{"id":5149,"date":"2015-02-09T22:20:17","date_gmt":"2015-02-09T21:20:17","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=5149"},"modified":"2015-02-09T23:29:25","modified_gmt":"2015-02-09T22:29:25","slug":"afm%c3%a6li","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/afm%c3%a6li\/","title":{"rendered":"afm\u00e6li"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3635383132393161.jpg\" alt=\"Warnem\u00fcnde\" \/><\/p>\n<p>Es gibt jetzt Seminare, in denen man lernen soll, auf sein Leben zur\u00fcckzublicken. In denen man seine eigene Trauerrede schreiben soll, um lernen wertzusch\u00e4tzen, was man hat und die eigenen Priorit\u00e4ten zu \u00fcberpr\u00fcfen, F\u00fchrungskr\u00e4fte bekommen diese Seminare bezahlt, Kurse, Workshops, Coachings, da soll man dann rausgehen mit einem inneren Post-it. Vielleicht w\u00fcrde ich besser werden in diesen Tagen vor deinem Geburtstag, wenn ich so ein Seminar einmal besuchen w\u00fcrde, vielleicht k\u00f6nnte ich dann deinen Geburtstag, den du nicht mehr erlebst, w\u00fcrdevoller verbringen, vielleicht w\u00fcrde ich dann diesen Text auch tippen, ohne mir zu \u00fcberlegen, ob da drau\u00dfen jemand sitzt und ver\u00e4chtlich schaut beim Lesen dieses Textes und denkt \u201eOh Gott, jetzt schreibt sie das auch noch ins Internet, soll sie doch in ein Coping Coaching gehen\u201c und dann zum n\u00e4chsten Blog schlurft, um wieder ver\u00e4chtlich zu schauen und trotzdem weiter zu lesen (ich brauche \u00fcbrigens kein Coping Coaching, ist lieb, aber grunds\u00e4tzlich ist hier alles in Ordnung, wirklich, trotz Blog und Trauertag, kaum zu glauben, hm?), vielleicht k\u00f6nnte ich dann irgendwie gerader einen Text \u00fcber den Abschied schreiben, so wie ich es jedes Jahr mache, aber eben nicht wirklich gerade, weil ich glaube, dass das schon Sinn macht, sich nicht einzugraben mit Trauer und Abschied und dem, was man eigentlich so f\u00fchlt, wenn wieder der Tag im Kalender kommt, an dem jemand geboren wurde, der nicht mehr lebt, ich k\u00f6nnte vielleicht einen besseren Text schreiben, einen euphorischeren Text, aber wo ist denn die Euphorie an dem Tag, ich wei\u00df, ich stelle mir diese Frage jedes Jahr kurz vorher (\u001e\u201eWo ist die Euphorie?\u201c), es ist kaum ein Jahr vergangen, in dem ich das mal vergessen habe, wo ist denn nur diese schei\u00df Euphorie, die die Menschen in den Filmen immer milde l\u00e4cheln l\u00e4sst und Kerzen anz\u00fcnden und dann ohne zu zittern oder noch einmal von vorne anfangen zu m\u00fcssen weise Worte sagen, (wo ist sie denn bitte?), und ich meine gar nicht das laute Juchzen und Schreien, das man so im Kopf hat, wenn man an Euphorie denkt, ich meine die leise, kleine Euphorie vom Berggipfel, genau die suche ich jedes Jahr in den Tagen davor wie ein Staubsauger, der auf das rumpelige Ger\u00e4usch im Rohr wartet, aber es rumpelt nichts, es bleibt einfach ganz still. Und dann frage ich mich  auch in den Tagen vor deinem Geburtstag, wo der Abstand ist, mein sch\u00f6ner, sorgf\u00e4ltig gekachelter Abstand, meine Distanz aus mittlerweile 30 Jahren hier herumstehen, wo ist der ganze Krempel denn, wenn man ihn braucht, jedes Jahr wieder ist in den Tagen vor deinem Geburtstag alles leer gefegt, nichts steht herum, nicht einmal ich, es gibt keinen Boden und keine T\u00fcrklinken und ich glaube, dieses Jahr habe ich zum ersten Mal begriffen, dass es so ist, wenn sich alles zusammenrei\u00dft, also wortw\u00f6rtlich. Sich in sich zusammen faltet, um Platz zu machen, denn die Frage nach der Euphorie ist ja eigentlich nur eine nach einem Gel\u00e4nder, an dem man sich festhalten will, die Frage nach dem Abstand ist ja eigentlich nur der Wunsch nach sicherer Entfernung, aus der heraus man einen \u00dcberblick bekommt, und was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass der Platz ja was gutes ist. Es ist gut, dass es kein Ersatzgef\u00fchl gibt f\u00fcr dich. Dass ich sp\u00fcre, dass es nichts allt\u00e4gliches ist, dass ich jetzt \u00e4lter bin, als du jemals werden durftest. Dass ich mich frage, wie du gewesen und geworden w\u00e4rst. Es ist gut, dass alle Kommoden und Einrichtungsgegenst\u00e4nde, die man sich so antrainiert, noch flexibel sind und wegrutschen, damit ich Platz habe und damit du Platz hast, weil das eben Platz braucht, meine G\u00fcte. Es geh\u00f6rt dazu, jedes Jahr, so ein Text, so ein Text f\u00fcr dich und f\u00fcr mich und f\u00fcr die, die da sitzen und genau wissen, wovon ich schreibe, also nicht f\u00fcr die mit den ver\u00e4chtlichen Stirnfalten (die d\u00fcrfen eh gerne gehen, da vorne ist die T\u00fcr, ja, gleich an dem Platz da vorbei, bitte zumachen, vielen Dank), sondern die, die hier lesen und wissen und nicken und dann den Browser schlie\u00dfen und ihr Bett zurechtr\u00fccken, weil sich das auch bei ihnen mindestens einmal im Jahr ein St\u00fcckchen zur Seite schiebt ganz von allein. Es ist nun einmal ein trauriger Umstand mit so vielen Fragen, die man in den Wald hineinbr\u00fcllen k\u00f6nnte, wenn es auch nur irgendeinen Sinn machen w\u00fcrde, und mittlerweile wei\u00df ich aber, dass an deinem Geburtstag meistens etwas Gutes passiert, das hat sich so eingeb\u00fcrgert, zumindest der Blick auf die Dinge an dem Tag, dass ich auch erkenne, was gut ist, also immer noch und ohne dich hier vor Ort und vielleicht ist es auch das, was sie in den Filmen eigentlich immer zeigen wollen, aber nicht hinkriegen, weil man rennt ja trotzdem nicht den ganzen Tag grinsend durch die Welt, das ist ja K\u00e4se, aber der Platz, den die Tage vorher um einen herum geschaffen haben, der kriecht dann durch das Mittelohr nach innen, tief hinein und wenn man irgendwann wei\u00df, was das ist, das Gef\u00fchl davon, wenn man sich drauf vorbereitet, dann kann man sich zwischendurch auch freuen dann, nicht euphorisch und so seltsam friedlebend begl\u00fcckt (weil in dem Umstand, dass du nicht mehr da bist, einfach kein Gl\u00fcck steckt, das ist nun mal so, vermissen ist schei\u00dfe), aber wissend, dass du da warst. Das ist etwas Gutes. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt jetzt Seminare, in denen man lernen soll, auf sein Leben zur\u00fcckzublicken. In denen man seine eigene Trauerrede schreiben soll, um lernen wertzusch\u00e4tzen, was man hat und die eigenen Priorit\u00e4ten zu \u00fcberpr\u00fcfen, F\u00fchrungskr\u00e4fte bekommen diese Seminare bezahlt, Kurse, Workshops, Coachings, da soll man dann rausgehen mit einem inneren Post-it. 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