Wie Urlaub vielleicht

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Irgendwie liegt in mehreren Blogs grad so ein Heimatduft in der Luft. Die höheren Semester besinnen sich auf ihre Wurzeln, beschimpfen den momentanen Standort und blicken ein bisschen zurück. A weng rappeln, a weng poltern, aber zumindest wird mal ordentlich in der Herkunftstrommel gerührt und am Ende sind alle ein bisschen melancholisch. Ich lese so Texte ja immer wahnsinnig gern.

Weil ich immer noch da bin, wo ich herkomm. Weil ich nicht weiß, wie das ist, wenn man “zu seinen Eltern fährt”. Weil ich zuhause kein Zimmer mehr habe, in das ich einkehren und mich wieder wie zwölf fühlen kann. Weil mein heimatlicher Berg nur ein Hügel ist und noch vor meiner Nase steht. Ich muss zwar auch fahren, um auf den Spielplätzen und Ferienzielen meiner Kindheit anzukommen, aber da steht kein Haus, in das ich schon gestiefelt bin, als ich noch nicht einmal richtig laufen konnte. Ich muss meine Fotoalben immer mitnehmen, weil ich einmal damit angefangen habe, nichts daheim zu lassen. Und dann ist daheim auch umgezogen und so kam es, dass dieser kleine Balkon in Mitte nun nicht mehr so grün ist, wie er immer war. Dass es plötzlich Bäume in dieser Straße gibt. Dass die Mauer seit gefühlten hundert Jahren schon weg ist und die Touristen immer noch kommen, um die Reste an der Bernauer Straße und in den herumliegenden Köpfen zu begaffen.

Berlin und ich, wir sind zusammen, seit ich denken kann. Wir sind miteinander aufgewachsen, haben uns an die Hand genommen, uns aneinander gewöhnt, uns angebrüllt und zeitweilig so sehr gehasst, dass wir den jeweils anderen verfluchten und hoffte, wir würden uns nie wiedersehen. Aber wir sind uns auch nah gewesen. So nah, dass wir immer wieder zurückgekehrt sind, uns nie wirklich aufgegeben haben. Wir kennen einander. Wir wissen, wann der andere besser den Mund zu und wann die Arme aufhält. Ich habe keine Ahnung davon, wie es ist, wenn man sich getrennt hat nach all den Eintönigkeiten und den wilden Jahren, nach den Veränderungen und den neuen Lieben. Das ging immer irgendwie Hand in Hand, das lief immer parallel und hautnah. Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, nach Jahren zurückzukommen, mit freier Zeit im Rücken und ohne Alltag, der einem an der Backe klebt. Ich weiß nicht, wie man sich dann ansieht, denn das mit uns ist noch lange nicht vorbei.