Ob das funktioniert? Ob das was wird? Geben sich ja hin und wieder Bücher mit gedruckten Blogtexten die Klinke in die Hand, bin ich gespannt, ob das auch als Magazin funktioniert. Und umgesetzt wird. Und sich liest. Und aussieht. Und und und sowieso.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Juli 2007 um genau 9:41
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Es hagelt Kolumen. Immer und überall und öfter dabei auch mittlerweile mit Leuten gespickt, die man kennt. Und wer mich kennt, der weiß: Ich will auch, ich will auch! Ich möchte auch Geld dafür bekommen, einmal die Woche irgendwo meinen Senf abzugeben. Das ist alles so harte Arbeit, ich weiß. Aber ich bin jung und ich brauche das Geld. Also, wo sind meine achtzig Zeilen?
(Heute ist Tag der Nörgeleien, haltlosen Stoßgebete und ausgelassenen Jammerei.)
Und das Foto ist von Katinka.
Liz hat es verfasst, und zwar am 30. Mai 2007 um genau 16:01
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Mir ist heute ein riesiges, vierblättriges Kleeblatt aus meinem Block, den ich seit langer Zeit mal wieder benutzt habe, mitten auf die Hand gefallen. Ein Blatt des Kleeblattes (nicht des Blockes) ist doppelt so groß wie mein Daumenfingernagel. Wahnsinn.
Glaubst du an sowas?

Und: “Bleibst du stehen oder gehst du weiter? Und weißt du, wie Du stehst? Kennst du den Ort, wo du jetzt hingehst und willst du dahin? Bist du entschlossen? Und warst du schon alt? Bist du online und kannst du mich riechen? Hast du gesehen, wie Spinnen aus den Stromkästen kriechen und Netze in die Ampeln spannen? Und quer über die Brücken im Park? Was tust du, wenn die Ampel auf grau springt? Hast du den Mut dazu, alles in den Sand zu setzen? Siehst du die Risse im Beton? Erinnerst du dich an den Geschmack von Blut? Kannst du den Geruch Deiner Nägel ertragen? Und den von Sex in Deinen Lacken? Hattest du jemals das Gefühl, heute ist der letzte Tag deines Lebens und alles ist genauso, wie es sein sollte? Und wie sollte das sein? Und wer sind die, mit denen du Kaffee trinken willst, in der Stunde vor deinem Tod? Was hast du vorgestern getan? Und wen liebst du morgen? Bist du musikalisch? Ist alles gut so, wie es ist? Wie müsste der Soundtrack deines heutigen Tages klingen? Und an welcher Stelle könnte die Platte einen Sprung haben und du hörst immer nur diese eine Melodie? Nimmst du das persönlich? Und hast du, sei ehrlich, keine Fragen an mich?”
Ich weiß nicht, von wem das ist. Aber ich bekam es vor längerer Zeit mal geschickt.
Liz hat es verfasst, und zwar am 19. Januar 2007 um genau 17:31
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“So geistern durch unsere Gegenwartsliteratur Dutzende von Papierleichen, die nichts wollen, nichts hassen, nichts lieben, die nicht fallen können, nicht schreien, nicht töten. Ihre Handlungen können niemanden schicken, mitreißen, aufwühlen, da fehlt eine metaphysische Hoffnung, das Leben möge vielleicht doch nicht ein einziger tiefer Fall in diesen beschissenen Abgrund unter uns sein”
(
Maxim Biller)

Sind wir denn vielleicht wirklich so, wie ich es neulich schon einmal beschrieb? Legt sich unser flacher Atem auch in unsere Figuren und macht sie ein bisschen zu rund? Obwohl wir doch gerade hier mal die Möglichkeit hätten, hartkantig und unangenehm laut, wütend und dermaßen herzzerreißend zu sein, ohne es dann doch wirklich sein zu müssen…
(Man kann es ja wenigstens mal versuchen.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Dezember 2006 um genau 16:15
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Liz hat es verfasst, und zwar am 27. November 2006 um genau 23:30
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Tätärätäää. Aufatmen, Pause machen, Wochenende. Nachher ist der Stress vorbei, alle können sich wieder zurücklehnen und mal in Ruhe nachdenken, rausgucken und Feierabend machen. Vorbei die Zeit der alten Beiträge, Fotos und Schnipsel. Jetzt darf wieder hochkonsequent geschrieben werden, wie Schnabel und Stimmung da draußen gewachsen sind. Völlig habe ich mich dem Aktualitätsdruck nicht unterworfen und dass ich mich überwunden hab, die Diskussion anzuschubsen, finde ich auch recht prima. Denn dabei ham wa ja wieda wat jelernt. Fein und gut und ich bin froh, dass der Blick morgens jetzt nicht mehr auf die Zahl vor dem Namen knallt. Und dass die E-Mails ausbleiben, die drängeln: „Lise, schreib was, sonst kann man dich nicht wählen!“

Wir hauen auf die Pauke und freuen uns über diese Erfahrung. Dass meine werten Lieblingsautoren nicht am Start waren, ist zwar schade, aber vielleicht doch auch Zeichen einer gewissen Reife, Unabhängigkeit und ach, was weiß denn ich. Geld ist nicht alles und der Winter kommt trotzdem. Ich beglückwünsche den/die GewinnerIn schon einmal im Voraus (Jackpot Baby! haben´s verdient), schüttele brav Hände, Stifte und Tastaturputztücher. Aber jetzt muss ich mal los. Rausgehen, arbeiten, leben, Welt sehen, Musik machen, Eis essen. Denn sind wir nicht sowieso alle ein bisschen jetzt.de?
Liz hat es verfasst, und zwar am 8. September 2006 um genau 13:59
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Zeit ist Geld. Alles muss funktionieren, schnell gehen und dabei auch noch hübsch aussehen. In einem wunderbaren Text in der SZ von heute erzählt uns Oliver Herwig etwas über Piktogramme und ihren Stellenwert in unserer Gesellschaft. Es geht um die einfache Form und ihre Symbolkraft, um die Verkürzung komplexer Inhalte in unserem Alltag und darum, dass gutes Grafikdesign auch Leben retten kann.
Während uns also die visuelle Ebene im Alltag nicht schnell genug funktionieren kann, wurschteln wir auf sprachlicher Ebene ja doch noch ziemlich herum. Überflusskommunikation, Geplänkel und Schwurbeleien umgeben uns wie dicker Nebel und eh man dann den anderen dadurch mal gefunden hat, ist er schon wieder weitergegangen. “Ach Hallo, wie geht´s?”-”Ach ja, die Kinder” - “Na?” - “Bis bald mal” - “Grüße an XY und Pipapo” - “Bist du eigentlich öfter hier” machen uns das Leben langsamer. Etikette schön und gut, ist ja auch alles ganz höflich, aber ein bisschen mehr Menscheln anstatt Heucheln würde ab und an alles ein wenig leichter machen.
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin eine Freundin gut geschriebener Texte, aber wenn mir jemand gegenüber steht und aus seinem Mund kommen nur schwerfällige Blasen oder ein Schwall überflüssigen Geschwurbels, dann wundere ich mich nicht über dicke Luft und Smogalarm. Und dabei geht es nicht um geplant gemütliches Schwadronieren oder Wortwitz. Sondern um dieses ewige Herumtitschen auf der Oberfläche, Liebäugelei schön und gut, Schüchternheit und Zurückhaltung alles wunderbar. Aber wenn man doch sagen kann, was man meint, warum tut man es dann so selten?
Liz hat es verfasst, und zwar am 6. September 2006 um genau 11:57
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Lieber Heinz, was machst du denn hier?
Wir wissen zwar nicht mehr, wie du mit Nachnamen heißt, aber dank diverser Webmaster können wir das bald wieder nachschlagen. Sei uns nicht böse, wenn wir dich damals nicht zurückgerufen und deine Briefmarkensammlung, die du uns anvertraut hast, längst verloren haben. Und außerdem, Schwamm drüber, wir sind doch jetzt alle erwachsen. Dein Geburtsdatum hast du schließlich brav eingetragen. Genau wie deine Ex-Firmen und in welchem Kinofilm du zuletzt warst.
Ist das Web 2.0 nicht was tolles? Jetzt können wir wieder richtig dicke sein, Heinz. Und kennst du noch die Tina? Lad die doch mal ein, ich hab ihre E-Mail-Adresse nicht mehr. Verloren, weißt du, ich bin doch immer soviel unterwegs. Zuhause? Ach ja, mal hier, mal da. Flexibel muss man sein in unseren Zeiten. Aber ist ja auch nicht so wichtig, ich kann mich ja einloggen und alle Freunde sind schon da. Ringelreihe? Ach was, ist doch toll, keine lästigen Briefe mehr, kein Anrufen. Und immer auf einen Blick, wie viele Leute man doch richtig gut kennt. Ist schon schön. Gelegentliche Ausdrucke für den Ordner „Ich bin so geil, ich hab so viele Freunde“ werden gemacht, na klar. Der ist schon richtig dick, was glaubst du denn?
Und schau mal, da hat sich die aus der Uni meine Seite angesehen und schreibt nicht einmal was. Naja, die konnte ich schon im ersten Semester nicht leiden. Adden werde ich sie trotzdem. Sieht doch gut aus, sowas. Und ich bin ja auch nett. Geburtstage brauche ich mir nicht mehr merken, das System erinnert mich. Und so kann ich auch dir, Heinz, gratulieren. Ich wünsche dir das Beste von Herzen. Und damit du dich so richtig freust, wirst du heute auch gegruschelt. Was auch immer das ist, wird schon gut sein. Mit dir kuschelt ja auch sonst niemand.
Komisch, oder? Dass heute niemand von den Leuten kam, die ich zu meinem Umzug eingeladen hab. Dabei sind wir doch so gut befreundet. Verstehst du das, Heinz? Ach und, was studierst du noch mal? Warte, ich guck eben nach. Bis morgen, Heinz. Schön, dass wir uns jetzt so gut verstehen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 3. September 2006 um genau 13:03
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Manchmal weiß man nicht, wohin man gehört und was dieses dick unterstrichene Wort Zukunft eigentlich sein soll. Manchmal fühlt man sich fehl an jedem Platz der Welt. Wenn man dann jemanden trifft, der zu verstehen scheint, was das bedeutet, beginnt man zu idealisieren. Und daran zu glauben.
“Blankets” ist die gemalte Geschichte von Craig, der in einer Kleinstadt in Wisconsin (USA) aufwächst. Zwischen Kirche und Schule, zwischen elterlichen Erwartungen und dem Gefühl, irgendwie falsch zu sein, wird er älter. Er flüchtet sich in die Bibel und merkt trotzdem, dass er nicht einfach glauben kann, sondern dass er hinterfragt. Als er Raina begegnet, einem Mädchen, das er im Kirchencamp kennenlernt, hört er vorerst damit auf. Raina wird sein Heiligtum.
Die beiden lernen sich kennen und behalten trotz großer Entfernung Kontakt. Sie schreiben sich Briefe und irgendwann besucht Craig das Mädchen, das in einer wirren Situation lebt. Die Eltern lassen sich scheiden, um zwei ihrer Geschwister muss sie sich kümmern, die große Schwester läd ihr Baby bei Raina ab. Und Raina soll dazwischen irgendwie erwachsen werden.
Die beiden haben eine gute Zeit. Und doch löst sich Craigs Unbehagen gegenüber der Teeniegesellschaft nicht auf. Er glaubte, in Raina eine Verbündete gefunden zu haben. Und sie suchte einen Retter. “Verlass mich nie”, sagt sie. Und doch ruft sie am Ende an, als er wieder zuhause ist, und sagt, ihr sei es zuviel. Craig nimmt das hin. Er taumelt sich so durch. Er behält die traurigen Augen, bis zu diesem einen Tag im Schnee.
Blankets ist die Geschichte der Suche nach sich selbst, in dem man in anderen Menschen sucht. Am Ende muss man sich aber doch an sich selbst anlehnen. Denn niemand wird einer solchen Romantik gerecht werden, alle sind mit sich selbst beschäftigt. Und als Craig erkennt, dass man sich selbst genügen muss, kann er zurücksehen, ohne den Kopf zu senken:
“Wie befriedigend es ist, ein Zeichen auf einer leeren Oberfläche zu hinterlassen. Eine Karte meiner Bewegung anzufertigen, egal, wie vergänglich”.
Wenn man weiß, dass alles vorbeigeht, kann man sich darauf einstellen. Kann man damit rechnen. Kann man es loswerden. Und ist am Ende vielleicht leichter.

Blankets ist bei SPEED Comics erschienen. Autor Craig Thompson (31) lebt in Oregon.
Liz hat es verfasst, und zwar am 1. September 2006 um genau 12:03
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Donnerstag war es immer aufregend morgens in der U-Bahn. Die blaue Linie brachte uns zur Schule, ich stieg in Mitte zu. Alina und Sarah waren schon in Kreuzberg eingestiegen. Bis nach Reinickendorf mussten wir jeden Tag. Sieben Stationen für mich, 15 Minuten Fahrtzeit. Wir lernten effektives Zeitmanagement. 15 Minuten für die vergessenen Hausaufgaben von zwei Fächern, für Vokabeln und Kunstwerke, für das Anschmachten von Parallelklassenjungs. Aber donnerstags war alles anders. Donnerstags hatte Sarah die neue Bravo.
Wir lernten diskutieren und Blattkritik. Wir betrieben Konkurrenzbeobachtung und Recherchevergleich. Die Abgründe des Layouts führten hin und wieder zu hitzigen Debatten. Wir lernten Geduld und schnelles Lesen. Wir lernten Distanz zu Inhalten und emotionale Beherrschung.
Ja, wir haben neulich mal wieder eine Bravo gekauft. An der Tanke unterwegs, so wie viele Bands auf Tour, die was zum Lachen brauchen. Nah am Fan, dranbleiben und sowieso, man müsse ja auf dem neuesten Stand sein, was Pubertärkultur betrifft. Und die Bravo hat noch immer nichts gelernt. Fiese Farben und Layouts. Doppelte Fotos und crazy Poster. Das Rezept der konstanten Starre scheint zu funktionieren. Ja, man photographiert die Nackten jetzt nicht mehr im weißen Studio sondern vor natürlichem Hintergrund wie Duschvorhang oder Mustergardine. Der Rest ist, wie er schon damals war. Eckige Kästen bekommen runde Ecken, ok. Flippig, hip und kotzebunt.
(Meine Erste.)
Das interessiert den pickeligen Leser aber eh nicht. Dieser will noch immer Fotos von den Falten seiner Stars, von Möpsen und dicken Autos, von Handy-Gimmicks und dem heißesten Scheiß in Sachen Markenmode. Foto-Love-Stories und Riesenposter, Sammelkarten und Klebe-Tattoos. Ihr seid der Trend. Ihr seid das kollektive Non-Bewusstsein in diesem Alter, das den meisten die Wochen und Monate unvorhersehbarer Hormonschübe erleichtert.
Und so verschenkten wir die Bravo an unsere Zeltnachbarn, die aber auch nach drei Minuten genug hatten. Die Bravo ist nun zehn Jahre älter als meine Mutter und braucht keine Antifaltencreme. Man bügelt es sich eh zurecht und spritzt hier und da ein bisschen auf, was noch nicht prall genug ist. Bang Bang forever. Aber es fühlt sich gut an zu merken, dass der Mensch an sich in Würde altern kann. Mindestens erwachsen werden. Wir gehen jetzt donnerstags ins Kino. Und in der U-Bahn schlafen wir ein, während die Kinder sich in Trauben sammeln, kreischen und ihnen die Kommafehler nicht auffallen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 25. August 2006 um genau 12:12
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