You remind me of home

Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller. Wenn, dann schwiegen wir uns so lange an, bis wir es nicht mehr aushielten und meistens kam ich an und setzte mich auf deinen Schoß und legte meinen Kopf auf deinen Schultern ab. Dann weiß ich deine Hand auf meinem Rücken und wie groß sie war und wie groß ich war und wie groß die Bäume in der Straße. Wir haben nie geschrien. Und wenn, dann mit einem Juchzen am Ende des Lautes und eigentlich auch immer nur ich. Wenn du mich in die Luft geworfen hast fünfzehn Mal hintereinander, weil das in dem Hörspiel auch so gemacht wurde. Und bei uns keine Limonade wächst im Baum an allen Donnerstagen. Und wenn du mir fehlst, dann fehlt mir Zuhause.
Früher habe ich geglaubt, dass es nie gut wird. Dass es mir über Jahre hinweg die Sprache verschlagen und die Schienbeine blau schlagen wird. Dass ich niemals und nie einfach so daran vorbeigehen werde ohne mich umzudrehen. “Doch die Schultern haben sich gesenkt”, die Finger entkrampft und ich rege mich nicht mehr auf über die beschissene Rede des Pfarrers. Ich erschrecke nicht mehr jedes Mal, wenn jemand deine Frisur hat. Ich spiele wieder Tetris. Das ist alles berechenbar. Wenn solche Dinge ein paar Mal passiert sind, gewöhnt man sich daran und lernt wirklich, dass das ja gar nicht sein kann. Dich im Supermarkt zu treffen oder so.
Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller. Ich mache das jetzt manchmal und stoße mir danach meistens die Zehen, weil ich unachtsam hin und her laufe und mich ärgere über meine nicht vorhandene Beherrschung, über die Impulsivität und meinen Kopf, der durch jede Wand will. Ich war früher schon so und du aber immer der mit der ruhigen, tiefen Stimme. “Nicht wirklich werfen, eher jonglieren”, hast du gesagt. Wenn du mir fehlst, fehlt mir Zuhause. Deine große Hand auf dem Rücken und deine tiefe Stimme und mein Kopf auf deiner Schulter und das Wissen, du würdest mich tragen, wenn ich nicht mehr könnte. Du hast mich nicht geweckt, wenn ich im Auto eingeschlafen bin. Sondern bist sitzengeblieben und hast gewartet.
Ich war neun, da hast du gesagt, du wirst mir das Fahren beibringen, weil ich immer schalten wollte. Wir parkten den Wagen zwischen den Büschen perfekt und ohne auch nur ein Blatt zu berühren. Und als ich auf deiner Schulter saß, unfähig mich irgendwie zu bewegen auf dieser Beerdigung ein paar Jahre vor deiner, da hast du gesagt, du gehst nicht, da solle ich mir sicher sein. Wir knallten keine Türen, wir warfen keine Teller.
Liz hat es verfasst, und zwar am 12. Februar 2007 um genau 23:02 Uhr.
Kategorie : Moi
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1. Philipp Schlebbe | 12. Februar 2007 um 23:12
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