{"id":4744,"date":"2014-06-20T12:18:04","date_gmt":"2014-06-20T11:18:04","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=4744"},"modified":"2014-06-20T12:20:23","modified_gmt":"2014-06-20T11:20:23","slug":"zurich-v","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/zurich-v\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrich V"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3163663633353230.jpg\" alt=\"See\" \/><\/p>\n<p>Am Hafen Enge gibt es diesen Streifen aus Beton im Wasser, den man \u00fcber den kleinen Steg erreichen kann, vermutlich sch\u00fctzt er die dort liegenden Boote vor den Wellen der gr\u00f6\u00dferen Schiffe. Man kann darauf sitzen und herumlaufen und wenn man also sitzt und die Beine herunter h\u00e4ngen l\u00e4sst, dann kommen bald ein paar Enten vorbei, gestern also wirklich ein Paar, die vor den F\u00fc\u00dfen desjenigen immer wieder einen Moment auf der Stelle schwimmen und herauf schauen, manchmal quaken sogar, damit man vielleicht doch ein paar Krumen wirft. Ich habe keine Krumen sondern Kuhlbrodt und Rothmann dabei, die sich gut machen neben dem Rauschen der Font\u00e4ne weiter rechts. Und irgendwann rei\u00dft die Wolkendecke auf, die Sonne schaut erst gar nicht und dann pl\u00f6tzlich brennt sie einem beinahe L\u00f6cher in die Haut, v\u00f6llig unvermittelt. Das Ziepen in den Zellen kann man auch genie\u00dfen, wie lange schafft man&#8217;s, wie lange h\u00e4lt man&#8217;s aus, das ist Sommer, so f\u00fchlt sich Sommer an, meistens pl\u00f6tzlich und blitzschnell und dann muss man einfach sitzen bleiben, sonst hat man ihn wom\u00f6glich schon wieder verpasst. <\/p>\n<p>Die Stockenten haben dieses blau-wei\u00dfe Band an der Seite, das bei den Erpeln sofort gl\u00e4nzt und sich einf\u00fcgt, sie schwimmen zu dieser Zeit im Prachtkleid, der Kopf ist gr\u00fcn, der Schnabel hell und dann noch das leuchtende Blau. Die Stockentenweibchen sind unauff\u00e4lliger, aber den blauen Fl\u00fcgelspiegel haben sie auch, es scheint nur, eher versteckt wie ein heimlich gestochenes Tattoo, das man erst entdecken muss. Weiter rechts sitzt ein Mann, dessen Pullover zu den K\u00f6pfen der Erpel passt, er heut auf einem Ohr Musik und winkt, sobald ich in Richtung Font\u00e4ne schaue kurz, um den Blick auszuruhen und die S\u00e4tze nachklingen zu lassen. Er winkt jedes Mal, ich sehe ihn nicht an, irgendwann setzt sich jemand zwischen uns, sp\u00e4ter geht er und winkt vom Ende des Stegs noch einmal, ich sehe ihn aus dem Augenwinkel und schaue dann wieder auf die Font\u00e4ne, auf die gerade zwei in Badehose klettern und lachen, so laut lachen, wie man es nur kann, wenn man wirklich lachen muss, ohne Kontrolle und aus dem Bauch heraus, ich denke die ganze Zeit, gleich haut&#8217;s ihn weg, den einen. Aber keinen haut&#8217;s weg, sie sitzen auf dem Rand und hinter ihnen schie\u00dft das Wasser in die H\u00f6he. <\/p>\n<p>Kuhlbrodt schreibt von dem Kreuzberg, in dem ich jetzt wohne, aus einer Zeit, in der ich noch am anderen Ende der Stadt lebte, und ich versuche mich zu erinnern, wie diese Jahre waren, 2007, 2008, wo ich meine Tage verbrachte, wen ich gesehen hab. Jetzt beginnt das Alter, in dem man sortieren muss und nicht sofort sagen kann, dieses und jenes passierte dann und dann, das Leben h\u00e4uft und stapelt sich vor allem nach seiner eigenen Fa\u00e7on, aber so muss es ja auch. Mich gruseln Menschen ja dann doch, die immer alles so ganz genau wissen, die alles ablegen und vermerkt haben. Sowieso &#8218;vermerkt&#8216;, das Wort allein ist schon so ein Grund sich kurz zu sch\u00fctteln, als habe man sich beim eigentlichen Erinnern vertan. Am Abend soll es Regen geben, aber der kommt nicht. Stattdessen die goldenen Laternen vor dem Dunkelblau der Stadt. In der Berthastra\u00dfe fragt mich jemand nach dem Weg. Somehow, anyhow.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Hafen Enge gibt es diesen Streifen aus Beton im Wasser, den man \u00fcber den kleinen Steg erreichen kann, vermutlich sch\u00fctzt er die dort liegenden Boote vor den Wellen der gr\u00f6\u00dferen Schiffe. 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