Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: En Känsla

RAL 9005

Hang

Schwarz tragen. Früher habe ich nicht verstanden, wieso Menschen das tun auf Beerdigungen, ich kam nicht zurück zu dem Grund dafür, irgendjemand muss sich das einmal ausgedacht haben, und aus diesem Unverständnis heraus begann ein Unwille, ich wollte kein Zeichen einer uniformierten Trauer, ich wollte nicht Teil davon sein und in meinem Gefühl keiner Konvention folgen, weil ich immer dachte, das ist mein Gefühl, nur meins, und du und du auch und du vor allem hast keine Ahnung. So war das eine lange lange Zeit und jetzt jährt sich dein Tag erneut, jetzt jährt sich ein Moment, von dem ich keine Ahnung habe, wie er war, und ihn dennoch oder vielleicht gerade deswegen bedingungslos liebe. Kein Anspruch daran, nicht einen Millimeter Zweifel an der Großartigkeit dieses Tages, weil es am Ende immer ein Glück war, dass du da warst. Immer ein Glück.

Schwarz tragen ohne ein Ritual sondern aus dem Vermögen heraus, damit Ruhe zu verbinden, Unaufgeregtheit, die trotzdem nicht weniger wert ist. Schwarz tragen, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen kann für dich, also dass hier jemand ist, der dich erinnert ohne Ablenkung, nicht nur an diesem Tag, aber heute direkt auf der Stirn. Und mittlerweile Schwarz tragen, weil es Barrieren abbaut, die glatteste aller Farben, der Schmerz kann einfach hindurch, hinein und wieder heraus, keine Hindernisse, keine Kurven, nur stilles Wasser, siehst du? Schwarz tragen und einen Faltenwurf, der genug Platz hat für dich und all diese Jahre. Schwarz tragen und den Kopf nicht mehr senken, die Zeiten sind vorbei, in denen uns jemand etwas konnte, Schwarz tragen und sagen können, so war das, das geht nicht mehr weg. Aber weil du da warst, ist das Leben hier immer noch ein Glück. Ein großes.

Einen Ort haben, der nicht man selbst ist.

Schiff

Seltsam, weil immer alle sagen, mehr brauche man nicht, also mehr als sich selbst, und wie sie im gleichen Moment alle Arme und Füße und Möglichkeiten ausstrecken, die sie haben, um irgendetwas zu fassen. Ich hingegen glaube, es ist etwas sehr Erstrebenswertes, noch einen zweiten Punkt auf der Karte zu haben, einen Punkt und ein Kreuz mit einer gestrichelten Linie dazwischen, auf der man mit dem Finger hin und her fahren kann. Ich hingegen glaube, dass man sich selbst genug sein kann, aber wer will schon genug, ich glaube, jeder will mehr als genug, weil jeder auch ein Kopfkissen will, obwohl der eigene Arm genug wäre, denn der eigene Arm schläft einem irgendwann ein, noch bevor der Kopf das tut, ein Kopfkissen hingegen lässt sich wenden, wenn es warm geworden ist, und das richtige Kopfkissen wendet sich von selbst, wenn es merkt, es schnarcht. Und weil vielen der Stift ausgeht, haben sie keinen Bock mehr auf die Linie oder malen sie im Kreis, weil es nicht auffällt dann, wenn die Tinte blasser wird. Seltsam, weil immer alle sagen, sie würden nicht mehr suchen, das hätte keinen Sinn, und ich doch sehen kann, wie ihre Wimpern flattern, wenn jemand vorbei läuft, der einem Foto ähnlich sieht, das sie in ihrer Schublade haben. Ich hingegen glaube, es ist sehr erstrebenswert einen Stift kaufen zu gehen, vielleicht einen richtig guten sogar, das braucht seine Zeit, manchmal vertut man sich oder übt die Schrift nicht im Geschäft auf einem kleinen Blatt Papier, und dann kann es passieren, dass man den falschen Stift mit nach Hause nimmt und es erst nach einer Weile an dem Knubbel merkt, der sich am Finger bildet wie Hornhaut zum Schutz. Und ich hingegen glaube, dass die besten Skizzen mit Bleistift geschehen, mit etwas, das man nicht von Weitem sieht, sondern auf das man sich konzentrieren muss, das kann ruhig in einem kurzen Moment passieren, (welches Gute tut das nicht, nur in einem kurzen Moment wirklich passieren, aber danach durch Kopfanstrengung und Herzmuskelschluckauf noch andauern, meine ich), aber die besten Linien, die feinen, die ehrlichen, die kommen nicht immer aber oft aus dem Handgelenk und aus einem Versuch heraus. Aus dem Versuch einen Ort zu finden, der nicht man selbst ist. Das ist fast wie gefunden werden.

Wer aus mir trinkt, wird ein Reh.

Reh

Das ist das gute Leben, das mit dem Wissen von denen, die als personifizierte, vollautomatisierte Heizung wissen, wann der richtige Moment ist, wann die richtige Temperatur, wann man zu klappern hat, damit es nicht zu still ist und wann man sich besser ruhig verhält. Das ist das gute Leben, das mit den rauschenden Ästen, die einem etwas von der eigenen Biegsamkeit erzählen, den eigenen Neigungsgraden und dass sich das manchmal auch scheiße anfühlt, aber nichts im Verhältnis zu dem ist, was danach alles gut wird. Das ist das gute Leben, das mit den Liedern, die nicht an Personen sondern Temperaturen hängen, das wirklich gute Leben, das sich aus sich selbst heraus rechtfertigt wie ein Wendepullover, in alle Richtungen nutzbar und offen und immer ein bisschen zu groß, so wie man es gerne hat, weil es einem Platz lässt, sich unbemerkt zu bewegen, sich merklich zu verändern und auch, weil man das muss, alles mal falsch herum anzuziehen, das macht gesund. Das ist das gute Leben, das mit dem Schneekugelmoment, nicht das wilde Treiben kurz nach dem Schütteln, sondern wenn das Weiß sich setzt, auf die Nasen und Schuhspitzen, Dächer und Hügel, und nichts übrig lässt außer dem großen Geradeaus. Du kannst immer. Alles. Überallhin. Jederzeit. Das ist es.

Kaolin, Feldspat und Quarz.

Two

Die Decke über den Kopf, die Türen zu, die Höhle so, dass es reichen wird für eine Weile, es kann sein, dass du dich sonntags wundern wirst, aber ich komme erst einmal nicht mehr auf den Markt. Denn die Fenster sind abgedichtet, die Ecken entstaubt, ich habe jeden Gegenstand in die Hand genommen und auf Tauglichkeit geprüft, mein Rückgrat auch, die Rippen und das Porzellan, wir sind aneinander geraten, so lernt man sich kennen. Also erst indem man sich befühlt, einander fragt und antwortet und einen Schritt weiter geht als die Politur. Es geht ja auch immer darum, dass man weiß, was drin ist, nicht nur, welche Rundungen es hat. Ich gebe dir nicht Bescheid, ich schreibe keinen Brief, ich rufe nicht mehr an und alles in allem wirst du nicht suchen müssen, weil ein Versteck nur ein gutes ist, wenn es hält, weißt du, das hat mein Großvater immer gesagt, und die Dinge, von denen er spricht, die wenigen hat er meistens perfektioniert.

Deswegen habe ich den Garten winterfest gemacht, das Holz gestapelt, die Post abbestellt, ich gehe raus, wenn keiner schaut, in den frühen Morgen, die man gerade nicht von den späten Abenden unterscheiden kann, ich bewege mich, da müsstest du dir keine Sorgen machen, wenn du wüsstest, dass das hier kein Urlaub sondern ein Einrichtungsgegenstand ist, eine Einigung zwischen Ebbe und Flut, ich stehe vormittags nicht an der Bahnhaltestelle, das ist jemand anders, ich komme nicht wieder. Ich habe den Tieren ein Lager bereitet, die Bücher betrachtet und verstaut, es ist alles in Sicherheit. Wir sind ineinander geraten, so lernt man sich lieben. Indem man von innen nach draußen schaut und die Geschwindigkeiten dazwischen abgleicht, sich die Nase an allen Scheiben platt drückt, um nichts zu verpassen voneinander. Es geht ja auch immer darum zu wissen, wer mitkommt und nicht nur, wer gerade da ist, weißt du?

Zurück.

Flowers

Der Erste kam mit blutverschmiertem Gesicht. Der Zweite konnte unsere Sprache nicht. Die Dritte war erst 4 Jahre alt und las die Worte laut vor sich hin, um nicht zu spüren, wie wenig sie die Umgebung kannte, Augen auf die Buchstaben, nur darauf, die Lippen den Lauten folgend (was von beidem war zuerst da?) an einem kleinen Tisch, während die Eltern hinter der großen Automatiktür aus Milchglas verschwanden. Der Vierte starrte auf den Fernseher und trug keine Schuhe. Die Fünfte wurde im Rollstuhl herein geschoben, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, als würde sie nicht einmal horchen sondern auf ein Ende warten. Rettungsstellen sind ein vager Versuch eines Staudammes, eher noch einer Eindämmung, der große Versuch einer Hilfe in Form eines Aquariums, jemand hält die Hände hinein und ein anderer schwimmt drauf los in der Hoffnung, es geht gut. Es wird schon gut gehen. Wenn man dort bleibt in der Nacht, das Fiepen der Maschinen, das Geräusch der quietschenden Schuhe auf dem mit Linoleum ausgelegten Flur, am Morgen der erste Blick auf den Baum, weil es keine Vorhänge gibt und man den Baum trotz Dunkelheit erkennt, denn im Haus gegenüber sind sie noch früher wach und schieben vages Licht zu uns herüber. Die Plastikabdeckungen der Essensteller wie die Milchglastür zu den Behandlungsräumen, alles gibt es in Schalen, Schälchen oder Bechern, jede Substanz wird abgefühlt, gewogen, bemessen, aufgeschrieben. Die Worte sind kurz, die Sätze beinahe keine Sätze, weil auch sie erinnert werden müssen, um auf Papier zu landen, die Sätze sind eher Koordinaten, obwohl sie eigentlich rahmen sollten. Die Hände riechen nach Desinfektionsmittel, alle Hände. Und die, die auf Liegen durch die Gänge geschoben werden, schließen meistens die Augen, wenn sie noch können, wenden den Blick ab, weil es kein gutes Gefühl ist, weil man genau weiß, dass sich jeder fragt, was da wohl passiert sein mag und weil man, wenn man auf so einer Bahre liegt und geschoben wird, eigentlich zu einem von den Sitzenden, Wartenden wird, man sieht sich von außen und fragt sich, was da wohl passiert sein mag. Man teilt sich auf in zwei: In den einen, dem es passiert, und in den anderen, dem sowas nicht passieren kann. Und irgendwo dazwischen klammert sich sowas wie Angst ans Laken.

Wie wichtig es ist, ein eigenes Bett zu haben, und dass man selbst entscheiden kann, wann sich Türen öffnen und schließen, wie wichtig ist es ist, dass dich jemand länger als drei Minuten kennt, um dein Herz in einen Takt zu bringen, mit dem man arbeiten kann, wie unglaublich wichtig, dass es einen Ort gibt, den man sich selbst geschaffen hat, der leise ist und wirklich still hält, an dem nicht alle um dich herum krank sind, einen Defekt haben oder ein Problem, bei dem sie nicht mehr in der Lage sind, es allein zu lösen, merkt man erst, wenn man wieder zurück ist.

Bergfried

Seat

Seltsam, dass Menschen oft dann weggehen, wenn man sich gerade an den Gedanken gewöhnt hat, sie könnten bleiben.

brottför

Fox

First I went through broken glass, then through grass, then it was this forest where every tree looked the same, where you go round in circles cause you are human and humans always have a certain drift. Then there was this ocean that I didn’t how to cross but just began to swim including the possibility of drowning. Then I lay down, wet and tired and those old days were no longer visible to me. The horizon scared the shit out of me. It was like new bed linen and how you wait some minutes before you finally fall into it. I picked myself up, I collected some sea shells, I never found a drift bottle but I recovered. I followed the horizon as if the shore was the opposite hand. And then I realized that it’s ok now and that the broken glass got rounded edges all along the way. It looks pretty nice when you pick it up, so the light can get through. I love you but I’m not yours anymore.

Quiet birds in circled flight.

Both

Sich nachts im Bett anatmen. Über Kilometer hinweg auch. Stets wissen, wann und wie und wo und wenn man es nicht weiß, dann sich nicht überwinden müssen zu fragen. Eine Hand auf den Oberarm, eine Hand wie eine Skulptur, die im Garten steht. Vom einen für den anderen. Auch nachts steht sie da, auch bei Wind und Schnee, die geht da nicht weg. Sich durch den ganzen Raum hinweg ansehen. Im selben Moment. Und abwechselnd. Nicht immer wissen, wie laut, aber immer, dass auf jeden Fall. Und wenn nicht einmal das, dann einander Schritt für Schritt entgegen gehen. Der eine dem anderen. Im selben Moment. Hier und da. Sich Bescheid sagen und nicht aufhören damit. Auch bei den Kleinigkeiten. Nicht aufhören damit, dem anderen zu beweisen: Ich bin’s. Nicht aus Notwenigkeit oder Mangel sondern aus Respekt. Nicht aufhören, sich zu bewegen. Nebeneinander. Mit Abstand und Raum, in dem Platz ist für Nähe. Ein Name auf dem Schild, ein Name wie ein Pulsschlag. Vom einen für den anderen. Auch nachts. Sich immer wieder den Finger auf das Handgelenk legen, an den Hals, um zu wissen: Das sind wir. Und wenn du nicht mehr, dann ich für dich. Wenn ich nicht mehr, dann du für mich. So geht das.

Geländerlosigkeit

Sky

Als würde man einmal kurz oben auf die Balustrade klettern, während es links und rechts ziemlich weit runter geht, manchmal hast du keine Seile, keinen Gurt, manchmal legst du die Schuhe ab und damit auch die Bänder, die Gebundenheit, das, was zieht, wenn sich einer von beiden bewegt. Manchmal lässt man den Faden liegen, weil er nicht reicht, weil er nicht reichen würde für die Schritte, die man gehen muss, und man weiß, dass es immer ein schlimmes Geräusch macht, wenn etwas reißt, weil man so sehr zieht, dass es nicht mehr geht ohne Materialbruch zu erleiden, ohne zu splittern. Man könnte das wagen, den Kraftakt, man könnte dann mit einem ausgefransten Stück Faden weitergehen und gucken und dieses Stück Faden als Alibi benutzen, als Ausrede und als blöden Geist, aber am Ende umarmt man auch dann nur ein Kissen.

Den Faden liegen lassen, bevor er kaputt geht. Sich merken, wom und schauen nach einer Zeit, ob er noch da ist oder ob Witterung schneller war und ihn angefressen hat. Gehen und sich dann erst einmal nicht mehr umdrehen, auch wenn es ein komisches Gefühl ist, weil Tasche und Faust und Nacken und der Fußraum im Bett so leer sind und man jetzt die Fingernägel in der Handfläche spürt, weil sie jetzt die Lebenslinie berühren seit langer Zeit mal wieder, und die Herzlinie, nur die eigenen Finger in der eigenen Hand. Die Zimmermänner dürfen sich auch nicht umdrehen am Anfang, wenn sie auf Wanderschaft gehen und ihren Heimatort verlassen, man läuft dann eben geradeaus und weiß gar nicht, ob einem nachgeschaut wird, ob da noch jemand steht, weil wenn man sich umdreht und dann ist niemand mehr dort, wird es schwierig, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Als würde man sich einmal kurz oben auf die Balustrade stellen jetzt, während der Blick vor einem ziemlich weit ist und man gar nicht weiß, wo man anfangen soll hinzusehen, weil sich plötzlich alles bewegt vor einem und in einem. Mitunter wird einem ein bisschen schummerig, weil das lange nicht so war, ganz ohne Geländer und Ränder und Rahmen und in jede Richtung möglich. Wie man sich selbst erst einmal neu justieren muss dann, Einstellungen vornehmen, gucken, wie man jetzt funktioniert, wie man am besten auch hier oben auf einem Bein steht ohne umzufallen, sich einen Schirm kaufen, einen kleinen nur, aber einen Schirm und dann vielleicht hin und wieder für jemanden gehalten werden, der vom Zirkus kommt, ach meine Güte, wen kümmert das? Das ist keine Choreographie hier oben. Das ist alles andere als ausgedacht, das ist alles, was ich habe.

Und irgendwo im Rücken liegen Fäden herum, ich habe mir eine Karte gemalt, die ist in der Tasche, dort ist es nicht leer, dort kommen bald noch ein paar Kastanien hinzu. Und der Rest ist Orientierung im Raum. Vögel spüren die Luftkräfte an den Federn, weißt du, und wir, wir haben nur unsere Haut. Deswegen muss man sich in den Wind stellen, oben, ganz nach oben direkt hinein.

Of great value.

Schönbrunn

I am ok, you know… You don’t have to look at me as if the sky fell down. Some clouds did but this is what people might call rain. Get used to it. And never get an umbrella. Stay and get through. Why you should? Maybe it has something to do with the fact that I’ve got this heart shaped head and you, you’ve got this head shaped heart. This is what it is, we cannot change anything about it, we never will. But one day you might understand that substance is one thing and silhouettes, states of surfaces are another; and they are both worth it. As it is the same with the moon and rice pudding. You may notice some conformities in appearance every time you have a look but you’d never dare to match them. Just as it is with us.

And yes, I am alright. Someday you will know that this means a lot.