{"id":6282,"date":"2019-04-17T20:35:31","date_gmt":"2019-04-17T18:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6282"},"modified":"2019-04-17T20:55:57","modified_gmt":"2019-04-17T18:55:57","slug":"saltdean","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/saltdean\/","title":{"rendered":"Saltdean"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/4D8B5DA7-A07D-4E77-8B26-9FEEC1F8CC29.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"799\" class=\"size-full wp-image-6284\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/4D8B5DA7-A07D-4E77-8B26-9FEEC1F8CC29.jpg 599w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/4D8B5DA7-A07D-4E77-8B26-9FEEC1F8CC29-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/> <\/p>\n<p>Kennen Sie das? Sie sind in einer Stadt, in der mal jemand gelebt hat, den Sie gut kannten, aber er ist nicht mit Ihnen dort und am Ende sehen Sie alles beziehungsweise vieles nicht durch seine Augen, aber eventuell durch so etwas wie seine Sonnenbrille oder mit seiner Kapuze. Ich steige aus dem Flugzeug, die Luft riecht nach Fr\u00fchling, London wartet irgendwo weiter hinten, die Sonne geht gerade unter und das Schild sagt, man solle ich auf der Rolltreppe am Gel\u00e4nder festhalten, die Rolltreppe f\u00e4hrt hier viel schneller, habe ich den Eindruck, vor allem aber f\u00e4hrt meine Rolltreppe viel schneller als die daneben, und M. f\u00e4llt hinter mir zur\u00fcck. Unten angekommen drehe ich mich um, aber er f\u00e4hrt noch. In dieser Stadt, durch die man mit der anderen Kapuze l\u00e4uft, h\u00e4lt der Fr\u00fchling Einzug, das Licht f\u00e4llt wie nicht bestellt, aber aufmerksam hingelegt ins Zimmer des Hotels, wo einen in jeder Ecke etwas anschaut, ein Gem\u00e4lde, eine Lampe in Menschenform, Dekorationsartikel mit Tiergesichtern, aber der Teppich macht, dass man nicht trampeln kann, selbst wenn man wollen w\u00fcrde und das Bett macht, dass man sich ausruht, selbst wenn man nicht schl\u00e4ft. In dem Geb\u00e4ude gegen\u00fcber l\u00e4uft nachts jemand in leeren R\u00e4umen mit einer Taschenlampe Patrouille. Tags\u00fcber auf der Stra\u00dfe schaut man wegen des umgedrehten Verkehrs in alle Richtungen, so sehr, dass einem fast schwindelig wird, irgendwann laufen wir einfach, das wird schon. London riecht nach Chilli, Fett und Motoren\u00f6l. Das Verstehen der anderen Sprache l\u00e4sst sich gl\u00fccklicherweise je nach Gem\u00fctszustand einschalten und auch wieder ausfaden. Und so ist das Spazieren gut m\u00f6glich, weil man verstehen kann, aber nicht muss, weil die innere \u00dcbersetzungsmaschine Pause macht, wenn sie soll und manche S\u00e4tze sieben oder acht Schritte brauchen, um in ihrer Bedeutung durchzusickern. Und nach einem Tag schon kann man sich, wenn man denn will, wieder in die Sprache legen, auch Schottisch verstehen. Wie mit Menschen, an die man sich erst wieder einen Moment gew\u00f6hnen muss, obwohl man sich mag, aber lange nicht gesehen hat, Jahre vielleicht. Man k\u00f6nnte sich anlehnen, aber man tut es nicht, obwohl man wei\u00df, dass es geht. Die Kapuze ist aus schwerem Stoff, aber sie w\u00e4rmt, als wir nachts auf der Millennium Bridge stehen und in die Lichter starren (ich summe leise &#8222;England&#8220; von The National, diese Sorte Pathos fragt nicht nach Erlaubnis). <\/p>\n<p>Die Sache mit den fr\u00fchen Z\u00fcgen am Morgen ist die, dass man allein einsteigt, aber nicht allein rausgeht. Die Menschen kleckern nach und nach dazu, von Station zu Station wird es heller, erst dunkelblau, dann graublaugr\u00fcn, dann die kleine graue Phase und dann kommt das Rosa auf den D\u00e4chern. Als das erste Gr\u00fcn vorbeifliegt, ist es Tag und ich h\u00e4tte gern den Mut, sitzen zu bleiben und einfach durch bis nach Brighton zu fahren, nichts zu erfinden, sondern die Wahrheit zu sagen: &#8222;Entschuldigt bitte, ich kann heute noch nicht zur\u00fcckkommen, ich muss noch etwas erledigen, ich muss das noch sehen, und dann ist vielleicht Ruhe.&#8220; Wir werden es erst wissen, wenn es soweit ist. (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lfYrx7tYXSE\">Put an ocean and a river between everything, yourself and home.<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kennen Sie das? 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