ein Künstler stirbt, tritt das Werk langsam an die Stelle seines Körpers und wird ein leibhaftiger Ersatz für ihn in der Welt. Ich glaube, man kommt nicht dagegen an. Gebrauchsgegenständen wie Stühlen oder Tellern, von einer Generation an die nächste weitergegeben, mag kurzfristig etwas ihrer ehemaligen Besitzer anhaften, doch diese Eigenschaft verliert sich relativ schnell bei ihrem praktischen Gebrauch. Die Kunst, nutzlos, wie sie ist, widersteht der Einverleibung in den Alltag, und sofern sie irgendeine Kraft besitzt, scheint sie das Leben des Menschen, der sie geschaffen hat, zu atmen.“ (S.332)

(Siri Hustvedt – Was ich liebte)

There you are.


There is always the risk; something is good and good and good and good, and then all at once it gets awkward. All at once, she sees you looking at her, and then she doesn“™t want to joke around with you anymore, because she doesn“™t want to seem flirty, because she doesn“™t want you to think she likes you. It“™s such a disaster, whenever, in the course of human relationships, someone begins to chisel away at the wall of separation between friendship and kissing. Breaking down that wall is the kind of story that might have a happy middle “”- oh, look, we broke down this wall, I“™m going to look at you like a girl and you“™re going to look at me like a boy and we“™re going to play a fun game called Can I Put My Hand There What About There What About There. And sometimes that happy middle looks so great that you can convince yourself that it“™s not the middle but will last forever.“
(John Green, Let It Snow)

Die Jahre gingen, wie man so sagt, ins Land.


„Das ist brutal, wissen Sie, richtig brutal. Während die unbedeutendsten Tiergattungen Tausende, manchmal Millionen von Jahren existieren, ehe sie verschwinden, werden gewerbliche Erzeugnisse innerhalb weniger Tage vom Erdboden gefegt, man räumt ihnen nie eine zweite Chance ein, sie müssen ohnmächtig das unverantwortliche, faschistische Diktat von Produktmanagern ertragen, die natürlich besser als alle anderen wissen, was der Verbraucher will, und die behaupten, beim Verbraucher Lust auf Neues entdeckt zu haben, die in Wirklichkeit sein Leben in eine erschöpfende, verzweifelte Suche verwandelt, in ein endloses Umherirren zwischen ständig anders bestückten Regalen.“ (S.164)

„Das Leben bietet einem manchmal eine Chance, sagt er sich, aber wenn man zu feige oder zu unentschlossen ist, um sie zu ergreifen, nimmt sie einem den Trumpf wieder aus der Hand. Es gibt einen geeigneten Moment, um Dinge zu tun und sich dem möglichen Glück zu stellen, dabei kann es sich um einen Zeitraum von ein paar Tagen, ein paar Wochen oder sogar ein paar Monaten handeln, aber diese Chance bietet sich nur ein einziges Mal, und wenn man sie später erneut zu ergreifen versucht, ist das schlichtweg unmöglich, es ist kein Raum mehr da für Begeisterung, für Überzeugung, für Glaube, es bleibt nur sanfte Resignation, gegenseitige Betroffenheit und das nutzlose, wenn auch berechtigte Gefühl zurück, dass irgendetwas hätte geschehen können, man sich aber des Geschenks, das einem gemacht worden ist, unwürdig gezeigt hat.“ (S.241)

„Man kann sich immer – so hatte Houellebecq gesagt, als er ihm von der Schriftstellerlaufbahn erzählt hatte – Notizen machen und versuchen, Sätze aneinanderzureihen; doch um wirklich mit der Niederschrift eines Romans zu beginnen, muss man warten, bis all das kompakt und unwiderlegbar wird, warten, bis ein harter Kern der Notwendigkeit auftaucht. Man trifft die Entscheidung, ein Buch zu schreiben, nie selbst, hatte er hinzugefügt, ein Buch sei wie ein Block aus Beton, der den Zeitpunkt des Abbindens selbst bestimme, und die Einwirkungsmöglichkeiten des Autors beschränkten sich ihm zufolge darauf, anwesend zu sein und bedrückt über die Untätigkeit darauf zu warten, dass der Prozess von selbst in Gang käme.“ (S.244)

„Im Grunde, sagte sich Jed beim Zuklappen der Zeichenmappe traurig, hatte sein Vater nie den Wunsch aufgegeben, Schwalbennester zu bauen.“ (S.394)

„Karte und Gebiet“ wurde geschrieben von Michel Houellebecq.

I still believe in anchors.

I still believe in saviors but I know that we are all made out of shipwrecks, every single board washed and bound like crooked teeth on these rocky shores so come on and let“™s wash each other with tears of joy and tears of grief and fold our lives like crashing waves and run up on this beach, come on and sew us together, tattered rags stained forever, we only have what we remember.

Den ganzen Text dieses großartigen Stückes gibt es hier.