“Wir klammern uns an diese Insel, obwohl sie immer kleiner wird.”

Die Stimmung auf der PopUp 08 teilweise verhalten, teilweise müde, zwischendurch kleine Euphorien. Und auch die Panels blieben wie der Rest mit offenen Augen stehen und ohne Lösung zurück. Durfte man mehr erwarten? Die PopUp hat weiterhin einen Platz in den Herzen der meisten, dennoch regte sich dieses Jahr Unmut an den Tisch draußen, zwischen den Zigaretten im Hof. Zweifel dazwischen gestreut. Der Umgang mit manchen Anwärtern im Vorfeld sei ein seltsamer gewesen, man habe teilweise nicht einmal eine Antwort auf eine Anfrage hin bekommen, vorher als Instanzen gesehene Labels oder Magazine erschienen gar nicht.
Der eine und die anderen sagten, das Gespräch sei nur schwer in Gang gekommen zwischen den einzelnen Ständen. Ja, man kenne sich. Ja, man habe das gleiche Problem. Ja, man habe keine Lösung dafür. Also Augen zu und durch? Oder Augen auf und einen anderen Weg suchen? Wie kann dieser aussehen? Ich glaube, noch sind alle damit beschäftigt, die notwendige Kosten-Nutzen-Analyse fertigzustellen, die Grenzen auszuloten, Vakanzen auszumachen, sich umzuschauen, zu retten, was zu retten ist. Denn wer kämpft, hat oft nicht Zeit und Muße, kreative Lösungen auszuprobieren, ein bisschen herum zu experimentieren, es geht ja doch immer um Leben und Existenzen, um Herzblut und Pulsschlag.
Aber in den Foren versuchte man ein bisschen zu skizzieren, wie der Ist-Stand ist und was sich daraus entwickeln kann. Niemand traut sich wirklich an Prognosen, alle reden von Wünschen, aber ein paar vage Schritte werden unternommen. Die Filterfunktion dürfe nicht verloren gehen, in einem Wust aus Musik und Angebot steht der zwischenmenschliche Kontakt, das Vertrauen, das Gespräch (egal, auf welcher Ebene) noch im Vordergrund, die Relevanzfrage von Neuem wird über das persönliche Verhältnis geklärt. Die Kontextualisierung spielt immer eine Rolle. Dazu kommt die Frage der Rechte und Lizenzen, Musik in Deutschland legal hörbar zu machen, ist teuer. Der Streit und das Unbehagen regt sich bei der Frage der Nischen im Internet, an dem kein Weg mehr vorbei führt, bei der Frage nach der Verästelung und wie man die Strecke bewältigt, ob man die großen Portale bedient, weil sie alle bedienen und alle dort sind oder ob man sich woanders das Nischenpublikum sucht, der mittlerweile kommerzialisierte Nerd macht ja doch alles mit.

Wir reden über Konvergenzen und Qualität, über Vertrauen und Geld, über Ent- und Aufwertung von Musik und MusikerInnen. Wo beginnt der Kontakt zum Publikum? Wer ist Konsument, Forscher oder Trüffelschwein - und wie erreicht man den Rest? Wie wiegt man die Kontinuität auf, die sich Majors zum Beispiel in Bezug auf die Lieferung von Content und Profilpflege leisten können? Wie macht man es anders? Braucht die Indie-Musikszene einen Arschtritt, eine Wiedergeburt? Geht sie einmal durch die Zauberkugel oder putzt sie sich nur eben die Nase? Und wer hat keine Angst um seinen Arsch?
Bei der Kommunikation auf allen Kanälen, bei dem ganzen Rauschen und Flirren glaube ich, dass es wichtig ist, wenigstens auf solchen Messen miteinander zu reden. Aber auch hier standen viel zu oft die Leute einfach nur nebeneinander rum, fönten sich zurecht, sahen natürlich gut aus, konnten sich natürlich gut bewegen, lieferten großartige Musik und Bands - aber der Blick blieb derselbe, ein bisschen musternd, abschätzend, irgendwie festgefahren, mit einer hochgezogenen Braue.
Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Mai 2008 um genau 20:43 Uhr.
Kategorie : Kultur
2 Kommentare Kommentar hinzufügen
1. bemme51 | 27. Mai 2008 um 22:39
habe manchmal das gefühl das da so ein typisch deutsches gen mitbestimmt sich in dieser nach aussen hin lethargisch wirkenden starre zu präsentieren. einfach zu wenig mut. auf beiden seiten der bühnenkante.
irgendwie isses schwer, bands oder künstler zu finden die unbeschwert auch mal nen fetten fehler riskieren - rotzigkeit wird nur noch musikalisch gelebt. rock’n'roll-attidude wirkt zu oft wie ausm handbuch gelebt. diese lethargie erinnert mich an die deutsche filmszene vor ein paar jahren - sicherlich nicht ohne chancen, aber auf nen gewissen niveau ausharrend.
muss ja nich gleich heissen sich selbst ausm nest zu schubsen, aber ein bisschen was riskieren und investieren wirkt manchmal wunder.
kunst war noch nie ne sichere bank.
2. airsickness bag » B&hellip | 7. Juni 2008 um 21:08
[…] der Musik und Liz’ aus der Kategorie “Macht-alles-was-mit-Medien-zu-tun-hat” zu eigentlich allem inklusive Foto von uns. Fast schon […]
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