{"id":5875,"date":"2017-04-14T20:03:01","date_gmt":"2017-04-14T18:03:01","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5875"},"modified":"2017-04-14T23:07:37","modified_gmt":"2017-04-14T21:07:37","slug":"a-bit-part","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/a-bit-part\/","title":{"rendered":"A bit part"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_3948.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5878\" srcset=\"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_3948.jpg 600w, http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/IMG_3948-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Auf der gro\u00dfen Treppe sitzen die Menschen mit den dunkelblauen Menschen, alle jung oder zumindest jung angezogen, in Berlin tr\u00e4gt man jetzt diese klassischen geraden Schnitte, die Materialien, die sich so gut voneinander abgrenzen lassen, Kaschmir an Kaschmir an Jeans, die Kontraste sieht man vor allem in den Gesichtern, wenn das Telefon klingelt. Das sie rausholt aus dem Blick auf den Gendarmenmarkt und hinein in irgendetwas anderes, ihr Blick senkt sich dann, es ist beinahe, als rollten die Pupillen \u00fcber oben nach hinten ins Paralleluniversum, die Haut \u00fcber den Wangen wird schlaffer, man sieht beinahe den Terminkalender durchrasseln, das Abgleichen hinterl\u00e4sst Spuren im Momentgesicht, sie verlieren die Kontrolle, wenn sie nicht gerade laut sprechen und ihre Verabredung am Telefon direkt verk\u00fcnden. Wenn sie mit der Stimme keine Performance machen, dann scheint es, als w\u00fcrden sie unsichtbar. Zwei, drei von ihnen bleiben zu sehen, sie scannen permanent alle Menschen, die vorbeigehen, als k\u00f6nnte ihnen auch nur einer entgehen, als h\u00e4tten sie einen Auftraggeber am Ohr, der die Koordinaten durchgibt, nur leider etwas undeutlich. Der Dom spiegelt sich im neuen Geb\u00e4ude gegen\u00fcber, wird in Quadrate zerkastelt, dem Licht macht das nicht viel, man muss kurz stehenbleiben, weil man sich sonst vertut in dem, was man gerade macht. Es ist ja selten so, dass man denkt: In diesem Licht kann ich besonders gut telefonieren oder Fahrradfahren, in diesem Licht schaut es sich besonders gut ins Schaufenster. Als tippe es einem auf die Schulter, ohne dass es einen kennt.<\/p>\n<p>Als ich mich umdrehe sp\u00e4ter nach dem Konzert, die erste Zugabe ist gerade vorbei, das Publikum steht dem Raum angemessen vor Begeisterung auf, da sehe ich diesen Mann, dem die Tr\u00e4nen so wie im Film aus den Augenwinkeln laufen, nicht gerade \u00fcber die Wange, sondern das Gesicht einrahmend, als h\u00e4tte man ihnen Schienen ausgelegt. Der k\u00fcnstliche Nebel verteilt sich noch immer im Raum und hinterl\u00e4sst diesen s\u00fc\u00dflichen Geruch. Als ich mich erneut umdrehe, ist der Mann fort. Dann die zweite Zugabe.<\/p>\n<p>Die Friedrichstra\u00dfe ist immer leer in der Nacht, ein paar Touristen stolpern an den hell erleuchteten L\u00e4den vorbei, in die Richtung irgendwelcher Hostels, sie verschwinden in Hauseing\u00e4ngen und Seitenstra\u00dfen, die Schaufensterpuppen starren dorthin, wo nichts ist um diese Uhrzeit. Erst am McDonalds wird es laut, Musik schallt heraus, eine Mutter nimmt ihre Tochter an der Hand und sagt \u201eBesser als nichts\u201c. An der Theke im Fenster sitzen zwei M\u00e4dchen, vielleicht 15 Jahre alt, neben ihnen die Tabletts mit dem zerkn\u00fcllten Papier, sie haben die K\u00f6pfe auf ihren Armen abgelegt und starren hinaus ohne miteinander zu reden, dahinter bewerfen sich kleine Jungs mit Pommes. Drei Fahrr\u00e4der liegen umgeworfen auf dem B\u00fcrgersteig, hinter der Kreuzung wird es wieder ruhig. Dann noch ein paar hundert Meter, eine gro\u00dfe Kurve und dann kommen die Leuchtbuchstaben. Wenn sie hinter der U-Bahn-Br\u00fccke auftauchen, das ist der sch\u00f6nste Moment.<\/p>\n<p>&#8222;Einen Drogentrip stelle ich mir vor wie Snapchatfilter&#8220;, sagt J., sie tr\u00e4gt das tolle blaue Kleid.<\/p>\n<p><em>&#8222;But then the morning comes, and we turn back into pumpkins, right?&#8220;<\/em> (Celine in Before Sunrise)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der gro\u00dfen Treppe sitzen die Menschen mit den dunkelblauen Menschen, alle jung oder zumindest jung angezogen, in Berlin tr\u00e4gt man jetzt diese klassischen geraden Schnitte, die Materialien, die sich so gut voneinander abgrenzen lassen, Kaschmir an Kaschmir an Jeans, die Kontraste sieht man vor allem in den Gesichtern, wenn das Telefon klingelt. 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