Eilmeldung: Lesung heute abend fällt aus.
Wegen guten Wetters und aus Veranstaltergründen fällt die Lesung beim “Kongress für anders” heute leider aus. Wir holen das nach irgendwie irgendwo irgendwann. I’m sorry.
Wegen guten Wetters und aus Veranstaltergründen fällt die Lesung beim “Kongress für anders” heute leider aus. Wir holen das nach irgendwie irgendwo irgendwann. I’m sorry.
This is Mr. Björn Kleinhenz. His music is part of the soundtrack of my life. In many different ways. You better don’t miss him when he’s in town, you better stick around.
Diese Geschichte mit dem Generationendialog ist ja schon eine schwierige, und wenn es dann noch um Literatur gehen soll, um Bücher und Geschmack, da mag man fast abwinken und zur Seite schauen und lächeln, weil man den großen Versuch nicht mehr wagen würde, man hat sich mittlerweile abgefunden damit, dass wir da so jung wahrscheinlich nicht mehr zusammenkommen. Also wir alle nach oben und nach unten auf dem Zeitstrahl, Generation ABC-Waffen, wer auch immer. Und die Geschichte mit dem Reden über Geschichten ist eine andere. In der Schule habe ich es nicht gemocht über Bücher zu reden, manchmal habe ich es trotzdem getan und darauf bestanden, nichts auseinander zu pflücken sondern einen Eindruck zu schildern und jedes Mal wollte ich behutsam sein in dem, was ich dem Autor unterschob und hinein in seine Sätze. Also an Deutung und Unsinn. Dieses ganze Dröseln und Interpretieren, das Herumgebastel an winzigen Stellen, von denen ich oft dachte: “Jetzt lasst es doch einfach gut klingen, lasst es in Ruhe.”
Und auch heute knicke ich eher die Ecken der Seiten um, als dass ich große Reden schwinge, wenn es um die geht, die ich gerade lese, die ich für gut und großartig befinde, meistens zitiere ich lieber und vertraue dem gesunden Menschenverstand oder dem, was davon noch übrig ist. Und trotzdem war ich heute auf einer Veranstaltung, bei der zwei Menschen über zwei Bücher gesprochen haben - und dann auch noch zwei, die fast vierzig Jahre trennen. Und die sollen sich dann gegenseitig von ihren Lieblingsbüchern überzeugen. Früher hätte ich herzlich gelacht und wäre fern geblieben. Heute habe ich herzlich gelacht, obwohl ich direkt daneben saß.
Bei “Buch um Buch” haben heute Elias Honert und Frank Fingerhuth in der Hamburger Buchhandlung “Stories” miteinander geredet und die Besucher saßen auf Stühlen drumherum, und was ich so liebe an diesem Laden, ist, dass die Bücher die ganze Zeit dabei sind, überall, wo du hinguckst, sind Bücher, das ist so großartig. Da saßen also NDR-Kulturredakteur (Jahrgang 47) und Buchhändler (Jahrgang 85) nebeneinander und lasen vor und stellten sich Fragen und schwupps war das alles auch schon wieder vorbei. Und wie das so passiert, wenn es um Airen geht, dann geht es auch um Hegemann, es geht immer kurz um Hegemann in letzter Zeit, aber es war so schön, wie man die Kurve bekam und am Ende ging es um die inneren Apokalypsen eines jeden, um die Grenzerfahrung und familiäre Bindungen und als dann mein Buch vom Publikum genannt wurde, bin ich noch tiefer und ein bisschen verlegen grinsend in den Stuhl gerutscht, ich hätte da noch zwei Stunden sitzen und zuhören können, wie man sich einander nähert, weil man gerne liest, wie man sich erklärt aus Leidenschaft und nicht aus Haltlosigkeit heraus, wie man die Sätze ganz lässt.
Man sollte, wenn man in Hamburg wohnt, die Augen nach dem nächsten Termin offenhalten, ich habe lange nicht so ein kurzweiliges, unterhaltsames, unabgehobenes Gespräch zur Literatur gehört. Was für ein schönes schönes Format (und das finde ich nicht, weil Herr Fingerhuth meinem ehemaligen Englischlehrer so ähnlich sieht, aber man erinnert sich ja doch), ich möchte immer noch klatschen, nur der Nachbar geht gerade zu Bett.

(Mit Kleidung gegen den Ernst des Lebens.)




Graz riecht so gut. Und es hat einen Fluss, auf dem ein dicker Wurm schwimmt. Und es hat ein Kulturhaus, das aussieht wie ein glubschiges, riesiges Alienvieh und das man einfach mögen muss, weil es guckt, als warte es auf seine Mama. Und Graz hat Hörnchen, die eigentlich Kipferl heißen, und die ich als Kind auch immer so mit nur einem Stück Butter gegessen habe. Und vor allen Dingen hat es eine tolle Bewohnerin, die weiß, wie sie jemanden wie mich begeistert, weil sie einfach ist, wie sie ist.






Am Freitag beginnt hier in Hamburg eine schöne Geschichte, der “Kongress für anders”. Sarah stellt dort aus und ich lese am Mittwoch, den 28.04., um 19 Uhr aus dem Buch vor.

Manchmal hat man nur den Bauch. Wenn der Bauch mal Mist gemacht hat, kann es sein, dass da eine feine Linie durch den ganzen Magen zieht und die Lunge und das, was so dazwischen ist, ich weiß gar nicht genau, was das ist, aber es ist da, das ist das, was immer weh tut, wenn etwas schief läuft, und das, was oszilliert, wenn etwas richtig ist. Jedenfalls hat man, glaube ich, nur diesen einen Bauch, und der kann sich irren und der kann sich umdrehen und umkehren und verkrampfen und durchdrehen und flüstern und knurren und manchmal, da kann er einfach gar nichts sagen, das passiert nicht oft, also dass er einfach still hält und nichts tut und man selber nachdenken muss.
Aber wenn es passiert, dann ist das meistens ziemlich beängstigend, dann lege ich die Hand auf ihn und mich flach auf den Boden, genau wie diese Hand, ich lege meinen Kopf dazu und die Fersen und die Ballen der Hände und dann sind wir alle auf einer Höhe, und der Rest versucht sich vorzustellen, wie der Bauch sich so fühlt, wenn alles jedes Mal durch ihn hindurch muss, wenn er alles einordnen und zurechtrücken und verdauen und spüren muss, was mit dem Rest passiert. Mitunter kommt der Rest dann zu dem Schluss, dass so ein Bauch einen beschissenen Job hat, den er allerdings meistens ziemlich gut macht, deswegen sollte man sich hin und wieder hinlegen, sich selbst und den Rest und was da so dranhängt, sich hinlegen und schauen, wie der Mond aufgeht, und ganz leise sein und still, und dem Bauch nicht noch mehr Stress machen, er wird schon Bescheid sagen, wenn es gut ist und wieder okay und man aufstehen kann, weil man weiß, das ist so ein bisschen wie Topfschlagen, warm und kalt, das weiß er zu unterscheiden, er braucht nur manchmal einen Moment.
Diese feine Linie, den Riss, den gibt es in allem, den hat nicht nur der eine Bauch, den man hat. Den hat jede Geschichte, jedes Wort, es gibt niemanden, der nicht einmal auf den Kopf oder das Knie gefallen ist, sowas passiert und sowas erschüttert und am Ende ist es eigentlich ganz gut, dass man die Stellen noch erkennen kann, an denen es besonders gehakt hat. Man weiß dann, wo man behutsamer zu sein hat, das sollte eigentlich nie etwas mit Misstrauen zu tun haben, auch beim Bauch nicht. Man hat nur den einen.

(Gefunden bei Frl. Zucker. Bewundert in Me and you and everyone we know.)

Die Sache ist ja die, dass ich oft hin und her gerissen bin. Das Schöne an der re:publica dieses Jahr war, dass es sich gelegt hat. Also mein Schwanken und das Kopfschütteln über manche Gepflogenheiten in diesen Internetkreisen. Das liegt zum Einen, glaube ich, daran, dass sich mein beruflicher Kontext verändert hat. Ich wohne nicht mehr in Berlin, ich habe plötzlich den ganzen Tag mit Menschen zu tun, denen das Internet noch nicht so sehr in Fleisch und Blut übergegangen ist wie meinem sonstigen Umfeld. In all diesen Veränderungen von Wohnort und Beruflichem in der letzten Zeit hab ich dann konzentriert in den letzten Tagen gemerkt, wie froh ich bin, dass es all diese Menschen gibt, die sich da treffen und rumspinnen und über Sachen reden, die man manchmal nur versteht, wenn man sich anstrengt, die sich auch manchmal verheddern in ihrem technischen Anspruch, in ihrem angestrengten Blick über die Schulter, der fragt, ob da nicht noch jemand steht, den man irgendwie kennt, von dem man weiß, wie er auf Twitter heißt oder sowas. Ich bin froh, dass es euch alle gibt, und dass ich mich manchmal wundern darf über euch und eure Macken, wichtiger ist, dass ich jetzt weiß, wofür. Wofür das gut ist, gut sein kann, gut sein muss. Das ist die Sache mit dem Gegengewicht. Und ich brauche das mehr denn je für meinen persönlichen Input, meine Inspiration und weil es immer wieder antreibt, wenn man sieht, was andere so hinkriegen, was andere machen ohne etwas dafür zu bekommen, einfach nur, weil sie es gut finden und verteidigen und können und wollen.
Ich bin immer noch dafür, dass man jemanden fragen sollte, bevor man ihm direkt ins Gesicht photographiert, und ich bin auch für Hallo und echte Namen. Aber ganz entschieden bin ich einverstanden, mit dem Ansatz dieser Veranstaltung und dass dort Elan und Motivation geballt durch die Gegend läuft, das sieht mitunter auch mal sehr lustig aus, aber das ist ja eigentlich umso besser. Ich möchte mich bedanken für das Klackergeräusch in meinem Kopf, das immer einsetzt, wenn sich innen drin etwas bewegt, und das hat diese Tage auch lauter und anstrengender gemacht, aber Geräusch zeugt ja grundsätzlich auch von Bewegung und Reibung und diese Dinge wiederum unterstütze ich entschieden.
Ich glaube, dass einer der wesentlichen Vorträge in diesem Jahr der Vortrag von Tessa war, und über den musste ich auch noch einmal im Umfeld meines Arbeitgebers schreiben, nicht weil ich den Auftrag hatte sondern weil es mir ein Anliegen war, in diesen Kreisen, in denen ich arbeite, diese Dinge zu sagen, das ist heutzutage und in dieser Branche nicht selbstverständlich, da wird man mitunter komisch angeschaut. Ich kann nicht jeden einzelnen Vortrag, den ich gesehen habe, auseinander pflücken, das haben andere schon viel besser gemacht als ich, und ich brauche auch noch Zeit, damit sich all das setzen und verteilen und umsortieren kann. Aber die Veranstaltung ist eine gute, wenn sie Peter Glaser an den Anfang setzt und Peter Glaser dann sagt: “Menschen interessieren sich nicht für Maschinen, Menschen interessieren sich für Menschen.”
Das ist gut zu wissen, das wird mitunter vergessen. Und ja, ich weiß, das ist alles total pathetisch, aber mich überkommt das immer ein wenig später, dass ich mich bedanken will dafür, dass ihr mich so vollquatscht mit euren Projekten. Ich bin ganz hin und nicht mehr her gerissen.

Es ist wieder Erntezeit! Und ich freu mich auf die folgenden drei Tage.
(Aber Ich frage mich, wann die ersten wohl fragen, wieso das WLAN noch nicht funktioniert und wer beziehungsweise was in diesem Jahr die Rolle der Pokenstöpsel übernimmt. Ich bin dafür, dass jeder seine Nummer mit Marmelade auf Pfannkuchen und die Mailadresse via Sprühsahne schreibt.)
(Und ich bin auch dafür, sich weniger zu verpassen.)