Die Montagsinterviews haben eine Weile auf sich warten lassen und damit sie wiederkommen, befreie ich sie aus dem Korsetts des Wochentages. Von nun ab also immer mal wieder zwischendurch und reingekrümelt: die kleinen Gespräche zu den Befindlichkeiten. Nachdem vergangenen Freitag die vorerst letzte “Tiere streicheln Menschen”-Lesung stattfand, nun Protagonist Gotti live und abgeschrieben an einem Donnerstag.

Wen findest du am lustigsten auf der ganzen Welt?
Also unentwegt lustig finde ich eigentlich nur Ben Stiller, da er sich immer mit solch unheimlicher Kraft in die unangenehmsten Situationen steuert. Aber es menschelt eben auch. Allerdings hat sich Will Ferrell mit dem Film “Anchorman - Die Legende von Ron Burgundy” auch einen sicheren Platz in meinem Herzen ergaunert. Und “Malcom Mittendrin” sollte auch noch erwähnt werden, da es die einzige Real-Film-Serie ist, die mit den Simpsons mithalten kann. Ansonsten finde ich definitiv nichts lustig. (Außer die Live-Programme von Jürgen von der Lippe.) Mehr aber wirklich nicht.
Warst du selbst schon immer unentwegt lustig?
Dass ich unentwegt Quatsch erzähle, wurde mir schon in der Schule unterstellt und hat sicherlich damit zu tun, dass ich mir als Einzelkind auch die einsamen Stunden irgendwie unterhaltsam gestalten mußte. Dass ich unterhaltsame Geschichten schreiben kann, wurde mir allerdings erst im Jahr 2004 klar, als ich das erste Mal “Tiere streicheln Menschen” in der Garage Pankow aufgeführt habe. Obwohl ich immer noch bei jeder neuen Geschichte denke, die ist definitiv nicht so lustig. Meistens stimmt das aber gar nicht.
Nutzt du es manchmal aus, dass Menschen dich lustig finden?
Nein. Ich benutze es nur, um mich einigermaßen unbeschadet und fröhlich durch dieses komplizierte Leben mit all seinen Fallen zu schlängeln.
Was könnte im so im Allgemeinen noch ein bisschen lustiger sein?
Viele Komödien könnten lustiger sein, wie z.B. “Video Kings” (ein ganz schlimmer Film). Und auch die Stimmung auf dem Einwohnermeldeamt läßt immer noch deutlich zu wünschen übrig.
Und deiner Meinung nach außerdem total unlustig ist …?
…Dass in Berlin so langsam alle durchdrehen und jeder freie Fleck Erde in der Stadt zugebaut wird.
Warum hörst du eigentlich auf mit „Tiere streicheln Menschen“?
Weil mir der Name nicht mehr so gefällt und ich was am Konzept ändern will (mehr Dias und Tanz). Na irgendwas muss sich jedenfalls mal tun, dachte ich. Kann aber auch sein, dass das gar nicht stimmt. Ich lass mich überraschen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 22. Mai 2008 um genau 13:17
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Mittlerweile ist März, die Bäume und Sträucher sind alle grün gepunktet, bisweilen auch gelb. Und es scheint, als krieche der Winter dieser Tage langsam zurück in sein Loch. Zum Beginn der Woche also ein Gesprächsfetzen zu der Schwelle zwischen Gedanke und Tat, Idee und Umsetzung. Es antwortet: die Künstlerin Christina M. Oswald.

Hast du einen Ort für Ideen?
Das ist eine gute Frage, weil sie genau mein Problem anspricht. Es gibt keinen konkreten Ort. Die Folge davon ist: Meine Ideen wälzen sich durchs Bett, wachsen aus dem Traum, liegen verstreut auf Zetteln an diversen Plätzen meiner Wohnung, warten verlassen als digitale Datei, dass ich auf sie zurückgreife, sie hängen in Kopfwinkeln und verschwinden dann manchmal auch wieder, bis dieses “…da war doch was…” sie womöglich noch einmal vor dem endgültigen Abschied bewahrt. Manche Ideen liegen auch halb angefangen in Schubladen oder sind einfach gewisse Begegnungen, Wörter, Banalitäten, Materialien etc, die darauf warten, zu etwas Konkretem zu werden. Ich denke, dass die meisten Ideen immer in “unpassenden Momenten” kommen, wenn ich sie gerade nicht so gut festhalten kann. Und auch ziemlich oft im Bett, vorm Einschlafen oder nach dem Aufstehen, naja und auch im Traum manchmal. Eigentlich ganz gut: Ich kann ins Bett gehen und sagen, ich arbeite.
Und welchen Weg nimmt die Idee, bevor sie durch deinen Stift auf einem solchen Zettel landet?
Ich hole sie nur am Bahnhof ab, aber die Reise an sich verläuft irgendwo zwischen Impuls, Überlegung/Hinterfragen und Recherche (wobei die manchmal erst viel später kommt, wenn die Idee schon mal auf dem Zettel steht). Meistens gibt es irgendwas, das mich “inspiriert”. Dann denke ich darüber nach, mit welchem Medium ich das verarbeiten könnte und ob es überhaupt Sinn macht bzw. interessant oder relevant genug ist, um es zu realisieren. Oft scheitert es genau daran, dass mir zwar ästhetisch etwas einfällt, aber ich das Gefühl habe, dass da noch etwas fehlt, das dem Ganzen am Ende eine Relevanz gibt und über die Ästhetik hinausgeht. Dann muss die Idee wieder in die Warteschleife und irgendwann darf sie dann vielleicht wirklich landen.
Wo hat die Reise der schönsten Idee angefangen?
Auf irgendeine Weise ist jede Reise schön, weil anders. Und mir sind die Projekte auch größtenteils gleich wichtig. Diejenigen, die mir noch einmal auf einer persönlichen Ebene am meisten bedeuten, wurden geboren in der Zukunft, der Begeisterung für Lampions und der Faszination für meine Oma , im T€DI-Ramschladen , im Ganz-oder-Gar-Nicht-Gefühl, dem Blick aus dem Fenster und der Beklemmung.
Heute schon gearbeitet?
Ich würde sagen, ja. Ein bisschen für ein Projekt gezeichnet und ein Interview gegeben. Email-Korrespondenz. Internetrecherche. Und sonst halt Hausfrauenpflichten, die durchaus auch mit dem Wort Arbeit zu würdigen sind. Gestrickt hab ich auch ein bisschen, aber ich glaub, das gilt jetzt nicht. Überarbeitet hab ich mich heute aber definitiv nicht…Wer weiß aber, was noch an Inspiration und somit auch “Arbeit” auf mich wartet, wenn ich ins Bett gehe.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. März 2008 um genau 10:42
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Der erste Monat des Jahres ist schon wieder vorbei und beide Beine sind mittlerweile im neuen Jahr. Ob man will oder nicht. Frisch im Februar wird dann mal geschaut, was man so durchhalten kann. Was realistisch erscheint und was dann doch wieder von der Liste gestrichen wird. Zum Montag dieser Woche in unserer Befindlichkeitsreihe also ein kurzes Gespräch, eine Anleitung zum Durchhalten mit und von Frank Lachmann.

Was braucht man, um konsequent zu sein?
Ein Ideal, nehme ich an. Oder ein Ziel. Oder doch wenigstens eine Richtung, in die man gehen möchte, in die man sich entwickeln will. (An dieser Stelle bemerkt der Leser, wie trickreich ich die Frage nach einem Hilfsmittel in eine Frage nach dem Anlass bzw. der Voraussetzung umgedeutet habe. Ich Schlitzohr. Also von vorn) — Ich fürchte ja, man benötigt “nur” einen meiner Lieblingsbegriffe, nämlich Potential. Auf allen denkbaren Sinnebenen, also: Spannung, Anziehung, Differenz, Möglichkeit, Offenheit. Und dazu vielleicht noch ein bisschen die Fähigkeit der Selbsterkenntnis und des Sich-Treiben-Lassens. Zwei gute Portionen Euphorie und Enthusiasmus in den Dingen, die man tun möchte, können auch nicht schaden. Insgesamt also nichts, was jeder handelsübliche Superheld nicht sowieso schon im Standardangebot hätte. Ach so, und Musik, selbstverständlich. Musik ist immer wichtig.
Was, glaubst du, hast du davon?
Ich habe alles davon, in guten Phasen, würde mich aber natürlich nicht als konsequent bezeichnen — es gibt ja leider doch einen Unterschied zwischen notwendigen und hinreichenden Bedingungen. Aber ich glaube ja auch nicht, dass man Konsequenz wirklich so konkret benötigt im Leben. Bricht man die ganzen Probleme, die sich einem in den Weg stellen, mal auf eine gewisse Granularität runter, klar - Konsequenz hilft dann bei den banalen Kleinigkeiten. Aber von weiter oben betrachtet in der Hierarchie der Verkopftheit: als Metapher, als Anlass zur Reflexion, als Zielvorstellung, da geht das in Ordnung mit der Konsequenz. Und als Kontrast zur gelebten Inkonsequenz vielleicht, immer mal wieder.
Wie sieht die gelebte Inkonsequenz im Alltag aus?
Dinge nicht aussprechen, die laut gesagt werden sollten. Mit runter geschlucktem Herzen rumlaufen. Sich anpassen und Dinge verlernen. Keine wünsche mehr haben. Immer wieder oder womöglich dauerhaft einen Unterschied feststellen zwischen dem, wie man so ist, und dem, wie man sich gern sähe. Leben vergessen. Sich zum Thema Konsequenz interviewen lassen, obwohl man doch eigentlich gerade davon überhaupt nichts versteht. Zwar Notiz nehmen vom vorhin erwähnten Potential, es aber ignorieren. Wahrscheinlich.
Welchen Arschtritt bräuchte es im Gegenzug für die Konsequenz?
Einfach die Augen offen halten, da gibt’s genug. Eine bestimmte Situation, ein gewisser Song, irgendein Lächeln oder Blinzeln, eine passende Stimmung beim morgendlichen Heimweg durch die große Stadt, eine von jemand fremdem verwendete Formulierung oder Körperhaltung vielleicht. Inspiration eben, die freundliche Form des Arschtritts. Und man kann das sogar trainieren, solche Dinge und Momente zu bemerken.
Sag mal, wie.
Also — irgendwie vermutend, dass ich mittlerweile nur noch Phrasen und Floskeln absondere, die zwar alle toll und richtig klingen (vielleicht sogar sind), aber nichts mehr mit dem Thema Konsequenz zu tun haben — all das aber jetzt eben mal ignorierend: mit Staunen geht das. Wenn man sich diesen Blick erhält (oder ihn meinetwegen wieder neu lernt), Dinge so zu sehen, als stünde man ihnen zum ersten Mal gegenüber. Mit Skepsis und Begeisterung, mit Hingabe und Mut. Mit diesem ganzen Pathos eben, der aber dann doch keiner ist, denn es ist ja meiner. Oder deiner. Klar. Ernst beiseite: mit Kindern reden. Leute offensiv anlächeln. Kicken gehen anstatt einkaufen. Dinge in Perspektiven rücken, sich ihnen anders nähern, Entdecker sein, Kontrollverlust zulassen, fremden Menschen Komplimente machen. Herrje, klingt das abgeschmackt. Aber leider ist was dran. Wenn man das mal eine Weile kultiviert, sozusagen - schärft man seinen Blick dafür, was wichtig ist und was nicht. Und zumindest mir hilft das ja, bei der ganzen Grübelei über Konsequenz und Inkonsequenz langfristig, und beim Spaß an der Selbstinszenierung auf jeden Fall auch kurzfristig. (Ist ja eh alles nur Therapie, irgendwie.)
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. Februar 2008 um genau 0:24
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Die Ressourcen sind knapp und so wende ich mich von dem Versprechen ab, die Woche jedes Mal mit einem Gespräch von Frau zu Mann oder Frau zu beginnen. Gedanken zu Befindlichkeiten werden trotzdem brav zum Anfang der Woche aufgeschrieben. Ein Wochenende liegt dann immer hinter uns und an diesem war die Stadt, in der ich wohne, sehr weit weg.

Schon allein, weil das Tour-Gefühl ein gutes ist, brauche ich eigentlich wieder eine Band. Und nach einem Wochenende mit Leander in Hamburg und Cottbus wird aus Ablenkung wieder etwas greifbares und Flucht ist nicht mehr ganz so negativ konnotiert. Und wenn man so im Auto sitzt, an tausend Wäldern und Wiesen, Dörfern und Städten vorbeifährt, beginnt man, loszulassen und in Gedanken Texte zu schreiben, während man weiß, dass all diese Wortansammlungen genauso temporär sind wie der Ausblick. Und das ist dann nicht einmal schlimm.
Sich vorwärts schieben, kontinuierlich den Ort wechseln, einem neuen entgegen fahren, macht die Ziele kleiner und besser zu bewältigen. Du weißt, dass du irgendwann ankommst. Und du weißt auch, dass du morgen wieder weg bist. Du bist nicht lange genug an einem Ort, dass es weh tut. Und niemandem so nah. Du merkst dir die Namen für ein paar Stunden und danach kommen neue und wenn etwas bleibt, dann sind es vielleicht die Härtegrade der Matratzen, die du im Rücken spürst am nächsten Tag noch, das Summen im Ohr und ein paar Mal das Klicken der Kamera. Die Inhalte im Schnelldurchlauf, wir sind auf Reisen, wir sind wieder weg. Und der Tag besteht aus Zwischenräumen und Pausen, aus Suchen und Finden, aus Schlafen und Wach sein, die Dinge auf das Nötigste und dennoch auf das Unnötigste reduziert.
Man kauft Spieluhren und Comics. Man hört Hörspiele und alte Lieder, man hört ja eh alles anders und verzerrt, klarer. Und obwohl die Songs jeden Abend die gleichen sind, macht der Kontext die Musik. Du denkst dann an die Menschen, die das nicht wissen, und an die, von denen du hoffst, dass sie es tun. Es liegen Blätter auf der Autobahn, es rauscht Wind in den Ohren und du entdeckst immer wieder neue Grautöne. Wir erinnern uns an die Lichter der Stadt, an den Geruch der Bahnhöfe und Raststätten, wir wissen, in welcher Stadt wir nicht nachgedacht haben und wo es geregnet hat. Das genügt eigentlich, um eine Weile über die Runden zu kommen.
Liz hat es verfasst, und zwar am 28. Januar 2008 um genau 10:53
Kategorie : Sein | 4 Kommentare
Zum neuen Jahr rumpelt es in vielen. Man denkt sich so seine Sachen, guckt noch einmal unter die Vorsätze, zwirbelt die Dinge ein bisschen zwischen den Fingern herum und weiß an manchen Tagen einfach nicht, was das ist, das da in der Luft liegt. Zum Montag nun einmal ein ganz egoistischen Schnipsel meinerseits mit jemandem, der manchmal Bilder zu Stimmungen findet, zu denen ich keine Worte hab. Ein kurzes Gespräch zu übersinnlichen Fähigkeiten und den richtigen Klamotten für ein gutes Karma mit: Flix.

Ich gucke eigentlich täglich in deinen Blog. Und denke ständig: “Ja, genau!”. Passiert es oft, dass Leute dir schreiben: “Du malst, was ich denke”?
Ja, das passiert immer wieder. Und dann bin ich jedes Mal von neuem ganz erstaunt, dass man scheinbar den ganzen Quatsch, den man jeden Tag so denkt, nicht alleine denkt.
Ist dir das unheimlich?
Manchmal ja. Aber wenn man sich dann überlegt, dass die Anzahl der Synapsen im Hirn endlich ist, ist es eigentlich nicht mehr so verwunderlich, dass andere ab und an zum selben Denkergebnis kommen wie man selbst. Zudem lesen wir ja auch alle SpiegelOnline und diesen Kram, was die Wahrscheinlichkeit des Dasselbe-Denkens noch mal ungemein erhöht.
Wie wählst du den Moment eines Tages aus, der es wert ist, dort im Blog zu landen?
Meisten springen mich beim unmittelbaren Erleben von Situationen dieselben an und brüllen: „Zeichne mich!!!“. Im Idealfall passiert das einmal am Tag. Und dann schlafe ich eine Nacht drüber und am nächsten Morgen denke ich: „Das war ja wirklich toll!“, setze ich mich an den Schreitisch und zeichne es. Manchmal brüllt aber auch den ganzen Tag nichts und dann sitze ich morgens da, draußen dämmert das Leben langsam los, und ich durchstreife die vorherigen 24 Stunden auf der Suche nach Erwähnenswertem. Meistens finde ich was. Und wenn nicht, dann schreibe ich genau das. Dass nichts passiert ist. Das sind meistens die schönsten Strips.
Wie hebst du die eigentlich alle auf?
Die Strips zeichne ich in kleine Skizzenbücher: DinA5 quer, dunkelbraun, gar nicht teuer. Das ist sehr praktisch, weil ich sie so immer ganz leicht mitnehmen kann, wenn ich reisen muss. In einem Buch ist Platz für ca. zwei Monate Tagesstripzeichnerei. Und wenn eins voll ist, stelle ich es zu den anderen bereits gefüllten Bücher ins Regal, das neben meinem Schreibtisch steht. Gleichzeitig scanne ich jeden Strip in höchster Auflösung, damit ich die Analog-Sammlung auch noch mal gefestplattet vorliegen habe.
Wie viele Bücher stehen da im Regal?
Grade zeichne ich in Buch 23.
Oha. Das is ja auch so ´ne Zahl, die manchen den Schweiß auf die Stirn treibt.
Das Papier in diesem Buch ist auch anders als in den anderen. Gröber! Saugstärker! Weswegen ich dazu übergehen musste, die Augen der Figuren nicht mehr als feine Kreise sondern als schwarze Punkte zu zeichnen. Grrmmpfff!
Hängt bestimmt alles zusammen. Bist du abergläubisch?
Wenn mit abergläubisch gemeint ist „Ich lese jeden Morgen mein Horoskop und wenn da steht ‚Achtung! Guter Tag für Finanzgeschäfte!’ kaufe ich schnell ein paar Telekommunikationsaktien.“, nein. Wenn mit abergläubisch gemeint ist „Eigentlich ist es wurst, aber ich ziehe zum Bewerbungsgespräch mal besser meine Glücksunterhose an, die mit den Raketen drauf, weil dann kann nichts schief gehen. Sicher ist sicher.“, dann ja.
Liz hat es verfasst, und zwar am 21. Januar 2008 um genau 9:00
Kategorie : Sein | 7 Kommentare
2008 hat angefangen, viele haben sich wieder einmal die Gewichtsreduktion zum Vorsatz gemacht. Als motivierender Start in das Jahr und die Woche hier nach all der Weihnachtsvöllerei nun das ultimative Sportskanonenbombardement mit dem alten Jogginghasen Knut Stenert von Samba. Ein Montagsgespräch gegen Herrentitten und Bierbäuche.

Bist du fit?
Vor dem Joggen: ja. Nach dem Joggen: nein.
Was trägst du beim Joggen?
Einen dunkelblauen Trainingsanzug und Spezialschuhe. Ich sehe aus wie der Kurschatten von Helmut Kohl.
Was denkst du dann immer so?
Ich schmiede Pläne.
Wie fühlst du dich hinterher?
Wie eine Alge.
Sprichst du mit Leuten darüber?
Ja, manchmal. Mein Vater hat mir vorgerechnet, dass ich bei einer Distanz von sieben Kilomentern ca. 700 Kalorien verbrenne, und dass ich deshalb bei dreimal in der Woche Joggen im Grunde soviel essen und trinken kann, wie ich will - ohne zuzulegen. Knallharte Kosten-Nutzen-Rechnung. Mit einem Kollegen habe ich mich gestern über die Notwendigkeit von speziellen Jogging-Handschuhen unterhalten. Halte ich erstmal für Quatsch. Man läuft ja nicht auf Händen. Aber er hat immer kalte Hände. Vielleicht gerade deshalb.
Und wenn du nicht regelmäßig joggst, was passiert dann…?
Ich werde irre.
Bierbauch?
Nein. Wesentlich gefährlicher als der Bierbauch sind die sogenannten “Herrentitten”. Dann muss man beim Joggen einen Sport-BH tragen. Ich bin aber ganz gut in Schuss.
Gibt es sonst noch Sportarten, die du gerne und regelmäßig betreibst?
Ich fahre gern Rad. Bei anderen Sportarten ist mir die Verletzungsgefahr zu groß. Außerdem will ich weder gewinnen noch verlieren. Das macht mich für nahezu alle Sportarten ungeeignet.
Welchen Sport würdest du deinen Kindern empfehlen?
Fussball. Wegen der sozialen Kompetenzen.
Und welche deinen Freunden?
Laufen. Siehe oben.
Deine Sportvorsätze für´s neue Jahr?
Bis zur Alster und einmal rum und wieder zurück.
In einem weissen Trainingsanzug und Perlenkette.
Liz hat es verfasst, und zwar am 7. Januar 2008 um genau 1:59
Kategorie : Sein | 4 Kommentare
Früher war Sonntag immer der stillste Tag in der Woche für mich. Aber jetzt gibt es das Wort “verkaufsoffen” und die Leute hetzen laut durch die Center und Bahnhöfe. Deswegen haben Julius und ich gestern über Geräusche gesprochen, schriftlich. Zum Montag ein leiser Gesprächsfetzen, von dem sich jeder für die nächsten Tage ein bisschen was abschneiden kann. Und hier die Erholung muss “Sein-Kolumne” zum Montag.
Wann bist du laut?
Ab und zu stampfe ich mit dem Fuß auf, um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen. Wahrscheinlich also eher, wenn ich im Unrecht bin.
Und wenn du im Recht bist…
…bleibe ich eher ruhig.
Dein Album heißt “Leise, zusammen”.
Ja, das sind ungefähr die letzten Worte auf der CD. Und leise sein kann eine sehr angenehme Sache sein. Besonders, wenn man einfach zusammen und leise ist. Ich mag auch die Dekontextualisierung, im letzten Lied heißt es ja eigentlich “und du sackst leise zusammen”.
Laut und allein geht also eher nicht so?
Eher laut, auseinander. Aber da sagen UPR und ich klar: “Nein, danke”.
Musik, laut oder leise?
Ich höre Musik so leise wie möglich, aber so laut wie nötig, eher selten nebenbei und oft zu laut für Leute, die mithören.
Du redest also meistens leise, singst eher laut und Musik hörst du so mittel. Was ist dir der liebste Zustand?
Zusammen.
Welche Lautstärke hat Bremen?
Bremen ist mir leider meistens zu laut. Aber ich habe schon einige Leute getroffen, denen die Stadt vielleicht nicht zu leise, aber doch zu ruhig ist.
Welche Geräusche magst du denn am liebsten?
Vögel sind ganz gut.
Gibt es legitimen Lärm für dich?
Ich mag Geräusche von Nachbarn: wenn unter mir jemand laut Musik hört oder die Leute neben mir Geräusche machen, die zwar immer wieder vorkommen, die ich durch die Wand und ohne Bild nie zuordnen kann. Ich stelle mir immer vor, jemand schmeißt eine Dose mit Stiften über einer Heizung um.
Und absolut überflüssige Geräusche?
Musik aus Handies in Bahnen klingt meistens komisch, kaum nach Musik. Rap und RnB leben ja auch durch die Bässe, die lernen die Kids in der Straßenbahn kaum noch kennen. Meistens ist ja die Umgebung auch viel zu laut, sodass aus den Geräten oft nur ein stetes Knören dringt.
Weihnachten: leise, zusammen?
Ja.
(Dieses Gespräch wurde handschriftlich geführt. Leise, zusammen.)
Und morgen besinnliches Tamtam. Ihr wisst schon.
Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Dezember 2007 um genau 10:22
Kategorie : Sein | 1 Kommentare
Das montägliche Kurzgespräch muss heute aufgrund von vorweihnachtlichem Zeitmangel ausfallen. Dafür gibt es frisch und munter ein Coverstück von Lars und mir passend zum Titel und ein bisschen melancholisch. Dabei sein ist alles. Nächsten Montag wird sich aber wieder brav unterhalten. In echt, Farbe und Heimeligkeit geht es dann ums “Leise sein” mit Julius.
Liz hat es verfasst, und zwar am 10. Dezember 2007 um genau 10:13
Kategorie : Sein, Ton | 3 Kommentare
Die zweite Woche der sich um Befindlichkeiten drehenden Montagsinterviewblogkolumne wird von Carmina aka Frau Grau eingeläutet. Zum Montag also ein kleines Gespräch über nächtliche Produktivität.

Wann bist du gestern ins Bett gegangen?
Das war so gegen vier. Um sieben war der Kopf wieder wach, aber der Rest hat sich entschlossen liegen zu bleiben.
Die letzte Woche war durchgehend eine ohne viel Schlaf.
Wie kommt das?
Das liegt zum Einen sicher in meiner Natur. Nachts entstehen oft die besten Ideen. Um einen herum ist alles still. Es ist ein bisschen wie Isolation. Was nicht bedeutet, dass ich an dem Leben da draußen nicht mehr teilhabe. Zum Glück komme ich oft ohne viel Schlaf aus. Und manchmal ist es einfach so, dass die Arbeit nicht anders zu bewältigen ist, wenn die Termine im Nacken sitzen und die Hände und Stifte einen tagsüber im Stich gelassen haben.
War das schon immer so?
Es hat sich früh herausgestellt, dass ich ein Nachtmensch bin, wenn ich meinen Eltern glauben kann. Ich war wohl auch ein Großmeister im Erfinden von Ausreden und Begründungen, warum ich noch einmal aufstehen muss. Aber diese Nächte geben mir auch etwas zurück. Und genau deswegen mache ich das. Auch wenn der Körper dann einfach mal müde ist.
Was genau geben dir diese Nächte zurück?
Das Gefühl der Erschöpfung. Ein gutes Gefühl. Und wenn man dann später das in der Hand hält, was man geschafft hat, fühlt sich das gut an. Die Leidenschaft treibt einen an und das Papier ist wie eine Reflektionsfläche des Ganzen. Vielleicht ist es auch nur das Gefühl das Richtige zu tun. Strich für Strich. Stunde für Stunde.
Und das geht so tagsüber nicht?
Es ist eher so, dass die Zeit am Tag meistens nicht ausreicht. Und ich oft erst in der Nacht zur Hochform auflaufe. Der Kopf arbeitet am Tag, die Hände in der Nacht. Es ist schwierig zu erklären, weil es keinen Grund gibt, warum das so ist. Ich würde auch gerne wissen, was die Nächte können und die Tage nicht.
Wie reagieren die anderen Menschen denn auf deinen Rhythmus?
Die wenigsten Menschen sind nachts wach oder erreichbar, deswegen muss ich natürlich auch tagsüber arbeiten. Die meisten bekommen meinen Rhythmus aber nicht mit. Die, die um mich herum leben, sind auch oft “Nachtmenschen” oder ermahnen mich ab und an mit erhobenem Finger. Doch im Allgemeinen ist es so, dass ich mit diesem Rhythmus glücklich bin und auch so wirke. Ich denke, wir finden alle unseren Takt, in dem wir leben und arbeiten.
Geht das ineinander über?
Leben und Arbeit hat bei mir keine Trennung, keine Grenze. Es ist alles ein Fluss. So kommt vielleicht ein großer Teil der Nachtarbeit zustande. Weil es keine Blöcke gibt, die den Tagesablauf beschreiben. Viele der Entscheidungen, wann was zu machen ist, kommen aus dem Bauch und das lässt sich schwer steuern. Mir ist dieser Fluss wichtig. Alles zur richtigen Zeit.
Liz hat es verfasst, und zwar am 3. Dezember 2007 um genau 10:15
Kategorie : Sein | 1 Kommentare
An Montagen beginnt eine neue Woche, da geht was los, tämtärämtämtäm. Hier nun also halbwegs regelmäßig und mal sehen mit welch unvollstellbarem Durchhaltevermögen immer zum Wochenstart eine kurze Unterredung zu Befindlichkeiten - dem Sein. Heute Nummer Eins mit meinem bayerischen Lieblingsspiegeleifan Markus Kavka.

Was macht dich gerade wütend?
Einige der Kommentare bei www.stoerungsmelder.org. Wir wussten, dass uns der Fluch der Kommentarfunktion bei diesem Projekt heimsuchen würde, aber dass es so dicke kommen würde, lässt mich bisweilen fassungslos und kochend vor Wut zurück. Abgesehen von stumpfen Naziparolen, die wir rauslöschen, ist es vor allem die von der NPD praktizierte sogenannte ´Wortergreifungsstrategie´, die mich so auf die Palme bringt. Es soll gar nicht diskutiert werden. Stattdessen wird mittels absurder Äpfel-Birnen-Vergleiche einfach reingegrätscht, so nach dem Motto: “Hört doch mal auf, über Nazis zu schimpfen, redet doch lieber mal über Ausländerkriminalität. Das ist viel schlimmer!” Argh.
Wie reagiert ihr darauf?
Wie schon angedeutet, löschen wir Kommentare, die rassistische, antisemitische, sexistische oder Gewalt propagierende Inhalte haben sowie natürlich auch alle Beschimpfungen und Beleidigungen. Was die typische Neonazi-Argumentation betrifft, so versuchen wir diese zu widerlegen. Ziel des Blogs ist es unter anderem ja auch, dieses Phrasengedresche zu entlarven und aufzuzeigen, dass Nazis keine Lösungen anbieten. Für nichts. Für viele User ist es offenbar aber auch nicht ganz uninteressant, mal live mitverfolgen zu können, welche Strategien die Rechten pflegen und was man diesen entgegensetzen kann.
Solche Projekte sind ja anfangs immer sehr ambitioniert, das Engagement wird aber oft schnellstens weniger, wenn das Medienecho nachlässt.
Wir haben das Blog nicht gestartet, um ein großes Medienecho zu bekommen, aber wir nehmen es natürlich gerne mit. Alle, die da jetzt schreiben, tun das unentgeltlich und aus tiefster Überzeugung, und zwar jener, gegen Nazis etwas unternehmen zu müssen.
Ist ein Blog da die geeignete Form?
Das wird sich auch für uns erst erweisen müssen. Nehmen die User das an? Können wir tatsächlich mit den Usern Strategien entwickeln? Fruchten die Diskussionen? Das sind Dinge, die wir natürlich nur bedingt steuern können. Ich kann aber zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass stoerungsmelder.org in jedem Fall nachhaltig angelegt ist. Wir sind auch ständig dabei, neue Autoren zu aquirieren.
Geht die Aktion auch über´s Netz hinaus?
Schon in Dezember geht es ja mit einer ersten Aktion an einer Schule in Brandenburg los. Wir gehen da hin und veranstalten Workshops und Diskussionen, um von Angesicht zu Angesicht vor Ort die Probleme anzugehen. Und das mehrmals im Jahr, um auch da eine Nachhaltigkeit zu garantieren. Es werden auch Patenschaften an diesen Schulen übernommen, die einen ständigen gegenseitigen Austausch gewährleisten sollen.
Wie drückt sich Wut bei dir aus? Reagiert dein Körper auch oder bleibst du nach außen hin völlig cool?
Ich versuche es zumindest. Es tut mir aber nicht gut, wenn ich das dauernd in mich reinfresse. Aber so bin ich eben. Ich werde so gut wie nie laut, trete auch selten gegen irgendwas oder schmeiße Sachen durch die Gegend. Wenn man mich kennt, dann merkt man mir Wut nur daran an, dass meine Ohren sich röten und ich ein bisschen böse gucke.
Und wenn jemand wütend ist auf dich?
Das verunsichert mich zutiefst. Ich neige nämlich zu Harmoniesucht und will deswegen ganz schnell den Grund für die Wut aus der Welt schaffen. Dann wird natürlich geredet. Aber wenn das jemand ist, den nicht kenne und der mich auch eigentlich gar nicht kennt, kann ich dann nicht viel ausrichten. Muss ich auch nicht.
Und so machte er sich völlig harmonisch und mit ganz normalfarbigen Ohren aus dem Staub. Auf bald, mei Gutster. Und besten Dank. Allen damit einen unwütenden Montag.
Liz hat es verfasst, und zwar am 26. November 2007 um genau 10:25
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