{"id":5218,"date":"2015-04-28T20:24:59","date_gmt":"2015-04-28T19:24:59","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5218"},"modified":"2015-05-14T13:04:38","modified_gmt":"2015-05-14T12:04:38","slug":"april-in-schoneberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/april-in-schoneberg\/","title":{"rendered":"April in Sch\u00f6neberg."},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6234313031313664.jpg\" alt=\"Bl\u00fcten\" \/><\/p>\n<p>Du bist zu fr\u00fch dran, will ich dem Jahr sagen, ich bin noch nicht so weit, will ich der Ampel sagen, ich mag deine Stimme nicht, will ich der Karten-App sagen, als mein Blick auf die Manufactum-Lampe f\u00e4llt, die auch in jeder zweiten Altbauwohnung hier h\u00e4ngt, auch in Mitte, alle haben dieselbe Manufactum-Lampe und abends noch das gro\u00dfe Licht an. Frag ich mich auch immer, wer so macht, abends das gro\u00dfe Licht an, \u201eaus aus aus\u201c, sagt A. auch immer, wenn es zu hell ist (nur morgens nicht, da ruft er \u201eEssen essen essen\u201c), da sind wir uns einig (in beidem). Neulich stand er vor einer Galerie, das war nicht in Sch\u00f6neberg, aber die Fenster waren auf seiner H\u00f6he, noch passiert das selten, und dann steht er und schaut und in dem Moment rief er: \u201eBilder! Laden! Bilderladen!\u201c, und ich dachte, dass das in unserem Kapitalismus wahrscheinlich so funktioniert, dass die Kinder lernen, dass dort, wo die gro\u00dfen, offenen Fenster sind, gekauft wird. Alle anderen ziehen die Gardinen zu.<\/p>\n<p>\u00dcberm Spielsalon h\u00e4ngt keine Manufactum-Lampe, da sprie\u00dft etwas unter der Decke entlang, das aussieht wie Efeu. Ich habe gelesen, Efeu st\u00fcnde f\u00fcr das Ewige und ich frag mich, ob man das im Wohnzimmer haben will, also immer \u00fcber einem dr\u00fcber, wenn man Tee trinkt zum Beispiel oder die F\u00fc\u00dfe hochlegt oder sich wieder einmal an irgendetwas verhebt. Als ich um die Ecke fahre, steht da pl\u00f6tzlich das Gasometer, irgendwo zwischen Gleisen, Zaun und Geb\u00fcsch kifft jemand, das Licht legt sich langsam hin, man kann zusehen, wie es immer tiefer rutscht und irgendwann weg d\u00f6st. S. sagt, die Menschen hier h\u00e4tten schon Bock auf B\u00fcrgerlichkeit, \u201eaber die faken das nicht und ziehen ihren Kindern keine Band-T-Shirts an\u201c. <\/p>\n<p>Irgendwo zwischen Ros\u00e9 und Kr\u00e4utertee taucht dann auch noch ein Regenbogen auf, und man m\u00f6chte eigentlich sofort aufs Gasometer klettern. Vorn an der Ecke sitzt eine Frau mit pinkem Haargummi und raucht die Ampel an. Sie wartet auf niemanden, ich glaube, sie denkt nicht einmal irgendwas, sie sitzt nur da und raucht und die blaue Stunde kriecht an ihren nackten Schienbeinen hinauf, ohne sich in ihren Schn\u00fcrsenkeln zu verheddern, weiter vorne hat jemand verschiedenfarbige Flaschen auf dem B\u00fcrgersteig zerdeppert und es sieht aus, als w\u00e4re ein St\u00fcck aus dem Regenbogen gebrochen und runtergekracht, keine Verletzten. Langsam wanken die letzten aus dem Park am Gleisdreieck, vor dem die neuen roten Absperrungen stehen wie zu gro\u00df geratene Z\u00e4hne, hier kommst du nicht durch, jedenfalls nicht mit derselben Geschwindigkeit, dahinter kommt durchs Halbdunkel ein Skateboarder gerollt, alle sehen aus, als w\u00fcrden sie jetzt wirklich nach Hause fahren (oder das zumindest f\u00fcr in Ordnung halten).<\/p>\n<p>An Sonntagabenden muss man nicht viel sagen, alle summen lautlos, \u201e<a href=\"https:\/\/play.spotify.com\/track\/184YUcQHrTH5uFfowgGdi7\"><em>du wei\u00dft, ich w\u00fcrde sterben f\u00fcr dich, um dir ein gutes Leben zu garantieren<\/em><\/a>\u201c. Die Schaufenster der Lik\u00f6rfabrik sind so beleuchtet, als g\u00e4be es ein Morgen und als w\u00e4re es ratsam, sich deswegen zu betrinken. \u201e<em>Wir kennen die Stellen, an denen Sachen geschahen, und wir kennen die Ger\u00fcche und wir kennen die Gegenst\u00e4nde. Und wir k\u00f6nnen sp\u00fcren, wie sie die Form verlieren. Fahr, fahr.\u201c <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du bist zu fr\u00fch dran, will ich dem Jahr sagen, ich bin noch nicht so weit, will ich der Ampel sagen, ich mag deine Stimme nicht, will ich der Karten-App sagen, als mein Blick auf die Manufactum-Lampe f\u00e4llt, die auch in jeder zweiten Altbauwohnung hier h\u00e4ngt, auch in Mitte, alle haben dieselbe Manufactum-Lampe und abends [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[8,77,151,150],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5218"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5218"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5218\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5267,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5218\/revisions\/5267"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5218"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5218"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5218"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}