Die Sache ist ja die, dass es so viele Sachen sind.

Monat: Februar, 2010

Lumineszenz.

Da denkt man jedes Jahr noch dran, wie das war in dem einen Winter, als man das Haus verlassen hat und nicht mehr wiederkam. Da denkt man jedes Jahr noch dran, auch weil es sich nicht mehr so anfühlt wie damals, und man nicht weiß, ob das ein Glück ist oder keins. Da denkt man jeden Winter noch dran, wie das Fenster geleuchtet hat und wie man’s nie wieder so hat leuchten sehen, weil’s immer anders leuchtet, wenn innen jemand steht und guckt, vielleicht auch nicht guckt, aber weiß. Also von dir jetzt. Da denkt man jedes Mal noch dran, wenn man über die Kreuzung geht, die damals voller Schnee war, so voll, dass er oben über den Turnschuhrand in den Turnschuh gefallen ist, dorthin, wo Platz war. Erst war es kalt und beim Laufen dann wurde es immer wärmer, nur trocken war’s noch nicht, als man zuhause ankam. Da denkt man bei jeder Bahn noch dran an der Haltestelle, die man von dem Fenster aus sehen kann, wenn man sich um die Ecke beugt, da steht man dann und kann den Blick nicht knicken und nicht in das Zimmer sehen, aber trotzdem weiß man, dass es dunkel bleibt, da braucht man keinen Schritt machen, das weiß man halt einfach.

Da denkt man jedes Jahr noch dran, wie das in dem einen Winter war, als man das Haus verlassen hat und im Sommer nochmal wiederkam und dann das Haus kurze Zeit später wieder verlassen hat und in einem anderen Winter erneut wiederkam, auch nur kurz, da kann man sich jeden Winter wieder dran erinnern, jeden Winter wieder neu, weil es einen Unterschied gemacht hat, und weil niemand was gelernt hat, auch nicht der Schnee. Denn der fällt immer noch so hoch, dass er oben in die Schuhe fällt, und der ist immer noch nass, wenn man nach Hause kommt, da denkt man jedes Jahr wieder dran, wenn man ihn sieht. Da denkt man jedes Mal dran, also dass manch einer nie aus den Sommern lernt, und man weiß nicht, ob das ein Glück ist oder keins.

Manche Sachen leuchten nur einmal, das lernt man mit der Zeit, wenigstens das, einmal und dann nie wieder, aber wenigstens wussten sie mal, wie es geht.

Weekly Melody: Confetti heart

Somebody told me…

…dass ich 1. bei Dussmann und 2. auch noch neben Herrn Rammstedt stehe. Somebody ist Inez. Wenn man malen würde, was da heute in mir drin los war, hätte man wahrscheinlich ganz viel bunten Krimskrams mit ein paar Comicgeräuschen gekritzelt. Und kleine Herzen an den Rand.

Illustrative & Alfa Romeo Art Print Collection

Carmi hat Autos gemalt. Ich hab mit Autos ja nicht viel am Hut, dafür mit Carmi umso mehr. Deswegen könnt ihr euch ihre Arbeit inmitten von vielen anderen Autobildern hier noch einmal anschauen.

Yes, maybe.

Letzte Woche war ich für ihn die Königin von England. Heute überreicht mir der Postbote ein Paket mit den Worten: “Maybe this is a penguin” und lächelt sein zahnlückiges Lächeln. Ich zucke mit den Schultern, er vollführt beim Abgang beinahe eine Pirouette, jedenfalls dreht er sich einmal auf den Versen, bevor er den Hausflur in Richtung Fahrstuhl hinunter tänzelt. Wie er das gemacht hat, weiß ich nicht, denn auf Teppichboden funktioniert das eigentlich nicht, ich probiere es auf Socken ebenfalls kurz, als er schon im Fahrstuhl ist. Ich möchte nur noch Pakete von ihm zugestellt bekommen, weil er macht, dass man sich freut, er könnte auch einen Eimer Ohrstäbchen bringen und man wäre immer noch gut gelaunt. Und später, als ich die neuen Kopfhörer aufsetze, wünsche ich mir, er hätte recht gehabt.

Eine Stunde Sonnenlicht.

Und hier ist ab heute alles ein bisschen anders und neu. Anders und neu, weil auch alles drumrum ein bisschen anders und neu ist, denn das Buch steht ab heute in den Läden. Ich bin ja dafür, dass alle, die es erkennen oder irgendwo liegen sehen, kleine bunte Zettel mit Notizen zwischen die Seiten legen für diejenigen, die es dann vielleicht später einmal durchblättern, und die dann vielleicht auch einen Zettel hinterlassen. Bunte Miniseiten zwischen weißen Nichtganzsominiseiten, das wär was.

Last night a robot saved my life.

Eigentlich braucht jeder so einen Kaossilator, denn damit wird es ein bisschen so wie in “Absolute Giganten”, man hat seinen Soundtrack immer dabei, und mit ein bisschen Fingerspiel passt sich alles an und du bist dein ganz eigenes pling plong. Es springt dann auch, wann immer du willst.

Nach Hause ohne Zuhause.

Dann wieder im Flieger zu sitzen nach ein paar Stunden außerhalb der Stadt, man kann es kaum Tage nennen, weil die Nächte zu kurz und die Eindrücke zu gestaucht war, um sie schon einzuteilen. Ich habe Cola getrunken und Wasser dann und gelesen, und dann sind die Wolken weg und man sieht den Mond nicht und unten auf dem Boden kringeln sich die Lichter in Reihen, und früher oder noch vor ein paar Monaten war das so, dass ich die Muster kannte. Und den Turm in der Ferne, und den Geruch der U-Bahn-Stationen. Und es war klar, wie lange es bis zur Haustür dauern würde, und dass man sich nicht umschaut, wenn man auf die Bahn wartet, sondern sich nach innen krempelt und dort wartet, bis man vom ratternden Geräusch der näher kommenden Waggons wieder nach außen und in die Mimik zurückgeholt wird. Dann stieg man für gewöhnlich ein und der Schalter sprang erneut zurück, der Blick auf die Schuhe, manchmal auf die Streifen, die die Bahnschächte machen, wenn irgendwann einmal etwas drangepinselt wurde, ganz sachte nur und für ein paar Sekundenbruchteile, aber das war alles nicht neu, das gehörte dazu und wenn man sich anstrengte, gelang es auch, die Erinnerungen an jeder Ecke nicht zu bemerken.

Ich warte jetzt anders. Das ist das Gefühl, nicht in die falsche Richtung fahren zu wollen und nicht zu weit, das Taxieren und dass man lieber dreimal schaut als einmal zuwenig. Und im Flieger beim Aussteigen lächelte ich leicht, etwas angestrengt, ich war müde, und die Dame wünschte mir einen guten Nachhauseweg. Es ist ein seltsames Ankommen in der Stadt, die dein Zuhause sein soll, aber dich noch nicht kennt. Die dasteht und wartet, bis du sie dir zu eigen machst, die du schütteln musst, damit sie ein bisschen aus der Form fällt und an Memoriam gewinnt, aber du musst das machen. Sie kommt nicht von allein. Sie geht nicht vor und wärmt das Bett an und lüftet schon einmal kurz und legt die Socken so zurecht, dass du eigentlich nichts weiter tun musst, als da zu sein. Hier musst du herumgehen und dich eine Stunde gedulden, einmal die Hand auf jede Oberfläche gelegt haben, um deine Anwesenheit zu demonstrieren, etwas zur Seite legen vielleicht, einmal durch die liegengebliebenen Klamotten fahren, etwas herunterwerfen, um auch ganz haptisch wieder hier zu sein. Hallo hallo. Jaja.

Bis die Hotelzimmerigkeit vorbeigeht, das dauert.

Es klingelt an der Tür.

Zuerst ist es gefräßiger Krankenbesuch, der einem alle Kekse wegisst, weil man selbst dazu gerade nicht in der Lage ist.

Und danach ist es der Briefträger, der einen auf Englisch fragt, ob man denn aus England käme, der Name sei so toll und überhaupt habe das ja etwas königliches, im neunten Stock zu wohnen und so große Pakete zu bekommen. Dann drückte er mir das Paket in die Hand und wünschte mir einen schönen Tag, “your majesty”. Und jetzt sitze ich da und traue mich nicht, die Bücher auszupacken, weil ich sie wahrscheinlich vollniese.

I do not blame you.

(I blame Coco.)

Und im Sommer werde ich mit längeren Haaren und kürzeren Hosen irgendwo sitzen und es wird gut riechen und das wird alles so richtig sein, wie es richtiger nicht sein kann. Und vielleicht bist du dann immer noch da.