Was auf die Ohren

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Irgendwann hat das alles mit den Müttern und Väter angefangen, die sich noch nicht zu schade waren, ihren Kindern vorzulesen. Mit jenen, die sich mit ins Bett oder wenigstens daneben krümmten, hockten oder legten und dann mit vollstem Einsatz und wahrhaftigem Stimmelan die Geschichten aus den Büchern vortrugen, als ginge es um alles. Ein bisschen tat es das ja. Das Kind war müde, es sollte schlafen, also versucht man alles, um es von dem Gedanken abzubringen, sich antagonistisch zum Bett zu verhalten. Von mir kann ich sagen, dass es selten besseres gab als Traumzauberbaumlieder zu singen und mich mit Mama durch die vielen Geschichten zu graben, die die Bücher so für uns bereithielten. Oft kam es vor, dass ihre Augen vor meinen müde wurden, aber das machte nichts. Ich entwickelte so meine Techniken (und die funktionieren bis heute).

Erst nach und nach brachte ich dann aus der Stadtbibliothek nicht mehr nur Bücher sondern auch mal Kassetten mit. Und nach ein paar zögerlichen Versuchen war ich der Hörspielkassette bald verfallen. Das war ein bisschen wie Daumenlutschen, total beruhigend und man konnte prima dabei einschlafen. Das mit dem Daumenlutschen gewöhnte man sich irgendwann ab, das mit dem Vorlesen auch. Die Hörspiele blieben. Schaue ich mich jetzt in den nächtlichen Zimmern meiner Freunde um, blinkt bei mindestens jedem zweiten ein kleines Lämpchen. Geht man näher heran, hört man dazu noch mindestens eine Stimme, die in schön betontem Singsang eine Geschichte erzählt.

Lauschen wir jetzt abends zum Einschlafen Hörspielen, weil wir die Tür nicht mehr auflassen, den Daumen nicht mehr in den Mund stecken, das Steckdosenlämpchen (weil total uncool) nicht mehr einstöpseln und das beleuchtete Mobilé nicht mehr anknipsen dürfen? Können wir im Dunkeln immer noch nicht allein sein und setzen nun umso mehr auf Peter Shaw? Und kann man eigentlich mit jemandem eine Beziehung führen, der das total abscheulich findet, wenn wir -statt an ihm rumzuknutschen- lieber wissen wollen, ob das jetzt die eigentlich verstorbenen Eltern von Justus Jonas sind oder nicht? Wieso hört man die Dinger eigentlich sonst nie sondern nur im Bett? Und wann hört das eigentlich auf?

Liz hat es verfasst, und zwar am 27. Oktober 2006 um genau 20:50 Uhr.
Kategorie : Wir

1 Kommentar Kommentar hinzufügen

  • 1. charon  |  5. November 2006 um 23:05

    “Und wann hört das eigentlich auf?”
    Hoffentlich nie ;o)

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