Wetterbericht

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Immer wenn es auf Untertassen regnet, speziell auf meine eigene, weiß ich, dass du keine fünf Meter entfernt bist. Wir nehmen die kleinen Tassen, die du von deiner Großmutter väterlicherseits geerbt hast, die mit den kleinen roten Kringeln am Henkel und dem Goldrand, die nie zu den Farben meiner Nägel passen, nie zu meinem Kleid oder meinen Schuhen, nie zu Lidschatten oder Lippenstift, nie zu meinen Wangen oder Haaren oder Augen, nie zu meinem Ausschnitt und eigentlich sind sie auch zu klein für deine großen Hände, für meine passen sie an sich ganz gut, aber wenn man das mit den Farben nicht stimmt, dann kann der Rest auch nicht wirklich gut aussehen. Du legst dann immer das Tischtuch auf, das hast du von deiner Tante mütterlicherseits, die noch nicht gestorben ist so wie die Großmutter, aber du sagst, es könne sein, dass sie große Angst hat davor und vor allem aber vor der Möglichkeit, jemandem danach noch zur Last zur fallen, und so verteilt sie schon jetzt ihr ganzes Hab und Gut. Du hast eine Tischdecke, einen kleinen Porzellanelefanten, zwei Teekannen und einen Umschlag mit Geld und Briefmarken bekommen. Von den Briefmarken schickst du ihr Postkarten und sie weint jedes Mal, wenn ihr telefoniert. Auf der Tischdecke sind Veilchen. Sie sehen aus wie drauf gestreut und als ich die Decke das erste Mal sah, war ich so entzückt von ihr, dass ich dachte, du hättest eine Freundin. Das ist bestimmt ihre, dachte ich. Und fragte mich sofort, ob es richtig sei, dass wir aus den Tassen deiner Großmutter mit dieser Tischdecke vor uns Kaffee trinken, aber wir beließen es dabei. Wir belassen es seit Jahren dabei und jedes Mal reden wir nicht viel, denn es regnet ja draußen und man müsste immer ein bisschen lauter reden, um sich wirklich gut zu verstehen. Und wir beide sind nicht die Typen mit den lauten Stimmen. Es gibt also immer mehr zu sagen, wenn es nieselt. Und nichts, wenn es stürmt.