Herzschlagschluckauf.

Ich habe mal geträumt, das wäre alles nicht so passiert sondern anders. Du warst nicht einfach weg, du hast das selbst entschieden. Du hast den Abschied selbst gewählt, deine Wohnung gekündigt und das Telefon abgemeldet, du bist ausgezogen und hast uns allen den Rücken gekehrt. Nicht gesagt, warum, sondern es einfach gemacht. Hinter Bäumen auf dem Bürgersteig hast du gestanden und uns beobachtet manchmal, dich schnell weggedreht, wenn wir deinen Jackenzipfel bemerkt haben. Ich wusste, dass du da bist, aber ich wusste nicht, wo. Es war okay, der Jackenzipfel hat gereicht. Oder das Gefühl, dass in der Schlange im Supermarkt zwei Personen hinter dir jemand steht, den du kennst, da brauchst du nicht nachschauen, dich nicht umdrehen, den merkst du sofort. Ich hab geträumt, dass ich dein Gesicht manchmal entdecke in einer Menschenmenge, beim Konzert vielleicht, für zwei drei Sekunden, wenn du gerade einen Schluck aus der Flasche nimmst oder dir die Schnürsenkel bindest, den Schweiß aus der Stirn wischst. Und mein Blick liefert einen Beweis, eine Spur, an die ich mich erinnern kann am nächsten Morgen.
So sehr, dass du manchmal an den echten Tagen dann in Menschenmengen stehst, dein Hinterkopf in die U-Bahn steigt, dich am Telefon räusperst. Das reicht kein Blinzeln lang, keine Zeit, die eine sichtbare Reaktion auslösen könnte. An den echten Tagen dann ist der Traum aus der Nacht nur noch der Bruchteil eines Wunsches vom Tag. Das ist alles so passiert, wir haben uns das nicht ausgesucht, du bist nicht da. Auch morgen nicht. Aber wenn es große Fenster gibt in den Räumen, in denen ich mich befinde, gucke ich trotzdem manchmal raus. Ob dort Bäume stehen, die groß genug sind, um als Versteck zu dienen. Auch morgen.






