
Irgendjemand hat Shampoo ins Wasser getan, das untere Becken des Märchenbrunnens ist ganz weiß, es ist kein richtiger Schaum, nur eine leichte Decke. Oben hängt ein Mädchen die Füße ins Wasser, ein paar Blätter. Die Vögel fliegen nicht tief, aber mit Obacht, weil sie wissen, dass vielleicht etwas passiert, die Insekten der umliegenden Bäume begeben auf dieser Lichtung jedes Mal Selbstmord, hier frisst es sich gut mit dem Hochhaus im Rücken. Ein Kind hat seine Plastikschuhe an der Bank stehenlassen, klein und orange, als stünde es noch darin unter einem Umhang aus genug Phantasie. Nebenan führt jemand ein Feierabendgespräch am Telefon, gegenüber der Student macht sich einen neuen Zopf, das Ordnungsamt hat die Jacken weggelassen und schwitzt die Kragen voll.
Manchmal gibt es einen Punkt, an dem man merkt, dass nichts übrig geblieben ist. Das alles, was es noch gibt von zwei Menschen, vielleicht so ein Gesichtsausdruck ist, den man sich überlegt hat am Anfang, den man behalten hat, wie in Stein und Erinnerung geschlagen, ganz unverrückbar. Das, was sich beide vorstellen, bevor sie sich trauen, bevor sie sich anstrengen, bevor man sich wirklich nahekommt. Das, was man sich wünscht als Überraschungseifigur für die Hosentasche. Und manchmal bekommt man an diesem Punkt doch noch eine Kurve hin, einen Schlenker, es gibt Leute, die schaffen es, dem funkelnden Einhorn, das man niemals finden wird, einen Hut aufzusetzen, eine Schleife umzubinden, irgendetwas von heute mitzugeben, das es ein bisschen lebendiger macht, zurückholt, echt ist. Und manchmal schafft man’s nicht. Dann sitzt man voreinander mit einem Handabdruck von früher im Beton und jemand schüttet Seife ins Wasser. Keine Mimik, kein Jetzt, kein Flimmern. Wenn dann einer geht, also geht ohne den anderen, kann es sein, dass am nächsten Morgen eine Steinfigur mehr am Brunnen sitzt, ein lachender Hase, ein wankendes Pferd, ich bin mir sicher, die waren früher alle mal mehr als das.
Und das nächste Mal wird man sich begrüßen, nicht mit Handschlag, aber mit einem Blick, der sagt, dass man weiß, woher man kommt, wenigstens das weiß man noch. Und danach wird man den Kopf in den Nacken legen und Düsenjäger zählen, den Schwalben zusehen, jemanden anrufen, man wird sich nicht einmal mehr wirklich ärgern können, dass man sich geirrt hat, dass das passiert, hat sich festgetackert, so funktionieren die Dinge, und man wird sich neue Wünsche basteln. Im Winter dann wird man nicken, wenn man bemerkt, dass jemand die Steinfiguren zum Schutz in Holzverschläge gepackt hat, damit sie nicht stürzen. Kein richtiges Nest, nur eine leichte Decke.