{"id":4769,"date":"2014-07-04T10:22:07","date_gmt":"2014-07-04T09:22:07","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=4769"},"modified":"2014-11-20T22:13:45","modified_gmt":"2014-11-20T21:13:45","slug":"faro-ii","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/faro-ii\/","title":{"rendered":"Faro II"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3666613234313165.jpg\" alt=\"Faro\" \/><\/p>\n<p>Ankommen ist immer anders, es gibt kein Rezept und keinen Plan, ankommen muss man eben k\u00f6nnen, man muss in der Lage sein zu sehen und aufzunehmen und einen Platz finden und dann erst, dann kann man ankommen, also sich zur\u00fccklehnen und da sein, man kann nicht sagen, dass es dauert, sowas geht manchmal ganz schnell, das ist auch so eine Sache, die ist von Ort und Mensch und Zeit und Blutdruck und Wetter abh\u00e4ngig, von dem, was man daheim gelassen hat und was vielleicht nicht, ankommen kann man nicht lernen, aber trotzdem besser werden darin. Ankommen ist immer auch ein bisschen Zufall und Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Schatten ist es frisch, wir bestellen in einem kleinen Caf\u00e9 frischen Saft, Past\u00e9is de Nata, Sandwiches und Gal\u00c3\u00a3o, der Wind fegt alles, was man nicht festh\u00e4lt, vom Tisch. Es ist ein guter Platz da auf der Avenida da Rep\u00c3\u00bablica. Das &#8218;N Coisas&#8216; ist relativ neu, eines dieser Caf\u00e9s, deren Besitzer glauben, man m\u00fcsse viel Glas, Kunstleder und Dekorationsartikel verwenden, um modern und neu zu sein. Der Name bedeutet &#8218;1000 Sachen&#8216; und der Kaffee ist sehr gut. Dass die Bedienungen sich an uns erinnern werden, wissen wir noch nicht, aber die Einheimischen kommen auch hierher, vor allem die \u00e4lteren, wir m\u00f6gen das. Wir sitzen und frieren und schauen den Busfahrern zu, die hier Pause machen und sich die Krawatten l\u00f6sen, denn gegen\u00fcber ist das Hotel Eva und im Hotel Eva ist ein riesiges Loch, in das permanent Busse fahren. Das Hotel Eva scheint die Menschen auszuspucken und die Busse zu verdauen, denn irgendwie fahren alle immer nur hinein und nie ein Bus hinaus. Ich kaufe einen Ring im Crazy Shop, und Sonnencreme.<\/p>\n<p>Manchmal liegt ein Rauschen in der Luft, wenn man durch die schmalen Gassen der Altstadt l\u00e4uft, das ist dann nicht das Meer sondern ein tief fliegender Storch, sie nisten \u00fcberall auf den Kirchen und klappern laut mit den Schn\u00e4beln. In der Rua Batista Pinto steht N. vor einem Haus, das gerade renoviert wird, und schaut hinein, sie dreht sich um, ich warte auf der anderen Stra\u00dfenseite, sie grinst. Einer der Bauarbeiter hat sie bemerkt und bittet uns hinein, er kann kein Englisch, aber er f\u00fchrt uns durch die hohen R\u00e4ume, als geh\u00f6rten sie ihm, zur\u00fcckhaltend, aber stolz. Auf Holzplanken laufen wir \u00fcber die Baustelle, an allen Ecken und Enden verputzen sie die Vergangenheit, s\u00e4ubern und restaurieren. Seine Kollegen fragen vermutlich, wer wir sind, was wir wollen, er spricht mit beruhigender Stimme und wiegelt sie ab, in jedem Raum wieder. Wir klettern \u00fcber eine Treppe auch in die zweite Etage, \u00fcberall sitzen M\u00e4nner mit Helmen zwischen Zements\u00e4cken und morschen T\u00fcrrahmen aus dem Jahr 1878. Ein Hostel soll es werden, und ich bekomme G\u00e4nsehaut.<\/p>\n<p>In der Rua da Porta Nova dann die zwei grau melierten Herren auf der Steinbank, zwischen ihnen mit wei\u00dfer Farbe &#8222;No comment&#8220; geschrieben, sie sitzen dort zur\u00fcckgelehnt und unterhalten sich, pinkfarbene Bl\u00fcten h\u00e4ngen wie ein Wasserfall \u00fcber ihnen, die T\u00fcr daneben steht offen und wieder gehen wir nach kurzem Z\u00f6gern einfach hinein. Dahinter ein Raum voller Staub und Fliesen, Kartons voller Kacheln und der riesige Schreibtisch des Besitzers, auf dem sich das Papier stapelt, Notizb\u00fccher, Rechnungen, Zettel. Die f\u00fcnf Minuten, die wir allein im Laden sind, bevor eine Touristengruppe einf\u00e4llt, sind ruhig und k\u00fchl. Vor den kleinen Holzh\u00e4usern, wo die Boote zu den Inseln ablegen, liegt ein dicker Hund und schl\u00e4ft. Ein Katzenbaby hat sich auf den Lenker eines Mofas gegen die Windschutzscheibe gelegt und beobachtet uns. Wind, Wasser und Plakatreste haben gro\u00dfe Figuren und Monster auf die hellen Steinmauern in der ganzen Stadt gemalt. Wenn ein Haus leer steht, werden alle T\u00fcren und Fenster zugemauert, ich erschrecke st\u00e4ndig davor. Manchmal wird ein kleiner Spalt offen gelassen, der ein Vorh\u00e4ngeschloss freigibt. Keine romantischen Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Wir laufen, bis wir nicht mehr laufen k\u00f6nnen. Wir verlaufen uns, bis wir uns nicht weiter verlaufen k\u00f6nnen und den Kreis erkennen, den man in Faro automatisch geht, wenn man nicht aufpasst, man kommt immer zum Hafen zur\u00fcck. Ich beobachte den alten Herren, der die beiden Jungs von der Schule abholt. Die Kinder zeigen noch aufgeregt auf die St\u00f6rche, ihn kostet das nicht einmal einen Augenblick. F\u00fcr zwei kleine Bier bezahlt man auf dem Platz zusammen 2,40 Euro. Dort schauen sie alle die Weltmeisterschaft, die Portugiesen, ein paar Touristen, die Sch\u00fcler, die schon frei haben, und die M\u00e4nner, die Pause machen d\u00fcrfen. Die \u00c4lteren sitzen im Schatten, die J\u00fcngeren tanzen bei jedem Tor auf den roten St\u00fchlen des Biersponsors. Wir kaufen Churros, der Zucker klebt in den Mundwinkeln, \u00fcber uns kreisen aufgeregt die Schwalben. Portugal fliegt raus, aber man merkt es den Menschen nicht an, kein Gezeter, keine Tr\u00e4nen, sie machen einfach weiter, gehen heim, essen Abendbrot. Nachts flattert die Plastikfolie, die T. als Sichtschutz an die unteren Fensterscheiben geklebt hat, wie ein Segel. Ich tr\u00e4ume, dass K. den spanischen K\u00f6nig heiratet. Meine Haut ist so warm. Ankommen dauert einen Moment.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankommen ist immer anders, es gibt kein Rezept und keinen Plan, ankommen muss man eben k\u00f6nnen, man muss in der Lage sein zu sehen und aufzunehmen und einen Platz finden und dann erst, dann kann man ankommen, also sich zur\u00fccklehnen und da sein, man kann nicht sagen, dass es dauert, sowas geht manchmal ganz schnell, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[128],"tags":[128,131,130,47],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4769"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4769"}],"version-history":[{"count":13,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4769\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4989,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4769\/revisions\/4989"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4769"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4769"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4769"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}