{"id":5319,"date":"2015-07-31T18:27:10","date_gmt":"2015-07-31T17:27:10","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5319"},"modified":"2015-08-02T01:10:47","modified_gmt":"2015-08-02T00:10:47","slug":"a-lot-of-sorrow","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/a-lot-of-sorrow\/","title":{"rendered":"A lot of sorrow"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6632373362666135.jpg\" alt=\"St. Agnes\" \/><\/p>\n<p>In Wiederholung steckt immer ein gewisser Grad an Hinwendung. Zu einem Moment, einer T\u00e4tigkeit, einer Erinnerung, einem Prozess. Manchmal zu einer Gewohnheit. Nicht per se ist Wiederholung ein Ritual, aber sie kann es werden. Die Wiederholung einer Bewegung ohne Ende kann einem Sicherheit geben oder einen in schlimme Aussichten st\u00fcrzen, die Wiederholung eines Schmerzes kann sich hineinfressen, die Wiederholung einer Erinnerung kann sich \u00fcber alles legen, was es sonst noch gibt. In Wiederholung steckt meistens ein St\u00fcck Verfolgung, auch wenn diese nicht immer bewusst ver\u00fcbt wird, der Gegenwert reicht nicht zu einer Unterbrechung aus. Wiederholung hilft dazu, vom Zufall zu unterscheiden. Was sich wiederholt, dessen kann man sich sicherer sein \u2013\u00a0egal, ob es gut oder schlecht ist, die Wahrscheinlichkeit, dass es in diesem Zyklus noch einmal geschieht, ist relativ hoch. Und ist kein Ende in Sicht kann man sich entweder auf den Faden verlassen oder sollte sofort umdrehen, das h\u00e4ngt von der Qualit\u00e4t der Faser ab, von der Farbe, vom Anfang seiner Struktur und wie er gespannt ist. Aber in Fortf\u00fchrung gleicher Muster steckt trotz allem Energie, nichts vollf\u00fchrt sich ohne Antrieb, jedenfalls nicht vollst\u00e4ndig. Und am Ende h\u00e4ngt es immer noch vom Menschen ab, in welcher Wiederholung er verharrt, welche Wiederholung zur wohlt\u00e4tigen Gew\u00f6hnung werden darf und an welcher Stelle es sich lohnt, sich einmal komplett durchzusch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Was Wiederholung noch sein kann, ist Durchwalkung. Wenn du das Gef\u00fchl siebenundzwanzig Mal durchlebst, den Song dreiundvierzig Mal h\u00f6rst, das Bild f\u00fcnfundsiebzig Mal ansiehst, macht das etwas mit dir. Du kannst dich entscheiden, voll zu sein, keinen Eindruck mehr aufzunehmen und trotzdem nicht aufzuh\u00f6ren oder du kannst dich entscheiden in der Wiederholung eine Erleichterung zu finden, mit jedem Mal ein St\u00fcck loszulassen, abzuwerfen, aufzutragen, fortzukommen, voran. Wiederholung eignet sich entgegen der Meinung vieler sehr gut als Liste, solange sie ein Ende besitzt, die Wiederholung wird nur zu guten \u00dcbung, wenn sie ein Ziel hat, ein Momentum, in dem sie sich selbst abschafft. Wiederholung, deren Ende absehbar ist, kann dich ins Jetzt zur\u00fcckholen und danach freigeben. Wiederholung, deren Ende du selbst setzt, bevollm\u00e4chtigt dich in G\u00e4nze. <\/p>\n<p>Und so kommt es, dass sich in der Wiederholung eines Liedes in sechs Stunden andere Gef\u00fchle verstecken als in der Einzelversion von drei Minuten und f\u00fcnfundzwanzig Sekunden, ein einziges Mal kann gar nicht leisten, was Wiederholung vermag. Deswegen brennt sich Chronisches ein, deswegen glaubt man jemandem mehr, der sich und seine Worte \u00fcber eine Zeit hinweg einl\u00f6st, deswegen streicht man Menschen nicht nur einmal, sondern mehrfach \u00fcber den R\u00fccken, wenn es ihnen nicht gut geht, deswegen bleibt man zusammen. Sicher hat Einzigartigkeit, ein Moment seine Berechtigung, in ihm selbst steckt, was in der Abfolge nicht herauskommt, denn Anfang und Ende sind in ihm viel gr\u00f6\u00dfer und stehen in einem anderen Verh\u00e4ltnis zum eigentlichen Ablauf. <\/p>\n<p>Sitzt man vor The National und sie singen wortw\u00f6rtlich <a href=\"http:\/\/www.alotofsorrow.com\/\">a lot of sorrow<\/a>, gibt es keinen Grund wegzulaufen, es gibt aber viele, um <a href=\"http:\/\/www.berlinerfestspiele.de\/de\/aktuell\/festivals\/foreign_affairs\/fa15_programm\/fa15_veranstaltungsdetail_128554.php\">sitzen zu bleiben<\/a> f\u00fcr diese sechs Stunden. Jeder Schmerz darf hier hinein, jede Menge, jede Erinnerung, alles darf stattfinden und auch mehrfach wiederholen, du darfst schwitzen und weinen und schweigen und w\u00fctend sein und entt\u00e4uscht und traurig und irgendwo, wo du nicht mehr sein willst, weil du wei\u00dft, gleich ist alles vorbei, dann musst du nichts davon mitnehmen, dann hast du es so oft gef\u00fchlt, dass du es nicht mehr f\u00fchlen brauchst. <\/p>\n<p><em>Ragnar Kjartansson &#038; The National<br \/>\nA Lot of Sorrow<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps?q=ST.+AGNES&#038;ll=52.50073,13.40052&#038;t=s&#038;z=16\">K\u00d6NIG GALERIE in ST. AGNES<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Wiederholung steckt immer ein gewisser Grad an Hinwendung. Zu einem Moment, einer T\u00e4tigkeit, einer Erinnerung, einem Prozess. Manchmal zu einer Gewohnheit. Nicht per se ist Wiederholung ein Ritual, aber sie kann es werden. 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