{"id":5946,"date":"2017-06-01T18:22:16","date_gmt":"2017-06-01T16:22:16","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5946"},"modified":"2017-06-01T18:22:16","modified_gmt":"2017-06-01T16:22:16","slug":"la-gomera-8","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/la-gomera-8\/","title":{"rendered":"La Gomera #8"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bildschirmfoto-2017-06-01-um-18.19.59.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"749\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5953\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bildschirmfoto-2017-06-01-um-18.19.59.png 600w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Bildschirmfoto-2017-06-01-um-18.19.59-240x300.png 240w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>An der Stadtmauer von Alojera stirbt eine kleine Katze vor sich hin. Die Schale mit Wasser r\u00fchrt sie nicht mehr an, wir gehen weiter dorthin, wo das Meer mit voller Wucht gegen den Strand und die Kaimauer knallt, von der nicht mehr so viel, aber genug \u00fcbrig ist, man sieht, wie das Meer an den Kanten nagt, das Ufer hat aufgegeben. Eine richtige Abfahrt mit Haltepunkt gibt es nicht mehr, wir parken dort, wo auf gro\u00dfen Schildern in allen erdenklichen Sprachen vor Steinschlag gewarnt wird. Hier lebt kaum noch jemand. Au\u00dfer vielleicht der Frau Mitte Vierzig und ihrer Mutter, die in der einzigen Kneipe zwischen den eng stehenden H\u00e4usern steht und so tut, als k\u00e4men sie gleich. Also die, die man gerade nicht sehen kann und die vermutlich nicht mehr kommen werden, als w\u00e4ren sie nur kurz ausgeflogen. Im Fernseher in der hinteren Ecke l\u00e4uft ein Western, in der K\u00fchltruhe liegen Eissorten bereit. Hinter der Bar h\u00e4ngt ein Blatt Papier in einer Plastikfolie an Rei\u00dfzwecken: &#8222;B\u00fcck dich vor niemandem&#8220; steht in Spanisch darauf. Die d\u00fcrren Katzen unter den Tischen drau\u00dfen sehen erst auf den zweiten Blick so aus, als l\u00e4gen sie auch bald neben der Mauer. Bis dahin zerfleischen sie abwechselnd einen zuckenden Salamander mit Blick auf das Boot, das auf den Treppen zum Strand hin angebunden wurde. Die H\u00e4user sind nicht verfallen, manche scheinen frisch gestrichen, frisch verriegelt, die Gardinen haben noch keinen Gilb angesetzt, aber die ersten Spinnweben klettern langsam an den Balken hinauf. Auf dem Tresen des zerfallenen Motels steht noch das Welcome-Schild, sodass der Blick direkt drauf f\u00e4llt, wenn man durchs Fenster sieht. Da steht noch ein Sofa, das man nur mit dem Blick einfach kurz zurechtr\u00fccken m\u00fcsste, im Raum ein bisschen fegen, die blaue und gr\u00fcne Farbe an den Fensterl\u00e4den erneuern. Der Tischtennisplatte auf dem Dach die andere H\u00e4lfte zur\u00fcckgeben. All die guten, bunten H\u00e4user stehen leer, es gibt kein Ger\u00e4usch au\u00dfer dem Meer, au\u00dfer dem Wind, und man merkt erst eine Sekunde zu sp\u00e4t, wie seltsam das klingt. Man sieht die Einsamkeit in den L\u00f6chern unter den Treppen vor der Eingangst\u00fcr, die Einsamkeit, die sich einstellt, wenn jemand gegangen und weggeblieben ist ohne Bescheid zu sagen. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck daheim dem Knistern der Palmenbl\u00e4tter zuh\u00f6ren und dem Rauschen, das vom Berg herkommt, weil dort der Wind durch die B\u00e4ume f\u00e4hrt. W\u00e4re ich ein Kind, das Leben hier w\u00fcrde sich allein an den handtellergro\u00dfen Maracujabl\u00fcten bemessen, die aussehen wie Ufos, an dem Winseln der Katze, die immer viel mehr essen will als sie essen kann, an den w\u00fctenden Kohlmeisen, die in den knisternen Wedeln sitzen und sich in einem Singsang aufregen, den sie sich eventuell von den Menschen abgeschaut haben. Es ginge nur darum, passgenaue und biegsame St\u00f6cker zu finden, die sich zu einem Kreis binden lassen. Es ginge darum, den Moment der F\u00e4hre nicht zu verpassen, Ama oder Fred Olsen, und dann auf das Gel\u00e4nder zu steigen und &#8222;Amerika!&#8220; zu rufen, obwohl es nur Teneriffa ist, was sich an der Horizontlinie t\u00fcrmt. Es ginge nur darum, solange zu bleiben, bis die F\u00e4hrspuren sich wieder mit dem Meer verwoben haben, darum auszuhalten, dass es eine Weile dauert, nur darum, den Blick auf die Spuren im Blau zu legen, vor dem Verschwinden nicht loszulassen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An der Stadtmauer von Alojera stirbt eine kleine Katze vor sich hin. 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