{"id":3448,"date":"2012-04-23T21:05:07","date_gmt":"2012-04-23T20:05:07","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=3448"},"modified":"2015-09-14T21:51:15","modified_gmt":"2015-09-14T20:51:15","slug":"wirst-du-erwachsen-wenn-du-verlierst-oder-kommst-du-zuruck-zu-dem-kind-das-du-warst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wirst-du-erwachsen-wenn-du-verlierst-oder-kommst-du-zuruck-zu-dem-kind-das-du-warst\/","title":{"rendered":"Wirst du erwachsen, wenn du verlierst, oder kommst du zur\u00fcck zu dem Kind, das du warst?"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6365646362663562.jpg\" alt=\"Malm\u00f6\" \/><\/p>\n<p>Wenn jemand stirbt, sucht man meistens nach den richtigen Worten. Weil man denkt, immer wenn es Irritationen gibt, m\u00fcsse man etwas sagen. Wir sind das gew\u00f6hnt, also dass man etwas sagen muss in den meisten F\u00e4llen. Wobei ich glaube, im Verlust ist es am wichtigsten, f\u00fcr einen Moment wortlos und einfach nur zu sein, zu sp\u00fcren, was fehlt, zu sehen, dass es ein Loch gibt, einen Krater und Nebel. Wenn einem jemand davon stirbt, wenn jemand unwiderruflich geht, kann man oft nicht sprechen, wenn es einem selbst passiert, man kann nur schauen und f\u00fchlen und manchmal schreien, aber das sind keine Worte. Im Verlust steckt die ureigene Existenz, weil ja immer noch etwas \u00fcbrig bleibt, n\u00e4mlich man selbst, und manchmal auch noch etwas vom anderen, vor allem aber man selbst und nur das.<\/p>\n<p>Und wenn man sieht, wie jemand verliert, einen Verlust durchmacht, denkt man immer, es g\u00e4be etwas zu sagen, man sp\u00fcrt einen Druck und ein Pflichtgef\u00fchl, man denkt, es g\u00e4be eine Hilfe, die per Wort zu geben w\u00e4re, ja, man hofft sogar, dass Worte etwas besser machen k\u00f6nnen, weil man in der Beobachtung so hilflos ist, weil man es so schlecht aush\u00e4lt, jemanden leiden zu sehen. Am Ende dient das Wort des Beobachters zuallererst auch der eigenen Erleichterung, denn die Schwierigkeit besteht im Grunde darin, zu schweigen. Auszuhalten, dass man sieht, wie sich jemand qu\u00e4lt und leidet und vermisst und Schmerzen hat, auszuhalten, dass es keine Hilfe gibt au\u00dfer da zu sein und abzuwarten und hier und da zu funktionieren ohne etwas in Frage zu stellen. <\/p>\n<p>Im direkten Verlust gibt es keinen Verstand und keine Logik, es gibt keine Vorstellung davon, wie sich die n\u00e4chste Minute anf\u00fchlen wird und die danach und die danach. Es gibt ein Entsetzen dar\u00fcber, wie die Welt einfach weitermacht, wie der ganze Rest nichts vermutet von dem, was einem gerade passiert, und pl\u00f6tzlich gibt es ein Unverm\u00f6gen teilzunehmen, wie man es vor dem Verlust getan hat. Dazu gibt es eine Ahnung davon, dass dies eines der Gef\u00fchle ist und diese Tage eine Zeit, an die man sich noch lange erinnern wird. Im unmittelbaren Verlust wird die Ver\u00e4nderung sp\u00fcrbar, denn mit einem passiert etwas, direkt danach wei\u00df man, dass man von nun an Farben anders sieht und Musik anders h\u00f6rt und man bemerkt die klebrigen Erinnerungen, die von nun an grell flimmern. <\/p>\n<p>Es wird eine Weile dauern, sich daran zu gew\u00f6hnen. Das Flackern wird nachlassen, aber das wei\u00df man noch nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn jemand stirbt, sucht man meistens nach den richtigen Worten. Weil man denkt, immer wenn es Irritationen gibt, m\u00fcsse man etwas sagen. Wir sind das gew\u00f6hnt, also dass man etwas sagen muss in den meisten F\u00e4llen. Wobei ich glaube, im Verlust ist es am wichtigsten, f\u00fcr einen Moment wortlos und einfach nur zu sein, zu [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3448"}],"collection":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3448"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3448\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5361,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3448\/revisions\/5361"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3448"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3448"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3448"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}