{"id":5635,"date":"2016-05-17T21:54:45","date_gmt":"2016-05-17T20:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5635"},"modified":"2016-05-17T22:02:44","modified_gmt":"2016-05-17T21:02:44","slug":"die-neunzehnte-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-neunzehnte-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die neunzehnte Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3038303064616336.jpg\" alt=\"Sommer vorm Balkon\" \/><\/p>\n<p>Was mit Berlin passiert, wenn das Licht herauskommt. Die Menschen am Kanal wie eine Demonstration der halb angezogenen Lebensfreude, dar\u00fcber die Flederm\u00e4use. Wir spielen endlich wieder drau\u00dfen Backgammon, essen Melone am Ufer. Und alle m\u00fcssen sich erst noch an die neue Beleuchtung gew\u00f6hnen, man meint, die Menschen st\u00e4ndig gegen ihren inneren Winter anblinzeln zu sehen, keiner will den mehr, aber \u00fcberall klebt er noch. So holt man sich Schnupfen, w\u00e4hrend die Dampfer leer in die eine Richtung fahren. Der Kellner im Bauch mit den get\u00f6nten Scheiben r\u00e4umt die letzten Teller ab. &#8222;Wir haben noch das ganze Leben&#8220; von Eshkol Nevo ist ein gutes Buch f\u00fcr diese Zeit.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Der kleine Junge l\u00e4uft da, wo er nicht laufen soll. Er hat etwas ins Wasser geworfen. Was genau, kann ich nicht sehen. Aber er l\u00e4uft seitw\u00e4rts, die H\u00e4nde am Gel\u00e4nder hinter sich, er davor am Wasser, wo niemand hin soll, daf\u00fcr gibt es ja das Gel\u00e4nder, der Streifen davor ist schmal, aber er gen\u00fcgt ihm. Die Mutter guckt, der Junge ruft ihr zu, w\u00e4hrend er ins Wasser starrt: &#8222;Ich verfolge nur, was passiert! &#8230;Und es geht immer weiter! &#8230;Ich schaue! &#8230;Da sind Wellen!&#8220; Am Ende des Gel\u00e4nders klettert er hindurch und l\u00e4uft zur\u00fcck, das Etwas treibt w\u00e4hrenddessen in Richtung Sch\u00f6neberg.<\/p>\n<p>&#8211;<br \/>\nMe &#038; My Drummer in der Kirche gesehen, irgendwie wussten viele nicht so richtig, wohin mit sich. Aber ich mochte den zuckenden Schatten an der Wand, und dass manche Menschen doch auch im Sitzen tanzen. You&#8217;re a runner. Danach fielen alle auf den Rasen und die Stufen davor, ein bisschen verwirrt, dass auch dann die Temperatur immer noch hielt, was sie letzten Sommer schon versprach, man erkennt auch den Geruch jedes Jahr wieder. Als bliebe immer ein bisschen vom Vorjahr zur\u00fcck, kleine Partikel aus allen Jahrzehnten. Auf der Bank vor dem Sp\u00e4ti sitzen und den Leuten zusehen, wie sie sich permanent wundern, aber versuchen, das zu verbergen.<\/p>\n<p>&#8211;<br \/>\nDurch Stra\u00dfen laufen, in denen man fr\u00fcher gewohnt hat. Kaum tritt man aus der Stra\u00dfenbahn flimmert die Zeit wieder auf, das h\u00e4ngt ja bis ewig in so einem Pflaster. \u00dcber das hier liefen wir vor und nach Konzerten, an den sehr fr\u00fchen Morgen, manchmal singend, manchmal ganz still, wir trugen einander \u00fcber die Schienen und nach Hause und manchmal an Orte, von denen wir wollten, dass sie Zuhause werden. Wir kannten damals jeden Hauseingang, die \u00d6ffnungszeiten der B\u00e4cker auf dem Weg, die Besitzer der Fahrr\u00e4der an den Laternen und dass uns niemand was konnte, also so richtig.<\/p>\n<p>&#8211;<br \/>\nErlebt, wie wichtig es ist, einzuschreiten, wenn jemand dem anderen Gewalt antut. Wenn eine Frau sich gegen die Gewalt eines Mannes, den sie anscheinend pers\u00f6nlich und gut kennt, nicht wehren kann. \u00dcber die Stra\u00dfe br\u00fcllen und hingehen, weil sie das nicht kann in der Situation, in der sie gerade steckt. F\u00fcr sie stellvertretend den Mann zur Rede stellen, ihr eine M\u00f6glichkeit geben zu fliehen, ihm keine, sich herauszureden, solange warten, bis er ins Haus geht und sie nicht die Stra\u00dfe hinunter verfolgt. Warten und das pochende Herz ignorieren und sp\u00fcren, dass es gut tut, laut zu sein, wenn Schei\u00dfe passiert, zu zeigen, dass er mit seiner Gewalt nicht durchkommt, zumindest nicht jetzt und nicht hier. Wie wichtig es ist, dass man hinsieht und sich nicht wegdreht. Inst\u00e4ndig hoffen, dass sie nicht zu ihm zur\u00fcckgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was mit Berlin passiert, wenn das Licht herauskommt. 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