{"id":6175,"date":"2018-04-18T20:03:53","date_gmt":"2018-04-18T18:03:53","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6175"},"modified":"2018-04-18T20:08:17","modified_gmt":"2018-04-18T18:08:17","slug":"partielle-synonymie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/partielle-synonymie\/","title":{"rendered":"Partielle Synonymie"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-18-um-20.02.28.png\" alt=\"\" width=\"598\" height=\"449\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6176\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-18-um-20.02.28.png 598w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bildschirmfoto-2018-04-18-um-20.02.28-300x225.png 300w\" sizes=\"(max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/p>\n<p>Das Licht zwischen 19 und 20 Uhr an einem Apriltag ist das Licht, in dem ich mich verneige. Ich k\u00f6nnte das jetzt auf Englisch schreiben, dann w\u00e4re es direkt ein Lied oder zumindest ein Beginn, irgendwas, aus dem man noch was machen kann. Auf Deutsch klingt es wie eingequetscht zwischen Klopapier- und Schwammregal in der Drogerie am Platz. Aber es stimmt ja dann doch. Das Licht zwischen 19 und 20 Uhr an einem Tag in der Mitte vom April ist nun einmal das Licht, in dem ich mich verneige. An der Ampel zum Beispiel, so, dass es niemand anders sieht. Und vielleicht ist die Verbeugung auch nur ein ausladenderes Synonym f\u00fcr: &#8222;Ich habe dich wiedererkannt&#8220;. Ein Synonym f\u00fcr ein Zwinkern, die Bewegung der Mundwinkel, die da drau\u00dfen keiner sehen kann, aber die bis in die F\u00fc\u00dfe reicht. Das Licht an einem Apriltag so zwischen 19 und 20 Uhr ist ja auch das Licht, in dem sich alle ein bisschen verneigen. Vor dem Tag und dem, was davon noch \u00fcbrig ist, und vor dem, was man geschafft hat, und was man nicht gesagt hat, obwohl man h\u00e4tte k\u00f6nnen, vor dem eigenen Zusammenriss und der Nonchalance eines Atemzuges. Das ist genau das Licht, was man braucht nach diesem Winter, das Licht, in dem man sich pathetische Liebeserkl\u00e4rungen ausdenken kann, die man niemandem sagt, aber sich vornimmt, es zu tun, wann auch immer, das funktioniert auch zwischen Klopapier- und Wischlappenregal, man wei\u00df das nicht, bis es einem passiert und dann kommt man raus, sehr beladen mit Dingen, die man auf Vorrat kauft, und stolpert ohne Grazie in das Licht hinein und oben am Himmel hinterl\u00e4sst ein regul\u00e4res Flugzeug D\u00fcsenj\u00e4gerspuren, die keine D\u00fcsenj\u00e4gerspuren sind, aber so hei\u00dfen, weil es kaum ein sch\u00f6neres Wort daf\u00fcr gibt und sch\u00f6ne Worte geh\u00f6ren auch in dieses Licht. Genau wie \u00dcberwindungen und aufplatzende Oberfl\u00e4chen und Knospen und dass man jedes Jahr wieder denkt, dass man sich fr\u00fcher aus Natur ja eigentlich nichts gemacht hat, aber pl\u00f6tzlich blinkert sich jedes kleine Fitzelchen Gr\u00fcn in den eigenen Weg. Das Licht jedenfalls an einem Apriltag zwischen 19 und 20 Uhr, das ist das Licht, in dem ich mich verneige, so wenig, dass es niemand sehen kann, mit acht Rollen Klopapier im Arm und drei Schw\u00e4mmen im praktischen Kombipack und dann schaltet die Ampel auf Gr\u00fcn und allen, die \u00fcber die Stra\u00dfe gehen, rutscht das Licht ins Gesicht f\u00fcr einen Moment, so lange n\u00e4mlich wie eine H\u00e4userl\u00fccke breit ist, und man kann dann ahnen, was alles sein kann. Man kann dann auch wissen, was alles schon ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Licht zwischen 19 und 20 Uhr an einem Apriltag ist das Licht, in dem ich mich verneige. 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