{"id":3553,"date":"2012-07-23T10:56:49","date_gmt":"2012-07-23T09:56:49","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=3553"},"modified":"2014-11-20T23:41:20","modified_gmt":"2014-11-20T22:41:20","slug":"lerchenkopf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/lerchenkopf\/","title":{"rendered":"Lerchenkopf"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6238386537666561.jpg\" alt=\"Pugs\" \/><\/p>\n<p>Die Verhedderung an sich ist unumg\u00e4nglich. Ich kenne niemanden, der es schafft, sein Leben so zu f\u00fchren, dass alles unwiederbringlich Sinn macht, dass es keinen Zweifel gibt und keine Verbrennung. Einige kenne ich jedoch, die z\u00f6gern so sehr, dass sie nat\u00fcrlich auf der einen Seite alles in Ordnung bringen k\u00f6nnen, die b\u00fcgeln und legen und ordnen und schmei\u00dfen weg und recherchieren, bevor sie etwas Neues in ihr Leben lassen, die wissen auch immer genau, wo was liegt und was in welcher Schublade vorhanden ist, manchmal vermute ich, diese Menschen kennen auch die genaue Anzahl der Haare auf ihrem Kopf an jedem Morgen und legen jene, die sie \u00fcber Nacht verloren haben, in Reih und Glied auf den Nachttisch, um sie sp\u00e4ter abzuheften. Keine Sorge, ich habe nichts gegen gesunde Skepsis, ich gebe gerne auch etwas von meiner ab hier und da, ich habe reichlich davon, aber solche, die nur tasten und jedes Mal zucken, wenn es knallt, machen mir Angst, weil ich insgeheim glaube, dass sie schon viel \u00e4lter sind, als sie zugeben, bei dem Weg, den sie in dieser geringen Geschwindigkeit zur\u00fcckgelegt haben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Verhedderung machte ich mir fr\u00fcher zum Spiel, wenn ich mit meinem Gro\u00dfvater in den Garten fuhr, in einem dieser Abteile sitzend, deren Polster mit rotem Kunstleder bezogen waren. Nur durch Armlehnen waren die einzelnen Pl\u00e4tze von einander getrennt. Klappte man die Lehnen aber nach oben, konnte ich mich ohne Probleme l\u00e4ngs legen und den B\u00e4umen und Masten und Wolken beim Vor\u00fcberzischen zusehen. Mein Gro\u00dfvater trug manchmal Schnur in seinem Rucksack mit, er hatte eh immer Allerlei dabei, denn niemand wusste, ob wir nicht unterwegs eventuell verloren gehen w\u00fcrden, da br\u00e4uchte man auf jeden Fall Schnur und drei Sorten Unterlegscheibchen, ein Taschenmesser, einen Schraubenzieher, Briefmarken und auch etwas zu Essen. Manchmal schnappte ich mir das Kn\u00e4uel Schnur und machte wahllos Knoten hinein, ich verwirrte den Faden bis zum letzten Zentimeter, nur um mich dann daran zu machen, alles wieder in Ordnung zu bringen. Mein Opa sch\u00fcttelte den Kopf, ich jedoch konnte mir teilweise keine sch\u00f6nere Besch\u00e4ftigung vorstellen, als alles wieder fein s\u00e4uberlich aufzuwickeln, auch wenn ich in den anderen Teilen meines Lebens nicht zu solcher Ordnung neigte. Fragen Sie meinen Gro\u00dfvater, wenn Sie ihn mal treffen, er wird Ihnen von den Fotos meines Kinderzimmers erz\u00e4hlen, auf denen kein Weg zum Bett zu erkennen war. In Handschrift hatte ich jedoch immer eine Eins. <\/p>\n<p>Die Verhedderung erzieht mich. Sie zwingt mich, auszuatmen, langsam zu machen, mich zu erinnern, was ich eigentlich wollte und ob das hier immer noch der richtige Weg ist. Manchmal ist sie dabei nicht besonders sanft, die Verhedderung, was hin und wieder auch mit meinem \u00dcbermut oder zu gro\u00dfen Schritten zu tun haben kann, es hilft jedoch, sich dann Eis auf die Knie zu legen und irgendwo einfach anzufangen. Es ist nicht so, dass ich mir jede Woche ein neues System \u00fcberlegen muss, aber vielleicht alle zwei Jahre. Als w\u00fcrde sich der Pullover nach und nach aufribbeln und irgendwann merkt man, dass es zieht an den Seiten. Meistens kommt es ganz langsam, der Druck nimmt nach und nach zu und f\u00e4llt dann irgendwann in einem Faden aus meiner Hosentasche, weil der Platz nicht mehr ausreicht. Ich merke das, wenn mir im Bus Menschen auf die H\u00e4nde sehen, weil meine Finger pl\u00f6tzlich von mir unbemerkt die leisen Bewegungen nachahmen, die fr\u00fcher im Zug immer geholfen haben. Etwas wird sich \u00e4ndern, oder hat sich vielleicht schon, der Blick, die Sprache, der Grund. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verhedderung an sich ist unumg\u00e4nglich. Ich kenne niemanden, der es schafft, sein Leben so zu f\u00fchren, dass alles unwiederbringlich Sinn macht, dass es keinen Zweifel gibt und keine Verbrennung. 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