Google in lieb

Das ist doch schön, dass Leute noch Träume haben. Auch schön, wenn Leute das gut verpacken können. Und wenn sich diese Leute dann auch noch Leute ins Boot holen, die an das Gute im Menschen glauben, scheint es fast perfekt. Perfekt inszeniert. Ab heute steht auf dem Bebelplatz in Berlin-Mitte der mit 38m Durchmesser angeblich größte Tisch der Welt (Foto folgt, denn die Redaktionsrechner sind nicht hochleistungsfähig). An ihn hat man 112 Personen des öffentlichen Lebens geladen. Sind ja auch wirklich spannende Leute aus der ganzen Welt dabei: Wim Wenders, Michal Hvorecky (Autor von “City”), Bianca Jagger, Terry Gilliam u.v.m.

Die Initiatoren der Seite droppingknowledge.org haben in einer Kampagne namens “Ask yourself” im Internet Fragen gesammelt. Aus diesen Fragen haben Cindy Gantz, Ralf Schmerberg und Jackie Wallace 100 Fragen aus verschiedensten Bereichen ausgewählt, Bereichen wie Globalisierung, Ethik, Macht, Krieg und anderen, zu denen eigentlich doch irgendwie jeder was zu sagen und eine Meinung hat. Die Antworten vom “Table of Free Voices” werden auf Video aufgezeichnet. Diese über 600 Stunden kann man sich ab Sonntag auf der Internetseite anschauen und selber seinen Senf dazugeben.

Priorisierung findet aber natürlich trotzdem statt: Aktualität von Beiträgen und ein Voting durch die Nutzer bestimmen, welche Beiträge relevant sind und oben erscheinen. Es werde aber nichts gelöscht, so Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). Eine Zensur, die über geltende Gesetze hinausgeht, solle nicht stattfinden. Doch Schmerberg erwähnt auch, dass “Voting-Prozesse nur solange funktionieren, wie niemand eine Attacke fährt.” Und Attacken gibt es immer. Wie man in Zukunft mit Interessengruppen umgehen werde, die versuchen könnten, das Voting zu manipulieren, wisse man noch nicht, so Schmerberg. Ebenso müsse man in der jeweiligen Situation entscheiden, wie man mit offensichtlichen Lügen umgehe. “Reaktion muss dann vor allem aus der Gemeinschaft der Nutzer kommen”, sagt Schmerberg, denn man wolle sich in die Inhalte der Seite nicht einmischen.

dropping knowledge nutzt eine Copyleft-Lizenz, die sicherstellt, dass alle Inhalte für jeden frei zugänglich sind und benutzt werden dürfen. Auch damit wolle man anregen, “dass dem Diskurs Handlungen folgen”, so Uszkoreit. Angestrebt werden weitere Kooperationen mit Unternehmen und NGO¥s. Man wolle sich auch weitere Partner suchen, die tauchen natürlich auf der Seite auf. Und hopps haben wir hier ein neues Google. Suchmaschine soll es sein und Bibliothek, aber natürlich “besser als Wikipedia”.

Wer bestimmt, welche NGO´s verlinkt werden? Wen interessiert, wenn tausende Parteien, Interessengruppen und Deppen das Voting zu ihren Gunsten manipulieren? Und was ist eigentlich mit Werbung? Sitze ich eigentlich plötzlich in “Thank you for smoking” in Echtzeit? Und warum klimpern alle so nett mit den Äuglein?

Der Gedanke ist ein guter, die Idee wird toll verkauft und wenn man dann noch Leute hat wie Hafsat Abiola, die sich wirklich für gute Dinge engagieren, kann ja auch niemand mehr etwas dagegen sagen. Clever clever, where is your heart? Wahnsinnig gut verpackt. Und meiner Meinung nach Science-Fiction-Stoff im Reality-Format.

(Teil 2 “Die Pressekonferenz” folgt später. Teil 3 “Der Tisch der freien Stimmen” am Samstag)

Liz hat es verfasst, und zwar am 7. September 2006 um genau 16:03 Uhr.
Kategorie : Kultur

1 Kommentar Kommentar hinzufügen

  • 1. philip  |  7. September 2006 um 17:13

    Sehr schöner Artikel. Da vote ich gerne 300 mal für dich beim Blog Stipendium.

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