Sich freimachen zu können von den Restverpflichtungen. Einfach loszufahren und zwischen den Steilwänden ringsherum dem Streifen Himmel zu folgen. Sich in Gedanken auf die von Weitem so weich aussehenden Flächen zu legen. Mit der Hand fast die Wolken berühren zu können, wenn man sich dann hinaufgekämpft hat. Und dass es fast immer noch höher geht, während man sich vorkommt wie in einem Film, The Album Leaf als Soundtrack und hinter jeder Kurve ein Panorama.
Sich fallenlassen zu können. In den Kalterer See von einem Tretboot aus und in den Fahrtwind, der dir jegliche Frisur und angespannte Mimik zunichte macht. Man kann irgendwann eigentlich nur noch schauen und das Oh und Ah ist irgendwann überholt, weil sie so oft zusammengenommen eigentlich ein tiefes, vibrierendes Ohm ergeben, das du am Bauchboden spüren kannst. Gleichzeitig ein- und auszuatmen. Sich gegenseitig zu bedingen, kein Gleichtakt, aber sich ergänzend in jeder Bewegung.
Einen Ort in der Tasche zu haben, der transportabel ist und ein Zuhause sein könnte, unabhängig von Hausnummern und Verwurzelungstheorien, von Arbeitsplatzumständen und Mieterhöhung. Der sich lediglich speist aus den richtigen Worten in den richtigen Momenten, von dem Blick, der deine Lunge freimacht wie ein Inhalationsdampfbad bei schlimmer Sinusitis und der nicht näher sein könnte, wenn ungefragt über dem Gardasee ein Feuerwerk explodiert und sich in kleinen Glühwürmchen herabregnet.

(Wann hast du das letzte Mal nicht gezögert?)
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Juli 2008 um genau 11:47
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Die Augen schließen sich zwar, aber an den Innenwänden rast das Licht in Facetten und mit enormer Geschwindigkeit. Es macht Formen in unterschiedlichsten Farben, flackert und wirrt, sodass du doch lieber ins Zimmerdunkel starrst als dem standzuhalten. Der Bauch ist zwar satt, aber er rumohrt, schiebt Dinge hin und her, gräbt sich ein tiefes Loch in dich hinein und macht die Oberfläche rau. Die Nachbarn sind still, aber jedes Geräusch, das die Haarwurzeln machen, wenn du deinen Kopf auf dem Kissen herumdrehst, verdoppelt sich, greift sich ein Echo aus der Luft und multipliziert sich mit dem Knacken des Schultergelenkes über dem leisen Aneinanderreiben der Matratzeninnenteile. Die Füße sind zwar warm, aber die Hände elendig kalt und es bringt nichts, sich drauf zu legen, die Finger einzeln zu bewegen, die Handflächen aneinander zu reiben oder einfach liegen zu lassen. Das Zwerchfell erfährt keinerlei durch Muskeln ausgelöste Anspannung und zittert doch unentwegt. Die Lunge füllt sich mit Luft, aber es ist nicht genug. Dabei üben wir das 23.000 mal am Tag, nur jetzt funktioniert es nicht so, wie es soll. Du hast zwar jemanden an der Seite, aber da ist immer dieser unauslöschbare Abstand, es wird immer diese Lücke geben, ein Femtometer Zwischenraum, das den Unterschied ausmacht, die Grenze, die Haut und das für sich sein.
Nicht einschlafen können.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. März 2008 um genau 1:19
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So tief einatmen wie lange nicht, während drumherum alles dunkel ist, die Straßenbahn schon nicht mehr fährt, der Nachbar seine Musik jetzt auch mal ausgemacht hat, das Licht von gegenüber nur noch ein schwacher Schein ist. Und den Mond im Rücken und noch einmal tief einatmen und die Wange hinein halten, weil es fast nichts besseres gibt auf diesen knappen vier Quadratmetern. Es ist neu, aber nicht fremd. Es ist weich, aber nicht schwer. Es ist noch ein bisschen steif, aber passt sich mit jeder Bewegung an, es kennt dich noch nicht. Es raschelt leise in Ohr und Nacken und die Füße suchen sich einen neuen Platz. Es ist ohne Mensch drin. Und man breitet sich langsam neu darin aus, es gibt noch keine Fremdgerüche, kein Haar aus der Nacht, keinen Krümel vom Morgenbrötchen. Es gibt nur wohlig und die Erinnerung an die kühle Luft unter dem Apfelbaum, unter dem ich in eben solcher Ummantelung meinen Mittagsschlaf als Kind erst abgelehnt und dann widerstrebend, beim Aufwachen aber mit gutem Gewissen gemacht habe.
Frisch bezogene Betten.
Liz hat es verfasst, und zwar am 18. Februar 2008 um genau 12:27
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