Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Berlin

Wondering what’s buried underneath.









Au Revoir Tristesse.

Sich ein Bild kaufen. Keinen Druck sondern ein Original. Und dabei einen Weißwein in der Hand halten. Und danach zu Radar Detector im Schaufenster tanzen. Es gab einen Tag, da dachte man, sowas passiert nur in Filmen und plötzlich ist man das selbst auf der Leinwand und alles 3D. Großartig fühlt es sich an, viel besser als Klamotten kaufen oder sowas, ich hatte dieses breite Grinsen auf meinem Gesicht nach dem Kaufentschluss gar nicht erwartet, aber jetzt klebt da dieser kleine Zettel neben dem Bild, der sagt, das ist jetzt meins. Schluss, aus, verkauft.

Carmina stellt derzeit aus. Dieses Mal unter dem Deckmantel Obhut, einem Künstlerkollektiv, das derzeit aus ihr, Herrn Specht, Nikoki und druckbewegung besteht. Bis 31. Juli kann man die Werke noch anschauen. In der Lychener Straße 23 im neonchocholate im Berliner Prenzlauer Berg. Es macht sehr glücklich dort zu sein, übrigens.

Mit Neonlichtaugen.

Gisbert zu Knyphausen

Als hätte er einen Knoten in den Faden zwischen Hamburg und mir und diesen Liedern gemacht und obwohl ich weiß, wie einfach diese Assoziation ist, denn natürlich ist Hamburg seine Stadt und sein Zuhause, knallt es mich jedes Mal, wenn ich das höre, in den letzten Winter zurück und an die silber funkelnden Kräne zu dem Klirren der Schollen. Ich vergesse nicht, wie das riecht und wie kalt mir war und wie man sich fühlt, wenn man den Atem über dem Fluss sieht und weiß, zuhause wartet niemand aber eine Aufgabe und der unbedingte Wille, das zu schaffen. Als hätte er einen Doppelknoten gemacht in die Schnur, den er heute gelöst hat und neu gebunden. Als er da stand mit schwitzenden Knien und wir alle ganz triefend und ich dazu glücklich, das ist immer dann, wenn der müde Punkt überschritten und der ganze Rest egal ist, woher und wo und wohin der Schweiß läuft und die tanzenden Füße und die Bilder an den Liderinnenwänden, weil man nicht die ganze Zeit in die Scheinwerfer starren kann. Ich mag ja den Gedanken, der Musiker da oben, derjenige, der sich den ganzen Abend die Seele aus dem Leib entertaint, genau der hätte mal kurz einen Moment Ruhe, wenn du die Augen schließt, was natürlich nie passiert, weil es das nicht gibt, dass alle auf einmal die Augen schließen für ein paar Sekunden, denn einer schummelt immer.

Heimathafen Neukölln

Jedenfalls hat er jetzt eine Schleife gebunden in das Band, ordentlich gezurrt hat er daran, der Herr Knyphausen, weil er phantastisch gebrüllt hat und die Band noch mit dazu, weil ich erst glaubte, sie sähen so aus, als wären sie nicht ganz warm miteinander, aber das waren sie, so sehr, dass es den Gänsehautmoment zweimal gab. Ich kann doch immer nicht anders, wenn auf der Bühne jemand ausrastet, obwohl das nicht geplant ist, wenn es sich ergibt, dass eine Improvisation ein Gefühl wird, mehr noch, ein Gespür. Für den richtigen Moment. Und dass man merkt, dass man nicht nur an- sondern zurückkommt, wenn da Gesichter sind, die schon seit Jahren da sind und lächeln jedes Mal.

Alles geschafft. Alles richtig.

Ich bin hier, weil du auch hier bist.

tape.tv rooftop

Die Schwalben flogen tief, kaum noch Blau vom Himmel zu sehen, wirre Grauschwaden und viel Weiß. Drei, vier Pools, größer und kleiner, ein Bett im Garten, der Blick auf nackte Beine und noch nacktere Fassaden. Ein Schornstein direkt neben uns. Manchmal wirkte er ein bisschen unsicher, das Publikum dieses Mal hinter und nicht vor sich, dann eine Kamera und ein Puschelmikrofon schräg oben drüber. Wir sitzen und lauschen und der Dachteer ist noch ganz warm von den letzten Tagen. Wir wissen alle, dass das Gewitter kommt. Und als wir unten stehen vor dem rosa Haus und unsere Räder abschließen, fallen die ersten Tropfen.

tape.tv rooftop

“Ich würd gern geben, was ich zu geben vermag, ich will lachen an den richtigen Stellen.”

tape.tv rooftop

“Ja, wir werden da sein, weil wir immer schon da waren.”

gisbert zu knyphausen bei tape.tv

Mit bestem Dank an tape.tv, wo es auch bald das gesamte kleine Dach-Konzert zu sehen gibt.

beach house

Planschi

Planschi

Leute, die bei großen Unternehmen arbeiten, essen jetzt dort Mittag, wo ich als Kind gespielt hab. Wo ich aufgewachsen bin. “Planschi” hieß das große blaue Becken. Eltern sammelten immer sorgsam die Scherben heraus, es gab noch das alte Klettergerüst, an dem ich mir mal ein blaues Auge geholt habe, wir saßen meistens auf dem Rasen ohne Decken. Später hatten wir grüne Flecken auf den Knien und Hosen. Auf dem Rückweg sind wir zum Tipp, da gab es ihn noch, und kauften Eis, das wir in der großen Einfahrt zum Hof aßen, weil es dort so schön kühl war. Den Hof gibt es auch noch, das alte Haus, von dem ich immer dachte, ich müsste es kaufen und ausbauen, weil es aussieht wie eine zweigeschössige Garage mit Balkon im ersten Stock, eine schöne Garage, es könnte ein Atelier sein. Das alte Haus im Hof hinten gibt es noch, unverändert, niemand hat es entdeckt und gekauft und eingerissen oder umgebaut. Ich bin sehr froh darum. Auch um die unverändert blaue Farbe des Betons unter dem Wasser.

Mit großem Dank an Matthias für das Bild.

To Do’s at Fashion Week Thursday.

Hundreds - Let’s Write The Streets | Live at Babylon, Berlin from Sinnbus on Vimeo.

Wenn ich ihr wäre und nicht am Donnerstag beruflich den ganzen Tag in einer anderen Stadt, würde ich mich abends klonen lassen, um diese beiden Veranstaltungen besuchen zu können. Einmal Tony Hawk - Held einer kleinen Pubertät - live sehen wäre immer noch absolut erstrebenswert. Außerdem die Band meines Sommers, wie ich vermute, in Kooperation mit trikoton im Rahmen der Berliner Fashion Week. Ganz großes Kino sicherlich.

Tony Hawk

Und wenn ich mich dreiteilen könnte, würde ich den dritten Teil nach Hamburg zu The National und Midlake im Stadtpark schicken. Frontfrowpflicht ohne Catwalk.

The National

Der weiße See

Der weiße See

Die einzige Sorge ist am Anfang, wie lange es noch dauert. Wann man ankommt. Ob das da vorne eine Stau ist. Das Wundern beim Betrachten der Vögel auf den Stromleitungen, es hört nicht auf. Das Flimmern auf der Straße, das aussieht wie riesige Pfützen in der Ferne, die dann plötzlich einfach verschwinden. Und die Erinnerung daran, wie das war, als man das noch nicht erklärt bekam in der Schule, als man sich nicht traute zu fragen, was das sei, weil man es selber herausfinden wollte, weil man dachte, man sei ein bisschen verrückt, man wollte das im Falle des Falles nicht an die große Glocke hängen. Und wie man die Schatten der Bäume auf dem Asphalt mitnahm, als wären sie Hürden, die es zu überspringen gelte. Sprung für Sprung für Sprung.

Boot

Die Mücken kommen nur am Wasser, hinter die Büsche trauen sie sich erst spät. Den Kopf schüttelt man so, wie man während des Schwimmens den Kopf schütteln kann, wenn eine Wasserschlange an einem vorbei schwimmt, einfach so vorbei, vielleicht mit ein bisschen Angst im Nacken, denn sie beeilt sich sehr, sie wird nicht wissen, wer wir sind und flüchtet zu den Blesshühnern. Die Stege, von denen viele eine eigene Tür haben, die einen vom Wasser aus nicht interessiert, die ist nur was für Leute, die auf Wegen gehen. Dort wachsen Pusteblumen, im Wasser Seerosen, gelbe.

Blau

Es gibt den Steg noch, an dem ich den riesigen Lastwagenreifenschlauch ins Wasser gerollt habe. Es gibt ihn noch, er hat keine Tür. Eine Familie oder zwei sitzen nun auf einer Bank, die es damals noch nicht gab, wir liefen immer gleich zurück zum Haus oder hockten uns auf den Steg, manchmal hatten wir Kirschen dabei und Jogginghosen, meistens nur sandige Füße. Ich bin nie ans andere Ufer gegangen damals, jetzt sitze ich immer nur dort. Ich meide die alten Wege, ich fahre Bögen. Vom Wasser aus sehe ich den Strand, der nun bunt gepunktet da liegt, als wäre nie etwas gewesen, als wäre ich nie auf Skiern den Hügel hinunter gefahren und noch weiter auf den See. Das Idyll einer Auslassung.

Sundown

Aber wenn man Bögen macht, drumherum geht, dann muss es dort mal etwas gegeben haben.

Backyard Radio

Krank sein im Sommer ist ungerecht, blöd und doof. Krank sein im Sommer macht keinen Spaß und manchmal wird man ein bisschen zu einem eingesperrten Löwen, der brummelnd und knurrend im Zimmer umherläuft und zwischendurch ein paar Medikamente aus einer Packung pult. Aber Kinder und Planschbecken im Hof sind eine ganz gute Geräuschkulisse.

Nachbarn.

Kitchen View

Nach dem Joggen hängt er seine Schuhe raus. Er hängt sie nicht wirklich, sondern steckt sie in den kleinen Spalt zwischen Geländer und Rollo, das ist kein Balkon, das war noch nie einer. Und wenn er schaut, ob sie noch da sind, kann ihn jeder sehen, der aus dem Netto kommt. Wie er da steht in dem Unterhemd und raucht und schaut, ob seine Schuhe noch da sind. Und jeder, der aus dem Netto kommt, kann sich fragen, ob er jemanden hat, der ihn anruft und hört, dass er raucht, und auch hört, dass er gerade vom Laufen kommt, ob er jemanden hat, der ihm sagt, dass das nicht so gut ist für seine Krampfadern und all diese Dinge.

Er hat mein Paket angenommen. Erst wusste ich nicht, wo ich suchen sollte, dann habe ich herausgefunden, wo er wohnt und nach der Arbeit geklingelt, er wohnt gleich neben Netto und in seinem Hausflur riecht es nach Krankenhaus. Es sieht sogar nach Krankenhaus aus, denn der Fahrstuhl ist das Erste, was man sieht, wenn man unten ins Haus hineingeht. Man muss erst um zwei Ecken, um zur Treppe zu gelangen, es gibt keine Fenster, nur irgendwo oben unter dem Dach. Ich klingelte unten und wartete. Es dauerte eine Weile, bis er sich meldete und mir sagte, er wäre im ersten Stock rechts und dann ging ich hinein durch diesen Krankenhausflur und nahm nicht den Fahrstuhl sondern die versteckten Treppen und machte mich ein wenig auf alles gefasst. Er brauchte auch an der Tür eine Weile, denn er schob einen Rollator, aber er lachte, irgendjemand war noch in seiner Wohnung und er hielt sich nur mit einer Hand fest, als er mein Paket vom Boden nehmen wollte. Ich kniete mich hin, es standen fünf Pakete dort in seinem Weg, alle auf seinem Teppich vor seiner Wohnungstür, sodass er jedes Mal einen Umstand hatte, wenn er aus der Wohnung wollte. Aber er ist einer von denen, die immer da sind. Und wenn jemand klingelt und kommt, dann freut er sich. Er braucht eine Weile, aber er freut sich.

Er übt Keyboard und Gitarre. Wenn er Keyboard übt, macht er sich dazu einen von diesen voreingestellten Beats an und übt immer und immer wieder diese eine Melodiefolge. Auf der Gitarre klimpert er nur so herum, schronk schronk dängeldäng. Und manchmal nachts hört er die Toten Hosen bei offenem Fenster, in seinem Flur hängen Schals über einer Leiter, ganz viele Schals und wenn man ihn im Hausflur trifft, ist ihm das Bier in seiner Hand unangenehm, er lacht dann nicht, aber der Freund, den er dabei hat, der lacht. Der bleibt auch stehen und lässt einen vorbeigehen, während er nur den Blick senkt und das Bier hinter seiner Hose versteckt. “Lagwagon” oder “Leberwurst” - eines dieser Netzwerke ist bestimmt seines.

Hingehören.

Espresso On Ice
Not
Herzblätter
Limo

Wieder das Schnurren des Rades. Der Fernsehturm im Nebel. Die Unmöglichkeit des Berliner Verkehrs zum Feierabend und dass alle fahren, als säßen sie zum ersten Mal in einem Autoscooter. Der Espresso on Ice um die Ecke. Vermissen. Neue Schuhe. Die Beats des Keyboards des Nachbarn wieder erkennen. Tun tun tun. Neue Weichen stellen. Langsam zurückfinden. Himbeeren und Kirschen. Die Stille im Hof. Wieder vor Ort sein. New York Cheesecake. Blumen gießen. Spreeglitzer. Kopfhörer schrotten. Die Erleichterung, wenn das Heuschnupfenmedikament zu wirken beginnt. Sich manchmal nur an zwei Fingern festhalten. Ausschau halten. Das Richtige getan haben.