Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Kultur

You arch the frame, I“™ll span the beams.

And we“™re not just islands lying beside each others shorelines. We“™re all bound with veins and hopes, we are not each others ghosts.“ (Listener)

And every every day she would echo / echo / in every single way she should let go / let go.

Sympathy is more than just a way of leaving.

And your metaphors (as mixed as you can make them) are linked, like days, together. I still hear trains at night, when the wind is right.“ (The Weakerthans)

Willkommen am schimmernden Ende unserer Welt.

Coby County

„Ich kenne Wesley seit fast vierzehn Jahren, aber ich habe noch nie zu ihm gesagt, dass er aufhören soll, sich etwas vorzumachen. Eigentlich habe ich auch nicht vor, ihm das jemals zu sagen. Denn eigentlich habe ich nichts dagegen, wenn sich Leute etwas vormachen.“ (S.14)

„Solche Sätze sagt Carla oft, sie werden aus ihrer großen Ruhe geboren, und meistens nehme ich diese Ruhe als eine Art Charakterstärke wahr. Nur an schlechten Tagen habe ich das Gefühl, dass mich diese Ruhe enorm träge macht, dass ich irgendwann neben Carla einschlafen und dann keinen Grund mehr sehen könnte, noch einmal aufzuwachen.“ (S.35)

„Am häufigsten muss ich mich an Tagen nach ausgelassenen Festen übergeben, aber das finde ich nicht schlimm. Oft ahne ich es sofort nach dem Aufwachen und eigentlich herrscht dann sogar eine gewisse Vorfreude. Insgeheim empfinde ich das Übergeben als rebellische Geste, als eine Art Befreiung von den Zwängen, mit denen ich lebe und die ich ja alle selbst zu verantworten habe. Wenn ich vor der Toilette knie und würge, weil ich in der Nacht zuvor viel zu viel getrunken habe, dann erdet mich das auf plakative Art und Weise, dann bin ich irgendwie ganz bei mir und maximal ehrlich zu mir selbst.“ (S.47)

„Mein Dad hatte immer eine hohe Stirn, aber das Bewußtsein, dass er eine hohe Stirn hatte, stellte sich bei mir keinesfalls vor vierzehn ein, eher später. Zuvor war es einfach die Stirn meines Dads und ich habe sie mit keiner anderen Stirn verglichen. Als Kind ist man ja in der Lage, die Welt als eine Ansammlung von Fakten zu sehen, das ist eine dieser Fähigkeiten, die man manchmal ganz gerne zurückgewinnen würde, aber meistens dann doch lieber nicht.“ (S.48)

„Paare, die ihren Liebeszustand nicht als vorbelastet oder klischiert wahrnehmen: die gibt es gar nicht, denke ich, die wären ja auch kaum zu ertragen. Insofern waren Carla und ich, neutral betrachtet, vielleicht nie etwas Besonderes. Für mich war es das aber doch, weil ich vorher nie so lange mit einem Menschen, mit dem ich auch ins Bett ging, einen so engen Kontakt gepflegt hatte. Auch wenn wir uns mal einige Tage nicht sahen und keine E-Mails oder Shortmessages austauschten, wusste ich, dass es diese Carla gab, und das hat den Alltag durchaus stabilisiert, wie grauenvoll labil das auch klingen mag.“ (S.95)

„Es ist davon auszugehen, dass auch diese Freiberufler ihren Alltag primär vor Laptops verbringen, still dasitzend und auf irgendeine Weise lesend. Im Grunde vergehen so vielleicht die allermeisten Tage, man sitzt vor Texten und Bildern, man redet und tippt. Hinzu kommen Schlaf und Ernährung und bei einigen noch Sport und Erotik, aber das bleibt ja auch beides eng an Texte und Bilder gekoppelt. Manchmal erstaunt es mich, dass mein vom Dasein und Lesen dominierter Alltag trotzdem ständig Risiken bereithält.“ (S.113)

Schimmernder Dunst über Coby County“ wurde von Leif Randt geschrieben und ist 2011 im Bloomsbury Verlag, Berlin erschienen.

This is forever.

Your letter filled the hole in my day like a key.

Emma Bowlcut

„One of my goals is not to ask questions as that implies that this has all happened before and I am merely asking you to tell me how things went. Which isn’t to say I don’t believe in destiny.“

„What happened to your heartbeat. Tell me soon as it’s not a good place to have a question mark.“

„I don’t want to destroy anything. But I want to know what I can destroy. I am possessed by the conviction that I need you like blood needs a vein to get from one place to another.“

„I stood without intention of moving and realized we see every punch coming in a boxing movie but in real life we miss a lot of them.“

„One of my favorite things of all time is when an animal keeps company with different species. It’s often a duck. Maybe you should get a duck for that library you work in. No one would complain. Ducks belong in libraries.“

„And i hope each morning you wake like a bird in a nest and fly without a thought.“

„We are always making choices and then we go to sleep. At separate times.“

„I learned that you can get bruises without external contact. Struck by something to get out from within.“

„You are the reason I get out of bed. To tell you that I have gotten out of bed. Yours are the only questions I want to answer. I live to pocket all your questions marks, as many as I can, in your life. To discard them secretly when you’re not looking.“

„How come naps are so much sweeter than regular sleep. Because it’s the type that you can’t resist, it just takes you.“

„Everything I have done today could have been done by a bear. The long seasoned sleep. The lumbering out of bed. Tearing a hard roll dipped into honey. And then sprawling lazily in the grass where the sun hit. I was going to take a bath but decided that would have been too much bear activity, so I showered.“

„There is a reason ice is slippery. Did anyone laught at you. I have an inhability to help anyone who has fallen. To witness injects me with a paralytic joy. If someone falls in front of me, you’ve never seen such a smile in your life. I’m tickled by the chance that they are learning something.“

(„Letters to Emma Bowlcut“ was written by Bill Callahan and published by Drag City in 2010)

Was ich liebte

Ornamentik

„Er war einer jener Menschen, die bei den Ereignissen in ihrem Leben nie ganz präsent sind. Ein Teil von ihm war nicht da, und dieses Abwesende an seinem Vater sollte nie aufhören, Bill zu verfolgen – sogar noch nach dessen Tod.“ (S.43)

„Ich nehme an, wir sind alle das Produkt der Freuden und Leiden unserer Eltern. Ihre Gefühle sind im gleichen Maße in uns eingeschrieben wie ihre Gene.“ (S.45)

„Ich fand immer, Liebe gedeiht gut bei einer gewissen Distanz; sie verlangt ein ehrfürchtiges Getrenntsein, um zu bestehen. Ohne diesen nötigen Abstand werden die kleinsten körperlichen Äußerungen des anderen in der Vergrößerung abscheulich.“ (S.59)

„Ich bin davon überzeugt, dass die Vermischung ein Schlüsselbegriff ist. Er funktioniert besser als Suggestion, die einseitig ist. Er erklärt das, worüber Menschen selten sprechen, weil wir uns als isoliert definieren, als geschlossene Körper, die aufeinander prallen, aber geschlossen bleiben. Descartes hatte Unrecht. Es muss nicht heißen: Ich denke, also bin ich. Es muss heißen: Ich bin, weil du bist. Das ist Hegel, na ja, die Kurzfassung.“ (S.121)

„Lügen haben immer zwei Seiten: Was man sagt, existiert mit dem zusammen, was man nicht gesagt hat, aber hätte sagen können. Wenn man zu lügen aufhört, schließt sich die Kluft zwischen den eigenen Worten und dem, was man innerlich glaubt, und man versucht, seine gesprochenen Worte in Zukunft mit der Sprache der eigenen Gedanken in Einklang zu bringen, zumindest jener, die geeignet sind, von anderen gehört zu werden.“ (S.283)

„Immer wenn ein Künstler stirbt, tritt das Werk langsam an die Stelle seines Körpers und wird ein leibhaftiger Ersatz für ihn in der Welt. Ich glaube, man kommt nicht dagegen an. Gebrauchsgegenständen wie Stühlen oder Tellern, von einer Generation an die nächste weitergegeben, mag kurzfristig etwas ihrer ehemaligen Besitzer anhaften, doch diese Eigenschaft verliert sich relativ schnell bei ihrem praktischen Gebrauch. Die Kunst, nutzlos, wie sie ist, widersteht der Einverleibung in den Alltag, und sofern sie irgendeine Kraft besitzt, scheint sie das Leben des Menschen, der sie geschaffen hat, zu atmen.“ (S.332)

(Siri Hustvedt – Was ich liebte)

The Future

Movie Poster

Ich habe neulich Miranda Julys neuen Film „The Future“ in den Tilsiter Lichtspielen gesehen. Und als wir herauskamen, hatte ich zuerst diese kurze Yay-Gefühl, eine kleine Euphorie gepaart mit der seltsamen Wahrnehmung, die man hat, wenn man aus dem Theater oder einer Inszenierung kommt, einem Film, der mehr war als Unterhaltung, und nach dem man das Gefühl hat, jede Bewegung, jedes Wort, jeder Blick würden aufgezeichnet, spielten eine Rolle und hätten eine Bedeutung, die über ihren Selbstzweck hinausgeht. (Kennt man das? Darf ich hier „man“ benutzen oder geht das nur mir so?“) Ich jedenfalls – ich bewege mich vorsichtiger nach solchen zwei Stunden, meist bin ich recht still, laufe langsamer, schaue und kurz ist es, als wäre alles um einen Zentimeter verschoben. Aber das Gefühl tritt sich meist schon hinter der nächsten Häuserecke fest. Jedenfalls: Auch nach „The Future“ ging es mir kurz so, als wir auf die gelb beblätterte Straße hinaustraten zwischen die Laternen. Und als wir während der zweiten Runde um den Block leise über den Film sprachen, wurde das Yay-Gefühl zu einer kleinen Enttäuschung. As some would say, I think she played it save. Und um der ganzen Abfeierei etwas entgegen zu setzen, habe ich versucht, die Gründe für das leichte Missfallen in meinem Kopf zu ordnen. Alles subjektiv, alles ohne Hintergrundlektüre, alles Momentaufnahme.

/ Wie mochte ich den Anfang, die Inszenierung der Paarbeziehung auf engem Raum, wie sehr gefiel mir das abgeklebt bunte Fenster, das das Licht über dem Bett von Sophie und Jason abfängt, man schaut nicht nach draußen von dort, man bleibt im Raum und konzentriert sich auf alles, was sich dort abspielt. Und ja, ich mochte es, wie die beiden Mitdreißiger sich eine Aufgabe suchten, die Adoption einer Katze als Schritt in ihrer gemeinsamen Beziehung deklarierten, für den sie nun bereit seien. Wobei der Betrachter durchaus schmunzeln mag, weil man eigentlich wissen kann, dass das weniger ein Schritt ist, der so geplant im Kochbuch steht, als mehr der Ausweg aus der Einöde, der muntere Versuch einer Abwechslung, die man eben als bewusste Entscheidung deklariert, weil man sich die Langeweile selten eingesteht.

The Couple

/ Womit wir bei der Katze sind, die sie aus einem Tierheim holen möchten, von einer Krankenstation, auf der Tiere wohnen, die nicht mehr so lange zu leben haben. Sie suchen sich also eine Abwechslung, von der sie wissen, sie ist zeitlich begrenzt. Verantwortungsmanagement im Sinne von: „Das legt uns nicht fest, zumindest nicht dauerhaft, nur auf 5-6 Monate verbleibende Lebenserwartung eines Tieres.“ Die Katze spricht und auch hier muss ich lachen, weil ich sofort Mirandas Stimme erkenne, sie scheint einen Hang dazu zu haben, spielte sie doch in „Me and you and everyone we know“ ebenfalls verteilte Rollen mit sich selbst, nur dass man ihr damals direkt dabei zusehen konnte. Der ungeübte July-Zuschauer mag sie nicht sofort erkennen, ich selbst erkannte in der Vermenschlichung der Katze sofort ein July-Element. Und wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass es davon viele geben würde. Und sie mich langweilten. Ist die Katze also am Anfang Mittel zum Zweck einer Auflockerung, wird sie im Laufe des Films zur knallharten Metapher, ganz ohne Augenzwinkern. Und wo man am Anfang noch dachte „Och lustig“, fährt es einem später kalt über den Rücken, weil die Plattitüde auf die Ästhetik drückt und zwar so, dass man es beinahe nicht aushält. Natürlich wartet die Katze vergeblich auf die beiden, natürlich stirbt sie und Seele trennt sich von Körper, natürlich fährt sie hinaus in gleißend helles, warmes Licht und eine Ewigkeit, in der sich jedes Warten, jede Sehnsucht und jeder Ich-Bezug auflöst und man einfach nur noch ist. Aua. (In der aktuellen Ausgabe der „Du“ wird übrigens Miranda Julys Suche nach sich selbst thematisiert, betrachtet man den Film unter diesen Aspekten findet das Eine zum Anderen und macht die Katze zum Fokus der (haha) Katharsis. Aua.)

/ Um bei diesen Gott-Afterlife-Metaphern zu bleiben, kommt mir direkt das Bild von Jason in den Sinn, der sich in seiner Wut auf die aus dem Alltag ausbrechende Sophie in einen Zeitstillstand flüchtet, über den er dann die Kontrolle verliert. Wie er aber am Meer steht und es plötzlich doch schafft, die Zeit weiterlaufen zu lassen und sich nicht in der Unendlichkeit verheddert, wie er die Arme hebt, sich die Wellen fügen und auf ihn zurollen, wie er macht, dass die Gezeiten wieder funktionieren, in seiner Abhängigkeit und seinem Zwiegespräch mit dem Mond, erinnert er mich an den kleinen Hävelmann. Und das auf eine ungute Art und Weise, obwohl ich das Bild von Gezeiten eigentlich mag.

Sophie

/ Und so kommen wir noch einmal kurz zurück zu einer mir doch sehr angenehmen Szene, weil sie die Nähe zwischen Jason und Sophie, die sie sich über Jahre aufgebaut haben, direkt am Anfang des Films wunderbar zeigt. Sie haben ein Spiel, die beiden, wenn Jason ein Signal gibt, hält er die Zeit an und Sophie fügt sich, das heißt, sie bewegt sich nicht und beide verharren in einer Stille und der jeweiligen Position. In ihrem Alltag funktioniert diese Geste als liebevolle Eingespieltheit, im späteren Verlauf des Konflikts wirkt sie wie der erste Einfall, den man haben kann, wenn man überlegt: „Okay, was könnte Jason tun, um Sophie nicht gehen zu lassen? Na gut, hält er halt wieder die Zeit an.“ Sie fügt sich diesem Spiel ohne einen Mucks und er weiß weder vor noch zurück. Als Bild: Schwierig, weil platt.

/ Ebenso flach waren meiner Meinung nach die Kamerafahrten, die hier und da und vor allem in Momenten der Unsicherheit dem Blick von Sophie folgten und recht offensichtlich ihre Entscheidungsschwäche ausdrückten. Blick auf die Vase, Blick auf den Teppich, Blick zurück auf die Vase, Blick auf die eigenen Füße, zitterzitter, wohin wohin. War man ihr doch in ihrem Tanz (denn ja, Sophie ist Tanzlehrerin für Kinder und versucht sich selbst an einem YouTube-Marathon, bei dem sie an 30 Tagen 30 Tänze aufnehmen will – und scheitert) viel näher. So gibt es eine Szene, in der sie in einem Zimmer im Haus ihres Geliebten an einem Abend, als die Sehnsucht sie überkommt, anfängt zu tanzen, sich an den Wänden zu reiben – und man bekommt das Gefühl, sie versuche, die Sehnsucht loszuwerden, die sie immer wieder an zuhause denken lässt, sie versucht, sich das Neue zu eigen zu machen. Was durch den entsetzten Blick ihres Geliebten, als er sie dabei ertappt, gestört und unterbrochen wird. Ebenso schön dazu im Vergleich der Alltag, den sie mit Jason hatte – und in dem es völlig normal war, dass sie in eine Alltagsbewegung eine Tanzgeste mit einbaute oder sich hier und da etwas anders fortbewegte.

/ Was ich an Julys Geschichten mag, ist die Rolle des Kindes und der Versuch, Kinder etwas vermeintlich erwachsenes tun zu lassen. Oft bleiben in Julys Geschichten die Kleinen relativ unbeeindruckt von Umständen, die den Großen zu schaffen machen, sie führen ihre Handlungen fort und begeben sich in Situationen, die jeder andere für absurd hielte, für die Kinder jedoch das Selbstverständlichste von der Welt scheint. Im ersten Moment fällt es dem Betrachter leicht, die Kinder für weise zu halten, sie übernehmen schnell die Rolle des unaufgeregten allwissenden Großvaters im Sessel in der Ecke. Auf den zweiten Blick jedoch offenbart sich diese Weisheit als simple kindliche Rationalität, die wir so gern als Weisheit begreifen, weil sie sich auf Wesentliches beschränkt. Am Ende bleiben Kinder immer Kinder und dem Erwachsenen fällt das erst auf, wenn sie zurückkommen auf der Suche nach Hilfe oder simpel gescheitert sind in ihrem Vorhaben. Dass man selbst erst denkt „Woah, Superkind, superschlau“ mag an der Sehnsucht nach angeborener Weisheit liegen, bei der wir oft übersehen, dass wir uns Weisheit durch Erfahrung erarbeiten müssen. Aber auch in „The Future“ kam mir das Kind zu kurz, es wurde in seiner Entwicklung nur angeschnitten, genauer gesagt die Tochter von Sophies Geliebten vergräbt sich eines Abends im Garten und möchte in der Erde schlafen, während der Vater sie in dem Glauben der Sicherheit einfach gewähren lässt. Nachts kommt das Kind weinend und angstvoll zurück und wird von Sophie in die Badewanne gesetzt, eine mütterliche Geste, obwohl die beiden sich eigentlich fremd sind. Was ich hätte wissen wollen: Was hat sie erlebt, und wie erklärt sie das am Morgen dem Vater? Bereut er, das nicht vorausgesehen zu haben?

Floor

/ Apropo Nähe-Distanz-Problem. Ein weiteres July-Element ist meiner Meinung nach ihre Konfrontation von Fremden mit sich selbst. Hauptfiguren haben bei July den Drang dazu, sich fremden Menschen ins Leben zu werfen und zu sagen „Hallo, hier bin ich. Und jetzt mach was damit. Reagiere bitte.“ Ob dahinter die Verarbeitung der Beziehung zwischen Schicksal und Zufall steckt, vermag ich nicht zu sagen, gleichzeitig merke ich jedoch, dass es mich jedes Mal für einen Moment verstört, weil damit alle persönlichen Schutzräume aufgehoben werden, also wenn jemand kommt und sich vor dich stellt und dann dort nicht weggeht, oder ob er anruft und dich Sachen fragt und wieder anruft und noch einmal Sachen fragt. July lotet hier jedes Mal ebenfalls die Gefühle des Fremden aus, der plötzlich jemanden vor der Nase hat und zwischen Misstrauen, Neugier, Faszination und Unbehagen hin und her gerissen ist.

Was ich sagen wollte: Ich bin enttäuscht ob der sich wiederholenden Motive ihrer Geschichten, ob der Plakativität ihrer Metaphern und der augenscheinlichen Aufgabe, die dieser Film hat als Teil eines Puzzles im Projekt der Inszenierung einer Suche nach sich selbst und dem Verlassen der eingefahrenen Bahnen. So sehr ich mich über die Erzählweise zu Beginn des Filmes freute, so enttäuscht war ich bei der Auflösung dieser Erzählstruktur in ein Bildergewitter, das überfrachtet war mit ausgelatschten Anspielungen und sich vermengenden Ebenen.

Ach Miranda.

There you are.

Geburtstagsblumen

There is always the risk; something is good and good and good and good, and then all at once it gets awkward. All at once, she sees you looking at her, and then she doesn“™t want to joke around with you anymore, because she doesn“™t want to seem flirty, because she doesn“™t want you to think she likes you. It“™s such a disaster, whenever, in the course of human relationships, someone begins to chisel away at the wall of separation between friendship and kissing. Breaking down that wall is the kind of story that might have a happy middle “”- oh, look, we broke down this wall, I“™m going to look at you like a girl and you“™re going to look at me like a boy and we“™re going to play a fun game called Can I Put My Hand There What About There What About There. And sometimes that happy middle looks so great that you can convince yourself that it“™s not the middle but will last forever.“
(John Green, Let It Snow)

Die Jahre gingen, wie man so sagt, ins Land.

Nest

„Das ist brutal, wissen Sie, richtig brutal. Während die unbedeutendsten Tiergattungen Tausende, manchmal Millionen von Jahren existieren, ehe sie verschwinden, werden gewerbliche Erzeugnisse innerhalb weniger Tage vom Erdboden gefegt, man räumt ihnen nie eine zweite Chance ein, sie müssen ohnmächtig das unverantwortliche, faschistische Diktat von Produktmanagern ertragen, die natürlich besser als alle anderen wissen, was der Verbraucher will, und die behaupten, beim Verbraucher Lust auf Neues entdeckt zu haben, die in Wirklichkeit sein Leben in eine erschöpfende, verzweifelte Suche verwandelt, in ein endloses Umherirren zwischen ständig anders bestückten Regalen.“ (S.164)

„Das Leben bietet einem manchmal eine Chance, sagt er sich, aber wenn man zu feige oder zu unentschlossen ist, um sie zu ergreifen, nimmt sie einem den Trumpf wieder aus der Hand. Es gibt einen geeigneten Moment, um Dinge zu tun und sich dem möglichen Glück zu stellen, dabei kann es sich um einen Zeitraum von ein paar Tagen, ein paar Wochen oder sogar ein paar Monaten handeln, aber diese Chance bietet sich nur ein einziges Mal, und wenn man sie später erneut zu ergreifen versucht, ist das schlichtweg unmöglich, es ist kein Raum mehr da für Begeisterung, für Überzeugung, für Glaube, es bleibt nur sanfte Resignation, gegenseitige Betroffenheit und das nutzlose, wenn auch berechtigte Gefühl zurück, dass irgendetwas hätte geschehen können, man sich aber des Geschenks, das einem gemacht worden ist, unwürdig gezeigt hat.“ (S.241)

„Man kann sich immer – so hatte Houellebecq gesagt, als er ihm von der Schriftstellerlaufbahn erzählt hatte – Notizen machen und versuchen, Sätze aneinanderzureihen; doch um wirklich mit der Niederschrift eines Romans zu beginnen, muss man warten, bis all das kompakt und unwiderlegbar wird, warten, bis ein harter Kern der Notwendigkeit auftaucht. Man trifft die Entscheidung, ein Buch zu schreiben, nie selbst, hatte er hinzugefügt, ein Buch sei wie ein Block aus Beton, der den Zeitpunkt des Abbindens selbst bestimme, und die Einwirkungsmöglichkeiten des Autors beschränkten sich ihm zufolge darauf, anwesend zu sein und bedrückt über die Untätigkeit darauf zu warten, dass der Prozess von selbst in Gang käme.“ (S.244)

„Im Grunde, sagte sich Jed beim Zuklappen der Zeichenmappe traurig, hatte sein Vater nie den Wunsch aufgegeben, Schwalbennester zu bauen.“ (S.394)

„Karte und Gebiet“ wurde geschrieben von Michel Houellebecq.