{"id":5646,"date":"2016-05-26T18:04:56","date_gmt":"2016-05-26T17:04:56","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5646"},"modified":"2017-04-08T21:54:58","modified_gmt":"2017-04-08T19:54:58","slug":"die-einundzwanzigste-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-einundzwanzigste-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die einundzwanzigste Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3535633463396365.jpg\" alt=\"Brandenburg\" \/><\/p>\n<p>Der Zug aus Berlin hinaus ist voll. Das Paar neben uns diskutiert den Umbau ihrer K\u00fcche, er wei\u00df, wie sie das machen soll, er teilt ihr die Planung mit, sie ist sich nicht sicher, aber nickt. Beide sitzen barfu\u00df auf ihren Pl\u00e4tzen, bis andere Leute kommen und sich dazusetzen. Die obligatorische Gruppe Betrunkener ist auch anwesend, manchmal meldet sich einer von ihnen zu Wort, immer derselbe. Es scheint, als w\u00fcrden alle Gedanken einfach direkt nach Produktion aus ihm herausfallen. Wo das Bundesland Brandenburg beginnt, sieht man Deutschlandfahnen in den Vorg\u00e4rten, nicht einmal nur auf den Schreberfl\u00e4chen, sondern auch dort, wo Menschen dauerhaft wohnen. Sie h\u00e4ngen aus dem Fenster, bekommen einen eigenen Mast, sind Accessoire und Aush\u00e4ngeschild zugleich. Erkennungszeichen einer Zone. Brandenburgs Bahnhofsvorplatz wurde ordentlich renoviert, es gibt einen Laden f\u00fcr Hauschka-Kosmetik, einen Biomarkt, einen B\u00e4cker, einen Imbiss mit Metallst\u00fchlen und Sonnenschirmen. Aber kaum Menschen. Die, die es gibt, sind alle auf dem Weg irgendwohin. Br\u00f6tchenholen, Hund ausf\u00fchren, wegfahren. Niemand verweilt auf den eigens daf\u00fcr angelegten Sitzfl\u00e4chen. Hier war ein Sitzfl\u00e4chenprofi am Werk. Mit und ohne Lehne, aus Stein, aus Holz, ergonomisch geformt oder einfach nur viereckig, f\u00fcr angelehnten Stand oder die eindeutige Sitzposition. Niemand sitzt. Au\u00dfer uns uns den beiden, die Pommes essen und Bier trinken. Hier ihnen stehen zwei M\u00fclltonnen. Eine f\u00fcr Pappe, eine f\u00fcr Plaste. Wir laufen zum Kanal, dort liegen die Boote. Auf dem Weg begegnen wir einem Paar, sie l\u00e4cheln sch\u00fcchtern, sprechen nicht. Sonst treffen wir lange niemanden. Die meisten Gardinen sind zugezogen, Rolll\u00e4den gibt es, als habe man sich verbarrikadiert vor etwas, das nicht kommt. An einer Hauseinfahrt steht &#8222;Hey, na&#8220;. Will man sagen, aber wem? Grundst\u00fccke und H\u00e4user kann man kaufen, alles g\u00fcnstig. Wir sehen das alte Rathaus, eine Familie stolpert aus einer Gastst\u00e4tte, wir fragen jemandem nach einem Geldautomaten, es dauert. Der Zahnarzt hei\u00dft Deichsel. Wir lachen beide \u00fcber den Witz, den niemand aussprechen muss. Die H\u00e4user am Bahnhof haben moderne Fassaden, das Gesundheitshaus sogar einen Dachgarten. Architektur gegen Fremdenfeindlichkeit? Uns kommt ein Motorradfahrer mit Totenkopfhelm entgegen. Auf dem R\u00fcckweg stehen die Menschen Schlange am Fahrkartenautomaten und regen sich auf, der Himmel f\u00e4rbt sich rosa.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Opa erz\u00e4hlt von der Reha. Er schaut sich die Leute meistens nur an, redet weniger mit ihnen, aber \u00fcber sie. Aber das Paar, das mit ihm isst manchmal, das sei nett, sagt er, sie seien beide \u00fcber achtzig, er begleite sie auf Reha. &#8222;Er ist so lieb zu seiner Frau&#8220;, erz\u00e4hlt er am Telefon. Dass ihm das auff\u00e4llt.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Die Blitze kommen beim Einschlafen. Ich stehe noch einmal auf und \u00f6ffne beide Fenster. Drau\u00dfen schreit jemand &#8222;Juchhu&#8220;.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p><em>Right now, Katherine is still looking down. \u201cSee this girl,\u201c\u009d she says, \u201cshe gets so many likes on her pictures because she&#8217;s posted over nine pictures saying, \u201cLike all my pictures for a tbh, comment when done.&#8220; So everyone will like her pictures, and she&#8217;ll just give them a simple tbh.\u201c\u009d A tbh is a compliment. It stands for \u201cto be heard\u201c\u009d or \u201cto be honest.\u201c\u009d Katherine tosses her long brown hair behind her shoulder and ignores her black lab, Lucy, who is barking to be let out. \u201cIt kind of, almost, promotes you as a good person. If someone says, \u201ctbh you&#8217;re nice and pretty,\u201c that kind of like, validates you in the comments. Then people can look at it and say \u201cOh, she&#8217;s nice and pretty.\u201c<\/em>\u009d \u2013\u00a0Jessica Contrera f\u00fcr die Washington Post \u00fcber ein M\u00e4dchen namens Katherine und dar\u00fcber, <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/sf\/style\/wp\/2016\/05\/25\/2016\/05\/25\/13-right-now-this-is-what-its-like-to-grow-up-in-the-age-of-likes-lols-and-longing\/?hpid=hp_hp-top-table-main_katherine-12p-s7%3Ahomepage%2Fstory\">wie es ist, 13 Jahre alt und online zu sein<\/a>.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zug aus Berlin hinaus ist voll. Das Paar neben uns diskutiert den Umbau ihrer K\u00fcche, er wei\u00df, wie sie das machen soll, er teilt ihr die Planung mit, sie ist sich nicht sicher, aber nickt. Beide sitzen barfu\u00df auf ihren Pl\u00e4tzen, bis andere Leute kommen und sich dazusetzen. 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