{"id":3254,"date":"2011-11-02T19:49:03","date_gmt":"2011-11-02T18:49:03","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=3254"},"modified":"2014-11-20T22:12:33","modified_gmt":"2014-11-20T21:12:33","slug":"insular","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/insular\/","title":{"rendered":"Insular"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3766653338366461.jpg\" alt=\"Island\" \/><\/p>\n<p>Ich konnte gar nicht genau sagen, was es war, aber es fiel mir auf. Ich behielt es f\u00fcr mich und schob es anfangs auf meinen Status als Neuling, Tourist, Besucher, auf meine Nichtahnung. (Es ist ja oft schwer, sich zu entscheiden, ob das nun ein Bauchgef\u00fchl oder eine Unsicherheit ist, man sollte es dann einfach noch ein bisschen liegen lassen und sich nichts anmerken lassen, bis zu dem Punkt, an dem ein Unterschied zwischen beiden sichtbar wird.) Wir schoben uns durch die Stra\u00dfen von Reykjav\u00c3\u00adk, ich war zu d\u00fcnn angezogen und merkte es nicht, die D\u00e4mmerung schlich hinter uns her und wenn man den Kopf hob, sah man die schmale Stra\u00dfe, ein bisschen Asphalt, blaues Wasser und rosa Berge. Als h\u00e4tte man so ein Aufklappbuch vor sich, aus dem sich Geschichten aus Pappe erheben, wenn man es \u00f6ffnet.<\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6264636166633339.jpg\" alt=\"Island 2\" \/><\/p>\n<p>Ein zwei Tage sp\u00e4ter, wir sa\u00dfen in der hinteren Ecke des &#8222;Hemmi og Valdi&#8220; kam es zur\u00fcck und setzte sich neben meinen Becher mit hei\u00dfer Schokolade, w\u00e4hrend wir zugereisten Norwegern beim Brettspiel zusahen. Sie haben einen zweigeteilten Blick, die Isl\u00e4nder. Als s\u00e4he das eine Auge hierhin und das andere Auge dorthin, wobei hierhin und dorthin w\u00f6rtlicher zu nehmen sind, als man glaubt. Sie sehen aus, als h\u00e4tten sie sich abgefunden, sie tragen ihre Kinder umher, ziehen ihnen die Jacken aus und wieder an, sie bleiben auf der Stra\u00dfe stehen, weil sie jemanden treffen, den sie kennen, sie gr\u00fc\u00dfen sich \u00fcber Autos und Menschen hinweg, sie sitzen und trinken und gr\u00fc\u00dfen wieder andere Menschen, und sie sehen sich um. Sie sehen sich immer wieder um, als k\u00f6nnten sie etwas oder jemanden verpassen, sie schauen oft weiter weg, was nicht hei\u00dft, dass sie einem nicht in die Augen sehen, wenn sie mit einem sprechen. Zwischendurch aber rutscht ihnen der Blick immer in die Runde, aus dem Fenster, auf den Horizont oder auf das, was keinen Namen hat. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/6135636364636464.jpg\" alt=\"Island Shore\" \/><\/p>\n<p>Sitzt in dem einen Auge also das Heimatgef\u00fchl, die Verbundenheit zu einem Ort, den man seit Jahren kennt, der abgeschlossen ist von vielem anderen und umgeben von Bergen und Ozean, sitzt in dem anderen Auge vielleicht eine Sehnsucht, von der man nicht wei\u00df, auf was genau sie sich bezieht. Wobei doch jeder wei\u00df, dass man nicht unbedingt mit den Hufen scharren muss, um sich etwas anderes zu w\u00fcnschen als das, was man hat. Und Flo sagt, sie h\u00e4tten sich darauf eingestellt, auf das Verlassen werden von den Menschen, die sie hier besuchen kommen. Wenn sie selbst nicht weggehen (denn es macht ja einen Unterschied, ob man sich in ein Auto setzen und in eine gr\u00f6\u00dfere Stadt fahren kann, in der man einiges erlebt, oder ob man daf\u00fcr ein Flugzeug und viel Geld braucht), bekommen sie mit, wie andere ihr Zuhause als touristische Attraktion besuchen, als Durchlauferhitzer, Rastst\u00e4tte und Auszeit. Die Isl\u00e4nder wissen, dass diese Menschen nicht allzu lange bleiben, die Zeit der meisten ist begrenzt, weil man es doch irgendwie gelernt haben muss, dieses Leben auf einer Insel, wo es nicht mehr als 300.000 Menschen gibt, von denen die H\u00e4lfte in der Hauptstadt lebt, die das fl\u00e4chendeckendste ist, was die Insel an Zivilisation und menschlichem Abgleich zu bieten hat und in der man dennoch alles bequem per Fu\u00df erreicht. Sie wissen mit Abschieden umzugehen und h\u00e4ngen ihr Herz meistens nicht an Dinge, deren ausladende Bewegung sie kennen. <\/p>\n<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3237366636333634.jpg\" alt=\"Island Valley\" \/><\/p>\n<p>Manchmal habe ich geglaubt, ihnen das anzusehen. Wenn sie einen mustern und ein paar Fragen stellen, wenn sie sich dann wieder ihren eigenen Menschen zuwenden. Sie sind sehr freundlich dabei und lustig. Aber man sagt, sie w\u00fcrden einen vergessen manchmal. Was nicht mehr im Blickfeld schwirrt, existiert beinahe nicht mehr, sie konzentrieren sich auf das, was bleibt. Wie Schiffe, die den Hafen verlassen und an deren Glanz man sich erst wieder erinnert, wenn sie zur\u00fcckkommen. Weil man ja auch nicht den ganzen Tag am Ufer stehen kann und warten. Und vielleicht kann man es ja auch nur so machen, vielleicht geht es nur so. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich konnte gar nicht genau sagen, was es war, aber es fiel mir auf. Ich behielt es f\u00fcr mich und schob es anfangs auf meinen Status als Neuling, Tourist, Besucher, auf meine Nichtahnung. 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