{"id":6268,"date":"2019-04-06T09:33:14","date_gmt":"2019-04-06T07:33:14","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6268"},"modified":"2019-04-06T09:38:55","modified_gmt":"2019-04-06T07:38:55","slug":"light-years","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/light-years\/","title":{"rendered":"Light Years"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/F1CC71F4-A5E4-4F72-90BD-E13304A64027-1024x685.jpg\" alt=\"\" width=\"599\" height=\"447\" class=\"size-large wp-image-6273\" \/><\/p>\n<p>Am Abend einen Einfall sp\u00fcren, der innerhalb von k\u00fcrzester Zeit immer gr\u00f6\u00dfer wird, nicht mehr weg zu ignorieren. Und am Bauchgef\u00fchl merken, dass das ein guter Einfall ist. Am Morgen beantrage ich den Urlaub, am Abend buche ich den Zug. &#8222;Irgendwann hab ich angefangen, damit aufzuh\u00f6ren&#8220;, vielleicht h\u00f6re ich jetzt auf damit Sachen eher aufzuschieben oder zu denken, das sei etwas f\u00fcr sp\u00e4ter. Und dann fallen mir die Flaming Lips wieder ein, die M. damals in mein Leben brachte neben dem Fotoautomaten am anderen Ende der Stadt. Komisch, nicht wahr, wenn man gerade mit der einen K\u00f6rperh\u00e4lfte lernt abzuwarten, und im gleichen Moment mit der anderen lernt, loszugehen. Vielleicht hat das auch nichts mit K\u00f6rperh\u00e4lften, sondern eher K\u00f6rperteilen zu tun. Head over heart. Heart over pelvis.<br \/>\n&#8211; <\/p>\n<p>Der Nachbar gegen\u00fcber mit den langen Haaren spielt jetzt wieder bei offenem Fenster Klavier, und das auch sehr ausladend. Er beugt sich und k\u00e4mpft, man k\u00f6nnt meinen mit den Tasten. Aber man h\u00f6rt ihn nicht. Man h\u00f6rt wirklich gar nichts, ich habe es eine Weile versucht, dann wurde es kalt und ich musste mein Fenster schlie\u00dfen. Was, denke ich, wenn ihm ein totes Wiesel auf den Saiten liegt oder ein verbummelter Schlafsack und er wei\u00df das gar nicht, vielleicht ist das schon immer so.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Am Abend nach dem Essen, es ist dunkel, aber mild, komme ich an diesem Magnolienbusch (oder ist es ein Baum?) vorbei und die Bl\u00fcten leuchten, auch um diese Uhrzeit noch, als h\u00e4tte jemand <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5FQtSn_vak0\">Gl\u00fchbirnchen<\/a> in ihnen versteckt. Dass ich stehengeblieben bin, um zu gucken, merke ich erst, als sich die zwei Frauen an mir vorbei dr\u00fccken und mich verwundert ansehen.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Da vor dem Weinladen ist der einzige Platz, an den am Abend noch Sonne f\u00e4llt. Auf der kleinen Bank vor dem Baum sitzen zwei \u00e4ltere Herren mit Hut und betrachten den Wein in ihren Gl\u00e4sern mit ausgestreckten Armen im Gegenlicht. Sie grinsen und murmeln, man versteht sie nicht. Der Verk\u00e4ufer erkennt mich wieder, ich sehe das an seinen Augenbrauen, es ist eine ganze Weile her, aber mittlerweile kann ich behaupten, ich komme seit Jahren. Drumherum holen die Menschen ihre Kinder von irgendetwas ab, bringen sie irgendwohin, einer in der Konstellation zieht immer den anderen, zu meinen F\u00fc\u00dfen liegen Beutel, die Blumen werden diese zwanzig Minuten aushalten. Eigentlich fand ich es immer gut, Gespr\u00e4chen von Fremden zu lauschen, mich nur kurz in Gedanken einzumischen, aber meinem Gesicht nichts anmerken zu lassen. Dieser Tage ist es besser zu schweigen, Musik zu h\u00f6ren, alles sieht dabei aus wie ein deutsche Fernsehfilm, der Boden ist vielleicht ein bisschen zu dreckig f\u00fcr einen deutschen Fernsehfilm und der Soundtrack zu gut. Ein Film ohne Gespr\u00e4che, aber mit Abl\u00e4ufen, Gesten, einem L\u00e4cheln hier und da. Man wird auch be\u00e4ugt, wenn man nur so sitzt und auf niemanden wartet.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>&#8222;Mit Zynismus konnte Jetti nicht umgehen. Nach Zynismus musste sie Musik h\u00f6ren, um wieder dorthin zur\u00fcckzukehren, wo der Mensch anf\u00e4ngt.&#8220; (Michael K\u00f6hlmeier, Bruder und Schwester Lenobel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Abend einen Einfall sp\u00fcren, der innerhalb von k\u00fcrzester Zeit immer gr\u00f6\u00dfer wird, nicht mehr weg zu ignorieren. Und am Bauchgef\u00fchl merken, dass das ein guter Einfall ist. Am Morgen beantrage ich den Urlaub, am Abend buche ich den Zug. &#8222;Irgendwann hab ich angefangen, damit aufzuh\u00f6ren&#8220;, vielleicht h\u00f6re ich jetzt auf damit Sachen eher aufzuschieben [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[8,110,212,82],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6268"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6268"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6278,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6268\/revisions\/6278"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}