{"id":6494,"date":"2020-07-08T12:26:57","date_gmt":"2020-07-08T10:26:57","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6494"},"modified":"2020-07-08T12:28:32","modified_gmt":"2020-07-08T10:28:32","slug":"everything-you-say-has-water-under-it","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/everything-you-say-has-water-under-it\/","title":{"rendered":"Everything you say has water under it"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bildschirmfoto-2020-07-08-um-12.24.54.png\" alt=\"\" width=\"597\" height=\"445\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6501\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bildschirmfoto-2020-07-08-um-12.24.54.png 597w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Bildschirmfoto-2020-07-08-um-12.24.54-300x224.png 300w\" sizes=\"(max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/p>\n<p>Der Klee auf dem Fensterbrett erinnert mich jeden Morgen an eine Frisur, durch die eine unsichtbare Hand f\u00e4hrt.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Ich hab gesehen, wie er mich umarmen wollte, seine Arme haben kurz gezuckt, seine Augen gegrinst, auf der Schaukel, aber er hat sich zur\u00fcckgehalten, er wei\u00df, er darf das nicht. Und ich frage mich, in welchen Facetten man sp\u00fcrt, wie einem das Leben davonrinnt, w\u00e4hrend man in diesem kleinen Garten auf und ab geht, um den Rasensprenger herum, mit festen Essenzeiten, mit dem immer selben Ausblick, wie steckt man diese Gew\u00f6hnung ab als das, was jetzt f\u00fcr immer ist?<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Am Halleschen Tor liegt ein Mann auf dem Boden, eine Polizistin und ein Polizist knien \u00fcber ihm, ich h\u00f6re die Polizeisirenen, ein gro\u00dfes und ein kleines Polizeiauto halten vorne an der Ecke zur Wilhelmstra\u00dfe und es springen vielleicht acht bis zehn Beamt_innen heraus und rennen in eine Richtung, ich bekomme G\u00e4nsehaut, drehe mich um, sehe nur noch die dunklen, rennenden Hosen und den Mann nicht mehr. Die Ampel schaltet auf Gr\u00fcn, die Autos fahren los, ich halte an der Seite und schiebe ein St\u00fcck.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Als ich mit S. vor dem Caf\u00e9 sitze, stellen wir im Gespr\u00e4ch fest, \u00fcber wie viel es immer noch entsetzt zu sein gilt und sich zu emp\u00f6ren. Man wird so m\u00fcde davon, aber noch tr\u00e4ger wird alles, wenn wir damit aufh\u00f6ren. Wenn wir es nicht mehr besser machen wollen als die vor und neben uns. Ich bemerke in den kleinen Momenten immer wieder die Schieflagen, \u00fcber die gro\u00dfen kann man sich geb\u00fchrend laut auslassen, knifflig wird es dort, wo wir mit Gef\u00fchlen argumentieren und mit einer Erfahrungswelt, die zum Beispiel M\u00e4nner h\u00e4ufig nicht nachvollziehen k\u00f6nnen, weil sie bestimmte Dinge einfach nie erlebt oder nicht einmal gesehen haben. An der Stelle muss man sich immer wieder selbst \u00fcberwinden und hintragen zu dem Punkt, an dem man trotzdem etwas sagt, nachfragt, erforscht, was passiert, wenn man anspricht, was man evtl. nicht mit siebenhundert Fakten belegen, aber dennoch mit einem unguten Gef\u00fchl bezeugen kann. Denn so, glaube ich, funktioniert die Ann\u00e4herung an etwas, das sich \u00e4ndern muss, und an das Ziel dieser \u00c4nderung. Meine Erfahrung ist, dass ich mich besonders an die Momente und Begegnungen erinnere, in denen ich Unbehagen ge\u00e4u\u00dfert habe und es angenommen wurde, von manchen sogar umarmt, also die \u00c4u\u00dferung und die damit verbundenen Konsequenzen. &#8222;Dabei sollte das doch eigentlich normal sein&#8220;, sagte K. neulich auf meinem Sofa, aber das ist eben noch nicht. Die gleichberechtigte Aufteilung, die Augenh\u00f6he, der Raum, den zwei Menschen zwischen sich ausmachen und immer wieder neu verhandeln m\u00fcssen, um das Vertrauen sanft zu jonglieren, das ist anstrengend, aber wenn man einmal damit angefangen hat, ist es auch schwer, wieder damit aufzuh\u00f6ren und wegzusehen, weil die Dinge, die geschafft wurden, so wertvoll sind und die Lebens- und Beziehungsqualit\u00e4t dramatisch verbessern, auch wenn sich vielleicht alle erst einmal dran gew\u00f6hnen m\u00fcssen und Muster verlernen. Deswegen empfehle ich <a href=\"https:\/\/dasnuf.de\/buch-mental-load\/\">Patricias Buch<\/a> auch kinderlosen Menschen in Beziehungen und familien\u00e4hnlichen Konstrukten, Menschen, die in enger Verbindung mit anderen leben. Wir denken ja h\u00e4ufig, sowas betrifft uns doch nicht. Wir haben h\u00e4ufig unrecht.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>&#8222;<em>I could make plans. I can make plans. Again. Cautious little ones, that are flexible like the Scottish weather. But still all in all plans. Visions of future days. Buying a new bathing suit or a hammock for my garden. I can allow myself to long for things. To yearn. To miss.<\/em>&#8220; Lest Sophias Newsletter <a href=\"https:\/\/themuseletter.substack.com\/\">&#8222;The Muse&#8220;<\/a>.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Ich finde es immer noch erstaunlich, dass sich &#8222;Boxer&#8220; von The National als Album f\u00fcr bestimmte Tage, eher f\u00fcr die grauen, immer noch nicht abgenutzt hat. Wenn ich es lange nicht geh\u00f6rt habe, sehe ich es an wie etwas, dass man vor Benutzung erst einmal abstauben muss (was meistens nicht stimmt, da man eingestaubte Dinge meistens auch benutzen kann ohne sie zuvor zu reinigen). Und wenn ich es dann h\u00f6re, vergesse ich auf der Stelle jeden Grund, den es geben k\u00f6nnte, es wieder so lange liegen zu lassen, weil es sich wie ein bestimmter Lichteinfall sofort \u00fcber alles legt, sodass ich mich wieder zurechtfinde.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Es gibt nur wenig richtige D\u00fcfte f\u00fcr einen Brief.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klee auf dem Fensterbrett erinnert mich jeden Morgen an eine Frisur, durch die eine unsichtbare Hand f\u00e4hrt. &#8211; Ich hab gesehen, wie er mich umarmen wollte, seine Arme haben kurz gezuckt, seine Augen gegrinst, auf der Schaukel, aber er hat sich zur\u00fcckgehalten, er wei\u00df, er darf das nicht. 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