Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Berlin

Trip down memory lane.

Da, wo heute das St. Oberholz heute ist, war früher ein Burger King. Ich bin dort in der Nähe aufgewachsen und musste die U8 nehmen, um zu meiner Schule zu kommen. Jeden Morgen. Nach der Schule sind wir manchmal gemeinsam ausgestiegen, wir Mädchen, und zu Burger King gegangen. Wir haben uns dort an Plastiktische gesetzt, wo jetzt Sofakissen herumliegen, dort auf der Ecke, wo man direkt auf den Platz schaut, dort saßen wir und manchmal rollten ein paar Bälle aus dem Bällebad zu uns herüber. Es gab damals oft dieses Angebot, dass man zwei Burger für den Preis von einem bekommt, wir fanden das gut und haben dort meistens viel länger gesessen, als die Burger reichten. Ich beschwere mich nicht über den Wandel, der dort am Rosenthaler Platz geschieht, sondern sehe zu, und ich mag es, was Rafael Horzon dazu sagt: “Und dass alles so bleibt wie es ist, kann niemand im Ernst wollen, denn dann wären wir ja logischerweise immer noch in der Steinzeit. Man muss aufhören, den alten Zeiten hinterherzutrauern.“.

Die Dinge verändern sich immer, du kannst dir die Beine nicht in den Bauch stehen in der Hoffnung, dass alles so bleibt, wie es ist, denn dann wirst du sehen, dass deine Beine schon einen Bauch weiter sind, so ist das, die Dinge wachsen, gehen, chamäleonisieren sich, tragen Make-Up und wischen es wieder ab. Denn auch die Dinge bekommen Falten, lassen sich aufspritzen und verlieren an Substanz, manches festigt sich. So wie die Erinnerungen, die niemand wegbaggern kann, die nichts zu tun haben mit Restaurierung und Fake-Stuck und neu gekauften Dielen, gelifteten Fassaden. Ich bin dort zur Schule gefahren jeden Morgen und ich werde dort immer zur Schule gefahren sein, komme die Veränderung, wie sie will.

Ansgar vom St.Oberholz hat mir einige Fragen gestellt und ich habe sie beantwortet.

We will walk ’til we get to the harbor.


Wir haben alle gedacht, das wäre es gewesen, der Sommer, die Euphorie. Und die Herbstkollektionen staksen von den Plakaten, in der Nacht kündigt sich der erste Schnupfen an und der hat nichts mit Heu oder Wiesen zu tun, sondern damit, dass wir es noch nicht ganz glauben konnten, dass es das nun schon wieder gewesen sein sollte. Sollte es nicht. Samstag stand in Farbe und Sonne und sofort wollte ich Wäsche waschen und ausschütteln und nach draußen hängen. Und dann standen wir da auf dem Dach, ich war mir sicher, der Fernsehturm hat kurz gezwinkert, als er uns sah. Und Henrik von Ghost of Tom Joad hat gespielt und gesungen und der Himmel sah aus, als hätte ihn gerade jemand ausgeschüttelt und geschüttet, als habe ihn jemand eine Weile so liegen lassen, damit er Zeit hat sich zu entknittern und glatt zu ziehen. Keine Falten, nirgendwo.


Und als wir dann später noch einmal zurückkehren mit dem Blick auf all das, was mir immer noch Kindheit bedeutet und dieser Prozess von klein zu größer, der Blick auf all das, was ich niemals aus den Augen eines Touristen sehen werde, egal, wie lange ich weg bleiben könnte. Ich werde diese Dinge niemals zum ersten Mal sehen, nur mit ihnen im Hinterkopf, den Fassaden und Silhouetten kann diese Geschwindigkeit stattfinden, Berlin bleibt immer im Backenzahn, ich habe nicht die Chance auf einen Faltplan, und ich will sie niemals haben. Und dann kamen Stars mit dem Fahrstuhl auf’s Dach gefahren und wir grinsten uns an und sie freuten sich über den Blick und man machte Ah und Oh und dann wurde gesungen und ich stand auf dieser Holzbank mit den Händen in den Hosentaschen, mir schien die letzte Abendsonne auf den Rücken und der ganze Sommer, und ich drückte eine Hand im richtigen Moment.


Manchmal ist das so, dass der Sommer und ein bisschen Zeit vorbeigehen und die Dinge vielleicht einmal richtig wackeln müssen, damit alles wieder an seinem Platz steht. Wir und dieser Platz, dieser Blick und dieses Lied. Alles mit ganz wunderbarer Textur, ganz nah und unmittelbar, ich verliebe mich in unsere Haptik, ich vergesse uns nicht. Auch weil man dann plötzlich weiß, dass es bis zum nächsten Sommer nicht mehr so weit ist, die Zeit vergeht mittlerweile immer schneller, die Jahre vielleicht auch. Aber die Euphorie nicht und wir nicht, keiner sieht uns hier oben, niemand hört uns hier oben, das ist genau der richtige Platz.


They’ll never know we were here. (Danke, tape.tv)

Wondering what’s buried underneath.









Au Revoir Tristesse.

Sich ein Bild kaufen. Keinen Druck sondern ein Original. Und dabei einen Weißwein in der Hand halten. Und danach zu Radar Detector im Schaufenster tanzen. Es gab einen Tag, da dachte man, sowas passiert nur in Filmen und plötzlich ist man das selbst auf der Leinwand und alles 3D. Großartig fühlt es sich an, viel besser als Klamotten kaufen oder sowas, ich hatte dieses breite Grinsen auf meinem Gesicht nach dem Kaufentschluss gar nicht erwartet, aber jetzt klebt da dieser kleine Zettel neben dem Bild, der sagt, das ist jetzt meins. Schluss, aus, verkauft.

Carmina stellt derzeit aus. Dieses Mal unter dem Deckmantel Obhut, einem Künstlerkollektiv, das derzeit aus ihr, Herrn Specht, Nikoki und druckbewegung besteht. Bis 31. Juli kann man die Werke noch anschauen. In der Lychener Straße 23 im neonchocholate im Berliner Prenzlauer Berg. Es macht sehr glücklich dort zu sein, übrigens.

Mit Neonlichtaugen.

Gisbert zu Knyphausen

Als hätte er einen Knoten in den Faden zwischen Hamburg und mir und diesen Liedern gemacht und obwohl ich weiß, wie einfach diese Assoziation ist, denn natürlich ist Hamburg seine Stadt und sein Zuhause, knallt es mich jedes Mal, wenn ich das höre, in den letzten Winter zurück und an die silber funkelnden Kräne zu dem Klirren der Schollen. Ich vergesse nicht, wie das riecht und wie kalt mir war und wie man sich fühlt, wenn man den Atem über dem Fluss sieht und weiß, zuhause wartet niemand aber eine Aufgabe und der unbedingte Wille, das zu schaffen. Als hätte er einen Doppelknoten gemacht in die Schnur, den er heute gelöst hat und neu gebunden. Als er da stand mit schwitzenden Knien und wir alle ganz triefend und ich dazu glücklich, das ist immer dann, wenn der müde Punkt überschritten und der ganze Rest egal ist, woher und wo und wohin der Schweiß läuft und die tanzenden Füße und die Bilder an den Liderinnenwänden, weil man nicht die ganze Zeit in die Scheinwerfer starren kann. Ich mag ja den Gedanken, der Musiker da oben, derjenige, der sich den ganzen Abend die Seele aus dem Leib entertaint, genau der hätte mal kurz einen Moment Ruhe, wenn du die Augen schließt, was natürlich nie passiert, weil es das nicht gibt, dass alle auf einmal die Augen schließen für ein paar Sekunden, denn einer schummelt immer.

Heimathafen Neukölln

Jedenfalls hat er jetzt eine Schleife gebunden in das Band, ordentlich gezurrt hat er daran, der Herr Knyphausen, weil er phantastisch gebrüllt hat und die Band noch mit dazu, weil ich erst glaubte, sie sähen so aus, als wären sie nicht ganz warm miteinander, aber das waren sie, so sehr, dass es den Gänsehautmoment zweimal gab. Ich kann doch immer nicht anders, wenn auf der Bühne jemand ausrastet, obwohl das nicht geplant ist, wenn es sich ergibt, dass eine Improvisation ein Gefühl wird, mehr noch, ein Gespür. Für den richtigen Moment. Und dass man merkt, dass man nicht nur an- sondern zurückkommt, wenn da Gesichter sind, die schon seit Jahren da sind und lächeln jedes Mal.

Alles geschafft. Alles richtig.

Ich bin hier, weil du auch hier bist.

tape.tv rooftop

Die Schwalben flogen tief, kaum noch Blau vom Himmel zu sehen, wirre Grauschwaden und viel Weiß. Drei, vier Pools, größer und kleiner, ein Bett im Garten, der Blick auf nackte Beine und noch nacktere Fassaden. Ein Schornstein direkt neben uns. Manchmal wirkte er ein bisschen unsicher, das Publikum dieses Mal hinter und nicht vor sich, dann eine Kamera und ein Puschelmikrofon schräg oben drüber. Wir sitzen und lauschen und der Dachteer ist noch ganz warm von den letzten Tagen. Wir wissen alle, dass das Gewitter kommt. Und als wir unten stehen vor dem rosa Haus und unsere Räder abschließen, fallen die ersten Tropfen.

tape.tv rooftop

“Ich würd gern geben, was ich zu geben vermag, ich will lachen an den richtigen Stellen.”

tape.tv rooftop

“Ja, wir werden da sein, weil wir immer schon da waren.”

gisbert zu knyphausen bei tape.tv

Mit bestem Dank an tape.tv, wo es auch bald das gesamte kleine Dach-Konzert zu sehen gibt.

beach house

Planschi

Planschi

Leute, die bei großen Unternehmen arbeiten, essen jetzt dort Mittag, wo ich als Kind gespielt hab. Wo ich aufgewachsen bin. “Planschi” hieß das große blaue Becken. Eltern sammelten immer sorgsam die Scherben heraus, es gab noch das alte Klettergerüst, an dem ich mir mal ein blaues Auge geholt habe, wir saßen meistens auf dem Rasen ohne Decken. Später hatten wir grüne Flecken auf den Knien und Hosen. Auf dem Rückweg sind wir zum Tipp, da gab es ihn noch, und kauften Eis, das wir in der großen Einfahrt zum Hof aßen, weil es dort so schön kühl war. Den Hof gibt es auch noch, das alte Haus, von dem ich immer dachte, ich müsste es kaufen und ausbauen, weil es aussieht wie eine zweigeschössige Garage mit Balkon im ersten Stock, eine schöne Garage, es könnte ein Atelier sein. Das alte Haus im Hof hinten gibt es noch, unverändert, niemand hat es entdeckt und gekauft und eingerissen oder umgebaut. Ich bin sehr froh darum. Auch um die unverändert blaue Farbe des Betons unter dem Wasser.

Mit großem Dank an Matthias für das Bild.

To Do’s at Fashion Week Thursday.

Hundreds - Let’s Write The Streets | Live at Babylon, Berlin from Sinnbus on Vimeo.

Wenn ich ihr wäre und nicht am Donnerstag beruflich den ganzen Tag in einer anderen Stadt, würde ich mich abends klonen lassen, um diese beiden Veranstaltungen besuchen zu können. Einmal Tony Hawk - Held einer kleinen Pubertät - live sehen wäre immer noch absolut erstrebenswert. Außerdem die Band meines Sommers, wie ich vermute, in Kooperation mit trikoton im Rahmen der Berliner Fashion Week. Ganz großes Kino sicherlich.

Tony Hawk

Und wenn ich mich dreiteilen könnte, würde ich den dritten Teil nach Hamburg zu The National und Midlake im Stadtpark schicken. Frontfrowpflicht ohne Catwalk.

The National

Der weiße See

Der weiße See

Die einzige Sorge ist am Anfang, wie lange es noch dauert. Wann man ankommt. Ob das da vorne eine Stau ist. Das Wundern beim Betrachten der Vögel auf den Stromleitungen, es hört nicht auf. Das Flimmern auf der Straße, das aussieht wie riesige Pfützen in der Ferne, die dann plötzlich einfach verschwinden. Und die Erinnerung daran, wie das war, als man das noch nicht erklärt bekam in der Schule, als man sich nicht traute zu fragen, was das sei, weil man es selber herausfinden wollte, weil man dachte, man sei ein bisschen verrückt, man wollte das im Falle des Falles nicht an die große Glocke hängen. Und wie man die Schatten der Bäume auf dem Asphalt mitnahm, als wären sie Hürden, die es zu überspringen gelte. Sprung für Sprung für Sprung.

Boot

Die Mücken kommen nur am Wasser, hinter die Büsche trauen sie sich erst spät. Den Kopf schüttelt man so, wie man während des Schwimmens den Kopf schütteln kann, wenn eine Wasserschlange an einem vorbei schwimmt, einfach so vorbei, vielleicht mit ein bisschen Angst im Nacken, denn sie beeilt sich sehr, sie wird nicht wissen, wer wir sind und flüchtet zu den Blesshühnern. Die Stege, von denen viele eine eigene Tür haben, die einen vom Wasser aus nicht interessiert, die ist nur was für Leute, die auf Wegen gehen. Dort wachsen Pusteblumen, im Wasser Seerosen, gelbe.

Blau

Es gibt den Steg noch, an dem ich den riesigen Lastwagenreifenschlauch ins Wasser gerollt habe. Es gibt ihn noch, er hat keine Tür. Eine Familie oder zwei sitzen nun auf einer Bank, die es damals noch nicht gab, wir liefen immer gleich zurück zum Haus oder hockten uns auf den Steg, manchmal hatten wir Kirschen dabei und Jogginghosen, meistens nur sandige Füße. Ich bin nie ans andere Ufer gegangen damals, jetzt sitze ich immer nur dort. Ich meide die alten Wege, ich fahre Bögen. Vom Wasser aus sehe ich den Strand, der nun bunt gepunktet da liegt, als wäre nie etwas gewesen, als wäre ich nie auf Skiern den Hügel hinunter gefahren und noch weiter auf den See. Das Idyll einer Auslassung.

Sundown

Aber wenn man Bögen macht, drumherum geht, dann muss es dort mal etwas gegeben haben.

Backyard Radio

Krank sein im Sommer ist ungerecht, blöd und doof. Krank sein im Sommer macht keinen Spaß und manchmal wird man ein bisschen zu einem eingesperrten Löwen, der brummelnd und knurrend im Zimmer umherläuft und zwischendurch ein paar Medikamente aus einer Packung pult. Aber Kinder und Planschbecken im Hof sind eine ganz gute Geräuschkulisse.