Von Mut und den anderen
Wenn man sich nicht mehr traut sich umzudrehen, dann geht man immer weiter weg. Oder wenn einem der Stolz im Nacken sitzt. Und irgendwann sind dann die Schritte leise und die Worte sind auch kein Echo mehr. Manche suchen sich dann einen Baum und ritzen Worte hinein, andere springen von Hochhäusern. Hier und da gibt es ein paar, die überwinden das. Die sehen sich an und wissen noch, wer sie sind, wenn sie sich gegenüber stehen. Die nehmen sich auch irgendwann wieder für voll. Andere kriegen das nicht hin. Die bleiben dann da, wo sie sind und fangen ein neues Leben an, ohne das alte beendet zu haben. Und ohne Auf Wiedersehen. Die knicken sich die Rückspiegel am Auto ab und hoffen auf das Glück, die drehen das Radio laut auf, damit sie sich selbst nicht hören müssen und halten nie an, machen nie Pause. Autobahnen enden in den seltensten Fällen einfach so. Und die, die es schaffen, die ziehen sich Hausschuhe an, damit es nicht so klackert auf dem Boden. Damit der andere schlafen kann. Und wenn sie sich dann dazulegen, dann schauen sie noch mal. Es stimmt nämlich nicht, dass man im Dunkeln nichts sieht. Wenn man nicht mehr Gute Nacht sagt, geht man immer weiter weg.
Manchmal stehen die einen vor ihrem Fenster zum Hof und sehen, wie die anderen gerade das Licht ausmachen. Und die Äste der Kastanie machen Falten in die Scheibe. Es stimmt einfach nicht, dass man nichts sieht, wenn es dunkel ist.
Liz hat es verfasst, und zwar am 17. Januar 2006 um genau 0:55 Uhr.
Kategorie : Wir
Kommentar hinterlassen
Trackback | RSS Feed | Abmelden