{"id":5551,"date":"2016-03-03T21:49:27","date_gmt":"2016-03-03T20:49:27","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5551"},"modified":"2016-03-03T22:28:11","modified_gmt":"2016-03-03T21:28:11","slug":"die-neunte-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-neunte-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die neunte Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6631393633303264.jpg\" alt=\"Tulpen\" \/><\/p>\n<p>Nach dem Theater dr\u00fcckt mir die Mutter ein kleines Geschenk in die Hand, und lacht: \u201eWenn du es doof findest, verstehe ich das. Es war nur ein Gag.\u201c Ich zupfe das Serviettenpapier ab, zum Vorschein kommt ein J\u00fcngling aus brauner Schokolade, mit einer Badehose aus wei\u00dfer Schokolade, die mit Herzen aus roter Schokolade verziert ist. Das sind die Geschenke, die man mit \u00fcber 30 bekommt von der Familie. Und Vitaminpr\u00e4parate. Beides esse ich zu Hause auf.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Quallen sind organisiertes Wasser, lerne ich im Aquarium von einem Schild. Wir beobachten eine Ameisenfarm. Manchmal klettert eine Ameise durch den L\u00fcftungsschacht nach drau\u00dfen in den Raum, wo nur S\u00e4gesp\u00e4ne sind und noch zwei drei andere Ausbrecher. Die echte Welt wartet hinter noch dickerem Glas. Man muss ja nicht immer vom gro\u00dfen Gl\u00fcck sprechen, manchmal gen\u00fcgt das kleine vollkommen und f\u00fcr immer. Die Skalen sind f\u00fcr jeden anders, auch das lerne ich, vielerlei Ma\u00df.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>\u201eFor the first time the blending of two shades is colour of the year\u201c. Das k\u00f6nnte man jetzt auch wieder auf alles drauflegen, auf die Welt und den Journalismus und die Krisen und die W\u00fcnsche und ach. Aber damit fangen wir gar nicht erst an. \u201eYour aura is really fantastic, it&#8217;s this beautiful purple color\u201c, schrie diese eine Frau damals in \u201eAlmost Famous\u201c.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Manche Tage haben einen Knick. Nicht einmal einen Riss, nur eine \u00e4u\u00dferst sichtbare Delle. Als habe man sich zu unvorsichtig an einen Gedanken gelehnt, das muss ja nicht einmal von Dauer gewesen sein.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Wie gern ich die <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=23902\">\u201eWas sch\u00f6n war\u201c-Texte<\/a> von Anke Gr\u00f6ner lese. Es geh\u00f6rt zu den guten Dingen, habe ich auch festgestellt, einen Zettel dabei zu haben und abends zu notieren, was sch\u00f6n war. Nicht weil man eine Liste braucht, das ist Quatsch, aber so ein Zettel und ein Vorhaben markieren ja gerne mal einen Moment, den man sich sonst nicht nehmen w\u00fcrde.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>An der Friedrichstra\u00dfe trommelt an dem einen Abend dieser Mann auf dem M\u00fclleimer mit zwei St\u00fccken, das macht er mittags und dann sp\u00e4ter am Abend steht er immer noch da, in derselben Haltung, ein wenig vorn\u00fcber gebeugt und mit geschlossenen Augen, und alle anderen, die vorbeilaufen, k\u00f6nnen nicht anders als zu grinsen, weil er das so gut macht und vom ganzen, dreckigen Rest nichts mehr mitzubekommen scheint. Sp\u00e4ter im Bahnhof funktioniert \u201eNo Care\u201c\u00c2\u00a0von Daughter ganz wundervoll als Abstandhalter und Scheuklappe. Sich bewegen ohne Ger\u00e4usch.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>\u201eWe sometimes hope against the evidence.\u201c \u2013\u00a0Aus <em><a href=\"http:\/\/www.wbur.org\/2016\/01\/20\/one-last-swirl-modern-love\">Just One Last Swirl Around The Bowl<\/a><\/em><br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Eine halbe Stunde bei einer Podiumsdiskussion zusehen, vier M\u00e4nner auf der B\u00fchne, zwei Frauen. Die erste Frage des Moderators richtet sich an die anwesende stellvertretende Chefredakteurin: \u201eSie als Frau&#8230;\u201c \u2013\u00a0es folgt eine sanftm\u00fctig verhornte Frage \u00c3\u00a0 la \u201eWie haben Sie das denn geschafft, sagen Sie mal, hatten Sie Gl\u00fcck?\u201c. Ich erwarte Emp\u00f6rung, vielleicht ein lautes Lachen, eine R\u00fcckgabe dieser dusseligen Frage, eine spitze Bemerkung, doch alles, was folgt, ist ein leises L\u00e4cheln, eine v\u00f6llig defensive Haltung, die letztlich in der Antwort \u201eJa, ich hatte auch Gl\u00fcck\u201c m\u00fcndet. Die zweite Frau auf dem Podium, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin, wird danach \u00e4hnliches gefragt \u201c\u201c und auch sie macht sich klein, duckt sich weg und vor allem \u2013\u00a0sie verteidigt sich nicht. Wieso antwortet keine der beiden mit \u201eDas war kein Gl\u00fcck, ich habe mir das erarbeitet\u201c?<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Bei der Buchpremiere von Benedict Wells spielt seine musikalische Begleitung eine Coverversion von Elliott Smiths \u201eBetween the bars\u201c und ich bin wieder achtzehn und die Hosen zu weit und die Augen ganz gro\u00df und die G\u00e4nsehaut irgendwo in der Kniekehle.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Nach Oh Wonder im Postbahnhof und erneuter Entz\u00fcckung in der K\u00e4lte an der Eastside Gallery entlang laufen, durch eine gro\u00dfe Menge Sarah-Connor-Fans, die sich beim Warten an der Ampel die Videos vom Konzert ansehen. Vor der Mauer steht jetzt ein Bauzaun, der da lustlos entlang drapiert wurde, so macht Berlin das h\u00e4ufiger, vorgeben sich zu k\u00fcmmern, aber worum genau hat es vergessen und auch, wie man das so richtig macht. Aber Hauptsache leuchten. Und das neue Wohnhaus am Ufer steht genau so, dass man den Fernsehturm von der Br\u00fccke nur noch sehen kann, wenn man sich M\u00fche gibt und an der richtigen Stelle steht, man muss die Magie der Aussicht jetzt suchen, alles wird weniger offensichtlich und zugestellt. Falsch verschriebene Besch\u00e4ftigungstherapie, oder Fahrl\u00e4ssigkeit.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Brian Frankes \u201eIm Grunde sind wir untr\u00f6stlich\u201c wiedergefunden. Mich lange nicht mehr so sehr \u00fcber eine Buchseite gefreut wie \u00fcber die f\u00fcnfte von hinten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Theater dr\u00fcckt mir die Mutter ein kleines Geschenk in die Hand, und lacht: \u201eWenn du es doof findest, verstehe ich das. 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