{"id":6019,"date":"2017-08-13T21:39:24","date_gmt":"2017-08-13T19:39:24","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=6019"},"modified":"2017-08-13T21:49:43","modified_gmt":"2017-08-13T19:49:43","slug":"weird-fishes","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/weird-fishes\/","title":{"rendered":"Weird fishes"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bildschirmfoto-2017-08-13-um-21.39.33.png\" alt=\"\" width=\"598\" height=\"446\" class=\"aligncenter size-full wp-image-6022\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bildschirmfoto-2017-08-13-um-21.39.33.png 598w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Bildschirmfoto-2017-08-13-um-21.39.33-300x224.png 300w\" sizes=\"(max-width: 598px) 100vw, 598px\" \/><\/p>\n<p>&#8222;Die Dunkelheit im August ist die sch\u00f6nste aller Dunkelheiten. Sie ist nicht hell und offen wie die Dunkelheit im Juni, nicht so voller M\u00f6glichkeiten, aber auch nicht so verschlossen und abgeschottet wie die Dunkelheit im Herbst oder Winter. Das Vergangene, das Fr\u00fchjahr und der Sommer, steht in der August-Dunkelheit noch immer offen, w\u00e4hrend man in das K\u00fcnftige, den Herbst und den Winter, schon hineinsehen kann, und doch ist man noch kein Teil davon.&#8220; (Karl Ove Knausg\u00e5rd)<\/p>\n<p>\u00dcber zwanzig Jahre habe sie f\u00fcr ihn gearbeitet, sagt sie, w\u00e4hrend sie die Blumen einzeln aus dem Strau\u00df im Eimer zupft und die Stiele in ihrer Hand neu arrangiert, er sei krank gewesen, die letzten zwei Jahre habe sie bei ihm gewohnt. Im G\u00e4stezimmer, gleich hier ein paar Stra\u00dfen weiter. Nun sei er einfach gestorben. Eigentlich habe sie ja ihre kleine Wohnung in Marienfelde, die hat sie nicht aufgegeben, immer mal sei sie zur\u00fcck zum Blumengie\u00dfen. Aber sogar \u00fcbernachtet habe sie hier, man habe ihn ja nicht mehr allein lassen k\u00f6nnen. Mittags habe sie den Blumenladen abgeschlossen, um ihm etwas zu kochen und abends nat\u00fcrlich. Bei ihr zu Hause sei es so still jetzt, sie m\u00fcsse sich erst einmal wieder einleben. Wenigstens habe sie das Auto noch. Und der Kioskbesitzer, von dem habe sie sich eben Fotos vom Handy abfotografiert. Von ihr und ihrem Chef. Erst vor ein paar Tagen habe er die von den beiden gemacht, da hat er noch gelebt. Sie k\u00f6nne ja nicht einfach in seinen Schubladen w\u00fchlen da oben in der Wohnung, sowas mache sie nicht. Aber die Bilder seien sch\u00f6n, was zu haben, was man angucken kann, das sei ja wichtig. Andenken. Dass immer alle krank werden, sagt sie und seufzt. Auf das Papier f\u00fcr die Blumen sind Rosen gedruckt. Dann setzt sie sich wieder nach drau\u00dfen, der Sp\u00e4tiverk\u00e4ufer wartet auf einem der beiden Plastikst\u00fchle. Dort setzt sie sich wieder hin, winkt mir noch einmal. Den Verlust sieht man den wenigsten an.<\/p>\n<p>Morgens kurz nach dem Aufstehen direkt ins Becken. Das sei der beste Moment, sagt R., mit dem Kopf unter Wasser, das mache alles leer, alles frei, alles verschwunden. Ein paar Bahnen sp\u00e4ter riecht man den frisch gebr\u00fchten Kaffee \u00fcber der Stadt, in der Auslage Eibr\u00f6tchen mit Petersilie. <\/p>\n<p>Als wir mit dem Negroni drau\u00dfen sitzen, kommt die kleine Frau mit dem roten Kopftuch und der Plastikmappe vorbei. Darin Folien mit ihren Zeichnungen und Bildern. Manche mit Buntstift, eins mit Tinte, manche mit Bleistift. Bei einem Laden in der N\u00e4he w\u00fcrde sie die Drucke machen lassen, ob man ihr nicht eins abkaufen wolle. Nach dem Film sitzen wir ein paar Meter weiter, wieder drau\u00dfen und eine j\u00fcngere Frau kommt vorbei, sie fragt nach Geld, neben uns auch die kleine Gruppe Menschen auf der n\u00e4chsten Bank. Der eine mit den wei\u00dfen Turnschuhen, die aussehen, als sei die Socke schon eingen\u00e4ht, steht als einziger der Gruppe, die anderen sitzen. Als die junge Frau kommt und um eine Spende bittet, schaut er sie und fragt: &#8222;Na, kannste denn was?&#8220; Sie l\u00e4chelt verlegen, schaut auf den Boden, er fragt sie, woher sie kommt, sie murmelt. Am Ende gibt er ihr etwas, aber das Unbehagen ist ihr anzusehen.<\/p>\n<p>Das Meckern sei nur seine Art des sich Wunderns, sagt Opi.<\/p>\n<p>Auf dem Heimweg \u00fcber den Mauerstreifen und die Friedrichstra\u00dfe mit Absicht langsamer fahren, weil die Wolken sich t\u00fcrmen, so klar und gleichzeitig ungest\u00fcm, als w\u00e4re das Meer direkt um die Ecke, diese Tage sind die sch\u00f6nsten in der Stadt. Diejenigen, die auf der Br\u00fccke kurz anhalten und \u00fcbers Wasser schauen, aufs Bodemuseum und den Fernsehturm, die wissen&#8217;s auch. Weiter hinten drehen sich Touristen um und schauen verwundert, denn die ganze Friedrichstra\u00dfe riecht nach Pferdemist.<\/p>\n<p>&#8222;<em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Q888PBtrWc0\">Everybody leaves if they get the chance.<\/a><\/em>&#8222;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Die Dunkelheit im August ist die sch\u00f6nste aller Dunkelheiten. Sie ist nicht hell und offen wie die Dunkelheit im Juni, nicht so voller M\u00f6glichkeiten, aber auch nicht so verschlossen und abgeschottet wie die Dunkelheit im Herbst oder Winter. Das Vergangene, das Fr\u00fchjahr und der Sommer, steht in der August-Dunkelheit noch immer offen, w\u00e4hrend man in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6019"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6019"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6019\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6027,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6019\/revisions\/6027"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}