{"id":5568,"date":"2016-03-18T22:51:52","date_gmt":"2016-03-18T21:51:52","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5568"},"modified":"2017-04-08T22:15:17","modified_gmt":"2017-04-08T20:15:17","slug":"die-elfte-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-elfte-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die elfte Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6562363266626338.jpg\" alt=\"Window\" \/><\/p>\n<p>&#8222;This is real life. Not a workshop.&#8220;<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Versuchen, der Verwendung des Begriffes &#8222;Angst&#8220; auf die Spur zu kommen. Mein Gef\u00fchl sagt, hier wird unbedacht damit um sich geworfen und ein gro\u00dfer Teil von mir m\u00f6chte nicht glauben, dass die unsolidarische Rechte wirklich eine Angst hat, der andere meint, man m\u00fcsse jedem eine Angst zugestehen, auch wenn sie bescheuert ist. Oder eine, wie ich sie nicht kenne. Aber alles in mir will nicht mehr lesen, dass wir diese &#8222;\u00c4ngste&#8220; ernst nehmen m\u00fcssen, denn immer, wenn man &#8222;Angst&#8220; schreibt, klingt es vers\u00f6hnlich, mitleidig und nach Verst\u00e4ndnis, und dagegen wehrt sich etwas in mir. Und selbst, wenn da jemand eine &#8222;Angstst\u00f6rung&#8220; hat (so hei\u00dft das n\u00e4mlich, wenn die Angst einen zu Dingen bringt, die nicht gut f\u00fcr einen selbst und andere sind), dann ist das immer noch kein Grund und noch weniger eine Entschuldigung daf\u00fcr ein menschenverachtendes Arschloch zu sein. Ich will nichts mehr von diesen &#8222;\u00c4ngsten&#8220; lesen, denn die wahllose Verwendung des Wortes, auch von den Medien, bagatellisiert die von Rechtsextremisten aus diesem Gef\u00fchl gezogenen Konsequenzen, und das halte ich f\u00fcr falsch. Man kann sich immer entscheiden.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Eine Gruppe Menschen steht in dem kleinen Park neben der Bibliothek auf dem Gehweg, sie haben einen Kasten Bier neben sich auf der Bank stehen, tragen Anz\u00fcge und schwarze Kleidung. Die kleine Frau mit den rot gef\u00e4rbten Haaren h\u00e4lt eine pinkfarbene Nelke in der Hand. Die Hunde rennen \u00fcber den Rasen. Erst als ich an ihnen vorbeilaufe, sehe ich die roten Augen. An der Ampel weiter hinten warten noch mehr von ihnen. Die Ampelphase ist kurz, sie warten auf dem Mittelstreifen, tragen Nelken, bleiben neben den Jungs vor der Taxischule stehen, die da sitzen und rauchen. Die Kirche ist nicht weit.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2015\/08\/09\/fashion\/a-millennials-guide-to-kissing.html\">&#8222;There&#8217;s nothing particularly new about trying to avoid getting hurt. It&#8217;s just that my generation has turned this avoidance into a science. Perfecting the separation of the physical from the emotional. (&#8230;) being casual is cooler than intimacy or vulnerability, so we think. (&#8230;) today having the last word is the ultimate weakness.&#8220;<\/a><\/em><br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>In der Bahn vom Wedding nach Mitte frage ich die alte Dame mit den vor dem Bauch gefalteten H\u00e4nden, nachdem sie mich vier Stationen lang angestarrt hat, warum sie den B\u00e4rgida-Button an ihrer M\u00fctze trage. &#8222;Dar\u00fcber m\u00f6chte ich nicht sprechen&#8220;, sagt sie und steigt an der Friedrichstra\u00dfe aus, von dort kann sie zur Nazi-Demo laufen. Ich h\u00e4tte es gut gefunden, wenn niemand im Waggon h\u00e4tte wegh\u00f6ren k\u00f6nnen, die Menschen schauen schon interessiert, als ich nur die Frage stelle. Niemand sagte etwas. Als sie ausgestiegen ist, atmet ein Mann an der T\u00fcr h\u00f6rbar laut aus. Wie erleichtert.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>&#8222;<em>Untersuchungen zur Ver\u00e4nderungsblindheit (den Probanden entgehen erhebliche Ver\u00e4nderungen in ihrem Gesichtsfeld) und Unaufmerksamkeitsblindheit (Versuchspersonen \u00fcbersehen beim Erf\u00fcllen einer Beobachtungsaufgabe ein sehr auff\u00e4lliges Ereignis) legen nahe, dass um uns herum auf alle F\u00e4lle viel geschieht, was wir einfach nicht wahrnehmen. Die Rolle des Lernens in der Wahrnehmung war auch wesentlich zum Verst\u00e4ndnis von prediktiv visuellen Schemata.&#8220;<\/em> (Die glei\u00dfende Welt, Siri Hustvedt)<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Im Radialsystem sprach Orna Donath \u00fcber das Bereuen von Elternschaft. Und sp\u00e4ter kam aus dem Publikum die Frage, was das eigentlich mit Schuld zu tun habe, wann M\u00fctter, die bereuen, sich schuldig f\u00fchlen. Und ob sie in der Studie von Ornath \u00c4u\u00dferungen dar\u00fcber get\u00e4tigt h\u00e4tten, ob ihre Kinder von diesem Schuldgef\u00fchl wissen. Ich fragte mich, wie viele Menschen in diesem Raum sich in diesem Moment in sich zur\u00fcck rollten und ihre eigene Geschichte scannten. Wir kommen aus diesem Dilemma nie heraus. Dass wir immer Kinder sind. Und dass es uns trifft (auch wenn wir gar nicht wollen, dass es uns trifft), wenn wir uns trauen wahrzunehmen, dass unsere Eltern auch nur Menschen sind. Wann entscheidet man sich daf\u00fcr, dem eigenen Kind gegen\u00fcber ehrlich zu sein? Und wer glaubt, das sei man ihm schuldig? Wer lebt lieber mit L\u00fcge? Und wer denkt wirklich, es g\u00e4be immer nur eine Antwort darauf? Wann bereuen M\u00fctter? Und auch: Wann und wie bereuen V\u00e4ter? Haben V\u00e4ter einen einfacheren Ausweg, weil die Praxis immer noch besteht, sich durch Alimente freizukaufen? Was passiert mit M\u00e4nnern, die V\u00e4ter sind und selbstgew\u00e4hlt keinen Kontakt zu ihren Kindern haben, sp\u00e4ter? Und warum gesteht man Frauen nicht dasselbe zu?<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>M. sagt, als das Licht schon aus ist, die Traumforschung sei sich momentan einig, dass Tr\u00e4ume vor allem als Schutz vor dem eigenen Empfinden dienen. Der Traum sei die \u00dcbersetzung der sich in dem Moment verarbeitenden Erlebnisse. \u00dcbersetzend vor allem, um Schlaf \u00fcberhaupt m\u00f6glich zu machen und mit ihm Erholung. Tr\u00e4ume katalysieren, was am Tag geschieht und vor allem das, was es ausl\u00f6st in uns. Sie bilden eine Barriere zwischen dem, was man vielleicht nicht aushalten w\u00fcrde zu sp\u00fcren, und dem, was geht. Wenn wir uns an Tr\u00e4ume nicht erinnern k\u00f6nnen, ist das okay. Und wenn doch, dann ist das noch immer nicht alles.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;This is real life. Not a workshop.&#8220; &#8211; Versuchen, der Verwendung des Begriffes &#8222;Angst&#8220; auf die Spur zu kommen. 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