RAL 9005

Schwarz tragen. Früher habe ich nicht verstanden, wieso Menschen das tun auf Beerdigungen, ich kam nicht zurück zu dem Grund dafür, irgendjemand muss sich das einmal ausgedacht haben, und aus diesem Unverständnis heraus begann ein Unwille, ich wollte kein Zeichen einer uniformierten Trauer, ich wollte nicht Teil davon sein und in meinem Gefühl keiner Konvention folgen, weil ich immer dachte, das ist mein Gefühl, nur meins, und du und du auch und du vor allem hast keine Ahnung. So war das eine lange lange Zeit und jetzt jährt sich dein Tag erneut, jetzt jährt sich ein Moment, von dem ich keine Ahnung habe, wie er war, und ihn dennoch oder vielleicht gerade deswegen bedingungslos liebe. Kein Anspruch daran, nicht einen Millimeter Zweifel an der Großartigkeit dieses Tages, weil es am Ende immer ein Glück war, dass du da warst. Immer ein Glück.
Schwarz tragen ohne ein Ritual sondern aus dem Vermögen heraus, damit Ruhe zu verbinden, Unaufgeregtheit, die trotzdem nicht weniger wert ist. Schwarz tragen, weil ich mir nichts Schöneres vorstellen kann für dich, also dass hier jemand ist, der dich erinnert ohne Ablenkung, nicht nur an diesem Tag, aber heute direkt auf der Stirn. Und mittlerweile Schwarz tragen, weil es Barrieren abbaut, die glatteste aller Farben, der Schmerz kann einfach hindurch, hinein und wieder heraus, keine Hindernisse, keine Kurven, nur stilles Wasser, siehst du? Schwarz tragen und einen Faltenwurf, der genug Platz hat für dich und all diese Jahre. Schwarz tragen und den Kopf nicht mehr senken, die Zeiten sind vorbei, in denen uns jemand etwas konnte, Schwarz tragen und sagen können, so war das, das geht nicht mehr weg. Aber weil du da warst, ist das Leben hier immer noch ein Glück. Ein großes.









