Mikrostrabismus

Früher erzählte man uns, dass, wenn man schielt und einen dann jemand erschreckt, die Augen so stehen bleiben. Und ich dachte immer, das ist doch gar nicht so schlimm. Weil ich seit meiner Geburt ein Auge habe, das ein wenig träge ist und ganz von allein in die erschrockene Position rutscht, wenn es müde wird. Man kann es also gar nicht mehr erschrecken. Jedenfalls nicht so, dass es etwas ändern würde. So ging der Sommer vorbei. Mit einem Schreck. Wenn etwas passiert und man deswegen aufstampft oder stolpert oder irgendwo dagegen rennt, dann zittert einem nicht nur die Augenhaut, sondern alle Dinge im Umkreis von ungefähr einem Meter. Die springen minimal in die Luft, nur einen Millimeter. Manche von ihnen landen dann an genau jenem Ort, an dem sie vorher standen. Andere tun das nicht. Wenn man sich beruhigt hat und dann noch genug Kapazität, dann kann man das mit etwas Mühe sehen, auch mit einem trägen Auge. Dass manches nicht mehr da steht, wo es mal stand. Häufig ist es einem dann ein bisschen egal, ob das nun gut aussieht oder nicht. Häufig stellt man sich nicht einmal diese Frage, weil man sehr damit beschäftigt ist, Bescheid zu sagen, Anträge auszufüllen, sich das Zwerchfell zu bügeln, jemanden ins Bett zu bringen, Essen zu machen, die Fassung zu suchen, weil die wichtig ist für die Beleuchtung der ganzen Sache, (man sieht ja sonst nix), Listen zu schreiben. Man merkt erst später, was alles anders ist. Es kann sein, dass man zwischendurch aber ein wenig Zeit findet, um sich zu wundern. Zum Beispiel über Menschen, die einem sagen, man hätte sich gar nicht verändert, und einen gar nicht anschauen dabei und das Besteck die ganze Zeit nicht aus der Hand legen. Besteck ist schön, aber meistens keine Hilfe. Besteck ist bei Umarmungen wirklich häufig im Weg.