{"id":2890,"date":"2011-04-04T23:06:43","date_gmt":"2011-04-04T22:06:43","guid":{"rendered":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/?p=2890"},"modified":"2015-11-16T17:31:46","modified_gmt":"2015-11-16T16:31:46","slug":"keine-antwort-weil-ich-denk-dass-das-keine-frage-ist","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/mevme.com\/lizblog\/keine-antwort-weil-ich-denk-dass-das-keine-frage-ist\/","title":{"rendered":"&#8222;Keine Antwort, weil ich denk, dass das keine Frage ist.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img src=\"http:\/\/foto.arcor-online.net\/palb\/alben\/73\/763473\/3666386561336630.jpg\" alt=\"Stadtpark K\u00f6ln\" \/><\/p>\n<p>Wenn man da sitzt und hofft, dass diese Geschichte mit der Zeit und dem Besserwerden ein bisschen Bestand hat, wenn man da sitzt und Getr\u00e4nke in sich hinein sch\u00fcttet, weil man meint, das k\u00f6nne ein bisschen etwas beschleunigen, raus sp\u00fclen, und wenn einem die Zeit noch gegen\u00fcber sitzt und einen anglotzt, ist es schwer. Es ist nicht nur schwierig, es ist wirklich schwer, weil es eben schwer f\u00e4llt, jemandem gegen\u00fcber zu sitzen und nichts sagen zu k\u00f6nnen, weil es keine leichte Sache ist, jemanden anzusehen, der etwas mit einem gemacht hat, eine Ver\u00e4nderung, und darauf zu warten, dass er sich r\u00fchrt oder geht oder spricht oder das noch einmal tut vielleicht. Und dann sitzt man und legt die Fingerspitzen auf den Goldrand des Tisches, weil er so kalt ist und der Rest so warm, der ganze Rest so sehr durchblutet, dass man es puckern sieht unter der Haut, dieses kleine Auf und Ab, das so stetig ist und doch kaum gro\u00df genug, um Schatten zu werfen. Gleichzeitig wird so viel Energie frei in diesen Adern, dass man jeden Moment das Gef\u00fchl hat auseinander zu fallen, nicht standhalten zu k\u00f6nnen und \u00fcberzulaufen, vielleicht hier und da aufzuplatzen. Wenn die Dinge sich selbst eine neue Form geben, wenn sich etwas mit einer gewissen Lautst\u00e4rke und Geschwindigkeit ver\u00e4ndert, hat man oft das Gef\u00fchl, dass dasselbe mit dem eigenen K\u00f6rper passieren m\u00fcsste, der eigenen Form, dem Gesicht und den H\u00e4nden, das kann doch nicht alles einfach so bleiben, da passiert doch soviel, das muss doch mitmachen. <\/p>\n<p>Aber man sitzt da und die Grenze, die die Haut zieht, bleibt immer dieselbe, auch wenn sie hier und da blutet, das passiert, im Grunde aber nur kleine Banalit\u00e4ten, Schorf ist auch eine gute Besch\u00e4ftigung. Und die eigene Masse hinter der Haut bleibt dieselbe, obwohl sie sich ganz sch\u00f6n herumwirft, einmal durchwalkt, es scheint, als w\u00fcrde man sich selbst, w\u00e4hrend man da sitzt und der Zeit versucht in die Augen zu sehen, von innen umgraben, das Ger\u00e4usch ist wirklich ein \u00e4hnliches, die angetrockneten Stellen brechen auf und darunter ist alles ein bisschen dunkler. Man f\u00f6rdert Dinge zu Tage, die man lange nicht gesehen hat, die Krusten vermischen sich mit anderen Schichten und Farben, da kommen auch gl\u00e4nzende Dinge hoch, Fl\u00e4chen, in denen sich Licht spiegelt oder Kn\u00f6pfe einer Jacke. Hin und wieder beult eine Stelle, das passiert, wenn etwas gro\u00dfe Wellen schl\u00e4gt, wenn es keine klar vorgegebene Richtung gibt sondern erst einmal nur ins Wasser gehauen wird mit einer flachen Hand oder der einen\/anderen Faust.<\/p>\n<p>Man kann die Zeit nicht die ganze Zeit anstarren, auch wenn man meint, davon ginge sie vielleicht eher vorbei, das w\u00fcrde ihr irgendwann unangenehm, unser Blick, irgendwann rutscht er einem ab, weil Augenlider m\u00fcde werden, weil wir m\u00fcde sind schon und weil man nicht ewig so tun kann, als h\u00e4tte man sonst nichts zu tun als die Augenbrauen anzuspannen, festzuhalten, zu schlucken. Und dann beginnen wir irgendwann damit herum zu schauen, verlagern das Gewicht, die Gewichte, irgendwann halten wir die Abwehrstellung nicht mehr durch und gehen in Schonhaltung \u00fcber, das sind die Stunden, die man so verbringt, da passiert eine ganze Menge, auch wenn sie sich augenscheinlich keinen Zentimeter bewegt, die Zeit, und wie angeklebt in ihrem Stuhl h\u00e4ngt und immer noch schei\u00dfe und riesig aussieht und viel zu gro\u00df und zu breit, viel zu sicher und &#8211;<\/p>\n<p>Nach der Schonhaltung kommt der leise R\u00fcckzug, das ist dann, wenn wir die Dinge nach und nach kleiner werden sehen, noch nicht die \u00e4u\u00dferen, aber die in uns, nicht die Gr\u00fcnde f\u00fcr die gro\u00dfen Gef\u00fchle, nicht die gro\u00dfen Gef\u00fchle selbst, aber die Unordnung, das Chaos und all diese verbr\u00fcderten Umst\u00e4nde, in denen sich die gro\u00dfen Gef\u00fchle verheddern, mit denen sie sich verkleiden, weil das manchmal besser wirkt und besser aussieht, Eindruck schindet. Das ist keine Kapitulation sondern eine Entscheidung, die du nur f\u00fcr dich triffst ohne es zu merken, eine Bagatelle aus Selbstschutz, f\u00fcr die du sp\u00e4ter sehr dankbar sein wirst. Und wenn du deine Dinge langsam packst, die Gesten, das Schluchzen, all das, wor\u00fcber jemand stolpern k\u00f6nnte, wenn er sich dir n\u00e4hert, wenn du das zusammen r\u00e4umst, hast du zu tun, benutzt deine H\u00e4nde mal wieder so, dass sie die Chance haben sich abzuk\u00fchlen. Sachen verr\u00fccken und saubermachen und neu anordnen, auch au\u00dfen und um dich herum, als Verhaltenstherapie, die die Bewegung als solches in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Du beginnst wieder, dich einzusetzen, die Richtungen auszusch\u00f6pfen, nach und nach immer mehr. <\/p>\n<p>Manchmal passiert es hier schon, dass die Zeit unruhig wird, wenn sie sieht, wie du sie nicht mehr die ganze Zeit betrachtest, sie rutscht und fummelt sich an den R\u00e4ndern ihrer Kleidung herum, mitunter steht sie kurz auf, um sich gleich danach wieder zu setzen, du schaust kurz auf und bist dir sicher, sie hat sich nicht ger\u00fchrt, alles beim Alten, und machst weiter. Und wenn du dich dann sortiert hast, lehnst du dich zur\u00fcck. Du hast nichts mehr zu verlieren, das ist alles drau\u00dfen, alles auf dem Tisch, soll sie doch sehen, was sie damit macht, diese Diva, mehr gibt es nicht, das bist du, das ist alles, was du zu geben hast, man kann das jetzt nehmen und gehen oder anschauen und in die Hand nehmen, man kann es liegen lassen und sich irgendwann daran erinnern. Wenn du dann einen Moment das alles noch einmal anguckst, was da vor dir liegt zwischen den goldenen Tischr\u00e4ndern, das eine hier, das andere dort, die F\u00e4den entwirrt und sorgsam nebeneinander aufgereiht, und dann den Blick hebst, dann passiert es, dass sie in der Zwischenzeit aufgestanden, zur Garderobe gelaufen und mit ihrer Jacke im Arm zur T\u00fcr raus ist. Das ist der gute Moment. Indem du dich entscheidest, einfach sitzen zu bleiben. Nicht aus Erwartung, nicht aus Beweis sondern einfach, weil es gerade so angenehm ruhig ist. Kein Starkwind, die K\u00fcstennebelfelder abnehmend. Bleib so.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"YouTube video player\" width=\"600\" height=\"368\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/2psTO8EurH0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man da sitzt und hofft, dass diese Geschichte mit der Zeit und dem Besserwerden ein bisschen Bestand hat, wenn man da sitzt und Getr\u00e4nke in sich hinein sch\u00fcttet, weil man meint, das k\u00f6nne ein bisschen etwas beschleunigen, raus sp\u00fclen, und wenn einem die Zeit noch gegen\u00fcber sitzt und einen anglotzt, ist es schwer. 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