Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Kultur

Dreams and teeth marks.

The National
Michelberger
Room 138

Es könnte überall sein, das Gefühl in den Knien, die Gänsehaut auf dem Kopf, wir könnten überall sein. Ich könnte jedermann sein, mein Gesicht geht auf, bei den ersten Tönen ist es, als könne jeder durch mich hindurch sehen, als würde sich auflösen, was mich zu mir macht, und was übrig bleibt, ist der Moment zwischen Sekt und dem letzten Lied, was übrig bleibt ist das, was du am Morgen danach noch in der Faust hast. Und am besten wird es immer, wenn die Konnotation flöten geht, wenn es keine Bedingung aus der Vergangenheit für bestimmte Zeilen gibt und keinen Stau in der Aorta beim Refrain, wenn sich das Lied aus sich selbst heraus rechtfertigt und nicht aus einer Umgebung, in die es zufällig irgendwann einmal hineingestellt wurde. Wenn man etwas behält, nicht weil es zu einer bestimmten Zeit gehört, die längst vorbei ist, nicht weil sich eine Erinnerung an ihm festgebissen hat, sondern weil es lange schon da ist, weil es egal ist, seit wann genau, und weil es von nun an immer da sein wird.

We don’t need to, we don’t have to.

Palpitation

Anfang diesen Jahres irgendwann, im Frühling, in all diesen Übergängen, habe ich sie zum ersten Mal gehört, die beiden jungen Frauen aus Schweden, und im ersten Moment wusste ich die Stimme nicht zuzuordnen, ob Mann ob Frau und es war so egal, manchmal hat Musik einfach nichts mit Personen dahinter zu tun sondern lässt jeden Raum nur für dich und dein Leben, weil sie keinen Rahmen schafft sondern nur eine Fläche und du kannst dich hinlegen oder drübergehen oder einfach nur gucken, ob sich etwas von dir darin spiegelt. Und so rutschten Palpitation in mein Leben, die nun gerade ihre neue Single verschenken. Und ich finde, man sollte sie mal probieren, man sollte mal versuchen sich zu nähern. Mir ist das gut gelungen, für uns hat es gepasst, ich stehe dort und alles wird ganz klar.

I still believe in anchors.

I still believe in saviors but I know that we are all made out of shipwrecks, every single board washed and bound like crooked teeth on these rocky shores so come on and let’s wash each other with tears of joy and tears of grief and fold our lives like crashing waves and run up on this beach, come on and sew us together, tattered rags stained forever, we only have what we remember.

Den ganzen Text dieses großartigen Stückes gibt es hier.

Fireflies

Crewdson Cover

Am Samstag hatte ich in Hamburg ein Buch in der Hand, ich war schon Zug gefahren, ich hatte mich einmal kurz durchpusten lassen und ich machte eine kleine Pause, als mir das Buch auffiel im Regal direkt neben mir und ich wusste, dass ich diese Bilder schon auf Plakaten in Berlin gesehen hatte. Ich setzte mich kurz, ich legte es vor mir auf den großen Tisch und betrachtete die Bilder, von denen ein paar wie gesagt schon plakatiert wurden, die mit der Einsamkeit, die bei denen man im ersten Moment nicht zwischen Fotografie und Malerei zu unterscheiden vermag. Und ich blätterte an der Serie vorbei zu den schwarzweißen Stadtszenerien, vorbei an Bildern eines Abschieds, verlassener Orte und Geschichten, als ich dann wirklich hängen blieb.

Fireflies

Im Fotoband “In a Lonely Place” von Gregory Crewdson gibt es eine Serie, die mich wirklich rührte, die alles in mir bewegte aus unerfindlichen Gründen, vor der ich hätte Stunden sitzen können, für die ich ein Haus kaufen möchte mit riesigen, weißen Wänden, um dort diese Bilder betrachten zu können und dann rauszugehen und selbst zu schauen, ob sie wahrhaftig werden können auch in meinem Leben: “Fireflies“. Ich habe lange nicht so etwas Schönes gesehen.

Kaufen Sie dieses Buch, kaufen Sie besser noch die echten Bilder und schließen Sie sich weg damit. Damit und dem Lied von Woodkid. Es könnte Sie sehr glücklich machen.

Gutes Papier.

Naivpogo

Mal einen Spaziergang machen, einen Ort aufsuchen, stehenbleiben, kurz aufhören zu denken oder an Tempo zulegen, vielleicht ein paar Atemzüge um die Ecke schieben, mitnehmen, was man behalten kann.

// naivsuper Book & PogoBooks v03
// 16.07.11 – 23.07.11
// Ort: General Public, Schönhauser Allee 167c, Berlin
// Eröffnung 16. Juli, 19.00
// Öffnungszeiten: 14.00 - 19.00, montags geschlossen
// Filmabend 20. Juli, 20.00 Musikvideos und Kurzfilme des naivsuper Film Kollektiv
// Finissage 23. Juli, 19.00 mit einer audiovisuelle Performance von Yumiko und Boris Hegenbart-Matsui, sowie von Ansgar Wilken mit Cello und Pedalen

This is what my dad told me once.

(Mary Elizabeth Fry)

I dedicated my book to him. For a reason.

Bird boxes everywhere.

Immer mehr darauf konzentriert, nichts Falsches zu sagen, bleibt kein Platz im Kopf für Richtiges.

Die Taschen voll Wasser

“Er könnte etwas sagen, das sich nicht anhört wie ein Lieblingslied, das nicht klingt wie Frühlingsvogelzwitschern. Er könnte sagen, dass man es verstehen kann. Dass nicht alles hin sein muss. Dass es vielleicht weitergehen kann. Er könnte sagen: Simon, das war dumm. Das war nichts. Weißt du: es ist passiert. Jetzt ist es vorbei. Manchmal ist es besser, etwas geschehen zu lassen und zu merken: nein. Als es nicht zu tun und ewig nachzuhängen und zu träumen, wie es wohl gewesen wäre. Das ließe sich anhören. Vielleicht könnte man reden. Wirklich reden.” (S.33)

“Das war eine Zeit, wir waren alle Minuten einer Stunde zusammen, hatten alles zu tun und immer gemeinsam. Das Lächeln, das Nicken, die Hand.” (S.33)

“Immer mehr darauf konzentriert, nichts Falsches zu sagen, bleibt kein Platz im Kopf für Richtiges.” (S.33)

“Die Leute hier weinen nicht. Sie wissen: Auf Regen folgt Sonne, nach dem Winter kommt der Frühling und auf Tod folgt Leben. Und weinen nicht. Ich weine nicht. Das weiß ich. Sonst weiß ich nichts.” (S.44)

“An manchen Tagen sagten wir nicht mehr als Hallo und Bis-morgen-dann, obwohl wir den ganzen Tag zusammen waren. Das waren die schönsten Stunden. Nicht allein zu sein, aber ohne Publikum. Das ist es, was ich mit Freundschaft meine.” (S.47)

“Es gibt kein richtig und kein falsch in einer solchen Situation. Es gelten nicht die bekannten Regeln. Denn alles, was geschieht, bezieht sich nicht auf das Leben, sondern auf den Teil, der gerade daraus verschwunden ist. Alles, was im Gedanken daran geschieht, kann doch keine Bedeutung für die Welt, das weitere Leben haben.” (S.66)

“Ich mache das Licht nicht aus, ich stell das Käsebrot nicht weg, ich mache die Anlage nicht aus, ich blättere nicht im Notizbuch, ich schüttele keine seiner kleinen Welten. Ich traue mich nicht.” (S.68)

“Gestern hatte ich Hoffnung. Heute ist sie überforen. Irgendwie ist fremde Luft aus einem anderen Land über unsere Stadt gezogen und es begann zu tauen. Heute sitzen an dem kleinen See der Raciborska. Wir reden nicht, sonst wäre dieser Ort nichts wert. Das Wasser ist nicht zu gebrauchen, es gibt keine Tiere hier, selbst die Industrie kann das Wasser nicht mehr verwenden. Aber wenn eine angetaute Eisdecke wieder zufriert, dann beginnt sie zu singen. So sitzen wir in der Böschung und hören den Eisgesang. Dabei halten wir unsere Hände. Ganz fest.” (S.102)

“‘Wie kannst du mich lieben, wir sehen uns zum ersten Mal’ sagte sie. Ich sagte ‘nein, ich sehe dich schon seit Wochen, außerdem passt deine Hand sehr gut in meine’.” (S.108)

Die Taschen voll Wasser wurde geschrieben von Finn-Ole Heinrich.

Vom Meer dann.

So ist das auch ein bisschen, wenn man Veränderungen macht. Wenn sie nicht einfach passieren, sondern man sich hinstellt und die Augenbrauen zusammenzieht und sagt: Ich habe Angst, aber ich mach das jetzt, ich habe Angst, aber das muss sein, ich habe Angst, aber irgendwann werde ich keine Angst mehr haben. Dann macht man auch die Tür zu und lässt den Motor an und fummelt sich zurecht, weil man noch Sitze einstellen muss und Musik aussuchen und sich ein bisschen anfreunden mit dem Brummeln und überhaupt muss man natürlich gucken, wo man hin will, wo es da eigentlich lang geht, wie die Strecke verläuft und welche Teile man mit dem Bauchgefühl bestreiten kann und wo man sich dann doch besser an die Karte hält. Eine kleine Zeitabschätzung und den Proviant in Armlänge zurecht legen, damit man nicht anhalten muss, weil man Hunger hat sondern nur wenn man gucken will. Wenn man dann sitzt und merkt, dass man noch nicht Tschüß gesagt hat, ist es auch blöd wieder auszusteigen und dann herumzustehen, und wenn man winkt, weiß man ja auch nicht, ob das jemand sieht, das Fenster herunterkurbeln und den Arm rausstrecken, es ist ja auch nicht sicher, ob man das schon packt, einhändig fahren, und überhaupt. Manchmal ist einfach losfahren das Beste, erst einmal wirklich los, sich nicht mehr umdrehen, erst einmal nicht, und sich damit auch nicht die Frage beantworten, ob einem hinterher gesehen wurde, sie sich nicht einmal stellen, weil es keinen Unterschied macht.

Von unterwegs dann Postkarten schreiben, echte Postkarten mit Briefmarken und Stempeln und Handschrift und ein paar Schlieren vom Handrücken, echte Postkarten mit umgeknickten Ecken, solche, die ein bisschen brauchen und nicht sofort ankommen, von unterwegs dann, das ist wie sich umdrehen, aber mit Bedacht.