{"id":4739,"date":"2014-06-19T10:59:37","date_gmt":"2014-06-19T09:59:37","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=4739"},"modified":"2014-06-19T11:09:15","modified_gmt":"2014-06-19T10:09:15","slug":"zurich-iv","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/zurich-iv\/","title":{"rendered":"Z\u00fcrich IV"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6364386339396163.jpg\" alt=\"Limmat\" \/><\/p>\n<p>So sehr wie nie die Zeiten genie\u00dfen, in denen nicht geredet werden muss. Z\u00fcrich dabei als Ort, an dem es mir mit am leichtesten f\u00e4llt, weil der Tag nur mir geh\u00f6rt und es keinen Plan gibt und keine Liste, nur ein Bauchgef\u00fchl und wohin die F\u00fc\u00dfe tragen (wollen). Und die Abende sind gef\u00fcllt mit Menschen, mit denen man nicht reden muss, aber kann, mit denen auch Stille wie ein gutes Gespr\u00e4ch ist und beides nahtlos ineinander \u00fcbergeht. Wenn man aus Jahren kommt, in denen man den Tag mit Kommunikation verbracht hat, schriftlich und gesprochen und beinahe auch getanzt, musst man erst wieder lernen, tagelang die Klappe zu halten, lernen das eigene Bed\u00fcrfnis zu erkennen und milde mit ihm zu sein, den L\u00e4rm aussperren, um den eigenen K\u00f6rper wieder h\u00f6ren zu k\u00f6nnen, nicht nur das Ticken des Kopfes sondern zum Beispiel, wann Hunger wirklich Hunger ist und wann Durst beginnt und wie weit man noch kann und wie weit man noch will und schlafen, einfach wenn man m\u00fcde ist und wach sein, wenn man wach ist, alles ohne Zwang und endlich einmal umgedreht, nicht nur Ver\u00e4u\u00dferung sondern vor allem Verinnerlichung. <\/p>\n<p>Und dabei hilft, dass man hier die Gespr\u00e4che nur versteht, wenn man sie verstehen will, dass es leichter f\u00e4llt als daheim, abzuschalten, Stimmen nur noch als Rauschen wahrzunehmen, und trotzdem offen zu sein f\u00fcr jedes charmante Wort, das manchmal herausf\u00e4llt. Nuancen sind hier etwas Gutes und nicht schwer. Wie der Dunst, der gestern zum ersten Mal seit den Besuchen hier \u00fcber den Bergen hing. In der Sihlfeldstra\u00dfe pl\u00f6tzlich die hohen Gew\u00e4chse neben der klassischen Baumbepflanzung bemerken, die hat der Maggi ges\u00e4t, Borretsch erkenne ich, den habe ich nachgeschlagen, Wegwarte auch, die sehen ja fast aus wie Kornblumen, meine liebsten als Kind. Wenn man wei\u00df, was Sauerampfer ist, sieht man ihn auch pl\u00f6tzlich \u00fcberall, an den langen Holztischen mit den roten Beinen sitzt am Nachmittag noch niemand, prachtvolle Stengel bl\u00fchen jetzt in Lila und Pink und Beige mit roten R\u00e4ndern, beinahe gr\u00f6\u00dfer als wir. Fr\u00fcher verlief hier die Autobahn. Jetzt springen Kinder in den Brunnen am Bullingerplatz, vor der Apotheke steht ein Minikicker mit einem Schild. Den Ball zum Spielen k\u00f6nne man sich im Laden abholen. Sie haben einen Schirm aufgestellt gegen die Sonne. <\/p>\n<p>Dann die zwei in dem Boot, Weidling genannt (auch das schlage ich nach sp\u00e4ter), wie sie sich flu\u00dfaufw\u00e4rts k\u00e4mpfen, die Knie in Schoner gepackt stemmen sie sich zu zweit gegen den Steckling, der aussieht wie eine Holzgabel und mit dem sie das Boot schieben und lenken. Zwei grauhaarige M\u00e4nner, vier Arme, die Str\u00f6mung. Das Wasser ist flach, man sieht bis auf den Grund, mit den Bojen haben sie eine Strecke abgesteckt, es kommt nicht so richtig in fl\u00fcssige Bewegung, was sie da tun, sie k\u00e4mpfen und m\u00fchen sich und lachen, die Kurven m\u00fcssen sie noch \u00fcben. Immer wieder bleiben Menschen am Ufer stehen und schauen ihnen zu, die Hand an der Stirn gegen die Sonne oder auch nur das Licht, wenn man schaut, steht man gerne so, dann sehen auch die anderen, dass man schaut und vielleicht nicht gest\u00f6rt werden will dabei. \u00dcberall fliegende K\u00e4fer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So sehr wie nie die Zeiten genie\u00dfen, in denen nicht geredet werden muss. Z\u00fcrich dabei als Ort, an dem es mir mit am leichtesten f\u00e4llt, weil der Tag nur mir geh\u00f6rt und es keinen Plan gibt und keine Liste, nur ein Bauchgef\u00fchl und wohin die F\u00fc\u00dfe tragen (wollen). 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