{"id":6116,"date":"2018-01-17T19:13:53","date_gmt":"2018-01-17T18:13:53","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6116"},"modified":"2018-01-23T07:54:10","modified_gmt":"2018-01-23T06:54:10","slug":"cabin-service","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/cabin-service\/","title":{"rendered":"Cabin Service"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Flight.jpg\" alt=\"\" width=\"601\" height=\"449\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6117\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Flight.jpg 601w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/Flight-300x224.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 601px) 100vw, 601px\" \/><\/p>\n<p>Das Flugzeug f\u00e4hrt langsam an gefrorenem Gras vorbei, hellgraue Fasern vor Schwarz, dazwischen ein wenig besprenkeltes Beige der Start- und Landebahn. Am Tage lief eine Maus zwischen den Caf\u00e9tischbeinen umher und die Menschen, die sie bemerkten, die quiekten nicht, wie sie es in den Filmen immer tun, die schauten nur und streckten sich unter die Tische, um sie besser betrachten zu k\u00f6nnen, ein \u00e4lterer Herr winkte ihr freundlich zu. Da tobte drau\u00dfen gerade der Winter und bog die \u00c4ste und pustete feuchten Schnee auf die Fensterbretter. Die Lichter der Stadt sind schon weit entfernt, man kann nur die Scheinwerfer des Flugzeugs erkennen, die den Weg leuchten. Ich halte Ausschau nach kleinen M\u00e4useaugen. Dann folgen die Vibration, der schiefe Horizont, der Druck hinter der Stirn, und dann kann man die Lichter doch wieder sehen. Ich flieg ja so gern, seitdem die Panik weg ist. Am liebsten nachts. Auch wenn es immer ein bisschen zu warm ist. Gl\u00fchw\u00fcrmchenst\u00e4dte. Das sanfte flackernde Schwarz. Das Brummen, an das man sich nach ein paar Minuten schon gew\u00f6hnt hat. Hier oben kann ich auf der Stelle schreiben. Briefe, Vertr\u00e4ge, Abhandlungen, es ist ganz gleich, was du mir auftr\u00e4gst, aber hier oben, nachts, da geht&#8217;s. In diesem verdrehten Licht, in dem die Menschen schlafen. Ich versuche, ihnen nicht zuzusehen dabei, es sei denn, es sind Babies, die wissen n\u00e4mlich von nichts, also noch. Ich selbst lasse mir auch nicht gern beim Schlafen zusehen, deswegen drehe ich mich, wenn ich die M\u00f6glichkeit habe, auf den Bauch, der Welt den R\u00fccken kehren, man kann sehr viele Texte \u00fcber die Bauchlage schreiben, gerade nachts in Flugzeugen, wenn einen niemand anniest oder anspricht oder anexistiert. Es kann passieren, dass man mit Kopfkissenstreifen im Gesicht aufwacht, also nach der Bauchlage, seltener nach dem Flugzeug, dann braucht das Gesicht meistens eine halbe bis Stunde, um sich in seine urspr\u00fcngliche Form zur\u00fcck zu plustern. Also w\u00fcrde der Tag sich langsam darin ausbreiten, sich Platz verschaffen, den er in der Nacht nicht brauchte. Nachts im Flugzeug bin ich eine sehr gute Beraterin f\u00fcr alle Lebenslagen und Fragen, die eventuell aufkommen, ich stehe jedem zur Seite, der hier oben nicht fragt, es liegt ja auch alles ausgebreitet unter uns herum. Nur das Essen und die Getr\u00e4nke werden in zu kleinen Gef\u00e4\u00dfen gereicht, die bei ein paar Turbulenzen schon aufgeben und ihren Zweck nicht mehr erf\u00fcllen. Der Rest wird auf die wesentliche Winzigkeit herunter komprimiert. Sitz, Tasche, Fenster, Ablage. Alles ist kipp- und verschlie\u00dfbar und die Literatur besteht aus einer Anleitung zum \u00dcberleben. Du kannst mich alles fragen hier oben und ich finde eine passende Antwort, denn wir hier oben haben nichts zu verlieren. Die Leute irren sich gew\u00f6hnlich in der Annahme, es sei gef\u00e4hrlich nachts im Flugzeug. Wir hier oben sehen, wie die Welt zugrunde geht. Es werden Chipst\u00fcten mit 15 Gramm Inhalt gereicht. Vorne drauf das Foto eines Piloten, der auch eine Pilotin sein k\u00f6nnte, das ist das Gute am D\u00e4mmerlicht, au\u00dferdem zu sehen sind ein kleiner Hund und ein Segelflugzeug. Irgendwann werden sie die Kartoffelscheiben einzeln laminieren, weil sich irgendjemand nicht die Finger schmutzig machen will an frittiertem Gem\u00fcse irgendwo \u00fcber dem Ozean.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Flugzeug f\u00e4hrt langsam an gefrorenem Gras vorbei, hellgraue Fasern vor Schwarz, dazwischen ein wenig besprenkeltes Beige der Start- und Landebahn. 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