{"id":5535,"date":"2016-02-25T23:51:32","date_gmt":"2016-02-25T22:51:32","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5535"},"modified":"2016-02-26T00:04:13","modified_gmt":"2016-02-25T23:04:13","slug":"die-achte-woche-jahr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/die-achte-woche-jahr\/","title":{"rendered":"Die achte Woche Jahr"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3538643466643863.jpg\" alt=\"Schnee\" \/><\/p>\n<p>Wenn A. von Kleidung redet, wird Kleidung etwas anderes. Kleidung ist dann kein Stoff mehr, den man sich umwirft, sondern aufgeladen, in jeder Falte eine Haltung. Und immer wenn A. von Kleidung spricht, will man sich sofort ausziehen, weil es sonst zu viel zu entscheiden g\u00e4be, oder einfach in ein dunkelblaues Tuch wickeln, blickdicht, aber weich. Eine Art Stoff, von der sogar ich sagen w\u00fcrde: \u201eSchau, wie er vorne f\u00e4llt.\u201c<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Matt Damon dabei zugesehen, wie er seine Rakete mit Gaffa und Fallschirmfolienstoff klebt und in den Weltraum geschossen wird. Klebeband als Rettung allen Lebens.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>An diesen Tagen mit dem kalten Nieselregen, der nur zwischen die Haarwurzeln und nicht direkt darauf f\u00e4llt, fehlt mir das Meer, auch wenn ich schon mitten im Gef\u00fchl diesen Blick bekomme, der genervt von mir selbst irgendwas mit Plattit\u00fcden fl\u00fcstert, aber man bekommt es ja doch nicht aus sich heraus, und das Am-Ufer-Stehen nutzt sich einfach nicht ab, das muss ja auch irgendwas haben, wenn st\u00e4ndig alle zu diesem Bild als Erl\u00f6sermotiv kommen, seltsam eigentlich, wie viel Schnittmenge das Meer \u00fcbrig l\u00e4sst, f\u00fcr jeden ein Fitzelchen. Auf einer Veranstaltung die Oculus auf dem Kopf gehabt und durch eine Stadt gelaufen, in der das Babylon-Kino direkt neben dem Brandenburger Tor stand. Als ich versuche, nach links in eine Tiefgarage zu gehen, stehe ich pl\u00f6tzlich mit den F\u00fc\u00dfen in der Brandung.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Morgens im Bus sehe ich, wie drau\u00dfen vor dem Supermarkt ein vermutlich obdachloser Mann steht, grauschwarze Haare bis zu den Schultern, zerzaust, die Kleidung h\u00e4ngt in Fl\u00e4chen und Fetzen von ihm herab, um die Schultern tr\u00e4gt er einen Schlafsack, hier und da kann man seine nackte Haut sehen, sein Gesicht aber nicht, er h\u00e4lt den Kopf gesenkt, es ist morgens viertel nach acht, er steht unbewegt f\u00fcr mehrere Minuten einfach so in der Mitte des B\u00fcrgersteigs wie eine Statue, ein Monument.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Einfach fragen ist etwas Gutes.<br \/>\n&#8211;<\/p>\n<p>Dimitrij Schaad spielt den Pinneberg von Fallada im Gorki und er macht das gut, aber am Ende, da l\u00e4sst er kurz all die zwanzig Jackets von seinen Schultern fallen, am Ende als nach dem Applaus die ersten Zuschauer schon den Saal verlassen, da stellt er sich noch einmal mit zitternden H\u00e4nden ganz nach vorn und liest vor, und ich frage mich, ob er vorliest, weil es eine mittelspontane Entscheidung war oder ob er vorliest, damit er sich nicht vertut und die Worte klar bleiben, jedenfalls liest er diesen kurzen Text vor, einen Ruf nach Emp\u00f6rung \u00fcber die Zust\u00e4nde am und im Lageso in Berlin, einen Wunsch nach Unterst\u00fctzung, vor allem danach, dass die Menschen dort im Saal ihre Stimme erheben und den Umgang mit Gefl\u00fcchteten nicht einfach hinnehmen, er steht da und schwitzt und zittert und schaut nicht auf, w\u00e4hrend er liest,  erst danach, und diese Bitte ist kein P.S. unter einem Brief, keine Zugabe, kein Anhang, sie ist die \u00dcberschrift. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn A. von Kleidung redet, wird Kleidung etwas anderes. 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