Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Thema: Blicke

Befähigungsnachweis

Tasse

Haben Sie sich jemals eine Familie gebaut? Ich glaube, dass es darum geht, selbst anzupacken, aus den Dingen, die herumliegen, etwas zu bauen, dass Bestand hat oder zumindest für einige Zeit etwas aushält. Haben Sie sich jemals eine Kapuze über den Kopf gezogen? Ich glaube, so ist das. Dinge haben, die machen, dass man nicht nass wird. Sich Menschen suchen, die aufpassen, und auf die man aufpasst. Haben Sie jemals eine Veränderung vorgenommen? Ich glaube, es ist okay, auch mal Nein zu sagen. einen Schutzkreis zu ziehen, der sagt: Bis hierhin und nicht weiter. Es ist okay zu sagen: Bis später, nicht jetzt. Haben Sie jemals nach Jahren jemanden wiedergetroffen und gewusst, wer es ist? Ich meine, nicht vom Namen her sondern von den Farben innen drin. Nicht? Dann wird es Zeit. Finden Sie jemanden wieder, trauen Sie sich, jemanden gehen zu lassen, zittern Sie dabei, haben Sie Angst, überwinden Sie sich, aber zum Teufel nochmal tun Sie etwas.

Fathom

Carmi

Mit der Zeit lernt man, Abstände einzuschätzen zwischen hier und dort, dem einen und dem anderen, dir und mir. Wir schauen einander an und wissen, da ist noch eine ganze Menge Platz und das wird weniger mit der Zeit, wir sehen einander an und wissen, dazwischen liegt eine ganze Menge Holz und das geht nicht weg. Manchmal, wenn wir Zeit mit dem ganzen Rest verbringen, sehen wir herüber, kurz nur und meistens unbewußt, um uns zu vergewissern. Bist du noch? Ich bin noch da. Wie weit bist du fort? Du kannst mich sehen. Und manchmal zieht ein Nebel auf, den man erst wahrnimmt, dass man einander kaum noch sieht. Und manchmal geht das ganz schnell, weil sich Mauern bauen, wo man sie oft nicht vermuten würde. Manchmal stubst die Nasenspitze plötzlich eine andere Nasenspitze an, wo man eigentlich sonst nichts außer Wind und Weite vermutet hätte. Und hin und wieder fasst man ins Leere dort, wo eigentlich seit Jahren etwas war. Irgendwann einmal hat uns jemand einen Zollstock geschenkt und auf die Seite den eigenen Namen mit Kugelschreiber geschrieben. Irgendwann einmal stellten wir fest, dass wir tatsächlich ein Maßband besitzen. Aber meistens peilen wir nur über den Daumen, meistens haben wir keine Ahnung davon, wie weit es wirklich ist, nur wie es sich anfühlt, und am Ende ist nicht wichtig, wie viele Schritte du gehen musst, sondern wie lange es dauert, sie zu gehen, um sich zu begegnen. Es geht nicht darum, die Schnur straff sondern darum sie fest zu halten.

Zunutze

Universe

Den Ärger gebrauchen, um etwas anderes daraus zu machen. Man braucht eine Weile dafür. Anfangs steht man da und wird umgeworfen von seiner Wucht, von Dingen, die Menschen anderen Menschen so antun, weil ihnen nichts besseres einfällt oder nichts schlechteres. Und in manchen Fällen hast du nicht einmal wirklich was damit zu tun, in mehr Fällen, als du denkst, ist das wirklich so. Dass es Zufall ist, ein Versehen, irgendeine wahllose Aneinanderreihung von Umständen, in die du hinein stolperst, ohne dass auch nur jemand deinen richtigen Namen kennt, und schon hast du eine Latte am Kopf oder eine Zecke im Herzen. Sowas geschieht, weil irgendjemand irgendwo einen Schuhkarton aus dem Regal nimmt und damit Staub aufwirbelt, der sich wiederum absetzt auf einem Schalter, welcher dann macht, dass Dinge explodieren. Nun gut.

Früher hätten wir uns aufgeregt, Kratzer abgeleckt und mit Salbe bestrichen, wir hätten aufgeschrien, die Flucht ergriffen, einen Angriff gestartet, in jedem Falle gekämpft, ob in die eine oder andere Richtung aus Hilflosigkeit, weil so ein Schmerz sehr viel Beton sein kann. In der Menge kann einem so etwas Angst machen, es kann einen zum Fortlaufen zwingen, mitunter sogar in Höhlen, aus denen man nicht von heute auf morgen wieder herauskommt.

Was gut ist: Wenn man es raus hat, die Wallung, in die das Hirn durch Schmerz gerät, zu nutzen, aufzufangen, aus der Unwucht etwas zu machen, die Energie zu speichern, die Veränderung zu erkennen, den Wortlaut umzuformen, damit du am Ende als derjenige dastehst, der weiß, was passiert ist, der sich erinnern kann, der da durchkommt, derjenige, der etwas mitgenommen hat daraus, weil man immer etwas mitnehmen sollte, nicht nur ein Zucken der Augenbrauen, nicht nur Schrecksekunden. Du kannst dir immer sagen: Das sind alles Geschichten, alles neue Zeilen. Du kannst dir immer sagen: Das, was weh tut, wird eine Figur. Wenn du das übst, das mit der Hitze und dem Antrieb und wie man aus dem einen das andere macht, dann wird es beim nächsten Mal leichter. Und du größer, nicht härter.

You don’t know how good you are.

Spring

Die einen, die da sind, die müssen sich nichts mehr verdienen, die haben all die Jahre ausgehalten, mitgemacht, sind gerannt und gelaufen mit einem, die bleiben einfach in der Hand und am Herzen kleben, auch wenn man einen Moment nicht aufpasst, auch wenn sie mal müde werden, die bleiben. Und die anderen, die kommen manchmal neu dazu, und man wartet kurz, um sich zu gewöhnen und dann gehen sie wieder. Die einen mit Lautstärke und die anderen ohne einen Ton. Hin und wieder kommt jemand zurück, meistens bleiben sie einfach fort und als Ahnung hinter dem Ohr, manchmal nehmen sie alles mit, was an sie erinnern könnte, manchmal sogar noch mehr. Selten ist es, dass jemand neu dazukommt und bleibt, ohne dass man etwas dafür tut. Aber wenn das passiert und man einfach da sitzt und sich anschaut, dann wird es warm, dann bleiben keine kalten Hände. Wenn man solche hat, die wichtigen, die dazugehören ohne Einrichtung zu sein, und die, die ohne Anlauf an Bedeutung gewinnen, wenn man solche hat, ist es ein großes Glück. Eines von der Sorte, das, wenn es einmal da ist, wie ein Wetter einfach mitkommt überallhin.

The quiet life.

Gänseblümchen
Carmi
Bei Lars
Tex
Ei
Katinka

It’s not the long walk home that will change this heart but the welcome I receive at the restart.

Bedroom

Wie weit man auf dem Mittelstreifen gehen kann, ohne gesehen zu werden. Das hat nichts mit der Tageszeit zu tun und nichts mit dem Licht, das hat nichts und aber auch rein gar nichts mit dem Ort zu tun, von dem du kommst und nichts mit dem, wo du hingehst, hin willst. Wie lange du dort geradeaus laufen kannst, ohne dass man dich bemerkt, hat nichts mit der Farbe deiner Jacke und schon gar nichts mit deinem Gesichtsausdruck zu tun, deiner neuen Frisur oder dem Geräusch deiner Schritte, wie sehr du deine Füße aufsetzt, wie gerade du versuchst zu laufen, das ist alles egal. Wie lang du geradeaus laufen kannst, ohne dass man dich bemerkt, ohne dass dich jemand ansieht oder stehenbleibt oder anrempelt oder aus Versehen auf einem Foto verewigt, wie lang du einfach weg sein kannst, hängt davon ab, wie sehr du auf der Flucht bist. Einen Flüchtenden erkennt jeder, einen solchen, der läuft und sich wegduckt, der um die Rillen wankt, der aufpasst, nicht auf Äste zu treten, um leiser zu sein, den wird man immer bemerken, den sieht man von Weitem schon. Jemand, der versucht so zu tun, als wäre alles normal, obwohl es das nicht ist, als gehöre das dazu, obwohl es das nicht tut, der wird immer gesehen. Über den Mittelstreifen ungesehen kommen die, die wissen, dass sich alles verändert und die den Kopf hochhalten und direkt darauf zugehen, die mit jedem Schritt spüren, dass das alles ein Weg ist und kein Versteck. Die brauchen keine Kapuzen, die haben Wimpern genug.

Und das späte Licht, das frühe Licht, jedenfalls das gute, hast du eh nicht in der Hand. Das fällt immer so, wie es kommt.

La Carte et le Territoire.

Houellebecq
Reflection

I bought myself a sewing machine and Walden taught me how to use it.

Walden

Findling

Schmück

Ich glaube, du verstehst es, wenn ich sage, dass der Friedhof nicht der Ort ist, an dem ich dich gerne besuchen würde, von dem ich glaube, dass es einem von uns helfen würde. Ich weiß, dass man sich besser fühlt, wenn man Blumen gepflanzt oder hingestellt hat, dass man, wenn man vor deinem Grab steht, um den Gedanken und die Erinnerungen nicht mehr drumherum kommt, aber ich kann dir auch sagen, dass es ohne nicht einfacher ist. Deinen Geburtstag in einem Luftballon zu verbringen, der gefüllt ist mit Halbwahrheiten, einer Menge Romantik und vielen Fragen, das würde beinahe mehr hermachen als so ein Friedhofsblumenstrauß, wenn jemand das sehen könnte, diesen roten Ballon um meinen Kopf, den ich nur für dich trage an diesem Tag. Nein, das sind nicht die Spuren meiner Turnschuhe gewesen dort auf dem Weg, das war nicht meine Hand an den abgefallenen Blättern und im Unkraut, aber das bist auch nicht du dort, das bist nicht du hinter dem Efeu und unter dem Baum zwischen all diesen Kreuzen, Steinen und krummen Rücken, ich kann nicht herkommen und wissen, dass das nicht für dich ist sondern nur für uns, weil es einfacher ist einen Ort zu haben, als keinen Ort zu haben. Es ist einfacher, sich einen Anlass zu nehmen, als permanent Acht zu geben und aufzupassen, dass du einem nicht wegrutscht, jedenfalls nicht so, dass man dich nicht mehr zu fassen bekommt.

Ich habe dich gesehen heute morgen auf dem Weg zur Straßenbahn, das, was da in der Luft hing zwischen dem Blau und den aufgemalten Wolken und Blätterfassaden, das hatte etwas mit dir zu tun, und das Lied bis zur Warschauer Straße, das hatte etwas mit dir zu tun, und wie es sich anfühlt am Abend, das Licht, das man dann ausmacht, das hat etwas mit dir zu tun, nur der große Feldstein mit der schweren Schrift, der so unverrückbar liegt und vermoost, der gehört da nicht dazu. Sitzen und eine Hand an die Scheibe legen in deine Richtung und sitzen und das Lied noch einmal hören und sitzen und wünschen, dieser Feldstein läge noch dort, wo er eigentlich hingehört.

Changes.

K.