{"id":5712,"date":"2016-11-22T19:43:32","date_gmt":"2016-11-22T18:43:32","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5712"},"modified":"2016-11-22T19:48:41","modified_gmt":"2016-11-22T18:48:41","slug":"die-siebenundvierzigste-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-siebenundvierzigste-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die siebenundvierzigste Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6362396139666337.jpg\" alt=\"soccer\" \/><\/p>\n<p>Das Unternehmen von Sophia Amoruso hat Insolvenz angemeldet. W\u00e4hrend sie in ihrem <a href=\"http:\/\/www.girlboss.com\/podcast\/\">Podcast<\/a> immer wieder mit Frauen \u00fcber Erfolgsgeschichten spricht, frage ich mich, wann sie selbst \u00fcber diesen Fall des Scheitern sprechen wird. Ob sie es \u00fcberhaupt tun wird. Sie fragt die Frauen in ihrem Format immer nach ihrem ersten Job, ihren Strategien, dar\u00fcber, wie sie mit ihren Angestellten umgehen, was ihnen wichtig ist. Dabei wird es h\u00e4ufig plattit\u00fcdig, manchmal aber eben auch nicht. \u00dcber Fehler oder etwas, das schiefgeht, spricht sie selten. Es w\u00e4re sch\u00f6n, wenn sich das nun \u00e4ndern w\u00fcrde. Es t\u00e4te gut, wenn es mehr Umgebungen g\u00e4be, in denen realistisch \u00fcber Strategien gesprochen w\u00fcrde, die zum Tragen kommen, wenn etwas auseinander f\u00e4llt. Wenn etwas wirklich nicht klappt. Wenn Vorstellungen, Erwartungen oder Tr\u00e4ume zerplatzen. Wie man mit eigenen Fehlern umgeht. Was mit Kritik passiert. Wo man all das hinlegt danach. Wie man das durchwalkt. Und ob \u00fcberhaupt. Bis jetzt geht es h\u00e4ufig, wenn \u00fcberhaupt \u00fcber das Scheitern von Frauen gesprochen wird, immer nur \u00fcber das Scheitern als Chance. Da passiert dann nach der Katastrophe etwas ganz Tolles, am Ende haben immer alle ganz viel gelernt und w\u00fcrden ihr Leben nie wieder anders haben wollen. Von der Frustration dazwischen, dem Breakdown, von dem Gef\u00fchl wirklich nicht zu wissen, wie es weitergeht, von der Situation einer Insolvenz, die niemand in der Umgebung mit viel Geld retten kann, davon wird selten erz\u00e4hlt. Und ich m\u00f6chte all die Geschichten nicht aus Sensationslust h\u00f6ren, sondern weil ich glaube, dass es trotzdem wichtig ist, diejenigen zu h\u00f6ren, denen das passiert. Nicht immer nur \u00fcber sie zu reden, sondern mit ihnen. Selbst das Gef\u00fchl zu haben, sich dazu \u00e4u\u00dfern und \u00f6ffnen zu k\u00f6nnen. Denn auch in den sehr schicken, aber doch sehr regelm\u00e4\u00dfigen Podcasts von Amoruso erkannte ich nach einer gewissen Anzahl Parallelen, tauchten bestimmte Situationen immer wieder bei mehreren Frauen auf, die unterschiedlich damit umgegangen sind, wurden die Gespr\u00e4che allein aus ihrer Anzahl heraus zu einer Art Lexikon. Nun eignen sich Katastrophen so selten als prima vermarktbare Anleitung. Aber vielleicht ist genau das ein Punkt, den man nun \u00e4ndern k\u00f6nnte. Nicht um des Profits Willen, sondern weil es noch keiner so richtig macht und alle immer so drumherum eiern. <\/p>\n<p>&#8211;<br \/>\nMit anderen Menschen mal wieder \u00fcber das Schreiben sprechen. F\u00fcr wen macht das macht, wann, wer welche Routinen hat. Allein das Lesen der anderen Erz\u00e4hlungen macht wieder Lust, sich dann doch freizuschaufeln. Ein paar Minuten im Tag, ein paar Worte im Kopf. Was die letzten Wochen alle gemein haben, so anstrengend und laut dieses Jahr auch war, nun laufen ein paar F\u00e4den und Menschen zusammen, die Gespr\u00e4che beginnen jetzt im kollektiven Zittern. Aber auch hier beobachte ich, dass die meisten in ihrem Schreck so sehr in sich selbst verharren, ist das so eine Gro\u00dfstadtgeschichte? Dass wir vergessen haben, wie es geht, andere Menschen zu sehen? Uns in Vereinen und Parteien mit Leuten auseinanderzusetzen, die wir so schlecht aushalten k\u00f6nnen wie die anderen Eltern beim Elternabend? Dass wir es hier so leicht haben, Menschen zu finden, die so sind wie wir, und deswegen den Luxus haben, einfach weggehen zu k\u00f6nnen und nicht zuh\u00f6ren zu m\u00fcssen? <\/p>\n<p>&#8211;<br \/>\nDann die Eisenbahn sehen und das Lied f\u00fcr A. und dann f\u00e4llt einem alles aus dem Gesicht. Wenn nicht jetzt, wann denn sonst. &#8222;Es ist so einfach wie R\u00e4uberleiter&#8220;. Wie sich auf dem Hof vom Astra nun mehr und mehr Jahre \u00fcbereinander stapeln, all diese Sommer und Winter und all diese Lieder mit den Menschen darin, nur dass man niemals von der Seite wird draufschauen k\u00f6nnen und sie alle unterscheiden, sondern sich alles vermischt die ganze Zeit. Das h\u00f6rt ja nicht auf. Auf dem Weg nach Hause ist aber die Br\u00fccke noch da, nur die Lichter sind verrutscht, die nahen und die in der Ferne. Wie im Kaleidoskop, das jemand um ein paar Millimeter gedreht hat. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Unternehmen von Sophia Amoruso hat Insolvenz angemeldet. W\u00e4hrend sie in ihrem Podcast immer wieder mit Frauen \u00fcber Erfolgsgeschichten spricht, frage ich mich, wann sie selbst \u00fcber diesen Fall des Scheitern sprechen wird. Ob sie es \u00fcberhaupt tun wird. 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