{"id":6032,"date":"2017-09-13T17:23:13","date_gmt":"2017-09-13T15:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6032"},"modified":"2017-09-14T07:40:45","modified_gmt":"2017-09-14T05:40:45","slug":"esta-de-esperancas","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/esta-de-esperancas\/","title":{"rendered":"Est\u00e1 de esperan\u00e7as"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-13-um-17.18.36.png\" alt=\"\" width=\"597\" height=\"449\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6033\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-13-um-17.18.36.png 597w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-13-um-17.18.36-300x226.png 300w\" sizes=\"(max-width: 597px) 100vw, 597px\" \/><\/p>\n<p>Im Dunkeln losfliegen und im Dunkeln ankommen ist, als w\u00fcrde man Fahrstuhl fahren. Oder Rohrpost. Sich einfach in einen Karton setzen und dann fliegen ein paar Lichter vorbei und man kommt ganz woanders wieder raus. Dort, wo die Luft sofort feuchter ist, der Wind legt einem sofort diesen Film ins Haar, der sagt, du bist hier nicht zu Hause, aber manchmal w\u00e4rst du es gern, man k\u00f6nnte ja mal \u00fcberlegen, aber jetzt schau erst einmal. In einem ganz fremden St\u00e4dten ankommen ist auch, als verlie\u00dfe man nach einem Film das Kino, weil man pl\u00f6tzlich wieder hinsieht. Als h\u00e4tte jeder Schritt eine Bedeutung. Dabei sind die Farben ja auch nur dieselben an einem neuen Ort. Fahrtkartenautomaten finden, Bahnen finden und in der Bahn dann irgendwann die Musik von den Ohren nehmen, um hinzuh\u00f6ren. Portugiesisch klingt immer so, als k\u00f6nne nichts passieren. Bolhao aussteigen und den Weg gleich finden, aber langsam gehen, an dem blau gekachelten Eckhaus und den vielen dunklen Schaufenstern vorbei, die in den n\u00e4chsten Tagen zur Gewohnheit geh\u00f6ren werden. Man sucht sich ja schnell seine Fixpunkte, wenn man neu ist. Das ist der B\u00e4cker, das ist der Eingang zu U-Bahn, das ist das Parkhaus, hier muss ich abbiegen. Und am n\u00e4chsten Tag erkennt man alles wieder. Am dritten Tag denkt man schon nicht mehr dr\u00fcber nach und wenn doch, dann nur als &#8222;Kenn ich, kenn ich, kenn ich&#8220;. Die Schienen scheinen hier in h\u00f6heren T\u00f6nen zu quietschen, die Schrift tr\u00e4gt Akzente. \u00dcber dem Abendessen schweben Flederm\u00e4use. Das Licht ist st\u00e4ndig orange.<\/p>\n<p>Am Hafen auf der anderen Seite sitzen, Portwein trinken und dann spielt der Mann mit der Trompete leider <em>Despacito<\/em>.<\/p>\n<p>Am letzten Tag des Augusts steigen wir ins Auto und fahren in den S\u00fcden. Beim Aussteigen sieht man nur Sand, ein paar Sonnenh\u00fcte und ein, zwei aufgestellte M\u00fclleimer, sonst nichts. Dem Rauschen entgegen rennen und dann stehen bleiben und einatmen und genau wissen, dass es das ist, was man \u00f6fter haben sollte. Den Wind, und das Blau und dass es sonst nicht viel gibt. Au\u00dfer einem leisen Hallo seit dem letzten Jahr und einer Tr\u00e4ne. Das Meer ist kein anderes, aber wir sind es. Sp\u00e4ter im Wind schlafen. <\/p>\n<p>Es gibt manche Sachen, die sind allein sch\u00f6ner. Und manche, die macht man besser zu zweit.<\/p>\n<p>Am Stadtstrand stehen die M\u00f6wen auf dem Sand wie eine Armee, eine durcheinander gew\u00fcrfelte. Sie stehen und schauen und irgendwann kommt der kleine Junge und will sie erschrecken, rennt mitten hinein, aber die wenigsten fliegen auf, die meisten machen nur ein, zwei Schritte zur Seite. Da muss schon was Gr\u00f6\u00dferes kommen.<\/p>\n<p>&#8222;Wer nie w\u00fctend wird, kann sich nicht aktualisieren&#8220;, sagt Dr. Maschke in &#8222;Was man von hier aus sehen kann&#8220; von Mariana Leky. Das Buch mit Blick aufs Meer lesen, also ganz zu Ende, und immer laut lachen und sp\u00e4ter weinen und es sofort auf Papier vorbestellen, weil es eines dieser B\u00fccher ist, die man besitzen m\u00f6chte, um immer wieder nachzusehen, sich zu vergewissern, es anderen zu zeigen oder vorzulesen, wenn es wichtig wird. <\/p>\n<p>In der Casa de M\u00fasica von Anton\u00edn Dvor\u00e1k \u00fcberrollt werden, fast wie vom Meer und nicht selbst hindurch tauchen, sondern sich untertauchen lassen. Einfach nichts tun und warten, was passiert. Der \u00e4ltere, englische Herr neben mir schl\u00e4ft nach ein paar Takten ein, die H\u00e4nde ordentlich auf der Anzughose abgelegt, aber sp\u00e4ter dann wacht er wieder auf und seine Unterarme zucken mit. Manch einer w\u00fcrde tanzen, ihn ergreift es so sehr, dass er nicht still sitzen kann, doch seine Miene verzieht sich nicht eine Sekunde.<\/p>\n<p>Es sind die kleinen Rotunden aus buntem Glas, die auf manchen zerfallenen, zumindest alten H\u00e4usern sitzen wie verloren gegangene H\u00fcte. Die einen \u00fcberraschen, weil sie wie aus einer anderen Zeit gefallen immer noch dort herumliegen. Als w\u00fcrde gleich jemand mit gro\u00dfem Namen oder zumindest einer Aufgabe, mit einem Thema im Hirn darin herumlaufen oder zumindest so stehen, dass sein Kopf durch das bunte Glas zu sehen ist. Denn wer eine Aufgabe hat, der muss in die Ferne sehen, manchmal nur f\u00fcr einen Moment, auf jeden Fall tut ein Ausblick gut, wenn man noch etwas vorhat mit sich und der Welt, man kommt so der L\u00f6sung h\u00e4ufig n\u00e4her.<\/p>\n<p>Das Grinsen des alten Mannes, der nicht etwa die Welt, sondern vor allem sich selbst in der Scheibe des B\u00e4ckers ansieht. Wie die Menschen an beiden Ampeln an der Kreuzung immer den Knopf suchen, der sich aber etwas weiter weg hinter der Laterne versteckt, und aus Ungeduld dann immer bei Rot gehen, weil er ihnen zu weit weg ist. Wie die Wolken in Streifen die D\u00e4cher verbinden wie W\u00e4scheleinen. Das Knattern der Flugzeuge, die gerade Kunstst\u00fccke \u00fcber dem Douro fliegen. Der Singsang der Dame, die am Nebentisch \u00fcber die Handymusik ihres Sitznachbarn einfach hinweg trompetet.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Wahrheiten im Halbschatten er\u00f6rtern. Was uns umgibt, ist weiches Gebr\u00fcll. Seit wir da sind, liegt diese traurige Banane auf der Mauer neben dem Apartment, auch noch am letzten Tag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Dunkeln losfliegen und im Dunkeln ankommen ist, als w\u00fcrde man Fahrstuhl fahren. Oder Rohrpost. Sich einfach in einen Karton setzen und dann fliegen ein paar Lichter vorbei und man kommt ganz woanders wieder raus. 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