Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: En Känsla

Wer aus mir trinkt, wird ein Reh.

Reh

Das ist das gute Leben, das mit dem Wissen von denen, die als personifizierte, vollautomatisierte Heizung wissen, wann der richtige Moment ist, wann die richtige Temperatur, wann man zu klappern hat, damit es nicht zu still ist und wann man sich besser ruhig verhält. Das ist das gute Leben, das mit den rauschenden Ästen, die einem etwas von der eigenen Biegsamkeit erzählen, den eigenen Neigungsgraden und dass sich das manchmal auch scheiße anfühlt, aber nichts im Verhältnis zu dem ist, was danach alles gut wird. Das ist das gute Leben, das mit den Liedern, die nicht an Personen sondern Temperaturen hängen, das wirklich gute Leben, das sich aus sich selbst heraus rechtfertigt wie ein Wendepullover, in alle Richtungen nutzbar und offen und immer ein bisschen zu groß, so wie man es gerne hat, weil es einem Platz lässt, sich unbemerkt zu bewegen, sich merklich zu verändern und auch, weil man das muss, alles mal falsch herum anzuziehen, das macht gesund. Das ist das gute Leben, das mit dem Schneekugelmoment, nicht das wilde Treiben kurz nach dem Schütteln, sondern wenn das Weiß sich setzt, auf die Nasen und Schuhspitzen, Dächer und Hügel, und nichts übrig lässt außer dem großen Geradeaus. Du kannst immer. Alles. Überallhin. Jederzeit. Das ist es.

Kaolin, Feldspat und Quarz.

Two

Die Decke über den Kopf, die Türen zu, die Höhle so, dass es reichen wird für eine Weile, es kann sein, dass du dich sonntags wundern wirst, aber ich komme erst einmal nicht mehr auf den Markt. Denn die Fenster sind abgedichtet, die Ecken entstaubt, ich habe jeden Gegenstand in die Hand genommen und auf Tauglichkeit geprüft, mein Rückgrat auch, die Rippen und das Porzellan, wir sind aneinander geraten, so lernt man sich kennen. Also erst indem man sich befühlt, einander fragt und antwortet und einen Schritt weiter geht als die Politur. Es geht ja auch immer darum, dass man weiß, was drin ist, nicht nur, welche Rundungen es hat. Ich gebe dir nicht Bescheid, ich schreibe keinen Brief, ich rufe nicht mehr an und alles in allem wirst du nicht suchen müssen, weil ein Versteck nur ein gutes ist, wenn es hält, weißt du, das hat mein Großvater immer gesagt, und die Dinge, von denen er spricht, die wenigen hat er meistens perfektioniert.

Deswegen habe ich den Garten winterfest gemacht, das Holz gestapelt, die Post abbestellt, ich gehe raus, wenn keiner schaut, in den frühen Morgen, die man gerade nicht von den späten Abenden unterscheiden kann, ich bewege mich, da müsstest du dir keine Sorgen machen, wenn du wüsstest, dass das hier kein Urlaub sondern ein Einrichtungsgegenstand ist, eine Einigung zwischen Ebbe und Flut, ich stehe vormittags nicht an der Bahnhaltestelle, das ist jemand anders, ich komme nicht wieder. Ich habe den Tieren ein Lager bereitet, die Bücher betrachtet und verstaut, es ist alles in Sicherheit. Wir sind ineinander geraten, so lernt man sich lieben. Indem man von innen nach draußen schaut und die Geschwindigkeiten dazwischen abgleicht, sich die Nase an allen Scheiben platt drückt, um nichts zu verpassen voneinander. Es geht ja auch immer darum zu wissen, wer mitkommt und nicht nur, wer gerade da ist, weißt du?

Zurück.

Flowers

Der Erste kam mit blutverschmiertem Gesicht. Der Zweite konnte unsere Sprache nicht. Die Dritte war erst 4 Jahre alt und las die Worte laut vor sich hin, um nicht zu spüren, wie wenig sie die Umgebung kannte, Augen auf die Buchstaben, nur darauf, die Lippen den Lauten folgend (was von beidem war zuerst da?) an einem kleinen Tisch, während die Eltern hinter der großen Automatiktür aus Milchglas verschwanden. Der Vierte starrte auf den Fernseher und trug keine Schuhe. Die Fünfte wurde im Rollstuhl herein geschoben, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet, als würde sie nicht einmal horchen sondern auf ein Ende warten. Rettungsstellen sind ein vager Versuch eines Staudammes, eher noch einer Eindämmung, der große Versuch einer Hilfe in Form eines Aquariums, jemand hält die Hände hinein und ein anderer schwimmt drauf los in der Hoffnung, es geht gut. Es wird schon gut gehen. Wenn man dort bleibt in der Nacht, das Fiepen der Maschinen, das Geräusch der quietschenden Schuhe auf dem mit Linoleum ausgelegten Flur, am Morgen der erste Blick auf den Baum, weil es keine Vorhänge gibt und man den Baum trotz Dunkelheit erkennt, denn im Haus gegenüber sind sie noch früher wach und schieben vages Licht zu uns herüber. Die Plastikabdeckungen der Essensteller wie die Milchglastür zu den Behandlungsräumen, alles gibt es in Schalen, Schälchen oder Bechern, jede Substanz wird abgefühlt, gewogen, bemessen, aufgeschrieben. Die Worte sind kurz, die Sätze beinahe keine Sätze, weil auch sie erinnert werden müssen, um auf Papier zu landen, die Sätze sind eher Koordinaten, obwohl sie eigentlich rahmen sollten. Die Hände riechen nach Desinfektionsmittel, alle Hände. Und die, die auf Liegen durch die Gänge geschoben werden, schließen meistens die Augen, wenn sie noch können, wenden den Blick ab, weil es kein gutes Gefühl ist, weil man genau weiß, dass sich jeder fragt, was da wohl passiert sein mag und weil man, wenn man auf so einer Bahre liegt und geschoben wird, eigentlich zu einem von den Sitzenden, Wartenden wird, man sieht sich von außen und fragt sich, was da wohl passiert sein mag. Man teilt sich auf in zwei: In den einen, dem es passiert, und in den anderen, dem sowas nicht passieren kann. Und irgendwo dazwischen klammert sich sowas wie Angst ans Laken.

Wie wichtig es ist, ein eigenes Bett zu haben, und dass man selbst entscheiden kann, wann sich Türen öffnen und schließen, wie wichtig ist es ist, dass dich jemand länger als drei Minuten kennt, um dein Herz in einen Takt zu bringen, mit dem man arbeiten kann, wie unglaublich wichtig, dass es einen Ort gibt, den man sich selbst geschaffen hat, der leise ist und wirklich still hält, an dem nicht alle um dich herum krank sind, einen Defekt haben oder ein Problem, bei dem sie nicht mehr in der Lage sind, es allein zu lösen, merkt man erst, wenn man wieder zurück ist.

Bergfried

Seat

Seltsam, dass Menschen oft dann weggehen, wenn man sich gerade an den Gedanken gewöhnt hat, sie könnten bleiben.

brottför

Fox

First I went through broken glass, then through grass, then it was this forest where every tree looked the same, where you go round in circles cause you are human and humans always have a certain drift. Then there was this ocean that I didn’t how to cross but just began to swim including the possibility of drowning. Then I lay down, wet and tired and those old days were no longer visible to me. The horizon scared the shit out of me. It was like new bed linen and how you wait some minutes before you finally fall into it. I picked myself up, I collected some sea shells, I never found a drift bottle but I recovered. I followed the horizon as if the shore was the opposite hand. And then I realized that it’s ok now and that the broken glass got rounded edges all along the way. It looks pretty nice when you pick it up, so the light can get through. I love you but I’m not yours anymore.

Quiet birds in circled flight.

Both

Sich nachts im Bett anatmen. Über Kilometer hinweg auch. Stets wissen, wann und wie und wo und wenn man es nicht weiß, dann sich nicht überwinden müssen zu fragen. Eine Hand auf den Oberarm, eine Hand wie eine Skulptur, die im Garten steht. Vom einen für den anderen. Auch nachts steht sie da, auch bei Wind und Schnee, die geht da nicht weg. Sich durch den ganzen Raum hinweg ansehen. Im selben Moment. Und abwechselnd. Nicht immer wissen, wie laut, aber immer, dass auf jeden Fall. Und wenn nicht einmal das, dann einander Schritt für Schritt entgegen gehen. Der eine dem anderen. Im selben Moment. Hier und da. Sich Bescheid sagen und nicht aufhören damit. Auch bei den Kleinigkeiten. Nicht aufhören damit, dem anderen zu beweisen: Ich bin’s. Nicht aus Notwenigkeit oder Mangel sondern aus Respekt. Nicht aufhören, sich zu bewegen. Nebeneinander. Mit Abstand und Raum, in dem Platz ist für Nähe. Ein Name auf dem Schild, ein Name wie ein Pulsschlag. Vom einen für den anderen. Auch nachts. Sich immer wieder den Finger auf das Handgelenk legen, an den Hals, um zu wissen: Das sind wir. Und wenn du nicht mehr, dann ich für dich. Wenn ich nicht mehr, dann du für mich. So geht das.

Geländerlosigkeit

Sky

Als würde man einmal kurz oben auf die Balustrade klettern, während es links und rechts ziemlich weit runter geht, manchmal hast du keine Seile, keinen Gurt, manchmal legst du die Schuhe ab und damit auch die Bänder, die Gebundenheit, das, was zieht, wenn sich einer von beiden bewegt. Manchmal lässt man den Faden liegen, weil er nicht reicht, weil er nicht reichen würde für die Schritte, die man gehen muss, und man weiß, dass es immer ein schlimmes Geräusch macht, wenn etwas reißt, weil man so sehr zieht, dass es nicht mehr geht ohne Materialbruch zu erleiden, ohne zu splittern. Man könnte das wagen, den Kraftakt, man könnte dann mit einem ausgefransten Stück Faden weitergehen und gucken und dieses Stück Faden als Alibi benutzen, als Ausrede und als blöden Geist, aber am Ende umarmt man auch dann nur ein Kissen.

Den Faden liegen lassen, bevor er kaputt geht. Sich merken, wom und schauen nach einer Zeit, ob er noch da ist oder ob Witterung schneller war und ihn angefressen hat. Gehen und sich dann erst einmal nicht mehr umdrehen, auch wenn es ein komisches Gefühl ist, weil Tasche und Faust und Nacken und der Fußraum im Bett so leer sind und man jetzt die Fingernägel in der Handfläche spürt, weil sie jetzt die Lebenslinie berühren seit langer Zeit mal wieder, und die Herzlinie, nur die eigenen Finger in der eigenen Hand. Die Zimmermänner dürfen sich auch nicht umdrehen am Anfang, wenn sie auf Wanderschaft gehen und ihren Heimatort verlassen, man läuft dann eben geradeaus und weiß gar nicht, ob einem nachgeschaut wird, ob da noch jemand steht, weil wenn man sich umdreht und dann ist niemand mehr dort, wird es schwierig, nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Als würde man sich einmal kurz oben auf die Balustrade stellen jetzt, während der Blick vor einem ziemlich weit ist und man gar nicht weiß, wo man anfangen soll hinzusehen, weil sich plötzlich alles bewegt vor einem und in einem. Mitunter wird einem ein bisschen schummerig, weil das lange nicht so war, ganz ohne Geländer und Ränder und Rahmen und in jede Richtung möglich. Wie man sich selbst erst einmal neu justieren muss dann, Einstellungen vornehmen, gucken, wie man jetzt funktioniert, wie man am besten auch hier oben auf einem Bein steht ohne umzufallen, sich einen Schirm kaufen, einen kleinen nur, aber einen Schirm und dann vielleicht hin und wieder für jemanden gehalten werden, der vom Zirkus kommt, ach meine Güte, wen kümmert das? Das ist keine Choreographie hier oben. Das ist alles andere als ausgedacht, das ist alles, was ich habe.

Und irgendwo im Rücken liegen Fäden herum, ich habe mir eine Karte gemalt, die ist in der Tasche, dort ist es nicht leer, dort kommen bald noch ein paar Kastanien hinzu. Und der Rest ist Orientierung im Raum. Vögel spüren die Luftkräfte an den Federn, weißt du, und wir, wir haben nur unsere Haut. Deswegen muss man sich in den Wind stellen, oben, ganz nach oben direkt hinein.

Of great value.

Schönbrunn

I am ok, you know… You don’t have to look at me as if the sky fell down. Some clouds did but this is what people might call rain. Get used to it. And never get an umbrella. Stay and get through. Why you should? Maybe it has something to do with the fact that I’ve got this heart shaped head and you, you’ve got this head shaped heart. This is what it is, we cannot change anything about it, we never will. But one day you might understand that substance is one thing and silhouettes, states of surfaces are another; and they are both worth it. As it is the same with the moon and rice pudding. You may notice some conformities in appearance every time you have a look but you’d never dare to match them. Just as it is with us.

And yes, I am alright. Someday you will know that this means a lot.

Haltearbeit

Tempelhof

Das erste Mal auf der Schaukel, die ein bisschen zu schmal war, sodass die Ketten an den Oberschenkeln scheuerten, nach einer Weile ein wenig Schweiß im Nacken, und du standest ganz leise neben mir und ich fiel ganz leise nach vorne und zurück, das war das erste Mal. Das zweite Mal neben dem Kiosk, der ein bisschen zu voll war, sodass ich draußen stehen blieb mit den Fingerspitzen im Taschensand, die Füße kalt, aber kein Wort dazu, wir liefen tapfer weiter, mir war so kalt beim Geräusch des Verschlusses deiner Coladose. Das dritte Mal mit dem Monopoly unter dem Arm, als ich dir deine Figuren zurück gab und du mir das Geld, soviel Kies lag noch auf den Straßen aus diesem großen Winter, diesem unseren Klamotten entwachsenen Winter, diesem Großefressewinter, diesem Eis an deinen Haaren und all dem Gebrechen. Das viertefünftesechste Mal in nur einer Nacht, als ich das Ende zu deiner Geschichte nicht wusste und mir die Augen schon zufielen, der Mund hinterher, du hast nicht aufgehört zu fragen, nicht aufgehört zu sagen, das sei das erste Mal, dass du dir vorstellen könntest, nicht mehr das Kind in der Familie zu sein sondern jemand, der selbst etwas baut, einen Tisch, einen Gartenzaun. Noch im Halbschlaf habe ich dir nicht geglaubt, mein Mund war so trocken. Das siebte Mal mit mir allein, davon weißt du nichts, deswegen zählen wir unterschiedlich, nicht aneinander vorbei aber mit Abstand, das siebte Mal saß ich auf der Stufe vor deinem Haus, anderthalb Stunden, und oben brannte Licht, aber der Hausflur war so dunkel und ich konnte dir nicht sagen, hol mich rauf. Zuhause habe ich versucht, all das zu falten und in den Schrank zu legen zwischen die T-Shirts und dann ging die Tür nicht mehr zu. Das achte Mal hast du wahrscheinlich vergessen, denn manchmal sprichst du im Schlaf, manchmal sagst du Sachen, die gehören wahrscheinlich zu irgendeinem Zentimeter, den ich noch nicht begriffen hatte an dir, manchmal glaubte ich, deine Finger waren vielleicht ein bisschen zu kurz und der Rest, der warte nur auf seinen Einsatz.

Wenn du den Muskel hältst, weil du dich anstrengst, weil du trägst und schleppst, wird er mit weniger Blut versorgt, mit weniger Sauerstoff kannst du die Dinge nur mit 15% der Maximalkraft halten. Die Mediziner sagen, man könne bei Haltearbeit nicht von Arbeit im klassischen Sinne sprechen, da die Komponente des Weges fehle, man könne das eher mit einem Hubschrauber vergleichen, der über dem Boden schwebt. Aber es wirbelt, es wirbelt alles auf.

But where to find each other.

zwei

I want to tell you that this is real, this is really not something you lose with first sigh. I want to show you my favorite places, and the beauty of quiet and how laughter turns into funny noises when you hustle it downhill. I really want to see your face while drinking hot chocolate with cinnamon and forget about cellphones and internet and emails and even work or the book I am actually reading. I want to tell you that you might become one of my stories, not the shorter ones, not the ones you can write down and then forget about them, no, one of those stories you’re not able to write down because the right words haven’t been invented yet, haven’t been discovered by my brain, one of those stories you cannot tell but always have in mind. I want to show you where I come from, I want to lend you my arms and eyes and knees and my books and some of my words. And I really want to share spaces with you, window seats and tables, wider perspectives, carpets, stairs and a bed now and then. I want you to know that I am here and there, and I am constantly stable and reachable, that I am not falling apart like some other things that did. I will be there in the morning, still. I will.