We appreciate the illusion
Man geht einmal durch die ganze Wohnung, öffnet hier und da ein paar Fenster und schiebt dabei den Staub vor den Füßen her, der sich in der letzten Woche gesammelt und gesetzt hat. Der Rest klebt dann an den Knien, am Bauch und im Gesicht. Man schüttelt den Kopf über das Wetter beim Blick in den Hof und denkt daran, was diese Geste in einem anderen Haus in einer anderen Stadt noch einen Tag zuvor alles versprach. Man sieht den schwarzen Koffer im Flur stehen, den Mantel achtlos daneben geworfen. Dann hängt man ihn auf, legt den Koffer auf´s Bett. Nach zehn Minuten macht man die erste Waschmaschine an und während diese gemütlich vor sich hin brummelt, so wie es draußen auch nur gemütlich vor sich hin zu brummeln scheint und die Sirenen ausbleiben, sitzt man in dem kleinen Haufen aus Papier, streicht mit dem Finger die Falten glatt, seufzt, setzt Kaffee auf und fragt sich, was wohl so passiert ist in einer Woche. Hier.
Im dunklen Ankommen sieht man nur, dass sie am Ostkreuz die eine Treppe fertig haben. Und dass die Müllabfuhr hier noch kommt. Und dass der Verlag seinen Vertrieb nun wieder im Griff hat. Man kann am Hängewinkel der Pflanzenblätter abschätzen, wie lange man weg war und meint, mit dem Plätschern des Wassers in den Blumentopfunterteller auch gleich einen aufatmenden Laut zu hören. Und zwischen den vielen kleinen Zetteln liegt auch eine To-Do-Liste aus der unruhigen Langeweile am Flughafen, die man zwischen den Städten hat. Geschrieben als Verortung im Nachher. Jetzt aber schiebt man die Liste noch einmal ganz nach unten in den Stapel und macht Kaffee, dessen Duft sich langsam in der leeren Wohnung verteilt. Ankommen braucht Zeit.
Liz hat es verfasst, und zwar am 4. März 2008 um genau 9:21 Uhr.
Kategorie : Berlin, Moi
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