
Den Ärger gebrauchen, um etwas anderes daraus zu machen. Man braucht eine Weile dafür. Anfangs steht man da und wird umgeworfen von seiner Wucht, von Dingen, die Menschen anderen Menschen so antun, weil ihnen nichts besseres einfällt oder nichts schlechteres. Und in manchen Fällen hast du nicht einmal wirklich was damit zu tun, in mehr Fällen, als du denkst, ist das wirklich so. Dass es Zufall ist, ein Versehen, irgendeine wahllose Aneinanderreihung von Umständen, in die du hinein stolperst, ohne dass auch nur jemand deinen richtigen Namen kennt, und schon hast du eine Latte am Kopf oder eine Zecke im Herzen. Sowas geschieht, weil irgendjemand irgendwo einen Schuhkarton aus dem Regal nimmt und damit Staub aufwirbelt, der sich wiederum absetzt auf einem Schalter, welcher dann macht, dass Dinge explodieren. Nun gut.
Früher hätten wir uns aufgeregt, Kratzer abgeleckt und mit Salbe bestrichen, wir hätten aufgeschrien, die Flucht ergriffen, einen Angriff gestartet, in jedem Falle gekämpft, ob in die eine oder andere Richtung aus Hilflosigkeit, weil so ein Schmerz sehr viel Beton sein kann. In der Menge kann einem so etwas Angst machen, es kann einen zum Fortlaufen zwingen, mitunter sogar in Höhlen, aus denen man nicht von heute auf morgen wieder herauskommt.
Was gut ist: Wenn man es raus hat, die Wallung, in die das Hirn durch Schmerz gerät, zu nutzen, aufzufangen, aus der Unwucht etwas zu machen, die Energie zu speichern, die Veränderung zu erkennen, den Wortlaut umzuformen, damit du am Ende als derjenige dastehst, der weiß, was passiert ist, der sich erinnern kann, der da durchkommt, derjenige, der etwas mitgenommen hat daraus, weil man immer etwas mitnehmen sollte, nicht nur ein Zucken der Augenbrauen, nicht nur Schrecksekunden. Du kannst dir immer sagen: Das sind alles Geschichten, alles neue Zeilen. Du kannst dir immer sagen: Das, was weh tut, wird eine Figur. Wenn du das übst, das mit der Hitze und dem Antrieb und wie man aus dem einen das andere macht, dann wird es beim nächsten Mal leichter. Und du größer, nicht härter.